Alexander Michailowitsch Butlerow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Alexander Michailowitsch Butlerow
1951 Alexander Butlerov auf einer sowjetischen Briefmarke

Alexander Michailowitsch Butlerow (russisch Александр Михайлович Бутлеров, wiss. Transliteration Aleksandr Michajlovič Butlerov; * 25. Augustjul./ 6. September 1828greg. in Tschistopol; † 5. Augustjul./ 17. August 1886greg. in Biarritz – nach anderen Angaben in Butlerowka) war ein russischer Chemiker und Professor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Butlerow studierte von 1844 bis 1849 Chemie an der Universität Kasan. 1854 wurde er an der Universität Moskau promoviert. Ab 1857 war Butlerow wieder in Kasan als Professor für Chemie tätig. Von 1868 bis 1885 hatte er einen Lehrstuhl für Chemie an der Universität Sankt Petersburg inne. Butlerow sprach und schrieb ein sehr gutes Deutsch. Von Emil Erlenmeyer war ihm sogar das Angebot gemacht worden, die „Zeitschrift für Chemie“ in Russland aufzulegen. Er war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte.[1]

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Butlerow führte aufgrund von Untersuchungen an Isomeren die Begriffe Struktur und Strukturformel in die Chemie ein. Als Baustein der organischen Verbindungen ging er von einem vierwertigen Kohlenstoffatom aus und definierte die organische Chemie als „Chemie der Kohlenstoffverbindungen.“ Seine Forschungsarbeiten begründeten 1861 den Begriff der chemischen Struktur[2] und dienten dann der Festigung der Strukturtheorie, u. a. der Synthese von theoretisch möglichen Isomeren. So synthetisierte er 1863 tert-Butanol aus Acetylchlorid und Dimethylzink. Butlerow untersuchte als erster systematisch Polymerisationsreaktionen. Ausgehend von Kalkmilch und Formaldehyd synthetisierte er ein Gemisch von Zuckern.[3] Diese Zuckersynthese, die Formosereaktion, liefert ein Gemisch, das vor allem aus Pentosen und Hexosen besteht. Dies war die erste vollständige Synthese dieser höheren Kohlenhydrate (einschließlich der süßen Monosaccharide) aus einem einfachen Baustein in einem einzigen Arbeitsschritt. Die später von Conrad Peter Laar als „Tautomerie“ bezeichnete Erscheinung erkannte Butlerow als ein dynamisches Gleichgewicht zwischen zwei Isomeren. Er realisierte gewerbliche Anwendungen der Chemie und gründete Fabriken zur Herstellung von Seifen und Streichhölzern. Daneben setzte er sich für die Entwicklung der Landwirtschaft in Russland ein.[4]

Butlerow veröffentlichte eines der ersten Lehrbücher für Chemie in russischer Sprache. Sein 1864 veröffentlichtes Wwedenije k polnomu isutscheniu organitscheskoi chimii („Einführung in das Studium der organischen Chemie“) wurde zudem als erstes russisches Lehrbuch ins Deutsche übersetzt.[5]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Введение к полному изучению органической химии, Kasan 1864
  • Lehrbuch der organischen Chemie, 1868 [6]

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mondkrater Butlerov.

In Kasan wurde ihm ein Denkmal errichtet.[7] Die Kasaner Föderale Universität hat seit 1929 ein nach ihm benanntes Institut für Chemie,[8] und seit 1978 ein Butlerov-Denkmal am Eingang zu ihrem Garten.[9] 1951 erschien die rechts weiter oben gezeigte russische Briefmarke mit seinem Porträt. Der Mondkrater Butlerov auf der Mondrückseite wurde nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maks A. Bloch: A. M. Butlerow – Leben und Schaffen. Vogel, Leipzig 1929 (Aus: Archiv für Geschichte der Mathematik, der Naturwissenschaften und der Technik. 12, S. 122–145)
  • W. N. Dawydoff: Über die Entstehung der chemischen Strukturlehre. Unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten von A. M. Butlerow. Verlag Technik, Berlin 1957
  • J. Gillis: Een prioriteitsaanspraak van Butlerow tot stas gericht in 1862 en aanmerkingen van Kekulé. Paleis d. Acad., Bruxelles 1958 (Mededelingen van de Koninklijke Vlaamse Academie voor Wetenschappen, Letteren en Schone Kunsten van België, Klasse der Wetenschappen. Jg. 20, Nr. 10)
  • Otto Krätz: Fünf Briefe A. M. Butlerow an E. Erlenmeyer. (Von 1870 bis 1876). In: Veröffentlichungen Forschungsinstitut des Deutschen Museums für die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik. Reihe A, Kleine Mitteilungen 77, S. 305–310 (aus: Physis. Vol. 11. 1969)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte 1857
  2. Alexander Butlerov: Einiges über die chemische Structur der Körper. In: Emil Erlenmeyer (Hrsg.): Zeitschrift für Chemie und Pharmacie. Band 4. Ferdinand Enke, 1861, ISSN 0258-1620, S. 549–560 (online auf den Seiten der Bayerischen Staatsbibliothek BSB Müncheneingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Alexander Butlerov: Bildung einer zuckerartigen Substanz durch Synthese. In: Friedrich Wöhler, Justus Liebig, Hermann Kopp (Hrsg.): Justus Liebigs Annalen der Chemie. Band 120, Nr. 3. C. F. Winter'sche Verlagshandlung, Januar 1861, ISSN 1099-0690, S. 295–298, doi:10.1002/jlac.18611200308 (online auf den Seiten der Bayerischen Staatsbibliothek BSB).
  4. Winfried R. Pötsch, Annelore Fischer und Wolfgang Müller unter Mitarbeit von Heinz Cassebaum: Lexikon bedeutender Chemiker. Bibliographisches Institut, Leipzig 1988, S. 76, ISBN 3-323-00185-0.
  5. Michael D. Gordin: Scientific Babel. University of Chicago Press, 2015, ISBN 978-0-226-00029-9, Kapitel 3, Translating Textbooks, S. 98–103.
  6. Alexander Michailowitsch Butlerow: Lehrbuch der organischen Chemie. zur Einführung in das specielle Studium derselben. Aus dem russischen übersetzte deutsche Ausgabe, vom Verfasser revidiert und mit Zusätzen vermehrt. Quandt & Händel, Leipzig 1868 (752 S., online im Internet Archive – russisch: Введение к полному изучению органической химии. Kasan 1864. Übersetzt von E. Roesch).
  7. Butlerow auf zeno.org (aus: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 660)
  8. Kazan Federal University, Alexander Butlerow Institute of Chemistry
  9. Kazan city monument to Butlerov A.M.