Alfred Baresel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Alfred Baresel (* 10. Januar 1893 in Leipzig; † 7. November 1984 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Musikkritiker und Musikschriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Baresel war der Sohn des Geheimrates Otto Baresel und seiner Frau Charlotte. Er besuchte von 1911 bis 1915[1] in seiner Heimatstadt Leipzig die Universität und das Konservatorium. Er studierte bei Robert Teichmüller Klavier, bei Hugo Riemann und Arnold Schering Musikwissenschaft sowie bei Arthur Seidl Musikgeschichte. Von 1920 bis 1939 war er selbst Dozent. Von 1921 bis 1933 schrieb er für die Neue Leipziger Zeitung, danach erhielt er Publikationsverbot.[2]

In seinen innovativen Texten berücksichtigte er bereits die Arbeit von Ernst Krenek, Eric Satie, Igor Strawinsky und Kurt Weill. Er gehörte zu den Mitbegründern der deutschen Jazzbewegung. Baresel war der erste deutsche Musikschriftsteller, der sich in einer Schrift mit Jazz beschäftigte. 1926 erschien das erste deutsche Jazzbuch von Baresel, das in drei Jahren eine Auflage von 10.000 erreichte.[3] Im Dritten Reich kam das Buch auf den Index und wurde in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Baresel selbst durfte am Konservatorium nur noch Nebenfach-Schüler unterrichten.[4] In erster Ehe mit der Pianistin Hella Schmitz liiert, lernte er hier seine spätere Frau Herta-Edda Doehn kennen, die in den Nachkriegsjahren eine Tanzkapelle leitete und danach als Lehrerin an der Frankfurter Jugendmusikschule tätig war.

Von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Baresel Oberstleutnant. Per Feldpost erhielt er eine Ausgabe der Musikzeitschrift „Artist“ nach Russland. Er wurde langjähriger Mitarbeiter dieser Zeitschrift für Unterhaltungsmusik. Nach 1945 nahm er seine Lehrtätigkeit am Richard-Strauss-Konservatorium München, das damals noch „Händel-Konservatorium“ hieß, wieder auf. Er leitete dort die Jazzklassen. Zwischen 1946 und 1954 war er Musikkritiker des „Südostkuriers“ in Bad Reichenhall. 1960 kam er als erster Musikkritiker zur Frankfurter Neuen Presse. Baresel konnte allerdings nicht mehr an seine frühere Prominenz anknüpfen.

Musikschriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Teichmüller als Mensch und Künstler, 1922
  • Glossen zum Thema Musikkultur, 1922
  • Das Jazz-Buch, J. H. Zimmermann, Leipzig 1926
  • Das neue Jazzbuch. Ein praktisches Handbuch für Musiker, Komponisten, Arrangeure, Tänzer und Freunde der Jazzmusik. Mit 40 Notenbeispielen, J. H. Zimmermann, Leipzig 1929 (Neubearbeitung des Jazz-Buchs von 1926)
  • Saxophonschule (Neubearbeitung der Saxophonschule von Nikolaj Fedorow), J. H. Zimmermann, Leipzig 1926
  • 75 klaviertechnische Formeln, 1927
  • Jazz in der Kirche
  • Biografien: Haydn, Verdi, 1930
  • Schule des Rhythmus, 1931
  • Schule für Tenorbanjo von Alba, J. H. Zimmermann, Leipzig
  • Schule für Hawaii-Gitarre, J. H. Zimmermann, Leipzig
  • Hymnen der Nationen, Europa, für Klavier, Verlag Sikorski, Hamburg
  • Weihnachtslieder-Album für Klavier, Verlag Sikorski, Hamburg
  • Jazz-Klavierschule (mit Rio Gebhardt)
  • Robert Teichmüller und die Leipziger Klaviertradition, 1939
  • Romantische Klaviertechnik, 1939
  • Der Klavierdoktor, W. Zimmermann, Frankfurt am Main 1952
  • Der Klaviertrainer, W. Zimmermann, Frankfurt am Main
  • Methodischer Lehrgang der Jazz-Improvisation für alle Tasten- und Blasinstrumente, Hohner, Trossingen, 1952
  • Der Rhythmus in der Jazz- und Tanzmusik: Ein Lehr- und Übungsbuch für Musiker, eine Grundlagenforschung für Jazzfreunde, Hohner, Trossingen, 1955
  • Jazz-Akkordeonschule, 1952
  • Musikalische Novellen, 1952
  • Jazz Harmonielehre, Hohner, Trossingen, 1953
  • Biografien: Richard Strauss (1953), G. Puccini (1954), W.A. Mozart (1956)
  • Schule für Jazztrompete
  • Der Saxophonist im modernen Tanzorchester
  • Jazz in der Krise – Jazz im Umbruch, Hohner, Trossingen 1959
  • Das Geheimnis des guten Klavierklangs
  • Wie arrangiere ich für meine Combo, 1964
  • Marsch-Album für Klavier, W. Zimmermann, Frankfurt am Main
  • Thema mit Jazzvariationen für Klavier
  • Schule für Signalhorn
  • Das Harmoniumspiel, 1967 (Neubearbeitung des Schulwerks von Michaelis Pache), W. Zimmermann, Frankfurt am Main

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Grau: Alfred Baresel – ein Nestor und Integrator des Jazz. Zum 90. Geburtstag, in: Jazzforschung, Bd. 15, 1983, Graz, S. 203–207.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Redaktionsbüro Harenberg: Knaurs Prominentenlexikon 1980. Die persönlichen Daten der Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Mit über 400 Fotos. Droemer Knaur, München/Zürich 1979, ISBN 3-426-07604-7, Baresel, Alfred, S. 24.
  2. E. Weissweiler: Ausgemerzt!, Köln 1999.
  3. Schaal zur Jazzeuphorie im Deutschland der 1920er Jahre
  4. „artist“ 6/1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]