Alfons Goppel

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Alfons Goppel, 1963

Alfons Goppel (* 1. Oktober 1905 in Reinhausen, Bezirksamt Stadtamhof (heute Regensburg), Bayern; † 24. Dezember 1991 in Johannesberg, Landkreis Aschaffenburg) war ein deutscher Politiker (CSU). Von 1962 bis 1978 war er Ministerpräsident von Bayern.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfons Goppel, 1975

Alfons Goppel ist das vierte von neun Kindern einer einfachen Handwerkerfamilie, aus Reinhausen in Regensburg stammend. Seine ältere Schwester Elisabeth ist die Mutter des Bischofs von Augsburg, Konrad Zdarsa.

Von 1916 bis 1925 besuchte er das Albertus-Magnus-Gymnasium Regensburg. Nach dem Abitur studierte Alfons Goppel von 1925 bis 1929 Rechtswissenschaften in München. Hier wurde er aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Erwinia, später auch noch der K.St.V. Agilolfia Regensburg, der K.S.St.V. Alemannia München und der K.St.V. Ottonia München, alle im KV. Nach Beendigung seiner juristischen Ausbildung ließ sich Goppel zunächst als Anwalt in Regensburg nieder. Seine politische Karriere begann 1930 mit dem Eintritt in die Bayerische Volkspartei. Im November 1933 wurde er Mitglied der SA sowie 1937 der NSDAP.[1][2] 1937 meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Im Zweiten Weltkrieg war Goppel an der West- und Ostfront eingesetzt. Zuletzt war er Oberleutnant d. R. und Waffen- und Taktiklehrer an der Infanterieschule Döberitz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss Goppel sich der neu gegründeten Christlich-Sozialen Union an. 1947 wurde er zum Landrat des Landkreises Aschaffenburg gewählt, vom Innenministerium allerdings mit Hinweis auf seine NSDAP-Mitgliedschaft nicht bestätigt.[1] 1952 wurde er zweiter Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg. 1954 wurde er Abgeordneter des Bayerischen Landtags, dem er bis 1978 angehörte.

Von 1957 bis 1958 war Goppel Staatssekretär im Bayerischen Justizministerium, bis 1962 bekleidete er dann unter Hanns Seidel und Hans Ehard das Amt des Innenministers. Am 11. Dezember 1962 folgte er diesem im Amt des Ministerpräsidenten nach.

Goppel war sechzehn Jahre „Landesvater“ in Bayern, bis er am 7. November 1978 von Franz Josef Strauß abgelöst wurde. Damit ist Goppel der bislang am längsten amtierende bayerische Ministerpräsident. Die unter seiner Spitzenkandidatur erreichten 62,1 % der Wählerstimmen bei der Landtagswahl 1974 sind bis heute das beste Ergebnis, welches die CSU je erreichte, und darüber hinaus das zweitbeste Ergebnis, welches je eine Partei bei Landtagswahlen in Deutschland erzielte (übertroffen wurde das Ergebnis lediglich 1948, als die Berliner SPD unter Ernst Reuter 64,5 % der Stimmen erzielte). Von 1979 bis 1984 verbrachte Goppel die letzten Jahre seines politischen Lebens im Europaparlament.

Am Ende seiner Amtszeit als Ministerpräsident begnadigte Goppel den ehemaligen SS-Unterscharführer Alois Dörr. Dörr war als Kommandant des KZ-Außenlagers Helmbrechts 1969 wegen fünffachen gemeinschaftlich begangenen Mordes zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt worden.[3]

Von 1958 bis 1969 war er Vorsitzender des Altherrenvereins seiner Ur-Studentenverbindung Erwinia.

Am 8. Januar 1980 wurde die Alfons Goppel Stiftung vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren als öffentliche Stiftung des bürgerliches Rechts mit dem Sitz in München gemäß § 80 des Bürgerlichen Gesetzbuches und Art. 3, 5 und 6 des Stiftungsgesetzes genehmigt. Mit einem Festakt am 15. Januar 1980 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Gründungsversammlung der Stiftung trug der damalige Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann Goppel an, die Idee der Jugend- und Bildungsförderung in Entwicklungsländern mit seinem Namen zu verbinden. Goppel stimmte zu und gab für seine Familie das Versprechen, dass sie sein Erbe vertrauens- und respektvoll weiterführen werde. Bis heute wird diese von seiner Familie weitergeführt.

