Radrennbahn Leipzig

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Rennen auf der Alfred-Rosch-Kampfbahn im Jahre 1971

Die Radrennbahn Leipzig (ehemals Alfred-Rosch-Kampfbahn) befindet sich in Kleinzschocher, einem Stadtteil der sächsischen Stadt Leipzig.

Die heutige Radrennbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leipziger Radrennbahn ist 400 Meter lang, aus Beton und halboffen und damit die längste ihrer Art in Deutschland. Sie ist 7,50 Meter breit, und die Kurvenüberhöhung beträgt 26 Grad. Ursprünglich war sie nach Alfred Rosch benannt, einem kommunistischen Funktionär aus Leipzig, der im Juli 1945 von Plünderern erschossen wurde. 1992 wurde sie in Radrennbahn Leipzig umbenannt.

Das erste Rennen auf der Alfred-Rosch-Kampfbahn startete 1949, damals noch auf einem Aschenbelag. 1951 erhielt sie einen Betonbelag. Nach einer umfassenden Renovierung 1970/71 mit einer Teilüberdachung (weltweit war es die dritte Anlage dieser Art neben Mailand und Brno) wurde die Bahn zu dem Austragungsort des DDR-Radsports, wo die meisten Bahnradsportveranstaltungen stattfanden, darunter 29 DDR-Meisterschaften.1957 fand ein Weltkriterium der Steher statt, und 1958 gab es nach 44-jähriger Pause die ersten Amateur-Weltmeisterschaften der Steher, 1960 wurden auf ihr die Bahn-Wettbewerbe der Rad-Weltmeisterschaften ausgetragen, bis auf das Profi- Steherrennen, das in Chemnitz gefahren wurde. Am 7. Oktober 1978 stürzte der Steher Karl Kaminski auf der Bahn und starb am folgenden Tag im Krankenhaus. 1981 war die Radrennbahn Ort der Junioren-Weltmeisterschaften. Mehrfach wurde auf der Bahn die deutsche Stehermeisterschaft ausgetragen, zuletzt 2009, 2011 und 2014, sowie 2001 die Europameisterschaft. 2004 fanden zudem die Deutschen Bahnmeisterschaften statt. Das älteste noch gefahrene Steherrennen der Welt, der Preis der Stadt Leipzig, wurde 2014 zum 83. Male ausgetragen.

2010 wurde das Dach der Radrennbahn Leipzig schlichtsaniert und darauf eine 9000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage angebracht. Die Erträge aus dieser Anlage sind für die bauliche Unterhaltung der Bahn gedacht.[1]

Betreiber der Radrennbahn ist die Stadt Leipzig, die sie seit 1992 mietfrei an den Sächsischen Radfahrer-Bund (SRB) verpachtet hatte, bis der Vertrag zum 1. Juli 2014 von der Stadt gekündigt wurde. Grund für die Kündigung war, dass die Stadt die Radrennbahn auch für andere Sportarten einrichten wollte. Der SRB wollte die Bahn nicht übergeben, da die Räumung der genutzten Objekte den Sportbetrieb massiv gestört hätte. Im Januar 2015 wurde der SRB zur Herausgabe der Schlüssel verurteilt, die Kündigung durch die Stadt sei rechtens, so das Amtsgericht Leipzig.[2] Zum 2. November 2015 musst die Radrennbahn „besenrein“ an die Stadt übergeben werden.[3] Im Februar 2017 beschloss der Leipziger Stadtrat, die Radrennbahn mit einem sechsstelligen Betrag renovieren zu lassen.[4]

Sportplatz Leipzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europameisterschaften 1904 auf der Radrennbahn in Lindenau

Eine Vorgängerin der Alfred-Rosch-Kampfbahn war eine 1892 erbaute 500 Meter lange Zementbahn in Leipzig-Lindenau, auf der 1908, 1913 und 1934 UCI-Bahn-Weltmeisterschaften sowie mehrere Europa- und deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden.[5][6] Am 30. Juni 1901 fuhr hier der spätere zweimalige Steherweltmeister Thaddäus Robl aus München mit 65,512 Kilometern den ersten Stundenweltrekord auf einer deutschen Bahn. Bei den damals sehr populären Steherrennen kamen auf der Bahn mindestens drei Fahrer ums Leben, darunter der populäre Kölner Willy Schmitter anlässlich der Steher-Europameisterschaft 1905. Auch wurde sie für Motorradrennen genutzt.[7] Offiziell hieß die Bahn Sportplatz Leipzig, im Volksmund Lindenauer Zement.[8]

Im Inneren der Radrennbahn lag ein Fußballplatz, der von 1897 bis 1922 Heimstätte des VfB Leipzig war. Auf diesem Platz fand 1912 das erste Fußballländerspiel in Leipzig statt, in dem die deutsche Nationalmannschaft den Niederlanden mit 2:3 unterlag.

1938 wurde die gesamte Sportanlage, die sich am Cottaweg in Nähe des Palmengartens befand, abgetragen, um Platz für die Gutenberg-Reichsausstellung 1940 zur Feier von 500 Jahre Buchdruckerkunst zu schaffen, die aber wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nie stattfand.[6] Heute befindet sich dort das Gelände für die Leipziger Kleinmesse.

Radrennen auf dem Sportplatz Leipzig im Jahre 1899

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leipziger Radrennbahn: Dach bekommt Fotovoltaikbeschichtung. In: sachsen-fernsehen.de. Abgerufen am 2. Juli 2016.
  2. Sabine Kreuz: Stadt gewinnt Rechtsstreit: Radrennbahn in Kleinzschocher muss geräumt werden. In: lvz-online.de. 14. März 2015, abgerufen am 9. März 2015.
  3. Lvz-Online: Radrennbahn: Leipzig stellt Radfahrer-Bund Ultimatum. In: lvz.de. 14. Oktober 2015, abgerufen am 27. August 2017.
  4. Lvz-Online: Sportförderung verdoppelt – Leipzig investiert in Alfred-Kunze-Sportpark und Radrennbahn. In: lvz.de. 1. Februar 2017, abgerufen am 27. August 2017.
  5. 120 Jahre Bund Deutscher Radfahrer – 120 Jahre Radsport in Leipzig (Memento vom 10. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  6. a b Chronik von Lindenau. In: leipziger-info.de. Abgerufen am 2. Juli 2016.
  7. ostmotorsport.de
  8. Von der Moritzburgbahn zum „Lindenauer Zement“. In: Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e. V. (Hrsg.): Sportmuseum aktuell. Nr. 1, 2009, S. 6–7 (foerderverein.sportmuseum-leipzig.de [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 2. Juli 2016]).

Koordinaten: 51° 18′ 41,2″ N, 12° 19′ 40,9″ O