Alfred Heinsohn

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Alfred Heinsohn, 1906
Herbstwald, um 1915 (WVZ G 048), Öl auf Karton, 12,5 × 21,5 cm (Privatbesitz)

Alfred Heinsohn (* 10. Februar 1875 in Hamburg; † 12. November 1927 ebenda) war ein deutscher Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Heinsohn wurde am 10. Februar 1875 in Hamburg geboren. Er war das dritte von sechs Kindern des Schnapsbrenners und Mineralwasserfabrikanten Jacob Julius Heinsohn und dessen Ehefrau Johanna Elise Christina.[1] Über seine Kinderjahre und Jugendzeit in der Steinstr. 3, dem Arbeits- und Wohnort der Familie, gelegen im alten Gängeviertel der Hansestadt, ist nichts weiter bekannt. Er erlernte zunächst beim Hamburger Künstler Hermann Stuhr (1870–1918) die Dekorationsmalerei und besuchte möglicherweise auch die Hamburger Gewerbeschule.

Es folgten weiterführende Kurse in Karlsruhe und Düsseldorf. An der Großherzoglich Badischen Kunstschule in Karlsruhe war der Professor für Ornamentik Franz Sales Meyer sein Lehrer, in Düsseldorf Fritz Neuhaus, der dort figurales Zeichnen und Malen unterrichtete.[2] 1894 – im Todesjahr seiner Mutter – setzte Heinsohn sein Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar bei Theodor Hagen, Franz Bunke und Christian Rohlfs fort. In Weimar lernte er außerdem Rudolf Bartels und Peter Paul Draewing kennen.

Sein Lehrer Franz Bunke stammte aus Schwaan in Mecklenburg, wo er um 1880 die Künstlerkolonie Schwaan gründete. Heinsohn reiste zunächst von 1898 bis 1902 durch Deutschland, besuchte Lauenburg, Thüringen, die Lüneburger Heide und den Schwarzwald. 1902 ließ er sich dann in Schwaan nieder und baute sich am Stadtrand an der Warnow ein Haus mit eigenem Atelier, das bis heute als Warnow-Villa bekannt ist.[3] 1904 stellte Heinsohn zum ersten Mal seine Werke gemeinsam mit Franz Bunke, Peter Paul Draewing und Rudolf Bartels in Rostock aus. 1905 folgte dann die Gründung der Mecklenburg–Pommerschen Künstlervereinigung, deren Geschäfte Heinsohn zeitweilig führte. 1907 hielt sich Heinsohn für einen Malaufenthalt in Dändorf auf dem Darß auf und verließ 1910 Schwaan, um durch die Schweiz und Frankreich zu reisen.

Vermutlich 1912 verkaufte er seine Warnow-Villa und kehrte bis zu seiner Einberufung in den Ersten Weltkrieg wieder nach Hamburg zurück.[4] Mit der Einberufung verlieren sich seine Spuren in Schwaan, wahrscheinlich unterbrach er während des Krieges seine künstlerische Arbeit.

In den frühen 1920er Jahren lebte er für drei Jahre in Guben bei seinem Bruder Max und beteiligte sich von hier aus an Ausstellungen in Hamburg. So nahm er 1921 jeweils mit einem Gemälde an der 2. Ausstellung der Hamburger Sezession und an der 16. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in der Hamburger Kunsthalle teil.[4] Auch diese Ausstellungen brachten für Heinsohn nicht den erhofften künstlerischen und finanziellen Durchbruch.

Alfred Heinsohn starb am 12. November 1927 im Alter von 52 Jahren völlig verarmt und vereinsamt im Hamburger Hafenkrankenhaus an den Folgen einer selbst zugefügten Leuchtgasvergiftung. Beigesetzt wurde er am 22. November auf dem Ohlsdorfer Friedhof.[5]

Im 66. Band der Sozialistischen Monatshefte findet sich folgender Nachruf: „Durch eigene Hand endete Ende November in Hamburg, im Alter von 52 Jahren, der Maler Alfred Heinsohn. (...) Er war Schüler Theodor Hagens und galt als eine besondere künstlerische Begabung. Nahrungssorgen haben ihn in den Tod getrieben.“[5]

Dolomiten, Birkenallee im Gebirge, um 1919 (WVZ G 072) Öl auf Karton, 34,5 × 45 cm Kunstmuseum Schwaan

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Heinsohn entwickelte einen individuell expressiven, zunehmend abstrakten Stil. Typisch ist unbehandeltes, grobes Sackleinen als Malgrund, dessen Tönung in die Komposition integriert wurde. Neben Ölgemälden und Aquarellen entstanden auch farbige Zeichnungen, häufig in kleineren Formaten. Heinsohn beschäftigte sich außerdem mit theoretischen Problemen der Farbe und mit Architekturentwürfen.[6] Im Jahr 1933 veranstaltete der Kunstraum Lüders in Hamburg eine Einzelausstellung mit Werken des Künstlers.[7]

Danach gerieten Alfred Heinsohn und sein Werk in Vergessenheit, bis in den 1990er Jahren erste Ölgemälde im Kunsthandel wieder auftauchten. Es ist dem Kooperationsprojekt zwischen dem Kunstmuseum Schwaan und dem Staatlichen Museum Schwerin zu verdanken, dass das Leben und das Werk Alfred Heinsohn umfassend erforscht und dokumentiert wurden. Mit Hilfe eines öffentlichen Aufrufs in den Medien wurde versucht, Kenntnis von möglichst allen Werken zu erhalten. Diese Arbeit mündete 2021 in der Sonderausstellung Alfred Heinsohn. Maler der Moderne im Kunstmuseum Schwaan.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ausstellungskatalog des Kunstmuseums Schwaan Alfred Heinsohn. Maler der Moderne, der von Heiko Brunner und Kornelia Röder herausgegeben wurde, findet sich ein umfassendes Werkverzeichnis der Arbeiten Alfred Heinsohns. Alle Ölgemälde (154), Aquarelle und Handzeichnungen (150), die bis heute bekannt sind, wurden katalogisiert und farbig abgebildet. Die in Klammern hinterlegte Nummerierung bezieht sich auf dieses Verzeichnis.

