Alfons Müller-Wipperfürth

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Alfons Müller-Wipperfürth (* 21. Mai 1911 als Alfons Müller in Mönchengladbach; † 4. Januar 1986 in Bad Gastein) war ein Herrenmodenfabrikant.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. September 1931 übernahm Müller in Mönchengladbach den väterlichen Betrieb. Nach einem Bankrott begann Müller nach dem Zweiten Weltkrieg die neue Fertigung in Wipperfürth. Er begann dort mit drei Nähmaschinen und sieben Näherinnen eine Herrenhosenfabrikation in einer gemieteten ehemaligen Bombenfabrik. Bei der Währungsreform 1948 hatte der Betrieb bereits 400, im Jahre 1954 schon 915 Mitarbeiter. Bereits 1948 produzierte Müller 1.000 Anzüge täglich.

Aufgrund von Schwierigkeiten mit den Textilhändlern übernahm Müller den Vertrieb selbst. Zunächst verkaufte er von Lastwagen, bald eröffnete er seine ersten eigenen Geschäfte. Sein Geschäftsprinzip lautete: „Von der Fabrik direkt zum Kunden“. 1951 war er bereits Besitzer von 50 Ladenlokalen, meist in bester Innenstadtlage. Müller nahm 1952 mit Zustimmung der Stadt und Genehmigung der Regierung den Namen “Müller-Wipperfürth” an.[1] Anders als seine Konkurrenten betrieb er das bis dahin handwerklich betriebene Schneidergeschäft nach den von Henry Ford entwickelten Produktionsprinzipien. Seine Zuschneidemaschinen waren schon früh im Stande, doppelt so viele Stoffbahnen zuzuschneiden wie die seiner Konkurrenten. Bereits Anfang der 1950er Jahre konnte er in einem Arbeitsgang 300 übereinanderliegende Stoffbahnen zuschneiden.

In den 1950er Jahren wurde er dadurch einer der erfolgreichsten Textilunternehmer in Deutschland. Sein erstes Werk außerhalb Deutschlands gründete er im österreichischen Neufelden. Bald kam auch im belgischen Pepinster ein weiteres Werk hinzu. Um seine Verkaufspreise weiterhin niedrig halten zu können, entwickelte er den Plan eines vertikal integrierten Konzerns: Spinnereien und Webereien mussten hinzukommen. Dazu übernahm er Lieferanten, teilweise günstig aus der Konkursmasse. Nach der Übernahme investierte er in modernste Fertigungstechnik und erhöhte die Effizienz. In Wipperfürth richtete er sein Zentrallager ein, von dem alle Geschäfte mit einer eigenen Fahrzeugflotte regelmäßig beliefert wurden. In seinen besten Jahren hatte sein Textilkonzern 18 Fabriken in sechs Ländern mit über 220 Bekleidungsgeschäften und über 8.000 Mitarbeitern; Müller-Wipperfürth war zum so genannten „rheinischen Hosenkönig“ avanciert.

Das Finanzamt forderte von ihm jedoch die Steuernachzahlung von sechs Millionen DM, weil es annahm, dass er bereits verkaufte Waren als unverkäufliche Retouren aus dem Ausland wieder zurücknahm. Nach Ansicht der Steuerfahndung exportierte er zu günstig nach Österreich, um Gewinne ins Ausland zu verschieben. Zeitzeugen gehen davon aus, dass bei einem höheren Verrechnungspreis zwischen seinem deutschen und seinem österreichischen Unternehmen die österreichischen Steuerbehörden ihrerseits gegen ihn wegen Steuerverschiebung ermittelt hätten. Nachdem Müller-Wipperfürth nach einiger Verzögerung sechs Millionen DM Steuern nachzahlte, forderte das Finanzamt weitere fünf Millionen DM. Müller-Wipperfürth verlegte seine Konzernzentrale nach Lugano, leitete sein Unternehmen dadurch, dass er seine Verkaufs- und Werksleiter täglich per Flugzeug zum Rapport nach Lugano bestellte und spaltete sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft auf, die die Fabriken umfasste und eine GmbH, in der die Verkaufsstellen zusammengefasst sind.

Er setzte seinen unternehmerischen Führungsstil auch international fort, indem er im tunesischen Monastir mit deutschen Zuschüssen von zwei Millionen DM ein weiteres Werk gründete, wo er bei äußerst niedrigen Löhnen und zuverlässigen Arbeitskräften sich den Spitznamen „Ben Wipp“ erwarb. Er hatte mit logistischen Problemen zu kämpfen, die nach den für die Subventionierung vorgeschriebenen 1,5 bis 2 Jahren zur Auflösung des Werks führten.

