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Alexander Osang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Alexander Osang, März 2007

Alexander Osang (* 30. April 1962 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Alexander Osang wuchs im Ost-Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg auf, wo er eine zehnklassige Polytechnische Oberschule besuchte. Er wurde katholisch erzogen und war jahrelang Ministrant an der St.-Josef-Kirche in Berlin-Weißensee.[1] Wegen seiner kirchlichen Herkunft durfte er nicht auf die Erweiterte Oberschule in der DDR.[2] Osang absolvierte eine Berufsausbildung mit Abitur zum Instandhaltungsmechaniker bei der Wasserwirtschaft und Abwasserbehandlung in Neubrandenburg und einen anderthalbjährigen Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee.[3] Das anschließend aufgenommene Studium der Umwelttechnik brach er ab. Es folgte ein Volontariat bei der Berliner Zeitung und ein Studium in der Sektion Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Während des Studiums kandidierte Osang für die Mitgliedschaft in der SED.[4] Osang bezeichnete diese Kandidatur als „moralischen Tiefpunkt“ seiner Jugend. Dem vorausgegangen war ein Fehlverhalten als studentischer Nachtwächter und einer dadurch drohenden Exmatrikulation. Um dies abzuwenden, wurde Osang nahegelegt, sich um eine SED-Mitgliedschaft zu bewerben.[5]

Nach dem Abschluss seines Studiums 1987 war er als Wirtschaftsredakteur bei der Berliner Zeitung tätig. In dieser Zeit versuchte ihn die Staatssicherheit als informellen Mitarbeiter anzuwerben, was Osang ablehnte.[6]

Nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 arbeitete Osang weiterhin für die Berliner Zeitung, ab April 1990 als Berliner Lokalchef und ab November 1990 als Reporter. In den folgenden Jahren wurde er zu einem Berichterstatter über die ostdeutschen Zustände nach der Wiedervereinigung. Im Jahre 1997 wurde er Chefreporter der Zeitung. Im Jahre 1999 schied er aus der Redaktion der Berliner Zeitung aus und ging für insgesamt acht Jahre als Reporter für den Spiegel nach New York.[7] Im Jahr 2000 veröffentlichte er seinen ersten Roman Die Nachrichten, der später unter der Regie von Matti Geschonneck verfilmt wurde (Die Nachrichten, 2005).

Alexander Osang wohnt seit November 2006 wieder in Berlin, und zwar im Bötzowviertel. Er ist mit der Journalistin Anja Reich verheiratet und Vater von drei Kindern. Er schreibt unter anderem für den Spiegel und schrieb für das Magazin der Berliner Zeitung.[8] Er leitete Reportage-Seminare am Journalistenzentrum Hagen, an der Berliner Journalisten-Schule, an der Universität Leipzig und am Reporter-Forum Hamburg. Von 2018 bis 2020 war Osang Spiegel-Korrespondent in Tel Aviv. Alexander Osang ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.[9]

Bei Osang als Dozent der Berliner Journalisten-Schule studierte die Schriftstellerin Judith Hermann, die sich mit Publikationen wie dem Erzählungsband Sommerhaus, später von 1998 im deutschen Literaturbetrieb etablierte.[10] Ohne eine vernichtende Kritik Osangs an einer Reportage Hermanns wäre Hermann nach eigener Auskunft nie zum Deutschlandradio gekommen: „Wenn Alexander Osang mich nicht so fertig gemacht hätte, wäre ich da nicht hingelangt.“[11]

Alexander Osang erhielt 1993, 1999 und 2001 den Egon-Erwin-Kisch-Preis und wurde so regelmäßig für diesen nominiert, dass Journalistenkollegen schon vom „Osang-Preis“ spotteten.[12][13] 1995 wurde Osang mit dem Theodor-Wolff-Preis geehrt und 2009 als Reporter des Jahres durch das Medium Magazin.[14] 2006 wurde sein Drehbuch zu Die Nachrichten mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.- Osangs Roman Die Leben der Elena Silber war 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Hörspiel und Rundfunk

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  • 1999: Auf der Kippe – Originaltöne zur Wende 1989/90. Moderation: Monika Künzel, Rainer Burchardt; Studiogäste: Alexander Osang, Jürgen Leinemann.
  • Theo Breuer: Zwanzig Tage – Zwanzig Romane : Ein Buchspiel. In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 58. Ausgabe, Pop Verlag, Ludwigsburg 2019, S. 7–167.

Einzelnachweise

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  1. Der Spiegel 30/2016 Im Fegefeuer
  2. Alexander Osang: Fast hell. Aufbau Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-7466-3973-4, S. 39ff
  3. Alexander Osang: Fast hell. Aufbau Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-7466-3973-4, S. 41
  4. Alexander Osang: Das Buch der Versuchungen: 20 Porträts und eine Selbstbezichtigung. Ch. Links Verlag, 1996. ISBN 3-86153-107-0, S. 20
  5. Alexander Osang: Fast hell. Aufbau Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-7466-3973-4, S. 190 f.
  6. Alexander Osang: Das Buch der Versuchungen: 20 Porträts und eine Selbstbezichtigung. Ch. Links Verlag, 1996. ISBN 3-86153-107-0, S. 11f.
  7. Autorenporträt beim Ch. Links Verlag
  8. Die Redaktion (Memento vom 18. Juni 2012 im Internet Archive)
  9. Mitglieder (Memento vom 26. Januar 2013 im Internet Archive), PEN-Zentrum Deutschland
  10. Judith Hermann: „Der Erfolg hat mich vorsichtiger gemacht“. Radio-Interview mit Schriftstellerin Judith Hermann in der Sendung Zeitgenossen, 26. Dezember 2021, 45 Min. Moderation: Carsten Otte. Eine Produktion von SWR2
  11. Im Hörsaal mit Judith Hermann. Archiviert vom Original am 6. Juni 2023; abgerufen am 19. Juni 2025.
  12. Julia Amalia Heyer: Rezension. (Memento vom 16. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) In: Süddeutsche Zeitung „Alexander Osang, hieß es vor ein paar Monaten hämisch, habe in diesem Jahr ausnahmsweise nicht den ‚Osang-Preis‘ erhalten“.
  13. Früher war mehr Whiskey. (Memento vom 18. Januar 2012 im Internet Archive) In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. Mai 2010, Nr. 18, S. 33: „Der Alexander-Osang-Preis ging dieses Jahr nicht wie immer an Henri Nannen, sondern …“
  14. Die Journalisten des Jahres 2009. In: Medium Magazin online, 21. Dezember 2009; abgerufen am 14. Januar 2010.