Alexander Wladimirowitsch Sachartschenko

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Alexander Sachartschenko im Dezember 2014
Unterschrift von Alexander Sachartschenko

Alexander Wladimirowitsch Sachartschenko (russisch Александр Владимирович Захарченко; ukrainisch Олександр Володимирович Захарченко; * 1976 in Donezk[1]) ist „Ministerpräsident“ der selbstproklamierten und international nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachartschenko, Sohn eines Bergmannes,[3] absolvierte nach Abschluss der Schule das Donezker Technikum für Industrieautomatisierung mit Auszeichnung. Ein Studium am Donezker Juristischen Institut brach er ab.[4] Er begann, als Elektriker im Bergbau zu arbeiten, und war anschließend unternehmerisch tätig. Medienberichten zufolge handelte er u.a. mit illegal geförderter Kohle.[5]

Im Zuge des Kriegs in der Ukraine nahm er am 16. April 2014 am Sturm des Gebäudes der Donezker Regionalverwaltung teil. Der Kommandeur der Kampfeinheit „Oplot“ (Bollwerk), einer Organisation russischer Kämpfer in der Ukraine,[6] wurde im Mai 2014 im Rang eines Majors als Militärkommandant von Donezk eingesetzt und anschließend als „Stellvertreter des Innenministers der Volksrepublik Donezk“. Er nahm selbst an Kämpfen teil und wurde nach Angaben russischer, staatlich gelenkter Medien am 22. Juli 2014 unweit des Dorfes Koschewnja verwundet.[1]

Am 8. August 2014 löste Sachartschenko den Russen Alexander Borodai als Anführer der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk ab.[2] Für die Kandidatur stimmten 50 Abgeordnete bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen.[1] Borodai wurde sein Berater und 1. Vizepremier. Die staatlich gelenkte russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete, am 30. August 2014 seien Schüsse auf Sachartschenkos Fahrzeug abgegeben worden, durch die sein Chauffeur verwundet worden sei, Sachartschenko selbst sei unverletzt geblieben.[7]

Er nahm an den Verhandlungen der OSZE-Kontaktgruppe teil und verkündete am 5. September 2014 zusammen mit dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten, Leonid Kutschma; der OSZE-Gesandten, Heidi Tagliavini; dem russischen Botschafter in der Ukraine, Michail Surabow; und dem Milizenführer der Volksrepublik Luhansk, Igor Plotnizki, das Protokoll von Minsk, in dem u.a. ein Waffenstillstand vereinbart wurde.[8]

Am 11. Oktober 2014 wurde Sachartschenko als erster Kandidat für den Posten des Oberhauptes der selbstproklamierten Donezker Volksrepublik aufgestellt.[9] Am 2. November fanden entgegen der Bestrebungen der OSZE-Kontaktgruppe in den proklamierten Volksrepubliken Donezk und Lugansk gemäß Formulierung der OSZE „sogenannte Wahlen“ statt. Die OSZE schloss eine Beobachtung des Vorganges aus, da er den Friedensplan gefährde; diese Meinung teilte UNO Generalsekretär Ban Ki-moon, dessen Ansprache und Erklärungen das Wort „Wahlen“ konsequent in Anführungszeichen stellten oder den Zusatz „sogenannte Wahlen“ verwendeten.[10][11][12][13] Noch während der Auszählung der Stimmzettel wurde Sachartschenko als "Republikchef" bestätigt. Nachdem bis zum frühen Morgen mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt waren, lag Sachartschenko uneinholbar vorn.[14] Das Resultat von 75,6 Prozent für Sachartschenko wurde einzig von Russland respektiert, jedoch ausdrücklich nicht anerkannt.[15][16][17]

Er wurde am 12. September 2014 auf die Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[18]

Ende Januar 2015 machte die OSZE in unüblicher Deutlichkeit die Volksrepublik für ein weiteres Scheitern bei der Implementierung des Waffenstillstandsabkommens vom September verantwortlich.[19]

Er ist verheiratet und Vater dreier Söhne.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russische Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. August 2014 erklärte Sachartschenko, dass er eine föderalistische Ukraine ausschließe und nur eine eigenständige und unabhängige Volksrepublik Donezk befürworte.[20]

Im Januar 2015 verkündete er, er wolle weitere Gebiete der Ukraine erobern.[21] „Wir müssen alle Territorien zurückbekommen, die uns gehören. Sei es durch Verhandlungen oder auf anderem Weg“, sagte er. Dazu gehöre zum Beispiel auch die Hafenstadt Mariupol.[22]

In einem 2016 via youtube verbreiteten Interview äußerte Sachartschenko: Er spreche in Bezug auf die Zukunft „nicht nur von Kiew“. „Es geht sogar nicht einmal darum, nur Berlin zu nehmen. Man muss darüber hinausgehen und ganz Britannien als solches nehmen. Das ganze Unglück unseres Schicksals als Russen, das sind die Angelsachsen.“ Nach der Einnahme Großbritanniens aber werde das „goldene Zeitalter Russlands“ beginnen.Sachartschenko rief dazu auf, „das gesamte Territorium, welches das russische Reich verloren hat, unter Kontrolle“ zu bringen. Zu diesen Gebieten gehören neben den baltischen Staaten auch Finnland, ein Teil Polens, Moldau, Georgien, Armenien und Aserbaidschan sowie die zentralasiatischen Republiken. Russland müsse sich „all das holen“, was es zu Beginn des Krimkriegs (1853 bis 1856) hätte „bekommen sollen“. In diesem Krieg hatten Truppen des Russischen Kaiserreichs das heutige Rumänien besetzt und das Osmanische Reich aufgefordert, den russischen Zaren als Protektor anzuerkennen.[23]

