Alexander Zschokke

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Alexander Zschokke [´tscho.k(e)] (* 25. November 1894 in Basel; † 17. August 1981 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer und Maler.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Nietzsche Büste von Alexander Zschokke (1921)
Friedrich Nietzsche Büste (1921)
Zschokke-Brunnen oder Drei Lebensalter-Brunnen, 1935–1941 von Alexander Zschokke (1894–1981) Bildhauer. Kunstmuseum Basel. Auf dem Sockel stehen drei männliche Gestalten aus verschiedenen Lebensabschnitten. Der junge Mann blickt in die Weite der Welt am Rhein, der einte, der Flöte spielt und ein bisschen verträumt in die Welt schaut, ist altersmässig an der Pubertätsgrenze einzustufen. Beim dritten Mann handelt es sich um Stefan Georges, dessen Haupt mit Lorbeeren gekrönt ist.
Drei Lebensalter-Brunnen
Alexander Zschokke (1894–1981) Bildhauer, Maler. Peter Zschokke (1898–1986) Anwalt, Politiker, Mäzen. Familiengrab, Friedhof am Hörnli
Familiengrab, Friedhof am Hörnli

Alexander Zschokke war ein Sohn des Farbenchemikers und Enkel von Heinrich Zschokke, Johann Heinrich Daniel Zschokke (1863–1944) und der Clara, geborene Koelner (* 7. Juli 1873; † 24. Juli 1952). Sie war eine Schwester des Pädagoge und Lokalhistorikers Paul Koelner.[1]

Alexander Zschokkes Brüder waren der spätere Tierarzt Achilles Heinrich Zschokke (* 18. Juni 1893; † 29. Dezember 1971 in Grootfontein)[2] und der späteren Jurist, Politiker und Mäzen Peter Zschokke. Ihre Schwester Gertrud Susanne Clara Zschokke (1896–1973) heiratete 1923 Ernst Aeppli.

Zschokke zog 1913 für das Architekturstudium nach München und befreundete sich mit dem Maler Niklaus Stoecklin. Für die Rekrutenschule mit anschliessendem Aktivdienst kehrte er 1914 in die Schweiz zurück. Während des Diensturlaubs nahm Zschokke mit Niklaus Stoecklin, Albert Müller und Fritz Baumann für vier Wochen Malunterricht bei Heinrich Müller und trat der im gleichen Jahr gegründeten Basler Künstlergruppe Das Neues Leben bei.

Zschokke schuf ab 1912 130 Gemälde, in denen sich sowohl die dunkeltonige Tradition als auch die kubistische Aneignungen widerspiegeln. Von 1915 bis 1918 arbeitete er in seinen militärischen Urlaubswochen als Maler in Basel, Genf und Zürich. In Zürich trat er in Kontakt mit den dort lebenden Dadaisten und lernte in Ascona Alexej von Jawlensky kennen. 1918 stellte er erstmals zahlreiche seiner Werke und Gemälde mit der Basler Künstlergruppe Das Neue Leben im Kunstsalon Wolfsberg in Zürich aus.

1919 wurde er nach Berlin eingeladen und hatte Kontakt zur Künstlergruppe «Die Brücke». In Berlin wechselte er zum Studium der Bildhauerei und mietete sich im Atelier von Bildhauer Ludwig Thormaehlen ein. Beide schufen gegenseitig Plastiken von sich selbst, die heute auch in Marburg zu finden sind. In der deutschen Metropole freundete er sich u. a. mit Stefan George und dem Künstler Martin Alfred Christ an. Es folgten Reisen nach Italien, Griechenland und Paris. Zschokke war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[3]

1922 stellte er seine Werke in Magdeburg aus. 1928 erfolgte der künstlerischer Durchbruch durch seine antike Modi variierenden Bildnisplastiken, zu denen eine Reihe von Porträtköpfen expressionistischer Künstler gehört (Heinrich Campendonk, Erich Heckel, Paul Klee, Otto Mueller, Christian Rohlfs). Ebenso schuf Zschokke die Büsten berühmter Persönlichkeiten wie Ludwig Justi, Friedrich Nietzsche und Jakob Wackernagel.

Ein ganzer Zyklus von Kopfstudien ist dem von Zschokke verehrten Dichter Stefan George gewidmet. Zudem ist George als die zwischen 1935 und 1941 entstandene Sitzfigur der Brunnenplastik Drei Lebensalter abgebildet. Der Brunnen befindet sich neben dem Kunstmuseum Basel.

Alexander Zschokke leitete von 1931 bis 1937 eine Bildhauerklasse der Kunstakademie in Düsseldorf und wurde dort am 12. Juli 1937 zum Ehrenmitglied ernannt. Maria Fuss, Hans Kindermann und Kurt Zimmermann waren Meisterschüler von Zschokke. Da er im selben Jahr von den Nationalsozialisten aus seinem Lehramt an der Kunstakademie vertrieben wurde, zog er wieder nach Basel.

