Alexandria Ocasio-Cortez

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Alexandria Ocasio-Cortez

Alexandria Ocasio-Cortez (* 13. Oktober 1989 in New York City), häufig auch bei ihren Initialen AOC genannt,[1] ist eine US-amerikanische Aktivistin und Politikerin der Demokratischen Partei. Sie gehört seit Januar 2019 für den 14. Kongresswahlbezirk von New York dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten als dessen jüngste Abgeordnete an, nachdem sie in der Vorwahl den an vierter Stelle in der Parteiführung amtierenden Mandatsinhaber Joe Crowley geschlagen hatte. Ocasio-Cortez bezeichnet sich als demokratische Sozialistin.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocasio-Cortez ist puerto-ricanischer Abstammung. Auf einer Veranstaltung berichtete sie zudem, dass Teile ihrer Familie von Sepharden abstammen.[2] Ihre Mutter zog mit 23 Jahren nach New York, ihr Vater – ein Architekt – war sein Leben lang dort wohnhaft. Geboren in der Bronx als „Nuyorican“, zog Alexandria Ocasio-Cortez in jungen Jahren ins wohlhabendere, vorstädtische Yorktown in Westchester County. An der High School gewann sie mit einem mikrobiologischen Forschungsprojekt[3] den zweiten Platz in der Kategorie der Mikrobiologie der voruniversitären Intel International Science and Engineering Fair. Aus diesem Grund benannte das Lincoln Laboratory am Massachusetts Institute of Technology 2007 den Asteroiden (23238) Ocasio-Cortez nach ihr.[4]

Während ihres Studiums an der Boston University, das Intel mit einem Stipendium förderte, arbeitete sie 2008/09 in Einwanderungsfragen für den US-Senator Edward Kennedy.[5] Ihr Vater starb 2008 an Lungenkrebs. Laut The Intercept hatte die Familie danach jahrelang mit dem Westchester County Surrogate Court zu kämpfen, der die Nachlässe von Personen verwaltet, die ohne Testamentsverfügung verstorben sind.[6] 2011 schloss sie ihr Studium der Wirtschaftswissenschaft und der Internationalen Beziehungen cum laude ab, kehrte zunächst in die Bronx zurück und unterstützte ihre Mutter, indem sie in dem Taco-Schnellrestaurant Flats Fix[7] als Schankkraft und Kellnerin arbeitete. Daneben arbeitete sie als Lehrkraft am National Hispanic Institute.[8] Sie arbeitete beim Präsidentschaftswahlkampf von Bernie Sanders im Jahr 2016 mit.[9]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocasio-Cortez engagierte sich zunächst bürgerschaftlich in ihrem Wohnviertel in der Bronx und ist politisch Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas.[10][11][12]

Bei der Halbzeitwahl 2018 bewarb sich Ocasio-Cortez für einen Sitz im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Am 26. Juni 2018 gewann sie unerwartet die parteiinterne Vorwahl gegen den langjährigen Abgeordneten Joe Crowley in New Yorks 14. Kongresswahlbezirk. Sie setzte sich mit 16.000 zu 12.000 Stimmen durch. Crowley hatte die Hauptwahl 2016 mit 148.000 Stimmen gewonnen.[13] Unterstützung erhielt Ocasio-Cortez von Interessengruppen wie Black Lives Matter, Democracy for America und MoveOn.org. Ihr Leitspruch lautete: „Ich kann nicht das große Geld mit mehr Geld herausfordern, sondern muss es mit einem komplett anderen Spiel schlagen.“ Während Crowley für seinen Nominierungswahlkampf 3,4 Millionen Dollar investierte,[14] betrug das Budget Ocasio-Cortez’ 194.000 Dollar.[15] Sie hatte bis zur Vorwahl 300.000 Dollar an Wahlkampfspenden gesammelt. Während des Wahlkampfs trat sie mehrmals bei TYT auf und wurde von diesem Netzwerk als Mitglied der Justice Democrats unterstützt, während sie von den meisten anderen Medien erst nach der Wahl rezipiert wurde.

Am 6. November 2018 gewann sie überlegen die Hauptwahl für das Repräsentantenhaus gegen Anthony Pappas, den Kandidaten der Republikaner, in diesem traditionell von Demokraten dominierten, mehrheitlich hispanischen Wahlbezirk. Sie ist seit Antritt ihres Mandats am 3. Januar 2019 die bisher jüngste Frau im Kongress.[16]

Positionen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocasio-Cortez setzt sich für eine allgemeine staatliche Krankenversicherung (Single Payer), für die Abschaffung der US-Einwanderungsbehörde[11] und für einen Mindestlohn von 15 US-Dollar ein.[17]

Sie gehört zu den Unterstützerinnen des Green New Deal, einer Initiative mit dem Ziel eines ökologischen Umbaus der Industriegesellschaft, und machte dies zu einem Schwerpunkt ihrer Wahlkampagne.[18] Sie begleitete 2018 die Initiative Sunrise Movement, die sich ebenso für den Green New Deal einsetzt, bei der Besetzung des Büros von Nancy Pelosi.[19]

