Alexandra Elbakyan

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Alexandra Elbakyan (2021) in Sotschi

Alexandra Asanowna Elbakyan (russisch Алекса́ндра Аса́новна Элбакя́н;[1] * 6. November 1988 in Almaty, Kasachstan[2][3]) ist eine Programmiererin und Gründerin der Schattenbibliothek Sci-Hub.[4] Nach einer 2018 veröffentlichten Studie bietet Sci-Hub Zugang zu fast der gesamten wissenschaftlichen Literatur.[5]

2016 wurde sie von der Nature in die Liste der zehn wichtigsten Persönlichkeiten der Wissenschaft aufgenommen.[6] Elbakyan wurde 2018 als "Wissenschaftliche Piratenkönigin (engl.: "Science's Pirate Queen" bezeichnet.[7]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elbakyan bezeichnet sich selbst als „multikulturell [...] mit armenisch, slawisch und asiatischen Wurzeln“. Ihre Mutter wurde von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen, die selbst Programmieren war.

Alexandra fing im Alter von zwölf Jahren mit dem Programmieren an. Mit 14 Jahren führte sie ihren ersten Hacking-Versuch durch. Mithilfe von SQL-Injection verschaffte sie sich dabei Zugang zu den Logindaten und Passwörtern ihres privaten Internetanbieters. Sie meldete die gefundenen Schwachstellen dem Internetanbieter in der Hoffnung, dabei an einen Job zu gelangen. Statt ihr eine Arbeitsstelle anzubieten sperrte der Anbieter jedoch ihren Internetzugang.

Elbakyan studierte bis 2009 an der Technischen Universität in Almaty in Kasachstan. Sie schloss ihr Studium mit dem Grad des Bachelor of Science in Informatik mit dem Schwerpunkt Informationssicherheit ab. Anschließend arbeitete sie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an einem Brain-Computer-Interface-Projekt[8] und begann sich für Transhumanismus zu interessieren.[2]

Nach einem Praktikum am Georgia Institute of Technology in den USA[9] kehrte sie nach Kasachstan zurück, wo sie 2011 die Website Sci-Hub ins Leben rief. Sci-Hub stellt unter Inkaufnahme der Verletzung des Urheberrechts wissenschaftliche Aufsätze nach dem Prinzip des Guerilla Open Access der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung.[10] Grund für den Aufbau von Sci-Hub war Elbakyans Unzufriedenheit mit den hohen Preisen, die Verlage für wissenschaftliche Aufsätze verlangen. Durch diese Preispolitik werde die Arbeit von Wissenschaftlern erheblich erschwert.

Im Jahr 2015 wurde Elbakyan von dem Wissenschaftsverlag Elsevier in den USA verklagt.[11] Seitdem hält sie sich an einem geheimen Ort in Russland auf. Sie antwortet bereitwillig auf alle Fragen rund um Sci-Hub mit Ausnahme solcher über ihren Aufenthaltsort.[10]

Im Jahr 2016 war Elbakyan an einer kleinen Privatuniversität eingeschrieben, wo sie Wissenschaftsgeschichte studiert. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sie sich mit wissenschaftlicher Kommunikation.[2]

2021 schrieb sie auf Twitter,[12] dass Apple im Jahr 2019 ihre vertraulichen Informationen auf rechtliche Anordnung hin an das FBI zu Ermittlungszwecken weitergeleitet habe.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der New York Times wurde Elbakyan mit Edward Snowden verglichen, da sie unrechtmäßigerweise Informationen veröffentlichte und sich derzeit in Russland aufhält, um der US-amerikanischen Justiz zu entgehen.[14] Ars Technica zog Parallelen zwischen ihr und Aaron Swartz.[15]

Die Nature Publishing Group führte Elbakyan in ihrer Liste der zehn bedeutsamsten Personen des Jahres 2016 auf.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alexandra Elbakyan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Элбакян Александра Асановна / RUNET-ID. (englisch).
  2. a b c John Bohannon: The frustrated science student behind Sci-Hub. In: sciencemag.org. Science, 28. April 2016, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).
  3. VK-Profil von Alexandra Elbakyan. vk.com, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).
  4. Quirin Schiermeier: Pirate research-paper sites play hide-and-seek with publishers. In: nature.com. Nature, 4. Dezember 2015, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).
  5. Daniel S Himmelstein, Ariel Rodriguez Romero, Jacob G Levernier, Thomas Anthony Munro, Stephen Reid McLaughlin, Bastian Greshake Tzovaras, Casey S Greene: Sci-Hub provides access to nearly all scholarly literature. In: eLife. Band 7, 9. Februar 2018, ISSN 2050-084X, S. e32822, doi:10.7554/eLife.32822, PMID 29424689, PMC 5832410 (freier Volltext).
  6. Nature’s 10. In: Nature. Band 540, Nr. 7634, 1. Dezember 2016, ISSN 1476-4687, S. 507–515, doi:10.1038/540507a (nature.com [abgerufen am 2. Februar 2023]).
  7. Ian Graber-Stiehl: Meet the pirate queen making academic papers free online. 8. Februar 2018, abgerufen am 2. Februar 2023 (amerikanisches Englisch).
  8. Global-Consciousness. 7. Mai 2012; (englisch).
  9. NeuroLab > Potter Group. (englisch).
  10. a b John Bohannon: Who’s downloading pirated papers? Everyone. In: Science. Band 352, Nr. 6285, 29. April 2016, S. 508–512 (sciencemag.org [abgerufen am 26. November 2017]).
  11. Chris Woolston: Paper piracy sparks online debate. In: nature.com. Nature, 2. Mai 2016, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).
  12. https://twitter.com/ringo_ring/status/1390782451140767749
  13. Simon Sharwood, APAC Editor: Apple sent my data to the FBI, says boss of controversial research paper trove Sci-Hub. Abgerufen am 18. Mai 2021 (englisch).
  14. Kate Murphy: Should All Research Papers Be Free? In: nytimes.com New York Times, 12. März 2016, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).
  15. David Kravets: A spiritual successor to Aaron Swartz is angering publishers all over again. In: Ars Technica. Condé Nast, 3. April 2016, archiviert vom Original am 11. Januar 2017; abgerufen am 18. April 2016 (englisch): „Just as Swartz did, this hacker is freeing tens of millions of research articles from paywalls, metaphorically hoisting a middle finger to the academic publishing industry, which, by the way, has again reacted with labels like "hacker" and "criminal." Meet Alexandra Elbakyan, the developer of Sci-Hub, a Pirate Bay-like site for the science nerd. It's a portal that offers free and searchable access "to most publishers, especially well-known ones."“
  16. Richard van Noorden: Nature’s 10 - ten people who mattered most this year In: nature.com. Nature, 19. Dezember 2016, abgerufen am 22. Februar 2017 (englisch).