Für die Kurbrunnenanlage in Rheinfelden schuf Zschokke 1934 eine Brunnenskulptur der Heiligen Maria Magdalena, die in der damaligen Trinkanlage aufgestellt wurde.[4] Walter von Ruckteschell schuf die zweite Brunnenskulptur des Heiligen Franziskus. Beide Skulpturen stehen heute in der Eingangshalle des Kurbrunnen-Gebäudes. Victor Surbek schuf für die Trinkhalle das grosse Wandgemälde Vier Jahreszeiten.[5]

Viele von Zschokkes Werken sind im öffentlichen Raum in Basel zu sehen.[6] Einige Werke von Zschokke befinden sich auf dem Friedhof am Hörnli. Seinen ersten grösseren Auftrag, die Brunnenplastik Drei Lebensalter, erhielt er vom kantonalen Basler Baudepartement, sie wurde 1942 fertig gestellt.[7][8][9]

1955 schuf Zschokke für Johann Rudolf Wettstein den Gedenkbrunnen / Wettsteinbrunnen in Kleinbasel.[10] Neben Willi Hege, Peter Moilliet, Jakob Probst, Luis Leon Weber, Heinz Fiorese, Adolf Weisskopf wurde er für einen Wettbewerb des Kunstkredits Basel-Stadt eingeladen, und wie viele andere Werke von Zschokke ging diese Brunnenskulptur als Sieger hervor. Zudem erhielt er im gleichen Jahr den Kunstpreis der Stadt Basel. 1965 schuf Zschokke das Denkmal für Albert Schweitzer in Schaffhausen.

Zschokke war mit der Fotografin Claire Roessiger (1906–1994) verheiratet die auch seine Werke fotografierte. Ihre Tochter ist Petra Zschokke.[11] Alexander Zschokke und seine Ehefrau fanden im Familiengrab auf dem Friedhof am Hörnli ihre letzte Ruhestätte.

Auf Initiative von Marc de Puechredon hat 2010 die Familie Zschokke den «Skulpturengarten Alexander Zschokke» im Basler Gellert eröffnet.[12]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erziehungsdepartement Basel-Stadt. Alexander Zschokke. In: Kunst für Basel: 75 Jahre Kunstkredit Basel-Stadt. Kunst im öffentlichen Raum. Schwabe Verlag, Basel 1974, ISBN 3-7965-0968-1.
  • Michael Stettler (Hrsg.), Der Bildhauer Alexander Zschokke. AZ-Presse, Aarau 1944.
  • Ulrich Christoffel: Alexander Zschokke. Verlag F. Bruckmann, München 1957.
  • Alexander Zschokke, Skulpturen-Katalog 1921–1974. (520 Nummern). Privatdruck, Basel 1974.
  • Michael Stettler (Hrsg.): Bildnisse Stefan Georges von Alexander Zschokke. Verlag Helmut Küpper vormals Georg Bondi, Düsseldorf/München 1974.
  • Karl Schefold: Abbild und Inbild. Zu Zschokkes Bildnissen Stefan Georges. In: Neue Beiträge zur George-Forschung, (3), Bingen 1978.
  • Martin A. Christ, Karl Schefold: Der Bildhauer Alexander Zschokke, 25. XI 1894 – 17. VIII. 1981. Privatdruck Basel o. J. (1981).
  • Gedächtnisausstellung Alexander Zschokke 1894–1981. Katalog. Riehen 1982.
  • Will Grohmann: Zschokke, Alexander. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 36: Wilhelmy–Zyzywi. E. A. Seemann, Leipzig 1947, S. 564 (biblos.pk.edu.pl).
  • Zschokke, Alexander. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 5: V–Z. Nachträge: A–G. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S. 215–216.
  • Künstler in der Werkstatt-Alexander Zschokke. In: Architektur und Kunst, Bd. 31, Heft 10, 1944, doi:10.5169/seals-25019#353, S. 305–308.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alexander Zschokke – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zschokke-Stammbaum, abgerufen am 10. Januar 2024.
  2. Achilles Heinrich Markus Zschokke (1893–1971), abgerufen am 10. Januar 2024.
  3. Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903. In: kuenstlerbund.de. Abgerufen am 2. April 2020.
  4. Schweizerische Bauzeitung, 1934: Kurbrunnenanlage in Rheinfelden. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  5. Fricktaler Museum: Brunnen Skulptur, Wandgemälde für die Trinkhalle der Kurbrunnenanlage. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  6. David Marc Hoffmann: Werke im öffentlichen Raum im Stadtplan von Basel. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  7. laut Inschrift der am Brunnenrand angebrachten Plakette
  8. G. Oeri, Architektur und Kunst: Drei Lebensalter-Brunnen. Abgerufen am 21. Oktober 2019.
  9. Brunnenführer: Drei Lebensalter-Brunnen. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  10. Brunnenführer: Wettstein-Brunnen. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  11. Petra Zschokke, In:-minu, abgerufen am 10. Januar 2024.
  12. Alexander Zschokke: Skulpturengarten. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  13. s. Katalog Deutscher Künstlerbund Köln 1929. Mai–September 1929 im Staatenhaus. M. DuMont Schauberg, Köln 1929, S. 33.
  14. Das Mausoleum der Familie Klöckner (Memento vom 28. November 2016 im Internet Archive) (PDF)
  15. Schaffhauser AZ (jeweils S. 22): https://www.shaz.ch/download/Ausgabe_31_04._August_2.pdf und https://www.shaz.ch/download/Ausgabe_32_11._August_3.pdf
  16. Foto: Der Fischer, mit und von Alexander Zschokke
  17. Foto: Der Matrose, von Alexander Zschokke
  18. Aarauer Neujahrsblätter: Fährimann, Rathaus Aarau. Abgerufen am 21. Oktober 2019.