Alexander I. (Bulgarien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Alexander I.

Alexander I. (* 5. April 1857 in Verona; † 17. November 1893 in Graz), geboren als Prinz Alexander Josef von Battenberg, war von 1879 bis 1886 gewählter Knjaz (Fürst) von Bulgarien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde Alexander Joseph von Battenberg als zweiter Sohn des Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein (a.d. Hause Darmstadt) und der Gräfin Julia Hauke, einer ehemaligen Hofdame seiner Tante, der russischen Zarin Maria Alexandrowna. Die Ehe seiner Eltern war morganatisch. Seine Mutter erhielt deshalb von ihrem Schwager, Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt, den Titel einer Gräfin, später den einer Prinzessin von Battenberg. Alexander führte darum bis 1889 wie seine Brüder den Titel eines Prinzen von Battenberg. Als Jugendlicher war er Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt und der Schnepfenthaler Erziehungsanstalt. 1873–75 absolvierte er die Kadettenanstalt Dresden. In der Folge trat er als Leutnant in das Großherzoglich Hessische Dragonerregiment Nr. 24 ein. Alexander nahm 1877–78 als Beobachter im Hauptquartier des Großfürsten Nikolaus am Russisch-Osmanischen Krieg in Bulgarien teil. Als Auszeichnung wurde er 1878 nach Berlin in die Gardes du Corps versetzt.

Fürst von Bulgarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ein Ergebnis des Berliner Kongresses entstand das autonome Fürstentum Bulgarien im Rahmen des Osmanischen Reiches. Die Teilnahme Alexanders am Feldzug gegen die Türken und seine nahe Verwandtschaft mit dem Zaren Alexander II. von Russland, dessen Neffe er war, prädestinierten ihn zum Oberhaupt des neuen Fürstentums. Alexander wurde am 29. April 1879 von der bulgarischen Nationalversammlung einstimmig zum Fürsten gewählt. Er hielt am 8. Juli in Tarnowo seinen Einzug und leistete den Eid auf die neue Verfassung des Fürstentums, schlug aber seine Residenz in Sofia auf.

Da die von radikalen russophilen Agitatoren beherrschte Deputiertenkammer seinen Bestrebungen für das Volkswohl und die Unabhängigkeit Hindernisse in den Weg legte und seine, durch die Verfassung schon sehr eingeschränkte, Macht zu einem Schatten herabdrückte, erklärte er durch eine Proklamation vom 9. Mai 1881, die Krone niederlegen zu müssen, wenn ihm nicht außerordentliche Regierungsvollmachten zugestanden würden. Dadurch eingeschüchtert setzte die Große Volksversammlung am 13. Juli in Swischtow die Verfassung außer Kraft und übertrug Alexander alle gewünschten Vollmachten für sieben Jahre.

Telegramm zur Verkündigung der Vereinigung Bulgariens
Manifest zur Verteidigung des Landes
Graf und Gräfin Hartenau mit ihrem Sohn Krum Assen, etwa 1891

Sein Regime der Vollmachten scheiterte jedoch auf Grund des Widerstandes der Russophilen und der in der Regierung und Armee eingesetzten Russen. Am 16. September 1883 sah er sich gezwungen, die Verfassung wieder in Kraft zu setzen, konnte jedoch eine Regierung aus den beiden im Land vorhandenen, zerstrittenen Parteien bilden, die ihn nun stützten. Verärgert stellte Russland, welche einen Staatsstreich gegen ihn zu unternehmen versuchen, die Zusammenarbeit weitgehend ein.

Je nach außenpolitischer Situation widersetzte er sich Plänen, oder eben auch nicht, die auf die Befreiung weiterer Landesteile zielten, die noch unter der Herrschaft des türkischen Sultans standen (Makedonien und Ostrumelien), und die einen Zusammenschluss aller bulgarischen Gebiete anstrebten, wie sie eine nach dem Vorbild der Inneren Revolutionären Organisation aufgebaute Organisation vertrat, das Bulgarische Geheime Zentrale Revolutionäre Komitee, kurz BGZRK (bulg. „Български таен централен революционен комитет“). Obwohl er sich im Juli und August 1885 auf diplomatischem Wege die Billigung Großbritanniens und Österreich-Ungarns sicherte, konnte er sich gegen die negative Haltung des russischen Hofes gegenüber einer Vereinigung nicht durchsetzen. Als jedoch diese unumkehrbar war, sah er eine Möglichkeit, sein Ansehen unter der bulgarischen Bevölkerung wieder zu stärken, und setzte sich an die Spitze der Bewegung.

