Alexander von Vegesack

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Alexander von Vegesack (* 5. März 1945 in Thüringen) ist ein deutscher Kunstsammler. Von 1989 bis 2010 war er Kurator und Museumsdirektor des Vitra Design Museums.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander von Vegesack entstammt einem westfälischen Adelsgeschlecht und ist der Sohn des Obstplantagenbesitzers Karl-Dieter von Vegesack (* 1920) und dessen erster Ehefrau Luise Freiin von Lüttwitz (1922–2005[1]). Die Eltern ließen sich 1950 in Koblenz scheiden.[2] Mit 15 Jahren gründete er 1960 in Düsseldorf einen Schülerschnelldienst. Mehr als 80 Schüler arbeiteten für seine Arbeitsvermittlung mit Dienstleistungen wie Fensterputzen, Einkäufe und kleinere Umzüge.[3] Wegen einer Intervention der Bundesanstalt für Arbeit musste er seinen Betrieb einstellen.[3] Im Jahr 1961 lebte Vegesack in Düsseldorf-Stockum.[2]

1966 eröffnete Vegesack in Hamburg eine Galerie für ausgefallene, bereits getragene Kleidungsstücke.[4] Danach versuchte er sich als Wohnungsmakler, erfolglos blieb auch sein Versuch, ein Wohnheim für ledige Mütter zu eröffnen. 1970 gründete er mit Freunden und Haustieren im Stadtteil Altona den Künstlerclub Fucktory in einer leerstehenden Fabrik. Mit internationalen Künstlergruppen organisierte und inszenierte er provokante Theaterstücke und so genannte schwarze Messen, welche beim Feuilleton Anerkennung fanden.[3] Ab 1973 war er im Auftrag der Stadt Hamburg für die kulturelle Innenstadtbelebung zuständig. Bis 1975 war er verantwortlich für die Schaffung von Wohnateliers in alten Fabriken und Warenlagerhäusern der Hansestadt.[3]

1977 übersiedelte er nach Südwestfrankreich und gründete ein Unternehmen für Reittourismus.[3] Aus vielen europäischen Ländern, besonders in Andalusien, hatte er frühe Thonet-Sitzmöbel zusammengetragen und restaurierte seine Sammlung von Bugholzmöbeln.[3] Er entwickelte sich zu einem Bugholzmöbel-Fachmann, so dass er unter anderem an einer New Yorker 150-Jahr-Ausstellung für den Möbel-Designer und -Fabrikanten Michael Thonet beteiligt war. Von 1982 bis 1986 richtete er im Museum in Boppard am Rhein eine Thonet-Abteilung ein, das erste öffentliche Thonet-Museum.[5]

Vitra Design Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1980er-Jahre begann seine Zusammenarbeit mit Rolf Fehlbaum, dem geschäftsführenden Inhaber von vitra. Fehlbaum kaufte ihm einen großen Teil seiner Thonet-Möbelsammlung ab. Da der Fabrikant seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, einigte er sich mit Alexander von Vegesack auf ein separates Gebäude. Es sollte sich nicht auf dem Produktionsgelände von vitra befinden und auch anderen Ausstellungen Raum geben. Seit der Fertigstellung des Vitra Design Museums 1989 war er der Leiter einer hochwertigen Sammlung und Museumsdirektor in einem der bekanntesten Bauwerke des weltweit angesehenen Architekten Frank O. Gehry.[6] Mit jährlich ein bis zwei Ausstellungen über Designer, Architekten, Objekte und Stile, die Vegesack als Wanderausstellungen konzipierte, trug er maßgeblich zur internationalen Anerkennung einer hochqualitativen Formgebung bei. Ende 2010 gab er die Direktion und operative Museumsleitung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein an eine neue Doppelspitze mit Mateo Kries (Inhalte) und Marc Zehntner (Management) ab und wurde Vorstandsvorsitzender der Vitra Design Stiftung.[7]

