Alexander Thomas

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Alexander Thomas (* 4. November 1939 in Köln) ist ein deutscher emeritierter Hochschullehrer mit dem Forschungsschwerpunkt interkulturelle Psychologie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas studierte Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Köln, Bonn und Münster und legte 1968 das Diplom in Psychologie ab. 1970 wurde er an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster zum Dr. phil. promoviert und 1973 zum Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin ernannt. 1979 folgte er einem Ruf an die Universität Regensburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 2008 die Professur für Sozialpsychologie und Organisationspsychologie innehatte. Im Jahr 2015 ernannte ihn die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg zum Honorarprofessor für den Bereich internationale Handlungskompetenz.[1]

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungsschwerpunkte von Alexander Thomas lagen und liegen vor allem im Bereich der kulturvergleichenden und der interkulturellen Psychologie. Zu diesen Themenbereichen initiierte und betreute er zahlreiche Forschungsprojekte.[2] An der Universität Regensburg hat Thomas das Zusatzstudium „Interkulturelle Handlungskompetenz“ mitbegründet, einem Studiengang, der auf internationale Kooperation in der Arbeitswelt und Auslandsaufenthalte vorbereitet. Von Thomas stammt der Begriff „Kulturstandards“, der die Mentalität einer Kultur klassifiziert und beschreibt.

Er ist darüber hinaus Mitbegründer des „Instituts für Kooperationsmanagement“, das 1999 ins Leben gerufen wurde und internationale Organisationsberatung in den Feldern Interkulturelle Kompetenz, Kommunikation in Organisationen, Team und Führung, Personal-Assessment und Lernen in Organisationen anbietet.

Thomas ist Mitglied des Rats für Migration der Bundesrepublik Deutschland.[3] Er ist Vorstandsmitglied im „Forschungsverbund Ost- und Südosteuropa“. Er sitzt zudem im wissenschaftlichen Beirat von „interculture journal“, einer Online-Zeitschrift für interkulturelle Studien.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas gibt an, die sieben deutschen Kulturstandards sowie die Charaktereigenschaften der Deutschen definieren zu können. Andere sozialwissenschaftliche Schulen erfassen den Kulturbegriff heute dialogisch-situativ und nicht als Äquivalent für einen Nationalstaat. Indirekt spricht Thomas jenen Menschen ab, "deutsch" zu sein, die sich mit den vorgegebenen Kulturstandards nicht identifizieren können. Des Weiteren argumentiert Thomas, dass in kulturvergleichenden Studien bzw. in der Ethnologie diese Regeln bestätigt werden, ohne dafür Belege beizubringen.

In seinem Buch "Beruflich in den arabischen Golfstaaten" sagt er: "In den arabischen Golfstaaten können Freundschaften schnell entstehen und geschlossen werden. Allerdings sind diese in ihren Rechten und Pflichten anders definiert als Freundschaften, die innerhalb des deutschen Kulturkreises entstehen. Ein Araber hat neben der grundsätzlichen Sympathie auch immer den praktischen Nutzen einer Freundschaft im Sinn."

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 Sonderpreis des Bayrischen Wissenschaftsministeriums für den Studiengang „Internationale Handlungskompetenz“ [4]
  • 2004 Deutscher Psychologiepreis [5]
  • 2012 Ehrendoktorwürde der Ruhr-Universität Bochum [6]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Ernst F. Müller: Einführung in die Sozialpsychologie. Hogrefe, Göttingen 1974. ISBN 3-8017-0083-6.
  • Hrsg.: Interkultureller Austausch als interkulturelles Handeln. Theoretische Grundlagen d. Austauschforschung. Breitenbach, Saarbrücken 1985. ISBN 3-88156-313-X.
  • Grundriß der Sozialpsychologie Bd. I, 1991 und BD. II, 1992;
  • (Hrsg.). Kulturvergleichende Psychologie. Eine Einführung. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Hogrefe, Göttingen 1993. ISBN 3-8017-0408-4.
  • Psychologie und multikulturelle Gesellschaft. Problemanalyse und Problemlösungen. Verlag für Angewandte Psychologie, Göttingen, Stuttgart 1994. ISBN 3-87844-112-6.
  • (Hrsg.): Psychologie interkulturellen Handelns. Hogrefe, Göttingen 1996. ISBN 3-8017-0668-0.
  • Hrsg. zus. mit Eva-Ulrike Kinast, Sylvia Schroll-Machl: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. 2 Bände. Bd. 1: Grundlagen und Praxisfelder; Bd. 2: Länder, Kulturen und Interkulturelle Berufstätigkeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2003.
  • Grundlagen der interkulturellen Psychologie. Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-226-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. OTH Regensburg ernennt Prof. Dr. Alexander Thomas zum Honorarprofessor (Memento vom 4. Februar 2015 im Internet Archive)
  2. Forschungsbericht 2003-2006 und Forschungsbericht 1991-1994
  3. https://rat-fuer-migration.de/mitglieder/
  4. http://www.wissenschaftsministerium.bayern.de/pressearchiv/2003/11/nov232.html
  5. BDP Psychologiepreis 2004 für Alexander Thomas
  6. Biografie (Memento vom 4. Februar 2015 im Internet Archive)