Bei regelmäßigen Inspektionsflügen seines Firmenimperiums überflog er Deutschland auf dem Weg von Österreich direkt nach Belgien. Probleme mit dem Flugzeug führten am 14. März 1964 zu einem Absturz über einem Haus in der Eifel, bei dem drei Menschen starben und Müller-Wipperfürth verletzt in das Krankenhaus Mayen eingeliefert wurde. Müller-Wipperfürth behauptete, in die Wirbelschleppe eines Kampfjets geraten zu sein, wohingegen das Luftfahrt-Bundesamt ihm vorwarf, ohne Blindfluglizenz bei Blindflug-Wetterbedingungen geflogen zu sein.[2] Eine Untersuchung des Wracks der noch fast neuen zweimotorigen Beechcraft Queen Air mit dem Kennzeichen HB-GBE ergab schließlich, dass das Höhenleitwerk in 2500 Metern Höhe abgerissen war, weil die Steuerseile offenbar infolge ständiger Überbeanspruchung durch den – bei Mitfliegern für seine waghalsigen Flugmanöver bekannten – Piloten defekt geworden waren. Im Krankenhaus verhaftete ihn die Steuerfahndung und überführte ihn wegen Fluchtgefahr ins Haftkrankenhaus nach Düsseldorf, um der erneuten Steuernachforderung Nachdruck zu verleihen. Gegen eine Kaution von einer Million DM kam er in eine orthopädische Klinik in Köln, von wo er mit dem Flugzeug nach Lugano zurückkehrte und in Raten weitere 13 Millionen DM Steuern nachzahlte.

Der wirtschaftliche Erfolg ließ dann nach. Müller-Wipperfürth galt als höchst misstrauisch gegenüber seinem Umfeld und behielt sich alle Entscheidungen persönlich vor.[3] Die IHB Investitions- und Handelsbank, seit 1964 mit 49 % beteiligt, schoss weiteres Geld nach.[4] Er erkannte nicht mehr die modischen Markttrends, weg vom Anzug, hin zu Freizeitkleidung, die nicht seinem persönlichen Geschmack entsprachen, was zu einem wirtschaftlichen Einbruch führte. Neue Mode wurde nur zögerlich mitgemacht; die Ladenlokale wiesen noch den Charme der 1950er Jahre auf. Somit drohte 1978 das Aus für das Unternehmen. Gemeinsam mit anderen Banken zwang die IHB Müller-Wipperfürth zum Rückzug aus seinen deutschen Fabriken. 1970 hatte er 80 % seiner Produktion ins Ausland verlegt, wo er jedoch über kein adäquates Verkaufsnetz verfügte. Als er erkannte, dass er den Kampf verloren hatte, verschenkte er Betriebsteile an seine Kinder aus mehreren Ehen, die zuvor nur Angestellte waren. Er verkaufte seine Flugzeugflotte und zog sich in sein Privatleben, vorwiegend ins österreichische Neufelden, zurück.

Auch Umfirmierung und zusätzliche Kredite der Hessischen Landesbank in die Modernisierung konnten die Verkaufsstellen nicht retten.

1981 wurde das letzte schwebende Steuerverfahren eingestellt. 1982 schloss der letzte Laden.[5]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Belgien besaß er bereits Schloss Lambertmont, verfügte später über Domizile in Österreich und Monaco und baute sich gleichzeitig in der Via Matorèll 41 in Montagnola auf der Collina d’Oro unweit von Lugano in der Schweiz eine Villa. Seine ganze private Leidenschaft galt der Fliegerei. Bereits 1955 verfügte er über eine eigene Flugzeugflotte, die dem passionierten Flieger ermöglichte, seine Werke und Geschäfte unangemeldet ständig selbst zu kontrollieren. Da Lugano zu jener Zeit noch nicht über einen Flughafen verfügte, ließ er einen eigenen Flugplatz in Agno bei Lugano anlegen, dem er sein eigenes Hotel „La Perla“ und eine von prominenten Künstlern bewohnte Villensiedlung angliederte. Auch in Frammersbach ließ er einen Flugplatz[6] anlegen, der heute nur mehr für Modellflugzeuge genutzt wird. Bei einem Flugzeugabsturz 14. März 1964 um 15.35 Uhr auf dem Flug von Lüttich (Belgien) nach Linz (Österreich) auf ein Anwesen im Eifel-Dorf Kehrig (Landkreis Mayen) kam Müller-Wipperfürth mit dem Schrecken davon.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TV-Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Corssen: Alfons Müller-Wipperfürth: Aufstieg und Fall des Hosenkönigs. In: Kölnische Rundschau. (rundschau-online.de [abgerufen am 5. Januar 2017]).
  2. ASN Wikibase Occurence # 170276, englische Zusammenfassung, Abfragedatum: 8. März 2018
  3. Einmal Millionär und zurück. In: Die Zeit, 16/2002
  4. Der König will nicht weichen. In: Die Zeit. 31. Januar 1975, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 6. Januar 2017]).
  5. Fertig mit den Deutschen. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1959, S. 26 (online).
  6. Flugplatz Frammersbach (Memento des Originals vom 16. November 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lcf-frammersbach.homepage.t-online.de
  7. PROZESSE: Müller-Wipperfürth. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1969 (online).