Alfred Dolge

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Alfred Dolge (* 22. Dezember 1848 in Chemnitz; † 5. Januar 1922 in Mailand) war ein in New York City und Dolgeville tätiger Klavierbauer und Industrieller, Erfinder und Buchautor.[1]

Er war ursprünglich ein Importeur und Hersteller von Klavierbaumaterialien und wurde später Hersteller von Filzprodukten. 1874 ging Alfred Dolge nach Brockett's Bridge, Fulton County, New York, auf der Suche nach geeignetem Fichtenholz zum Bau von Resonanzböden. 1887 baten die Bürger des Ortes die Behörden von Washington, den Namen zu ändern von Brockett’s Bridge auf Dolgeville.[2]

Lebenslauf[Bearbeiten]

Lebensstationen von Alfred Dolge mit einer Werksansicht. Dolgeville um 1890

Alfred Dolge wurde am 22. Dezember 1858 in Chemnitz in Sachsen geboren. Er ging zur Schule in Leipzig und trat mit 17 Jahren als Lehrling in das Unternehmen seines Vaters ein, A. Dolge und Co., Klavierbau. Er absolvierte die Oberschule bei den Freimaurern in Leipzig und erhielt seinen Abschluss. Er kam erstmals in die Vereinigten Staaten, als er 17 Jahre alt war. Er blieb bis 1868 und arbeitete im Klavierbau von New York City.[2]

Er kam 1874 erstmals nach Brockett’s Bridge, das nun nach seinem Namen Dolgeville heißt, auf der Suche nach einem Fertigungsort für Filzprodukte. Im April 1875 begann er in dem alten Gebäude des Unternehmens Brockett zu fertigen, das er gekauft hatte. Aus diesem Komplex entstand später der Dolge-Fabrikkomplex. Binnen weniger Jahre wuchs der Ort von 325 Einwohnern auf mehr als 2.000, viele von ihnen waren emigrierte Deutsche, die er mittels Annoncen und über Agenten angeworben hatte. Dolge erbaute Filzmühlen, stellte Filzschuhe her, Autoharps (Zither-ähnliche Instrumente), Klaviergehäuse , Resonanzböden, Klavierhämmer, er betrieb ein Holzlager und trug zur örtlichen Infrastruktur und zur Ausbildung der Einwohner bei.[2] Alfred Dolge musste letztlich Konkurs anmelden und verließ Dolgeville im Mai 1899. Er lebte anschließend in Kalifornien und begann dort ein neues Unternehmen aufzubauen. Er starb in Mailand, Italien, am 5. Januar 1922 auf einer Weltreise. Er ist auf dem Friedhof von Dolgeville beerdigt.[2]

Philosophie[Bearbeiten]

Inspiriert durch frühere Lektüre von Karl Liebknecht, Karl Marx, Mill und Adam Smith gründete Alfred Dolge in Dolgeville eine Form dessen, was heute soziale Sicherheit heißt, einen Versuch einer idealistischen Gesellschaft oder ein soziales Utopia. Um 1876, als sein neues Unternehmen erstmals gut eingeführt war, begann Dolge einen Pensionsplan aufzustellen, der über seine Laufzeit praktisch unverändert blieb. Der Plan war sehr großzügig, er sicherte Pensionen von 50 Prozent der Arbeitseinkünfte nach Eintritt einer Schwerbehinderung bis hin zu 100 Prozent nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit zu.[2]

Später fügte er ein System einer Lebensversicherung hinzu, deren Beiträge das Unternehmen zahlte. Er gründete auch ein Programm zum Teilen der Unternehmenserträge, in dem ein Beschäftigter danach mitbezahlt wurde, welchen geistigen Beitrag er in Form von Verbesserungen oder Erfindungen leistete und in dem er nach dem Wert seiner Arbeit beurteilt wurde. Diese Anteile wurden nicht ausbezahlt, sondern verblieben als Investition im Unternehmen. Zum Pensionsplan brauchte der Mitarbeiter nichts einzuzahlen. Das Unternehmen zahlte alles. Als das Unternehmen Dolge 1899 in Konkurs ging, waren jedoch nur wenige der von ihm vorgedachten Leistungen ausgezahlt worden, aber seine Ideen erwiesen sich als sehr langlebig[2] und gewannen weltweite Aufmerksamkeit. Die Regierung des Deutschen Kaiserreichs fragte offiziell seine Pläne an und setzte sie unter Veränderung einiger Details um. 1889 fragte die Regierung Frankreichs um detaillierte Daten nach. Die Versicherungs-, Pensions- und andere Sozialleistungen in Dolgeville wurden von Eisenbahngesellschaften und vielen anderen Unternehmen der USA kopiert und umgesetzt. 1896 brachte Dolge ein Buch von 243 Seiten mit dem Titel "The Practical Applications of Economic Theories in the Factories of Alfred Dolge and Son" (Praktische Anwendungen der Ökonomie-Theorien in den Fabriken von Alfred Dolge und Sohn)“ heraus.[2]

Vermächtnis[Bearbeiten]

Aufgrund der Tätigkeit Dolges gab es in Dolgeville:[2]

  • ab 1876 die erste Sozialversicherung,
  • ab 1876 den ersten öffentlichen Garten in der Gegend von Dolgeville,
  • ab 1879 das zweite elektrische Wasserkraftwerk (das erste war von Edison),
  • ab 1881 die ersten Filzpantoffeln und Filzschuhe aus amerikanischer Fertigung,
  • ab 1889 den ersten Kindergarten im Staat New York, und
  • ab 1891 das erste System elektrischer Straßenbeleuchtung in Dolgeville.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Alfred Dolge: Pianos and Their Makers. (book), (fulltext on Google Books link), 1, Covina/Dover, 1911, ISBN 0-486-22856-8, S. 482pp.
  2. a b c d e f g h Doris Manley and Eleanor Franz: National Register of Historic Places Registration: Dolge Company Factory Complex. New York State Office of Parks, Recreation and Historic Preservation. undated. Abgerufen am 21. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten]