Alexander Kissler

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Alexander Kissler (2012)

Alexander Kissler (* 3. Dezember 1969 in Speyer) ist ein deutscher Literatur- und Medienwissenschaftler, Kulturjournalist, Moderator und Sachbuchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Kissler studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Medienwissenschaft in Gießen und Marburg. Dort wurde er 2002 mit einer Arbeit über den Schriftsteller und Lyriker Rudolf Borchardt promoviert. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zwischen 1986 und 2000 war er auch als Schauspielregisseur tätig, inszenierte u. a. mit einer eigenen Theatergruppe Don Karlos, Leonce und Lena, Torquato Tasso und Amphitryon. Am Deutschen Theater Göttingen führte er im April 2000 Regie bei Auf dem Weg zur Hochzeit von Armin Petras und John Berger.

Von 1999 bis 2001 war Kissler Mitarbeiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er vor allem auf der Medienseite publizierte. 2001 wurde er Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, 2010 dann beim Magazin Focus. Dort war er bis April 2012 im Debattenressort tätig. Er schreibt u. a. für die politischen Magazine Cicero und eigentümlich frei sowie für die Beilage Christ und Welt der Zeit. Regelmäßige Kolumnen hat oder hatte er im Vatican Magazin (Dr. Schlauberger antwortet), im Debattenmagazin The European (Kisslers Kontrastmittel)[1] und bei Focus Online (Kisslers Konter).[2]

Als Experte für Fragen der Medienrezeption und Medienethik hält und hielt er Vorträge, etwa bei den Augsburger Mediengesprächen 2010[3] und dem Medienforum NRW 2011.[4] Das vom Deutschlandfunk ausgestrahlte Neuhardenberger Gespräch zur Lage des deutschen Fernsehens erschien im Juli 2010 als Broschüre unter dem Titel Nebel in den Niederungen.

Kissler moderiert Diskussionen und Buchvorstellungen.[5] Etwa im Januar 2010 ein Podium mit den Verlegern Michael Krüger und Klaus Eck und dem Schriftsteller Joseph von Westphalen in München zur Zukunft des Buches. Im Mai 2011 moderierte er in Berlin ein Streitgespräch zwischen Alt-Bischof Wolfgang Huber und Matthias Matussek aus Anlass von dessen Neuerscheinung Das katholische Abenteuer.[6] In München moderierte er im Mai 2012 ein Forum zur Krise Europas mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, und dem Soziologen Armin Nassehi.

Mehrfach nahm er an TV-Diskussionsrunden teil, etwa am Nachtcafé des Südwestrundfunks (Schicksal Erbgut im März 2007, Ernstfall Humor im September 2011), den Wartburg-Gesprächen von ERF (Gesellschaft ohne Gott? im September 2011, Immer erreichbar? im Mai 2012) und an WeckUp von Sat.1 zum Thema Castingshows im Januar 2012.

Seit Januar 2013 leitet Kissler den Salon, das Kulturressort des Cicero.[7]

In seinem im März 2013 veröffentlichten Buch Papst im Widerspruch. Benedikt XVI. und seine Kirche 2005-2013 kennzeichnet Kissler den zurückgetretenen Papst als einen introvertierten „Mystiker aus Einsicht“ und radikalen Nonkonformisten.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2014 war Kissler einer der wenigen Verteidiger der breit kritisierten Dresdner Rede von Sibylle Lewitscharoff.[9]

Bezüglich der Berichterstattung über den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schrieb Kissler von einer „Hatz auf Tebartz“ und sah darin eine „konzertierte Aktion der innerkirchlichen und der antikirchlichen Kritiker, dies- und jenseits der Medien“.[10]

Als der damalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch anlässlich der Bundestagswahl 2013 die AfD kritisiert hatte, kommentierte Kissler das mit den Worten, das sei eine „Blutgrätsche gegen die bürgerliche Konkurrenz aus den Tiefen des Unbewussten“.[11]

Papst Franziskus sieht er als „korpulenten Charmeur“, der zunehmend als „machtbewusster, geschwätziger und am Katholischen relativ desinteressierter Relativierer“ erscheine und „sich schwertut mit einem Bekenntnis zur Heilsnotwendigkeit Christi“, weshalb er nach Kisslers Erwartung „eine spirituell ausgezehrte und verunsicherte Kirche“ hinterlassen werde.[12]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Wo bin ich denn behaust?“ Rudolf Borchardt und die Erfindung des Ichs. Wallstein-Verlag, Göttingen 2003, ISBN 3-89244-631-8 (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2002).
  • Der deutsche Papst. Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2005, ISBN 3-451-28867-2.
  • Der geklonte Mensch. Das Spiel mit Technik, Träumen und Geld. Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2006, ISBN 3-451-29261-0.
  • Schimpansenzeit. Kommt die Zukunft ohne Menschen aus? (= Herrenalber Forum. Bd. 48 = Beiträge zur Verleihung des Bad Herrenalber Akademiepreises. 2005). Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe 2006, ISBN 3-89674-549-2.
  • mit Carsten S. Leimbach: Alles über Patrick Süskinds Das Parfum. Der Film. Das Buch. Der Autor. Heyne, München 2006, ISBN 3-453-81089-9.
  • Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam. Pattloch Verlag, München 2008, ISBN 978-3-629-02188-5.
  • Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-06886-2.
  • als Herausgeber: Der Jahrhundertpapst. Seliger Johannes Paul II. Pattloch, München 2011, ISBN 978-3-629-02304-9.
  • Papst im Widerspruch. Benedikt XVI. und seine Kirche 2005–2013. Pattloch, München 2013, ISBN 978-3-629-02215-8.
  • Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-07098-8.

Redaktion und Vorwort:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kisslers Kontrastmittel, Kolumne The European
  2. Kisslers Konter
  3. Augsburger Mediengesprächen 2010. (Memento vom 20. September 2011 im Internet Archive)
  4. Medienforum NRW 2011. (Memento vom 6. Januar 2013 im Webarchiv archive.is)
  5. "Ein Netz und tausend Fischer. Vom Leben in den digitalen Welten. Video eines Vortrages in Heiligenkreuz, April 2012"
  6. Alexander Wallasch in Süddeutsche Zeitung
  7. Neuer Ressortleiter "Salon" Cicero
  8. Spiegel.de
  9. Dresdner Rede zur Biopolitik Lewitscharoff trifft den wunden Punkt Von Alexander Kissler 7. März 2014
  10. Liane Bednarz, Christoph Giesa: Gefährliche Bürger. Die Neue Rechte greift nach der Mitte. München, Hanser 2015, S. 129 f.
  11. Bednarz/Giesa, S. 169 f.
  12. Ein relativ katholischer Papst, Cicero vom 19. Mai 2016 (am gleichen Tage abgerufen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]