Alexishafen

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Koordinaten: 5° 5′ S, 145° 48′ O

Karte: Papua-Neuguinea
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Alexishafen
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Papua-Neuguinea

Alexishafen (auch Alexis Harbour) ist eine kleine Küstenstadt etwa 25 km nördlich von Madang in Papua-Neuguinea.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexishafen, Residenz von Bischof Franziskus Wolf SVD, Apostolischer Vikar von Ost-Neuguinea

Der russische Forschungsreisende Nikolai Miklucho-Maklai hatte vom 27. Juni 1876 bis 10. November 1877 sein Standquartier in Konstantinhafen an der Astrolabebucht. Er hielt sich längere Zeit in Bilbil auf und entdeckte von dort aus einen Hafen, den er nach dem Generaladmiral der Kaiserlich Russischen Marine Alexei Alexandrowitsch Romanow Großfürst-Alexis-Hafen nannte.

1883 besuchte die russische Korvette Skobelew unter Kapitän Wadim Wassiljewitsch Blagodarew den Hafen. Die vorgelagerte Insel erhielt den Namen Skobelew-Insel, heute wird sie Sek-Insel genannt.

Am 16. Mai 1910 begannen die Steyler Missionare ihre Missionsarbeit in Neuguinea. Die ersten beiden Jahre arbeiteten sie in der Hauptstation St. Michael in Alexishafen.[1] Diese Station bestand aus einer Schwesternstation, der bischöflichen Residenz, der Kathedrale St. Michael, Wohnungen, einer Katechetenschule, Werkstätten, Maschinenräumen, der Mädchenschule, dem Missionskrankenhaus, Lagerräumen und den Missionspflanzungen.

1922 wurde das Territorium der Steyler Missionare im ehemaligen deutschen Kaiser-Wilhelms-Land zum Apostolischen Vikariat umgewandelt. Erster Apostolischer Vikar wurde Bischof Franziskus Wolf; am 24. November 1922 erhielt er seine Ernennung und begab sich in die Mission.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten die Steyler Missionare aus Alexishafen flüchten, um sich vor den Angriffen der japanischen Truppen zu schützen. Der Hauptsitz der Mission wurde durch einen Fliegerangriff am 1. September 1943 vollständig vernichtet, von der Kathedrale blieben nur Fundamentreste und die Freitreppe stehen.[2] Auf dem alten Missionsfriedhof von Alexishafen entstand eine Gedenkstätte mit Kreuzigungsgruppe.[3][4] In der Krypta der neu erbauten Kirche fand Franziskus Wolf seine letzte Ruhestätte.[5]

Heute gibt es in Alexishafen ein Health-Center, in dem Steyler Schwestern und Ärzte arbeiten.

Industrielle Zone PMIZ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexishafen ist Standort eines umstrittenen Projektes zur Schaffung einer 300 Millionen US-Dollar teuren industriellen Zone Pacific Marine Industrial Zone, (PMIZ).[6] Die Regierung Papua Neuguineas plant gemeinsam mit der Weltbank, der Volksrepublik China und Japan auf dem ehemaligen Gebiet der Missionsstation zehn neue Thunfischfabriken mit Hafenanlagen, Lagerhallen und Arbeiterunterkünften zu bauen.

Viele lokale Grundbesitzer der Volksgruppen Sek, Rempi und Kananam aus den Dörfern rund um den Bereich sind gegen die Pacific Marine Industrial Zone. Die PMIZ hat das Ziel, die reichen Thunfischvorkommen der Region abzufischen. Die von der Fischerei abhängigen Dorfbewohner fürchten um ihre Existenzgrundlage. Durch industrielle Überfischung würden die Thunfischvorkommen binnen weniger Jahre aufgebraucht sein. Ungelernte, günstige Arbeiter aus anderen asiatischen Ländern würden die Arbeit in den Fabriken übernehmen.

Die Ausbeutung der Fischgründe hätte auch Folgen für das regionale Ökosystem. Die Madang-Lagune besitzt eine ungewöhnlich reiche Artenvielfalt. Die im Juni 2010 vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz von Papua-Neuguinea (Department of Environment and Conservation (DEC)) veröffentlichte Umweltverträglichkeitsprüfung stellte fest, dass zwei endemische Fischarten und zwei weltweit gefährdete Fischarten in dem Gebiet vorkommen. Auch zwei Arten weltweit bedrohter Schildkröten sind im Projektgebiet gesichtet worden. Die Lagune ist die Heimat von drei gefährdeten Säugetierarten. An Land werden vier Tierarten vom Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES in Anhang 2 als schutzbedürftige Arten geführt, darunter der Allfarblori und der Edelpapagei.[7]

Im Juni 2009 erfolgte der offizielle Spatenstich für das PMIZ-Projekt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexishafen, In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 2, Leipzig 1920, S. 32.
  2. Die Überreste der ausgebombten Kathedrale von Alexishafen@1@2Vorlage:Toter Link/cas.awm.gov.au (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.Australian War Memorial, Campbell
  3. Missionsfriedhof Alexishafen@1@2Vorlage:Toter Link/www.pacificwrecks.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Pacific Wrecks
  4. Gedenkstätte auf dem Friedhof von Alexishafen (Memento des Originals vom 24. September 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/photographersdirect.com Photographers Direct
  5. Zweite Exhumierung und endgültige Beisetzung des Bischofs, Verein zur Förderung der Missionswissenschaft, Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft, Bände 24–25, 1968
  6. Homepage der PMIZ@1@2Vorlage:Toter Link/pmiz.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. PMIZ Watcher: EIS paints a terrible picture of PMIZ impacts ACT NOW! PNG