Ales Bjaljazki

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Ales Bjaljazki (2015)

Ales Bjaljazki (belarussisch Алесь Бяляцкі, englisch Aliaksandr Bialiatski, russisch Алесь Беляцкий; * 25. September 1962 in Wjartsilja, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein belarussischer Dissident und Menschenrechtler, der die Menschenrechtsorganisation Wjasna gründete und leitet. Im Jahr 2022 wurde ihm der Friedensnobelpreis zuerkannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ales Bjaljazki zwei Jahre alt war, zog die Familie von Russland nach Belarus. Bjaljazki wurde an der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus in Literaturwissenschaft promoviert.

1988 organisierte er mit anderen zusammen öffentliche Aktionen zum Gedenken an die Opfer des Stalinismus. Es folgten mehrere Festnahmen und Geldbußen. Bjaljazki war Mitbegründer der Belarussischen Volksfront Adraschenje (Wiedergeburt), die sich ab 1991 für die Demokratisierung einsetzt.

1990 war er einer der Organisatoren der Gesellschaft „Weißrussische Katholische Gemeinde“.[1]

1996 gründete er ungeachtet der Gefahr und Diskriminierungen die Menschenrechtsorganisation Wjasna (auch Wesna), die politische Gefangene und ihre Familien unterstützt. Hierfür wurde er mit dem Homo-Homini-Preis 2005[2] und 2006 mit dem Per-Anger-Preis[3] geehrt.

Am 4. August 2011 wurde Bjaljazki festgenommen[4] und dreieinhalb Monate später, am 24. November 2011, wegen Steuerhinterziehung zu viereinhalb Jahren Straflager verurteilt. Die Europäische Union und die USA kritisierten das Verfahren als „politische Inszenierung“.[5] Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die Freilassung von Bjaljazki.[6]

Von der slowakischen Ministerpräsidentin Iveta Radičová wurde er zu Beginn 2012 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.[7]

Am 21. Juni 2014 wurde Bjaljazki überraschend vorzeitig aus der Haft entlassen.[8]

Während der Proteste in Belarus 2020 wurde er Mitglied im Koordinierungsrat der einstigen Präsidentschaftskandidatin Swjatlana Zichanouskaja.[9] 2020 erhielt er den Right Livelihood Award.[10]

Bjaljazki wurde am 14. Juli 2021 festgenommen.[11] Am 15. Juli wurde er in einer gemeinsamen Erklärung von neun Organisationen (Wjasna, der Belarussische Journalistenverband, das Belarussische Helsinki-Komitee u. a.) als politischer Gefangener anerkannt.[11][12] Er wurde erneut am 6. Oktober 2021 wegen angeblicher Steuerhinterziehung in Belarus angeklagt.[13]

Am 7. Oktober 2022 gab das Nobel-Komitee in Oslo bekannt, dass Bjaljazki zusammen mit der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial und der ukrainischen Organisation Center for Civil Liberties den Friedensnobelpreis erhält.[14]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ales Bialiatski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artjom Tkatschuk (Арцём Ткачук): Er belebte wieder und belarusifizierte die römisch-katholische Kirche, bereitete polnische Priester auf die Arbeit in Belarus vor. Ales Bjaljazki und sein katholischer Aktivismus in den 90er-Jahren. In: churchby.info. 13. Oktober 2022, abgerufen am 13. Oktober 2022.
  2. Homo Homini Award. In: peopleinneed.net. 19. März 2020, abgerufen am 14. Oktober 2022 (englisch).
  3. 2006: Aljaksandr (Ales) Bialiatski. In: levandehistoria.se. Abgerufen am 14. Oktober 2022 (englisch).
  4. Gregory Feifer: Poland Apologizes For Information Leak On Belarusian Activist. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 12. August 2011, abgerufen am 14. Oktober 2022 (englisch).
  5. Regime steckt Menschenrechtler vier Jahre ins Straflager. In: derStandard.at. 24. November 2011, abgerufen am 14. Oktober 2022.
    Dissident verurteilt: Warschau lieferte Minsk Bankdaten. In: derStandard.at. 25. November 2011, abgerufen am 14. Oktober 2022.
  6. „Ich wurde von einer Lawine von Briefen überrascht“. In: amnesty.de. 6. Februar 2013, abgerufen am 14. Oktober 2022.
  7. Nobelpreis: Radičová schlägt Bialacki vor. In: Radio Slovakia International. 8. Februar 2012, archiviert vom Original am 11. September 2012; abgerufen am 14. Oktober 2022.
  8. Menschenrechtler Beljazki wieder in Freiheit. In: nzz.ch. 21. Juni 2014, abgerufen am 14. Oktober 2022.
  9. Состав Совета: Члены Совета. In: rada.vision. Archiviert vom Original am 19. August 2020; abgerufen am 14. Oktober 2022 (russisch).
  10. Amnesty Journal, Heft 01 (2021), S. 22.
  11. a b Беларусь: Руководителей Правозащитного центра “Весна” держат в СИЗО. Потребуйте от властей освободить их! In: amnesty.org. 22. Juli 2021, abgerufen am 14. Oktober 2022 (russisch).
  12. Затрыманых праваабаронцаў і актывістаў прызналі палівязнямі. In: Eurapejskaje Radyjo dlja Belarussi. 15. Juli 2021, archiviert vom Original am 15. Juli 2021; abgerufen am 28. Juli 2021 (belarussisch).
  13. Anastasiia Kruope: Belarus Authorities ‘Purge’ Human Rights Defenders. In: hrw.org. 7. Oktober 2021, abgerufen am 7. Oktober 2022 (englisch).
  14. Friedensnobelpreis geht an belarussischen Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki. In: sueddeutsche.de. 7. Oktober 2022, abgerufen am 7. Oktober 2022.
  15. Sofie Donges: Right Livelihood Awards: Vier Auszeichnungen für eine bessere Welt. In: tagesschau.de. 29. September 2022, abgerufen am 13. Oktober 2022.
    Sofie Donges: Right Livelihood Awards: Vier Auszeichnungen für eine bessere Welt. (mp3-Audio; 2,6 MB; 2:47 Minuten) In: Tagesschau. 29. September 2022, abgerufen am 13. Oktober 2022.
  16. The democratic opposition in Belarus – 2020, Belarus. Europäisches Parlament, abgerufen am 22. Oktober 2020 (englisch).