Domaine de Boisbuchet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 verkaufte Vegesack einen Teil seiner Thonet-Sammlung an Rolf Fehlbaum. Mit dem Verkaufserlös konnte er das Landgut Domaine de Boisbuchet mit 50 Hektar Gelände im Südwesten Frankreichs (bei Lessac, Region Poitou-Charentes) erwerben,[8] um es während der Sommermonate für Workshops für Künstler, Designer, Architekten und interessierte Studenten nutzen zu können.[9] Bisherige Dozenten waren unter anderem Estudio Campana, Ronan & Erwan Bouroullec, Tom Dixon, Fabio Novembre und Ingo Maurer, welche in den Pavillons der Architekten Simón Vélez, Jörg Schlaich und Shigeru Ban Studierende bei ihren Arbeiten unterstützen. Vegesack gründete für die Organisation der kulturellen Aktivitäten die Non-Profit-Organisation CIRECA (Centre International de Recherche et d’Education Culturelle et Agricole).[10] Für Boisbuchet knüpfte Vegesack Kontakte mit vielen Institutionen, die Materialien oder auch Leiter für die Workshops zur Verfügung stellen, so etwa mit dem Centre Georges Pompidou in Paris, der École nationale supérieure d'art de Limoges-Aubusson oder dem US-amerikanischen Corning Museum of Glass (CMoG).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1991: Tschechischer Kubismus - Architektur und Design 1910-1925. Ausstellungskatalog, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1991, ISBN 978-3980253963.
    englische Ausgabe: Czech Cubism - Architecture, Furniture, Decorative Arts, 1910-1925. Princeton Architectural Press, 1992, ISBN 1-878271-66-0.
  • 1994: Thonet - Pionier des Industriedesigns. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1994, ISBN 3-9804070-0-4.
  • mit Lucy Bullivant, Jutta Oldiges: kid size. Möbel und Objekte für Kinder. The Material World of Childhood. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 1997, ISBN 88-8118-255-6.
  • 1996: mit Peter Dunas, Mathias Schwartz-Clauss: 100 Masterpieces from the Vitra Design Museum Collection. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1996, ISBN 3-9804070-3-9. (deutsch)
  • 1998: Mies van der Rohe. Möbel und Bauten in Stuttgart, Barcelona, Brno. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1998, ISBN 3-931936-16-3.
  • 2000: mit Mathias Remmele (Hrsg.): Verner Panton - Das Gesamtwerk. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2000, mit CD-ROM, ISBN 978-3-931936-22-8.
  • 2001: mit Bruce Altshuler, Anna C. Chave, Ingrid Schaffner, Thorsten Romanus (Illustrator), Thomas Dix (Fotograf): Isamu Noguchi - Sculptural Design. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2001, ISBN 978-3931936334.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Noble Death Anouncements 2005. (Memento vom 26. Juni 2008 im Internet Archive) In: worldroots.com, abgerufen am 16. November 2010.
  2. a b Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band V, Seite 435, Band 26 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1961.
  3. a b c d e f g Frank Nicolaus: Arbeiten am Design des eigenen Lebens. (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) In: art – Das Kunstmagazin, 2001, Nr. 7, S. 64-71.
  4. Jochen Fillisch: Warum wohnt so einer in Weil? In: Badische Zeitung, 13. Oktober 2010.
  5. Michael Hausenblas: Klassiker im Gespräch - Alexander von Vegesack. (Memento vom 8. November 2007 im Internet Archive) In: proholz.at, aus: Zuschnitt, Nr. 9, 2003, S. 6ff.
  6. nn: Weiler Gespräche mit Alexander von Vegesack. In: Badische Zeitung, Lokales, Weil am Rhein, 1. Oktober 2010.
  7. bz: Doppelspitze für Vitra Design Museum in Weil. In: Badische Zeitung, Nachrichten, Kultur, 4. November 2010.
  8. Domaine de Boisbuchet. (Memento vom 18. Dezember 2007 im Internet Archive) In: boisbuchet.org, (deutsch), abgerufen am 16. November 2010
  9. Jill Singer: Q+A: Alexander Von Vegesack. (Memento vom 2. Juli 2010 im Internet Archive) In: I.D., 9. April 2009, Interview (englisch).
  10. Boisbuchet Workshops Pressetext 2010. (Memento vom 19. Januar 2008 im Internet Archive) (deutsch; PDF-Datei, 151 kB)
  11. Weiler Gespräche mit Alexander von Vegesack. In: Stadt Weil am Rhein, 11. Oktober 2010.
  12. Thomas Mink: Ein Vordenker von besonderem Format - Vitra-Design-Museum als Teil des Lebenswerks: Bundesverdienstkreuz für Alexander von Vegesack. In: Badische Zeitung, 22. Juli 2005, Artikelanfang.