Alexander Lwowitsch Dymschitz

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Dymschitz bei einer Ansprache 1948

Alexander Lwowitsch Dymschitz (russisch Александр Львович Дымшиц; * 12. Juli 1910 bei Reval; † 6. Januar 1975 in Moskau)[1] war ein sowjetischer Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Hochschullehrer. Nach 1945 war er für einige Jahre als Kulturoffizier in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands tätig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dymschitz stammte aus einem wohlhabendem Elternhaus, das enge Verbindungen zu Deutschland hielt (unter anderem war Deutsch seine zweite Muttersprache)[2]. Er studierte zunächst in Leningrad Kunstgeschichte und arbeitete dort ab 1930 am Institut für russische Literatur. 1936 promovierte er mit einer Arbeit zur Poesie der bolschewistischen Presse zwischen 1890 und 1917.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1934 war Dymschitz Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbandes. Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt in der Abteilung Literaturkritik der Zeitschrift Swesda. Daneben schrieb er an seiner Habilitationsschrift über Wladimir Majakowski. Deren Begutachtung zog sich bis 1943 hin, wurde aber schließlich abgelehnt.

Armeezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dymschitz und Sergej Tjulpanow im Mai 1946

Ab 1941 war Dymschitz als Politischer Offizier in der Armeezeitung Snamaja pobedij tätig, und hielt vor Soldaten Vorträge über den Zustand der deutschen Armee in Russland. Nebenbei veröffentlichte er zu seinen Fronterlebnissen kurze Berichte und literarische Skizzen. Er war auch für die Propagandatexte zuständig, die per Lautsprecherwagen einmal wöchentlich über die Frontlinie hinweg für die deutschen Soldaten ausgestrahlt wurden.

Im Mai 1945 wurde Dymschitz als Presseoffizier nach Deutschland geschickt. Nach einer Zwischenstation in Potsdam arbeitete er in der Kulturredaktion der Täglichen Rundschau. Ab November 1945 wirkte er in der Kulturabteilung der SMAD. Er betreute dabei die Wiederinstandsetzung und Wiedereröffnung von Theatern, Zusammenstellung von Spielplänen, Engagement von Schauspielern und vieles mehr. Auch an der Gründung der DEFA war er wesentlich beteiligt. Während er sich einerseits für die Aufführung umstrittener Stücke einsetzte, veröffentlichte er gleichzeitig auf Parteilinie liegende Artikel in der Täglichen Rundschau zu neuen Kunstentwicklungen. 1949 wurde Dymschitz nach parteiinternen Anschuldigungen von seinem Posten abberufen.

Hochschullaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dymschitz kehrte im März 1949 nach Leningrad zurück, nahm seine Hochschullaufbahn wieder auf und wurde später Leiter des Instituts für Theater, Film und Musik.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wandlungen und Verwandlungen des Antikommunismus - Essays zu Literatur und Ästhetik, Berlin 1977
  • Zven'ja pamjati - portrety i zarisovki, Moskva, Sov. Pisatel', 1975
  • Niščeta sovetologii i revizionizma, Moskva, Chudožestvennaja literatury 1975
  • Reichtum und Wagnis der Kunst - Aufsätze über Kunst und Literatur, Berlin 1974
  • K. Marks i F., Engel's i nemeckaja literatura, Moskva: Chudožestvennaja Literatura, 1973
  • Neoavangardistskie rečenija v zarubežnoj literature 1950-60g.g., Moskva: Chudož. Lit. 1972
  • Problemy i portrety, Moskva, Sovremennik 1972
  • Ideologičeskaja bor'ba v literature i estetike - sbornik statej, Moskva: Izdat."Chud.Lit.", 1972
  • Ein unvergeßlicher Frühling - Literarische Porträts und Erinnerungen, Berlin: Dietz 1970
  • Der Bildhauer Hans Kies, Leipzig: Seemann 1970
  • K. Marks i aktual'nye voprosy ėstetiki i literaturovedenija, Moskva: Izdat. Nauka 1969
  • Marks, Engel's i Gejne - Vozvraščenie k teme, [s.l.]: [s.n.], 1968
  • Zven'ja pamjati: portrety i zarisovki, Moskva: Sovet. Pisatel' 1968
  • V velikom pochode - sbornik statej, Moskva: Sovetskij pisatelʹ 1962
  • Die ästhetische Anschauungen Georg Büchners, [s.l.]: [s.n.], 1961
  • Dve Nedeli v GDR, [s.l.]: [s.n.], 1959
  • Revoljucionnaja poėzija 1890-1917, Leningrad: Sov. pisatel', 1959
  • Literatura i narod - Sbornik statej, Leningrad: Lenizdat 1958
  • Marx und Engels im Kampf um den Realismus, [s.l.]: [s.n.], 1958
  • Revoljucionnaja poėzija 1890-1917, 2. izd. - Leningrad: Sovetslij pisatel', 1954
  • Puškin v vospominanijach sovremennikov, [Moskva]: Gosudarstvennoe izdat. chudožestvennoj literatury 1950

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Ziermann, unter Mitarbeit von Helmut Baierl (Hg.): Alexander Dymschitz. Wissenschaftler, Soldat, Internationalist. Henschelverlag, Berlin 1977.
  • Anne Hartmann, Wolfram Eggeling: Sowjetische Präsenz im kulturellen Leben der SBZ und der frühen DDR 1945–1953. Akademie-Verlag, Berlin 1998. Darin das Kapitel 5.2.4: Kulturoffiziere, zu Alexander Dymschitz S. 167–173.
  • Kurzbiografie zu: Dymschitz, Alexander Lwowitsch. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexander Dymschitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht des American Jewish Comitee Archive 1976, S. 382 (PDF; 359 kB)
  2. http://www.kinozapiski.ru/ru/article/sendvalues/273/