Ocasio-Cortez wurde mit ihren 3,8 Millionen Twitter-Followern (April 2019) und vielen Auftritten in traditionellen Medien eine der sichtbarsten Politikerinnen ihrer Partei; sie gilt als bekannter als einige Präsidentschaftskandidaten. Für Kontroversen innerhalb ihrer Partei sorgte ihr Aufruf, konservative Mandatsträger der Demokraten in Vorwahlen herauszufordern. So machte sie sich Mitglieder des Congressional Hispanic Caucus und des Congressional Black Caucus zu Gegnern, indem die mit ihr verbundene Gruppe Justice Democrats aufrief, gegen den texanischen Latino Henry Cuellar zu kandidieren und laut Gerüchten Kandidaturen auch gegen den einflussreichen New Yorker Afroamerikaner Hakeem Jeffries geplant waren. Eher zentristische Demokraten planten daher 2019, Ocasio-Cortez selbst in der Vorwahl für die Wahl 2020 herauszufordern.[20]

Ocasio-Cortez vertritt die geldpolitischen Ansichten der Modern Monetary Theory, die von Gegnern, wie etwa dem früheren demokratischen US-Finanzminister Larry Summers als „Voodoo-Ökonomie“ kritisiert wird.[21]

Zusammen mit Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib tritt sie als Gruppe, The Squad benannt, in Erscheinung.

Im Juni 2019 verglich Ocasio-Cortez die Flüchtlingslager an der Südgrenze der USA mit Konzentrationslagern, was eine Debatte über die Zulässigkeit solcher Vergleiche auslöste.[22]

Ocasio-Cortez sprach sich vor den Präsidentschaftsvorwahlen der Demokratischen Partei im Jahr 2020 für Bernie Sanders aus ("Endorsement").[23]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Filmdokumentation: Frischer Wind Im Kongress (Knock Down the House). 2019. Netflix. Von Rachel Lears

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexandria Ocasio-Cortez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stéphanie Le Bars, Odile Kennel: Das Gesicht des linken Amerika. In: republik.ch. Republik AG, 24. April 2019, abgerufen am 29. April 2019.
  2. Ocasio-Cortez Reveals Jewish Heritage at Hanukkah Event: „My Family Was Sephardic“, Haaretz, 10. Dezember 2018, abgerufen am 14. Dezember 2018.
  3. The Effects of Antioxidants on Lifespan Using the C. elegans Model, yhsresearch.org, 6. August 2018.
  4. Daniel Malloy: This Berniecrat Aims to Unseat a Queens Power Broker. In: Ozy.com, 23. Mai 2018.
  5. A. P. Joyce: Meet the young progressive Latina trying to oust one of the most powerful Democrats in the House. In: MIC-Networks, 28. Februar 2018.
  6. A Primary Against the Machine: A Bronx Activist Looks to Dethrone Joseph Crowley, The King of Queens. In: The Intercept, 22. Mai 2018.
  7. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.alexandria-ocasio-cortez-im-portrait-kuehn-wie-kennedy.633f339c-233f-4c8f-ad65-e15c16bbc534.html
  8. Sarah Ruiz-Grossman: How This Young Latina Candidate Is Shaking Up A New York Congressional Race. In: Huffington Post, 4. Juni 2018.
  9. orf.at
  10. NPC Statement: Alexandria Ocasio-Cortez, The Political Revolution Continues!
  11. a b Alexandria Ocasio-Cortez: Junge Latina gegen das Establishment. In: Der Standard
  12. DSA Votes for BDS, Reparations, and Out of the Socialist International in Left Voice, Abgerufen am 28. Juni 2018
  13. Andrew S. Tanenbaum: Takeways from Tuesday Elections. In: Electoral-Vote.com, 28. Juni 2018; Die Zeichen im amerikanischen Kongress stehen auf Wandel. In: Neue Zürcher Zeitung, 27. Juni 2018.
  14. The Center for Responsive Politics: Rep. Joseph Crowley – Campaign Finance Summary. Abgerufen am 28. Juni 2018 (englisch).
  15. The Center for Responsive Politics: New York District 14 2018 Race. In: OpenSecrets.org. Abgerufen am 28. Juni 2018 (englisch).
  16. Ocasio-Cortez to be youngest woman ever elected to Congress. In: CNN.com, 6. November 2018.
  17. sueddeutsche.de 28. Juni 2018: Die nicht vorgesehene Kandidatin
  18. Emily Holden: Green New Deal: what is the progressive plan, and is it technically possible?, The Guardian, 29. Dezember 2018
  19. Emily Witt: The Optimistic Activists for a Green New Deal: Inside the Youth-Led Singing Sunrise Movement. The New Yorker, 23. Dezember 2018. Abgerufen am 20. Januar 2019.
  20. Scott Wong: Some Dems float idea of primary challenge for Ocasio-Cortez. In: The Hill, 29. Januar 2019. Siehe allgemein zu Ocasio-Cortez’ Prominenz und Einfluss Russell Berman: ‘If We Pass Medicare for All, I’m Going to Be Silent as a Lamb’. In: The Atlantic, 19. November 2018; Sameeha Shaikh: 6 reasons that Alexandria Ocasio-Cortez is the most powerful woman in politics. In: The Daily Telegraph, 16. Januar 2019.
  21. Ein radikaler Vorschlag von Ocasio-Cortez sorgt für Aufregung In: Handelsblatt, 26. März 2019
  22. Sheryl Gay Stolberg: Ocasio-Cortez Calls Migrant Detention Centers ‘Concentration Camps,’ Eliciting Backlash. nytimes.com, 18. Juni 2019; Dorothea Hahn: US-Debatte über Holocaust-Vergleich: Eine Frage des Framings. taz.de, 4. Juli 2019, Zugriff beide Male am 19. Oktober 2019.
  23. Gregory Krieg and Annie Grayer CNN: Rashida Tlaib joins Ocasio-Cortez, Omar in endorsing Bernie Sanders. Abgerufen am 15. November 2019.