Alexis Lepère der Ältere

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schriftzug Lepere aus Spalierbäumen am Eingang der Baumschule

Alexis Lepère (* 9. Mai 1799 in Montreuil; † 29. Mai 1883 ebenda) war ein französischer Gärtner und Obstzüchter.[1] Er erlangte in Europa große Bekanntheit für seine Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Spalierobstzucht und Pfirsichkultur. Er war der Vater des Gärtners Alexis Lepère des Jüngeren.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Obstmauern in Montreuil
Palmette nach Lepère

Alexis Lepère wurde im Jahr 1799 als Sohn eines Pfirsichgärtners in Montreuil bei Paris geboren. In Montreuil war die Kultur von Obstbäumen, vor allem von Pfirsichen an Talutmauern sehr verbreitet, weshalb der Ort auch Montreuil aux pêches genannt wurde.[2] Durch dieses besondere, bereits seit dem 17. Jahrhundert in dem Ort entwickelte Kulturverfahren gelang es den Gärtnern der Stadt, auch wärmebedürftige Obstarten zu kultivieren und Früchte von besonderer Qualität zu erzeugen, mit denen der nahegelegene Königshof in Paris und die Pariser Märkte beliefert wurden. In Lepères Familie hatten bereits mehrere Generationen als Pfirsichzüchter gearbeitet.

Schriftzug Napoleon aus einem Spalierbaum gezogen

Lepère bewies bereits in jungen Jahren ein großes Talent für den Garten- und Obstbau, so dass er schon im Alter von 26 Jahren mit der Anlage des Parc Montreau in Montreuil beauftragt wurde.[3] Er verbesserte die Kultur der Pfirsichbäume durch besondere Schnitt- und Baumerziehungsformen und nahm für sich in Anspruch, der Erfinder der Wuchsform Espalier caré zu sein.[4] Später wurde diese Spalierform auch als Palmette von Lepère oder Verbesserte Montreuil-Palmette bezeichnet.[5] Durch die besondere Schnitt- und Kulturtechnik gelang es ihm, hohe Erträge und qualitativ hochwertige Frücht zu ziehen. In seinem Obstgarten in der Rue Cuve du Faubourg, der nur eine Größe von knapp einem Hektar hatte, betrieb er eine Baumschule und erntete jährlich bis zu 40.000 Pfirsiche, die wegen der herausragenden Qualität überwiegend zu Stückpreisen verkauft wurden.[6]

Als Beweis für sein Geschick beim Spalierobstschnitt hatte Lepère an einer Mauer am Eingang seiner Baumschule aus den Zweigen von acht Pfirsichbäumen den Namenszug Lepere geformt, über dem die Zweige eine Krone formten.[7] Auf dem Gelände befand sich außerdem eine Mauer, an der Spalierbäume so erzogen waren, dass sie die drei Worte Napoléon, Eugenie und Prince Impérial bildeten, wodurch Kaiser Napoleon III., dessen Frau Kaiserin Eugenie und der 1856 geborene Thronfolger Napoléon Eugène Louis Bonaparte gehuldigt werden sollten.

Durch seine außerordentlichen Erfolge erlangte er internationale Bekanntheit[8] und wurde unter anderem als der Kaiser der Pfirsichtzucht bezeichnet.[9] Lepère war stets darum bemüht, sein Wissen an andere Gärtner weiter zu geben. So veröffentlichte er ein Buch über die Kultur des Pfirsichs und die besondere Schnitttechnik, das, zunächst im Eigenverlag herausgegeben, später zum Standardwerk wurde, in insgesamt sieben Auflagen erschien und auch ins Deutsche übersetzt wurde.