Mit seiner Frau Gertrud (geborene Wittenbrink) hatte er sechs Söhne, darunter den Politiker Thomas Goppel, den ehemaligen Director-General der Euratom Supply Agency, Michael Goppel, den ehemaligen Chefarzt der inneren Medizin und ärztlichen Direktor der Klinik Mühldorf am Inn, Ludger Goppel und den ehemaligen Direktor der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Christoph Goppel.

Alfons Goppel starb an Heiligabend 1991 in Johannesberg. Er wurde auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenbenennung

Goppel wurde 1961 mit dem Bayerischen Verdienstorden und 1963 mit dem Großkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1965 wurde Goppel Ehrenbürger der Landeshauptstadt München, 1975 der Stadt Regensburg und 1981 der Stadt Hof. 1975 erhielt er das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik sowie das Schlesierschild und 1977 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. 1987 verlieh ihm der KV die Georg-von-Hertling-Medaille.

In Schweinfurt ist ein Berufsschulzentrum nach ihm benannt. Aus Anlass seines 100. Geburtstages wurde am 1. Oktober 2005 in München eine Straße nach ihm benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reden. Ausgewählte Manuskripte aus den Jahren 1958–1965. Echter-Verlag, Würzburg 1965.
  • Bayern, Deutschland, Europa. Festschrift für Alfons Goppel. Hrsg. v. Ludwig Huber. Passavia-Verlag, Passau 1975.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Bitterhof, Renate Höpfinger: Ministerpräsident Alfons Goppel. 11. Dezember 1962 bis 7. November 1978. In: Generaldirektion der Staatlichen Archive (Hrsg.): Das schönste Amt der Welt. München 1999, S. 116–146.
  • Claudia Friemberger: Alfons Goppel. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 30, Bautz, Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6, Sp. 509–518.
  • Claudia Friemberger: Alfons Goppel. Vom Kommunalpolitiker zum Bayerischen Ministerpräsidenten. München 2001.
  • Claudia Friemberger, Ferdinand Kramer (Hg.): Rückblicke 1957-1984 des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel. St. Ottilien 2005.
  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hrsg.): Bayern im Wandel. Alfons Goppel 15 Jahre Ministerpräsident. (= Politische Studien 1977,4). München 1977.
  • Karl-Ulrich Gelberg: Alfons Goppel (1905–1991) In: Jürgen Aretz (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Münster 2001, S. 260–279.
  • Karl-Ulrich Gelberg: Dynamischer Wandel und Kontinuität. Die Ära Goppel (1962–1978). In: Ders.: Vom Kriegsende bis zum Ausgang der Ära Goppel (1945–1978). In: Alois Schmid (Hrsg.): Handbuch der Bayerischen Geschichte. Band 4: Das neue Bayern von 1800 bis zur Gegenwart. Teilband 1: Staat und Politik. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50451-5, S. 857–957.
  • Ludwig Huber (Hrsg.): Bayern, Deutschland, Europa. Festschrift für Alfons Goppel. Passau 1975.
  • Margret Kopp (Hrsg.): Festschrift zum 90. Geburtstag von Dr. h.c. Alfons Goppel. 1. Oktober 1995. München 1995.
  • Stefan März: Alfons Goppel. Landesvater zwischen Tradition und Moderne (kleine bayerische biografien). Regensburg 2016, ISBN 978-3-7917-2788-2.
  • Stefanie Siebers-Gfaller: Von Utopia nach Europa. Alfons Goppel, 1.10.1905 bis 24.12.1991; biographische Notizen. München 1996.
  • Hans Zehetmair (Hrsg.): Bilanz eines erfüllten Lebens. Alfons Goppel zum 100. Geburtstag. München 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alfons Goppel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Max Spindler, Dieter Albrecht, Alois Schmid: Handbuch der bayerischen Geschichte. Band IV, C.H. Beck, München 2003, 1, S. 860.
  2. Bayerische Staatskanzlei: Die bayerischen Ministerpräsidenten: Dr. h.c. Alfons Goppel. (Memento vom 9. Oktober 2014 im Internet Archive) Quelle: Andreas Bitterhof und Renate Höpfinger. Auszug aus: Das schönste Amt der Welt. 1999.
  3. Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus. Frühjahr 1945 in Oberfranken. Späthling, Weißenstadt 2015, ISBN 978-3-942668-23-1, S. 84.