Bulgarische Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigung Ostrumeliens mit dem Fürstentum Bulgarien wurde am 6. September 1885 ausgerufen. Sie war eines der größten Ereignisse der Geschichte des jungen Staates wie auch im Leben des jungen Fürsten. In diesem Zusammenhang soll er gesagt haben: „Ich riskiere meinen Thron und mein Leben, doch was soll ich machen? Ich liebe Bulgarien!“ Nach der Nachricht von der Vereinigung richtete Fürst Alexander am 8. September ein Manifest an das bulgarische Volk, in dem er offiziell den Akt anerkannte und die Nation aufrief, die gerechte Sache zu verteidigen. Am nächsten Tag fuhr er in die ehemalige Hauptstadt Ostrumeliens, Plowdiw, wo er von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde.

Angesichts der drohenden Bulgarischen Krise verschickte Alexander persönliche Schreiben an den österreichischen Kaiser, den russischen Zaren, den türkischen Sultan und an Großbritannien mit dem Ersuchen, die Vereinigung anzuerkennen. Weiter trat er in direkte diplomatische Verhandlungen ein, um die Unzufriedenheit des serbischen Fürsten Milan zu lindern. Am 2. November jedoch erfolgte die offizielle Kriegserklärung Serbiens. Während noch am selben Tag die ersten serbischen Einheiten die Grenze passierten, rief Alexander per Manifest die bulgarische Bevölkerung dazu auf, „das Land gegen die Aggressoren zu verteidigen“, da die bulgarische Armee an die bulgarisch-türkische Grenze verlegt worden war, weil man von dort einen Angriff erwartete.

Nach dem Frieden von Bukarest vom 3. März 1886 weigerte sich der russische Zar Alexander III, aus rein persönlicher Abneigung, seinen Cousin Fürst Alexander I. als Herrscher des vergrößerten Bulgariens anzuerkennen. Das Osmanische Reich hingegen erkannte im Tophane-Vertrag die Vereinigung und die Hoheit des bulgarischen Zaren über Ostrumelien an. Sultan Abdülhamid II. ernannte den bulgarischen Fürsten offiziell zum Generalgouverneur von Ostrumelien.

Putsch und Thronverzicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1886 versuchten prorussische Kräfte in der Hafenstadt Burgas, Alexander, der die Stadt im Vorfeld der ersten gesamtbulgarischen Parlamentswahlen besuchen wollte, zu überfallen und nach Russland zu entführen. Die Verschwörung wurde jedoch aufgedeckt und die Beteiligten wurden festgenommen.[1] Am 9. August putschte auf russisches Betreiben eine Gruppe prorussischer Offiziere gegen Alexander I. und zwang ihn zur Abdankung. Daraufhin wurde er mit seinem Bruder Franz Joseph von Battenberg nach Lom gebracht und über die Donau mit der Yacht Aleksandar I. außer Landes nach Russland verschleppt. Im russischen Reni ging die Eskorte ans Land und übergab den Fürsten an dem russischen Kommandanten der Stadt. Die Anweisungen aus Moskau verfügten, das Aleksander I. sofort das Land zu verlassen habe, worauf er mit dem Zug ins österreichische Lemberg gebracht wurde, wo er am 15. Augustjul./ 27. August 1886greg. ankam. Dort angekommen, traf am nächsten Tag früh morgens sein Bruder Ludwig von Battenberg zur moralischen Unterstützung ein.[2]

