Alevitische Gemeinde Deutschland

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Alevitische Gemeinde Deutschland
(AABF)
Zweck: Vertretungsanspruch für Aleviten in Deutschland, Föderaler Bundesverband
Vorsitz: Hüseyin Mat (Bundesvorsitzender), Ufuk Cakir (Generalsekretär), Müslüm Kaya (Vorsitz Geistlicher Rat)
Gründungsdatum: 1989
Mitgliederzahl: ca. 500.000 Mitglieder[1] in 160 Ortsgemeinden[2]
Sitz: Stolberger Straße 317, 50933 Köln
Website: www.alevi.com
AABF-Demonstration zum 1. Mai 2011 in Klagesmarkt, Hannover

Die Alevitische Gemeinde Deutschland (türkisch: Almanya Alevi Birlikleri Federasyonu, Abk.: AABF) ist die Dachorganisation der in Deutschland lebenden Alevitinnen und Aleviten. Sie vertritt die Interessen der deutschlandweit 160 Mitgliedsgemeinden.

Für die in Deutschland lebenden, mehrheitlich aus Anatolien stammenden Alevitinnen und Aleviten, hat die AABF somit einen Alleinvertretungsanspruch. Sie ist eine der größten von Menschen mit Migrationshintergrund gegründeten Organisationen in der Bundesrepublik und zählt mit ihren ca. 700.000 Angehörigen zu den großen Religionsgemeinschaften in Deutschland.

Der Bundesvorsitzende ist Hüseyin Mat.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland erhielt nach Anhörung des Hauptausschusses im Landtag am 10. Dezember 2020 in Nordrhein-Westfalen erstmals den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Geschichte und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transparent der AABF im Gedenken an die Opfer des Sivas-Massakers

Der Verband wurde 1989 gegründet und gab sich am 31. März 1998 ein neues Programm. Die Alevitische Gemeinde Deutschland, Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Köln, ist in Landesvertretungen und Gemeinden auf Stadt- und Gemeindeebene organisiert.

Die dem Dachverband angeschlossenen Ortsgemeinden engagieren sich in vielfältiger Weise in den Städten und Kommunen: Zahlreiche Bildungs-, Beratungs-, Kultur-, Sport und religiöse Angebote gehören zum Regelangebot und verstehen sich auch immer als ein Angebot an alle Menschen in der Region, unabhängig von Herkunft und Religion. In enger Kooperation mit den kommunalen Regeleinrichtungen und getreu dem Leitbild Gemeinsam für Vielfalt leben und praktizieren die alevitischen Gemeinden ein gesellschaftliches Miteinander.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft nach Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes und vertritt als berufenes Mitglied der Deutschen Islam Konferenz sowie des Integrationsgipfels der Bundesregierung die Interessen ihrer Verbandsmitglieder.

Im Unterschied zu vielen anderen Organisationen ist die Alevitische Gemeinde Deutschland ein deutsches Phänomen, die keine Vorläuferstrukturen in der Türkei hat. Zu den wichtigsten Errungenschaften der Alevitischen Gemeinde Deutschland gehören die Renaissance des alevitischen Glaubens und die Etablierung der alevitischen Lehre und Forschung an deutschen Universitäten sowie die Einführung des alevitischen Religionsunterrichts in mittlerweile 8 Bundesländern. Die Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentlichen Rechts sind die bedeutendsten Ziele auf der politischen Agenda des Verbands.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland ist Mitglied der Alevitischen Union Europa (Avrupa Alevi Birlikleri Konfederasyonu; Abk. AABK).

Im Jahr 2012 schloss sich die Alevitische Gemeinde Deutschland dem Aktionsbündnis Umfairteilen an.[3] Im August 2013 würdigte Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin das Engagement der Alevitischen Gemeinde.[4]

Die AABF stellt berufene Vertreter bei der Deutschen Islamkonferenz und dem Integrationsgipfel der Bundesregierung.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Zielen gehören die Wiederbelebung des Alevitentums, die Integration und Partizipation ihrer Mitglieder in der deutschen Gesellschaft und die Erteilung eines eigenen Religionsunterrichts.

Zu den wichtigsten Errungenschaften der Alevitischen Gemeinde Deutschland gehören die Renaissance des alevitischen Glaubens und die Etablierung der alevitischen Lehre und Forschung an deutschen Universitäten sowie die Einführung des alevitischen Religionsunterrichts. Die erste Zulassung des alevitischen Religionsunterrichts erfolgte im Schuljahr 2006/2007 in Baden-Württemberg, mittlerweile gibt es ihn in insgesamt neun Bundesländern.[5] Die bundesweite Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentlichen Rechts sind die bedeutendsten Ziele auf der politischen Agenda des Verbands.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alevilerin Sesi („Stimme der Aleviten“) ist eine monatlich erscheinende Zeitschrift der AABF. Neben türkischen Texten werden auch deutsche und französische Beiträge veröffentlicht. Die Artikel handeln vom Alevitentum, der innenpolitischen Situation in der Türkei sowie in Deutschland und von alevitischen Vereinstätigkeiten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handan Aksünger: Jenseits des Schweigegebots. Alevitische Migrantenselbstorganisationen und zivilgesellschaftliche Integration in Deutschland und den Niederlanden. 1. Auflage. Waxmann Verlag, Münster 2013, ISBN 978-3-8309-7883-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Krisztina Kehl-Bodrogi: Von der Kultur zur Religion. Alevitische Identitätspolitik in Deutschland. In: Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.): Max Planck Institute for Social Anthropology Working Papers (= Working Paper. Nr. 84). 2006, ISSN 1615-4568 (eth.mpg.de [PDF; 296 kB; abgerufen am 21. August 2016]).
  • Friedmann Eißler (Hrsg.): Aleviten in Deutschland. Grundlagen, Veränderungsprozesse, Perspektiven, EZW-Texte 211, 3., überarbeitete Auflage, Berlin 2017 (ezw-berlin.de; abgerufen am 8. Februar 2020).
  • Timo Güzelmansur: Gott und Welt in der Lehre der anatolischen Aleviten (CIBEDO-Schriftenreihe Band 2), 2. Auflage, Regensburg 2017 (ISBN 978-3-7917-2468-3).
  • Martin Sökefeld: Aleviten in Deutschland. Identitätsprozesse einer Religionsgemeinschaft in der Diaspora. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-0822-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Ursula Spuler-Stegemann: Ist die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. eine Religionsgemeinschaft? Religionswissenschaftliches Gutachten. Hrsg.: Universität Marburg. Marburg 2003 (InfoRel.ch [PDF; 498 kB; abgerufen am 21. August 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alevitische Gemeinde Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. REMID (2013)
  2. Bonner Institut für Migrationsforschung: Alevitischer Abend mit vielen Erkenntnissen, 5. Februar 2014
  3. umfairteilen.de: Der Trägerkreis des Bündnisses (Memento vom 26. Dezember 2012 im Internet Archive), abgerufen am 1. Januar 2014
  4. alevi.com: Bundesvorstand zu Gast beim Bürgerfest von Joachim Gauck
  5. alevi.com: Alevitischer Religionsunterricht: Allgemeines

Koordinaten: 50° 56′ 30,6″ N, 6° 53′ 30,6″ O