Alfred Heilbronn

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Alfred Heilbronn (geboren 28. Mai 1885 in Fürth; gestorben 17. März 1961 in Münster) war ein deutsch-türkischer Botaniker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilbronn war der Sohn eines Fürther Fabrikanten. Nach dem Abitur in Nürnberg studierte er in München Naturwissenschaften und wurde 1909 in Botanik, Physik und Chemie promoviert. Während seiner Assistentenzeit, in der er Aufenthalte in Berlin, Monaco und Münster hatte, konvertierte er vom Judentum zum Protestantismus und heiratete 1913 die Kunsthistorikerin und Lehrerin Magda Dettmer. Sie hatten zwei Kinder, Hans (1915–1973) und Agnes (* 1920).

Nach der Habilitation 1913 war er während des Ersten Weltkriegs Lehrstuhlvertreter für Botanik an der Universität Münster und führte dort den Botanischen Garten. Zum a.o. Professor wurde er 1921 ernannt.

Seit 1918 bis zu ihrem Verbot im Jahr 1933 war Heilbronn Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er im Rahmen von Boykottaktionen der Münsteraner Studenten im April 1933 beurlaubt, im September 1933 wurde ihm aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die venia legendi entzogen. Es gelang ihm, einen Ruf an die Universität Istanbul zu erhalten, wo er von 1935 bis 1955 an dem von ihm gegründeten pharmakologisch-botanischen Institut tätig war. In dieser Emigration fand er sich schnell in der türkischen Sprache zurecht. Auch seine Kinder studierten beide in der Türkei Medizin. Heilbronn wurde 1941 aus dem Deutschen Reich ausgebürgert und sein restliches Vermögen in Münster „arisiert“. In Istanbul plante, gründete und leitete er den Neuen Botanischen Garten der Universität. Nachdem sein Antrag auf Einbürgerung 1939 noch abgelehnt worden war, erhielt er 1946 die türkische Staatsangehörigkeit.

Heilbronn war seit 1948 in zweiter Ehe mit Fatma Mehpare Başarman (1910–1993) verheiratet, sie hatten einen Sohn Kurt[1] (* 1951). Im Alter von 70 Jahren kehrte Heilbronn 1955 nach Deutschland zurück und lehrte in Münster noch als Emeritus. Die Botanikprofessorin Mehpare Heilbronn wurde beim Militärputsch in der Türkei 1960 entlassen. Nach ihrer Rehabilitierung (1962) emigrierte sie 1964 in die Bundesrepublik.

Heilbronns Spezialität wurde, neben der inzwischen zukunftsträchtigen Genetik, die Pharmakobotanik, für die ihm die Umwelt Kleinasiens große Möglichkeiten bot. Diese Besonderheit war es, die ihm 1935 die Einladung nach Istanbul brachte. Dort durchforstete er besonders gern die Gebirgsflora der Bergstöcke an der Ostküste des Marmarameers.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apogamie, Bastardierung und Erblichkeitsverhältnisse bei einigen Farnen, Jena : Fischer, 1910. Diss. Univ. München, 1909.
  • Hydromedusae. Observations faites au Musée océanographique de Monaco, sur le mode et la vitesse de croissance de Slauridium cladonema II., Monaco [1911], Bulletin de l’Institut océanographique, no. 214
  • Speise- und Giftpilze : Ein Bestimmungsbuch f. Anfänger, Münster : Borgmeyer 1917
  • Principia genetica : Grunderkenntnisse u. Grundbegriffe d. Vererbungswissenschaft, Hamburg 1961

sowie verschiedene türkisch-sprachige Werke

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gisela Möllenhoff; Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945. Biographisches Lexikon. Westfälisches Dampfboot, Münster 1995 ISBN 3-929586-48-7
  • Fritz Neumark: Zuflucht am Bosporus. Knecht, Frankfurt 1980, ISBN 3-7820-0443-4
  • Faruk Şen, Dirk Halm (Hrsg.): Exil unter Halbmond und Stern. Herbert Scurlas Bericht. Klartext, Essen 2007, ISBN 3-89861-768-8
    • darin: Herbert Scurla: Die Tätigkeit deutscher Hochschullehrer an türkischen wissenschaftlichen Hochschulen (zuerst 1939)[2]
  • Oliver Raß: Zum Gedenken an Alfred Heilbronn, flurgespräche, Universität Münster, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kemal Bozay: Exil Türkei, Münster : Lit , 2001, S. 110, ISBN 3-8258-5103-6
  2. Scurla war als Nationalsozialist zur Kontrolle und Bespitzelung der Exilierten unterwegs. Er machte später eine steile Karriere in der DDR