Vorwurf des Antisemitismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer im russischen Staatsfernsehen übertragenen Konferenz im Februar 2015 erklärte Sachartschenko, in Kiew herrschten „armselige Vertreter des großen jüdischen Volkes“.[5] Die Regierenden in Kiew hätten es nicht verdient, die Nachkommen der Kosaken anzuführen und Taras Schewtschenko „würde sich im Grabe umdrehen angesichts solcher Anführer“.[24][25] Sachartschenkos Ansicht, dass die Ukraine von Juden regiert werde, weicht von der in russischen Staatsmedien verbreiteten Version ab, dass die Ukraine von Faschisten regiert werde.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexander Sachartschenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Alexander Sachartschenko auf dem Posten des Ministerpräsidenten der Volksrepublik Donezk bestätigt. 9. August 2014, abgerufen am 27. August 2014 (russisch).
  2. a b Ostukraine: „Volksrepublik Donezk“ erklärt Bereitschaft zu Waffenstillstand. RIA Novosti, 9. August 2014, abgerufen am 27. August 2014.
  3. Lenin-Anhänger Sachartschenko: Das ist der neue „Präsident“ von Donezk. Focus Online, 2. November 2014, abgerufen am 9. November 2014.
  4. Darüber wird geredet: Neuer Premierminister der «VRD» wurde ein Elektriker mit drei Kindern. Polit-Rada, 8. August 2014, abgerufen am 27. August 2014 (russisch).
  5. a b Die Frontmänner der Separatisten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Februar 2015, S. 3.
  6. "Volksrepublik Donezk" bekommt neuen Anführer. Stern, 8. August 2014, abgerufen am 27. August 2014.
  7. Auf den Premier der VRD wurde ein Anschlag verübt, eine Person wurde verletzt. RIA Novosti, 30. August 2014, abgerufen am 30. August 2014 (russisch).
  8. Ukraine deal with pro-Russian rebels at Minsk talks, BBC, 20. September 2014
  9. Premier der DVR Sachartschenko übergab der Zentralen Wahlkommission Unterschriften der Wähler. RIA Novosti, 11. Oktober 2014, abgerufen am 11. Oktober 2014 (russisch).
  10. So-called elections not in line with Minsk Protocol, says OSCE Chair, calling for enhanced efforts and dialogue to implement all commitments, OSZE, 31. Oktober 2014
  11. Address by United Nations Secretary-General Ban Ki-moon - setzt "Wahlen" in AnführungszeichenOCZE, 4. November 2014
  12. Ukraine: Ban deplores planned holding of November ‘elections’ by rebel groups, UNO News Centre, 29. Oktober 2014
  13. Office of the Spokesperson for United Nations Secretary-General Ban Ki-moon; Foto der Anführungszeichen von Ban Ki-moon, 4. November 2014
  14. Ostukraine: Ein Wahlergebnis wie im Realsozialismus Spiegel Online vom 3. November 2014, gesichtet am 3. November 2014
  15. Der Kreml erkennt die Wahlen nicht an, sondern "respektiert"; auf tvi.ua vom 7. November 2014, abgerufen am 7. November 2014
  16. Separatisten sehen sich nach Ostukraine-Wahl gestärkt. Zeit Online, 3. November 2014, abgerufen am 9. November 2014.
  17. Ukraine-Krise: Rebellenführer siegt bei Wahl in Ostukraine. Focus Online, 4. November 2014, abgerufen am 9. November 2014.
  18. Chef der VRD Sachartschenko steht auf der neuen Sanktionsliste der EU. RIA Novosti, 12. September 2014, abgerufen am 12. September 2014 (russisch).
  19. Die OSZE kritisiert die Separatisten. In: Neue Zürcher Zeitung, 2. Februar 2015.
  20. Premierminister der VRD: Wir ziehen nur eine eigene Unabhängigkeit von der Ukraine in Erwägung. Informationsportal der Volksrepublik Donezk, 26. August 2014, abgerufen am 27. August 2014 (russisch).
  21. Ukraine-Krise: Separatistenführer lehnt Gespräche mit Kiew ab, Spiegel, 23. Januar 2015.
  22. Ein Lenin-Anhänger auf dem Weg zum «Präsidenten». In: Tagesanzeiger, 2. November 2014.
  23. FAZ.net / Konrad Schuller 7. Dezember 2016: Wahn und Wirklichkeit in Donezk
  24. Jutta Sommerbauer: Ukraine: Der Antisemitismus der Separatisten. In: Die Presse, 3. Februar 2015.
  25. Antisemitischer Kommentar: Separatistenführer verhöhnt ukrainische Regierung. In: N24, 3. Februar 2015.
  26. Propaganda im Ukraine-Konflikt: Der Kreml entlarvt sich selbst. In: Neue Zürcher Zeitung, 5. Februar 2015.