In den Frühjahrs- und Sommermonaten hielt Lepère gegen ein Eintrittsgeld von 1 Franc in seinem Garten zweimal wöchentlich Vorträge und gab Vorführungen im Obstbaumschnitt, zu denen zahlreiche Teilnehmer kamen, oft sogar auch aus dem Ausland.[10]

Zahlreiche Gärtner besuchten Lepère, um an seinen Vorlesungen teilzunehmen oder eine Zeit lang bei ihm zu arbeiten und von ihm zu lernen. Darunter waren unter anderem F. Malleson, der Hofgärtner von Claremont House des Königs von Belgien,[11] Karl Heinrich Koch[12] und der Baumschulbesitzer Nicolas Gaucher,[13] der später erheblichen Einfluss auf die Verbreitung des Formobstbaus in Deutschland hatte. Der spätere königlich-preußische Hofgärtner Gustav I. Adolph Fintelmann ließ sich von März bis Juni 1827 von Lepère in die Kultivierung besonders anspruchsvoller Obstsorten einweisen.[14]

Lepere war Mitglied der Société centrale d'horticulture des France sowie korrespondierendes Mitglied der Société royale linnéenne de Bruxelles. Er gehörte außerdem der Commission royale des Pomologie belge an.

Sein Sohn Alexis Lepère der Jüngere lernte von ihm und eiferte ihm nach. Er fertigte die Zeichnungen in dem Buch seines Vaters an.[15] Nachdem der Großgrundbesitzer Albert von Schlippenbach und seine Schwester, die Gräfin Agnes von Hahn, 1853 den Lepèr'schen Garten in Montreuil besichtigt hatten und von der Qualität der dort gezogenen Früchte sehr beeindruckt waren, reiste Alexis Lepère der Jüngere im Frühjahr 1854 nach Norddeutschland und legte auf Schloss Basedow, dem Anwesen von Friedrich von Hahn, Obstpflanzungen an Mauern nach den Kulturmethoden seines Vaters an.[16] Er erhielt weitere Aufträge, so dass er in den folgenden Jahren im Ausland, vor allem in Deutschland, mehr als vierzig Obstanlagen mit Talutmauern anlegte,[17] darunter im Auftrag von Albert von Schlippenbach bei Schloß Arendsee,[18] für den preußischen Kammerherrn Friedrich von Behr auf dem Gutshaus Vargatz bei Bandelin[19] sowie zusammen mit Gustav I. Adolph Fintelmann im Auftrag von Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1862 am Königlichen Weinberg am Klausberg[20] und 1863 auf dem Gelände der ehemaligen Hofgärtnerei im Park Babelsberg.[21]

Alexis Lepère starb am 25. Mai 1883 und wurde auf dem Friedhof von Montreuil begraben.[22] Sein Grab schmückt ein unter Denkmalschutz stehender Gedenkstein mit Lepères Büste, der von den Obstzüchtern Montreuils gestiftet wurde.[23]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstein auf dem Friedhof von Montreuil
Straßenschild der Rue Alexis Lepère in Montreuil
  • 1836 wurden ihm von der Société royale d'horticulture de France zwei Medaillen verliehen.[3]
  • 1855 wurde er durch Napoléon III. zum Chevalier de la Légion d'honneur ernannt.[24]
  • 1867 wurde er zum Ritter des Ordens von Leopold von Belgien ernannt.[25]
  • Der französische Minister für Landwirtschaft und Wirtschaft verlieh ihm für seine Verdienste in der Obstzucht eine goldene Medaille.[26]
  • Der Rosenzüchter Jacques Vigneron benannte 1875 eine Remontant-Hybride nach Alexis Lepère.[27]
  • In seiner Heimatstadt Montreuil ist die Rue Alexis Lepère nach ihm benannt.

Obstsorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexis Lepère der Ältere war der Züchter der aus Samen gezogenen Pfirsichsorte Pêche Lepère, der in Deutschland auch als Galande von Montreuil verbreitet wurde,[28] die 1846 in den Handel gebracht wurde.[29] Die 1876 in den Handel gebrachte Pfirsichsorte Alexis Lepère ist eine Züchtung seines Sohnes.[30]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pratique raisonnée de la taille du pêcher en espalier carré: contenant sa culture, sa multiplication, les principes généraux de la taille et leur application à la forme carrée, la taille dit à la Montreuil, les moyens de restaurer les vieux arbres, et de remédier aux maladies et accidents dont le pêcher peut être frappé, et la description des variétés de pêches les meilleures à cultiver.
    • 1. Auflage im Eigenverlag
    • 2. Auflage 1846
    • 3. Auflage 1852
    • 5. Auflage 1860
    • 6. Auflage 1864
    • 7. Auflage, Verlag von Mme Ve. Bouchard-Huzard, 1873
  • Die Kultur des Pfirsichbaumes in Karré-, Fächer-, Herzstamm-, Leyer-, Windstoß-, Armleuchter- und anderen Formen, nebst Erläuterungen über das Beschneiden, die Vermehrung, die Krankheiten des Pfirsichbaumes und einem Verzeichnis der besten Sorten. Für Gärtner, Gartenbesitzer und Freunde des Pfirsichbaumes. Nach der fünften französ. Originalausgabe übersetzt aus dem Französischen von J. Hartwig. Verlag von Bernhard Friedrich Voigt, Weimar, 1861
    • Die Kultur des Pfirsichbaumes am Spaliere. Für Gärtner, Gartenbesitzer und Freunde des Pfirsichbaumes. 2. umgearbeitete Auflage, Verlag von Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1886