Dorf im Winter, um 1905 (WVZ G 015), Öl auf Leinwand, 59,5 × 90,5 cm
  • Am Waldrand, Öl auf Leinwand, 60 × 90 cm, 1895, Kunstmuseum Schwaan (WVZ G 002)
  • Kirchhof, Friedhof in Schwaan, Öl auf Leinwand, 59,5 × 90,5 cm, 1910, Kunstmuseum Schwaan (WVZ G 008)
  • Mecklenburgische Landschaft an der Warnow, Öl auf Leinwand, 53 × 81 cm, 1910, Privatbesitz (WVZ G 022)
  • Hof in der Steinstraße, Öl auf Karton, 13,5 × 22,5 cm, 1915, Privatbesitz (WVZ G 033)
  • Hamburger Hafen, Öl auf Leinwand, 50 × 69,5 cm, 1915, Kunstmuseum Schwaan (WVZ G 053)
  • Dolomiten Kirchaufgang, Öl auf Karton, 45 × 35 cm, 1919/20, Kunstmuseum Schwaan (WVZ G 076)
  • Paris Pont Neuf, Öl auf Karton, 13 × 22 cm, 1918, Privatbesitz (WVZ G 116)
  • Gelbe Blumen, Öl auf Sackleinen, 60 × 60 cm, 1920, Privatbesitz (WVZ G 123)
  • In den Bergen, Aquarell, 6 × 9,3 cm, 1920, Privatbesitz (WVZ HZ 067)
  • Gebirgsdorf, Mischtechnik, 23 × 13,8 cm, Privatbesitz (WVZ HZ 144)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinsohn, Alfred. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 16: Hansen–Heubach. E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 308.
  • Alfred Heinsohn. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 6, Nachträge H–Z. E. A. Seemann, Leipzig 1962, S. 37.
  • Lisa Jürß: Künstlerkolonie Schwaan: Galerie in der Alten Wassermühle, Werkkatalog. Verl. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2002, ISBN 3-88132-295-7, S. 88–105. (Inhaltsverzeichnis)
  • Lisa Jürß, Heiko Brunner: Kunstmuseum Schwaan: Bestandskatalog 2012. Hinstorff, Rostock 2012, ISBN 978-3-356-01557-7, S. 86–97.
  • Grete Grewolls: Heinsohn, Alfred. In: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern: Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6, S. 1875 (books.google.de – Leseprobe).
  • Familie Rump und Maike Bruhns (Hrsg.): Der Neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs. Überarbeitete Neuauflage, Wachholtz Verlag, Neumünster 2013 (2. Auflage), S. 186, ISBN 978-3-529-02792-5.
  • Heiko Brunner: Alfred Heinsohn – Biografie. Der Versuch einer Rekonstruktion. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Hrsg. Heiko Brunner für das Kunstmuseum Schwaan und Kornelia Röder für die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg–Vorpommern (Ausstellungskatalog). Sandstein Verlag, Dresden 2021, ISBN 978-3-95498-641-5, S. 156–169. (Inhaltsverzeichnis)
  • Francisca van Vloten: Alfred Heinsohn: Von Heimatpoesie und deutscher Ehrlichkeit zur höheren Natur. Zwischen Sehnsucht und Vernunft. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Hrsg. Heiko Brunner für das Kunstmuseum Schwaan und Kornelia Röder für die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg–Vorpommern (Ausstellungskatalog). Sandstein Verlag, Dresden 2021, ISBN 978-3-95498-641-5, S. 24–41.
Dolomiten, kleines Gehöft, um 1920 (WVZ 073), Öl auf Leinwand, 34,5 × 43,5 cm (Kunstmuseum Schwaan)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alfred Heinsohn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heiko Brunner: Alfred Heinsohn – Biografie. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Dresden 2021, S. 156 f.
  2. Francisca van Vloten: Alfred Heinsohn: Von Heimatpoesie und deutscher Ehrlichkeit zur höheren Natur. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Dresden 2021, S. 30.
  3. Heiko Brunner: Alfred Heinsohn – Biografie. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Dresden 2021, S. 163.
  4. a b Heiko Brunner: Alfred Heinsohn – Biografie. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Dresden 2021, S. 168.
  5. a b Heiko Brunner: Alfred Heinsohn – Biografie. In: Alfred Heinsohn. Maler der Moderne. Dresden 2021, S. 169.
  6. Kunstmuseum Schwaan: Alfred Heinsohn (Hamburg 1875 – 1927 Hamburg). Abgerufen am 16. März 2022.
  7. Familie Rump und Maike Bruhns (Hrsg.): Der Neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs. Neumünster 2013, S. 186.