In der Zwischenzeit konnte vom bulgarischen Parlamentspräsidenten Stefan Stambolow mit Hilfe des Militärs einen Gegenputsch organisiert und das Land abgesichert werden. Stambolow telegraphierte an Alexander bereits als er noch in Reni war, die Telegramme wurden aber von der Eskorte nicht weitergegeben. Im Lemberg erreichten die Telegramme Alexander der sich daraufhin noch am 16. Augustjul./ 28. August 1886greg. über Bukarest auf dem Weg nach Bulgarien machte. Bereits am Bahnhof in Bukarest wurde Alexander von jubelnden Exil-Bulgaren, rumänische Regierungsvertreter und vom britischen Gesandten empfangen. Am 17. Augustjul./ 29. August 1886greg. überquerte der Fürst die Donau bei Rousse, wo er von einer riesigen, jubelnden Menschenmasse begrüßt wurde und kehrte damit nach Bulgarien zurück.[2]

Am 7. September 1886 verzichtete er dann aber endgültig auf die Herrschaft, da er glaubte gegen die persönliche Feindschaft des russischen Zaren Alexander III., wie auch der russophil-panslawischen Kräfte im Land, dieses nicht regieren zu können. Zu seinem Nachfolger wurde nach langen innenpolitischen Wirren Ferdinand I. von Sachsen-Coburg gewählt.

Beisetzungszeremonie am Mausoleum

Heirat und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juli 1883 verlobte sich Alexander insgeheim mit Prinzessin Viktoria von Preußen, genannt Moretta, Tochter des späteren Kaisers Friedrich III. und dessen Gattin Victoria von Großbritannien. Aber deren Großvater, Kaiser Wilhelm I., und Fürst Bismarck waren aus politischen Erwägungen gegen das Verlöbnis und verboten eine Heirat. Jahrelang kämpfte Viktoria vergeblich gegen das Verbot an, aber insbesondere Bismarck stellte sich entschieden dagegen. 1888 wurde die Verlobung aus Gründen der Staatsräson dann endgültig gelöst.

Am 6. Februar 1889 heiratete er in Castellar bei Menton / Frankreich die Opernsängerin Johanna Loisinger (1865–1951). Schon zuvor, am 11. Januar, hatte Alexander von seinem Cousin Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt die Genehmigung zur Führung des Namens Graf von Hartenau erhalten, den nach der Heirat auch seine Gemahlin erhielt. Sich aus der Öffentlichkeit zurückziehend, gelang es Alexander nach mehren Versuchen eine Anstellung in die k.u.k. Armee als Oberst, zuletzt Generalmajor, in Graz zu erhalten. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:

Tod und Begräbnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Hartenau, der einstige Fürst von Bulgarien, starb unerwartet am 17. November 1893 in Graz. Sein Leichnam wurde nach Sofia überführt und erhielt am 26. November ein Staatsbegräbnis, unter Führung von Fürst Ferdinand I. Nach einem Gottesdienst in der Kathedrale Sweta Nedelja wurde Alexander vorerst in der Rotunde des Heiligen Georg beigesetzt.[3]

Alexanders Mausoleum in Sofia

Am 15. Januar 1898 wurde Alexander in das für ihn errichtete Battenberg-Mausoleum am heutigen Wassil-Lewski-Boulevard umgebettet, woran nun auch Johanna Gräfin von Hartenau und ihre Kinder teilnahmen. Der Schweizer Architekt Hermann Mayer hatte das 11 m hohe Mausoleum auf 80 m² im überwiegend neobarocken Stil entworfen. Die Innengestaltung stammt vom bulgarischen Maler Haralampi Tachew.