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexis Lepère der Ältere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lepère, Alexis. In: T. Rümpler: Illustriertes Gartenbau-Lexikon, 3. neubearbeitete Auflage, Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin 1902, S. 452
  2. Histoire des murs à pêches.auf der Homepage des Pariser Stadtteils Montreuil, abgerufen am 24. Januar 2015
  3. a b Tombe d’Alexis Lepère, Montreuil-sous-Bois (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/fr.topic-topos.com auf der Homepage Topic topos - Le patrimoine, l'identité des territoires, abgerufen am 23. November 2014
  4. Foreign Correspondence. In: The Gardeners' Chronicle. 1842, S. 870
  5. W. Lauche: Handbuch des Obstbaues auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Verlag von P. Parey, Berlin 1882 S. 596 ff
  6. K. Koch: Aus einem Berichte über eine Reise nach Frankreich. In: C.von Salviati: Annalen der Landwirtschaft in den Königlich preussischen Staaten. 23. Jahrgang, 46. Band, Verlag von Wiegand und Hempel, Berlin 1865, S. 435f
  7. Herrn Alexis Lepère's Wirken in norddeutschen Obstgärten. In: C.von Salviati: Annalen der landwirtschaft in den Königlich preussischen Staaten. 22. Jahrgang, 43. Band. Barthol und Co, Berlin 1864, S. 59f
  8. M. Müller: Ein Besuch in den Pfirsichgärten zu Montreuil und hauptsächlich in dem des Hrn. Lepére. In: Gartenflora: Monatsschrift für deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde, 4. Jahrgang, Verlag von Ferdinand Enke, Erlangen 1855, S. 43f
  9. W. Robinson: Peach-growing at Montreuil. In: Gleanings from French gardens: comprising an account of such features of French horticulture as are most worthy of adoption in British gardens. Frederick Warne and Co., London 1868, S. 189
  10. T. Schmidt: Die bedeutendsten Gärten, und Handelsgärten-Etablissements in Paris und dessen nächster Umgebung – Ein Fingerzeig, für junge teutsche Gärtner, welche Paris besuchen. In: Berliner Allgemeine Gartenzeitung. Band 7, Verlag der Nauck'schen Buchhandlung, 1839, S. 279
  11. Pruning and Management of thePeach Tree. According to the Method of M. Alexis Lepère, of Montreuil, near Paris. In: Journal of the Royal Horticultural Society, Band 8, Royal Horticultural Society, 1853S. 137ff
  12. K. H. Koch: Die deutschen Obstgehölze: Vorlesungen gehalten zu Berlin im Winterhalbjahr 1875/76. Verlag von Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1876, S. 542ff
  13. Nicolas Gaucher: Handbuch der Obstkultur: Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet. Verlag von P. Parey, Berlin 1896, S. 170
  14. Gustav Adolph Fintelmann: Die Pfirsichzucht zu Montreuil bei Paris. In: Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den königlich preussischen Staaten. 19. Band, 1849, S. 16–31.
  15. Alexis Lepere: Die Kultur des Pfirsichbaumes in Karré-, Fächer-, Herzstamm-, Leyer-, Windstoß-, Armleucter- und anderen Formen, nebst Erläuterungen über das Beschneiden, die Vermehrung, die Krankheiten des Pfirsichbaumes und einem Verzeichnis der besten Sorten. Für Gärtner, Gartenbesitzer und Freunde des Pfirsichbaumes. Nach der fünften französischen Originalausgabe übersetzt aus dem Französischen von J. Hartwig. Verlag von Bernhard Friedrich Voigt, Weimar,1861, S. VII
  16. Herrn Alexis Lepère's Wirken in norddeutschen Obstgärten. In: C.von Salviati: Annalen der landwirtschaft in den Königlich preussischen Staate. 22. Jahrgang, 43. Band. Barthol und Co, Berlin 1864, S. 59
  17. M. Delessard: Notice sur Alexis Lepère, Fils. In: Journal de la Sociètè Nationale d'Horticulture des France. Tome 18, Paris 1896, S. 1011–1016.
  18. Arendsee und die feinere Obstzucht des Grafen von Schlippenbach. In: Wochenschrift des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde. Nr. 30, Berlin, 30. Juli 1864, S. 233
  19. J. Münter: Bericht über die vom Gartenbau-Vereine für Neu-Vorpommern und Rügen in Stralsund während der Tage vom 13. bis 16. September 1866 veranstaltete Ausstellung von Pflanzen, abgeschnittenen Blumen, Obst, Gemüse und landwirthschaftlichen Produkten des Pflanzen- und Thierreichs. In: Wochenschrift des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde. 9. Jahrgang, Verlag von Karl Wiegandt, Berlin 1866, S. 313–317.
  20. Protokolle des Vereins für die Geschichte Potsdams - Zehnte Versammlung. In: L. Schneider: Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams. Gropius'sche Buch- und Kunsthandlung (A. Krausnick), Potsdam 1864, S. 45 f.
  21. M. Heise, M. Vranic: Potsdam, Park Babelsberg, ehemalige Hofgärtnerei - Die Lepère‘schen Quartiere I. In: Jahrbuch MSD 2007-09, Berlin 2009, S. 57
  22. Personalnachrichten. In: L. Wittmack (Hrsg.): Garten-Zeitung - Monatsschrift für Gärtner und Gartenfreunde, 1. Jahrgang, Paul Parey-Verlag, Berlin 1883, S. 390
  23. Eintrag zum Grabstein von A. Lepère auf der Homepage Ministère de la Culture et de la Communication, abgerufen am 23. November 2014
  24. Tombe d’Alexis Lepère, Montreuil-sous-Bois (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/fr.topic-topos.com auf der Homepage Topic topos - Le patrimoine, l'identité des territoires, abgerufen am 23. November 2014
  25. Eintrag zum Grabstein von A.Lepere auf der Homepage Ministère de la Culture et de la Communication, abgerufen am 23. November 2014
  26. A. Lepère: Pratique raisonnée de la taille du pêcher en espalier carré: contenant sa culture, sa multiplication, les principes généraux de la taille et leur application à la forme carrée, la taille dit à la Montreuil, les moyens de restaurer les vieux arbres, et de remédier aux maladies et accidents dont le pêcher peut être frappé, et la description des variétés de pêches les meilleures à cultiver. 7. Auflage, Verlag von Mme Ve. Bouchard-Huzard, 1873, Titelseite
  27. Eintrag auf Welt der Rosen zur Rose 'Alexis Lepère, abgerufen am 14. November 2014
  28. W. Lauche: Galande von Montreuil. In:Lauche's Erster Ergänzungsband zu Lucas und Oberdieck's Illustriertes Handbuch der Obstkunde. Verlag von Paul Parey, 1883, S. 703
  29. U. P. Hedrick: The Peaches of New York - Report of the New York Agricultural Experiment Station for the Year. J. B. Lyon Company, Albany 1917, S. 365
  30. Société pomologique de France: Catalogue descriptif des fruits adoptés par le Congrès Pomologique. Imprimierie Paul Legendre et Cie., Lyon 1906, S. 84