Von 1947 bis 1991 war das Mausoleum nicht zugänglich. Erst nach dem Ende der Volksrepublik Bulgarien wurde es wieder restauriert und neu eröffnet. Heute werden neben einem Kenotaph auch private Dinge und Dokumente Alexanders ausgestellt, die seine Witwe 1937 zur Verfügung gestellt hatte.[4] Johanna Loisinger wurde in Graz auf dem Friedhof St. Leonhard beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Böttcher: Prinz Alexander von Battenberg, 1857-1893, Im Strudel europäischer Politik und des Herzens. Gabriele Schäfer Verlag, Herne 2021, ISBN 978-3-944487-84-7.
  • Egon Caesar Conte Corti: Alexander von Battenberg, sein Kampf mit den Zaren und Bismarck: Nach dem ersten Fürsten von Bulgarien nachgelassenen Papieren und sonstigen ungedruckten Quellen. Seidel, Wien 1920, DNB 579298744.
  • Egon Cäsar Conte Corti: Alexander von Battenberg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 191 f. (Digitalisat).
  • Egon Cäsar Conte Corti: Leben und Liebe Alexanders von Battenberg. Graz-Salzburg-Wien 1950.
  • Wilhelm Diehl: Alexander von Battenberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 751–756.
  • Eckhart G. Franz (Hrsg.): Haus Hessen. Biografisches Lexikon. (= Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission N.F., Bd. 34) Hessische Historische Kommission, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-88443-411-6, Nr. HD 84, S. 364–365 (Eckhart G. Franz).
  • Alexander Fjodor Golowine: Fürst Alexander I. von Bulgarien (1879-1886). Wien 1896.
  • Alois Hajek: Bulgariens Befreiung und staatliche Entwicklung unter seinem ersten Fürsten. München-Berlin 1939.
  • Hans-Joachim Härtel, Roland Schönfeld: Bulgarien. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Regensburg, Friedrich Pustet Verlag, 1998, ISBN 3-7917-1540-2, S. 128–138.
  • Arthur v: Huhn Aus bulgarischer Sturmzeit. Eine authentische Darstellung des Handstreichs von Sofia und seine Folgen. Leipzig 1886.
  • Arthur v. Huhn: Der Kampf der Bulgaren um ihre Nationaleinheit. Leipzig 1886.
  • Hans Klaeber: Fürst Alexander I. von Bulgarien - Ein Lebensbild. Dresden 1904.
  • Adolf Koch: Fürst Alexander von Bulgarien. Darmstadt 1887.
  • Jirí Louda, Michael MacLagan: Lines of Succession: Heraldry of the Royal Families of Europe. Little, Brown and Company, London, 2. Auflage, 1999, Tafeln 109, 150.
  • Christo Lukov Matanov: Alexander von Battenberg, Fürst von Bulgarien, 150 Jahre seit seiner Geburt. Ausstellungsheft deutsch/bulgarisch 2007.[5]
  • Hugh Montgomery-Massingberd: Burke’s Royal Families of the World, Band 1: Europe & Latin America. Burke’s Peerage Ltd, London, 1977, ISBN 0850110238, S. 58.
  • Haralampi G. Oroschakoff: Die Battenberg-Affäre: Leben und Abenteuer des Gawril Oroschakoff oder Eine russisch-europäische Geschichte. Berlin-Verlag, Berlin 2007, ISBN 3-8270-0705-4.
  • Leslie Gilbert Pine: The New Extinct Peerage 1884–1971: Containing Extinct, Abeyant, Dormant and Suspended Peerages With Genealogies and Arms. Heraldry Today, London, 1972, ISBN 0900455233, S. 52.
  • Simeon Radew: Die Erbauer des modernen Bulgariens (aus dem bulg. "Строителите на съвременна България) Band 2: Der Gegenputsch, Verlag Захарий Стоянов, 2004, ISBN 978-954-739-0, S. 191–195
  • Alexander Prinz von Battenberg. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 14.
  • Hartenau, Alexander, Graf von. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 8, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1907, S. 836.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alexander I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Iwan Karajotow, Stojan Rajtschewski, Mitko Iwanow: Geschichte der Stadt Burgas. Aus dem Bulgarischen, История на Бургас. 2011, ISBN 978-954-92689-1-1, S. 180–187.
  2. a b Simeon Radrew: Die Erbauer des modernen Bulgariens. Band 2, S. 191–195
  3. Borislav Gurdew: Zum 110. Todestag von Fürst Battenberg. Abgerufen am 1. Januar 2018 (bulgarisch).
  4. Mausoleum Alexander I. Battenbarg. Archiviert vom Original am 13. März 2005; abgerufen am 22. Dezember 2020 (bulgarisch).
  5. Alexander von Battenberg. Österreichisches Staatsarchiv, Ausstellung 2008, abgerufen am 9. August 2016.