Alfred Möller (Forstwissenschaftler)

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Alfred Möller (* 12. August 1860 in Berlin; † 4. November 1922 in Eberswalde) war ein deutscher Forstwissenschaftler. Er begründete die Idee vom Dauerwald und war damit der Vordenker einer ökologischen Wende in der deutschen Waldwirtschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möller studierte an der Höheren Forstlehranstalt in Eberswalde und promovierte in Münster. Daran schloss sich ein dreijähriger Studienaufenthalt in Brasilien an, den Möller zu Forschungen über tropische Pilze nutzte. Seit 1899 lehrte Möller als Professor an der Forstakademie Eberswalde und führte diese von 1906 bis 1921 als deren Direktor. In Eberswalde gründete er ein anerkanntes Pilzinstitut. In dieser Zeit lernte er den Wald des Freiherrn Friedrich von Kalitsch im Fläming kennen.

In Kalitschs Methode, den Wald zu bewirtschaften, sah er den Beweis für seine durch seine Pilzstudien entwickelte These vom Dauerwald.[1] Er untersuchte intensiv ein Jahrzehnt lang den Kalitschschen Wald in Bärenthoren und veröffentlichte die Ergebnisse in zwei Veröffentlichungen. Seine Dauerwaldschrift ist die Antwort auf unsachliche, persönliche und aggressiv gegen ihn geführte Reaktionen der etablierten Fachwelt auf seine Thesen. Den publikatorischen Erfolg seiner Schrift erlebte er nicht mehr, da er einem plötzlichen Herztod erlag. Möllers Abberufung aus der Leitung der bis dahin selbständigen Forstakademie durch einen Organisationsakt 1921 kann mit Ursache seines Todes im Alter von 62 Jahren gewesen sein.

Als Nachfolger auf seinen Lehrstuhl wurde Alfred Dengler berufen, ein erklärter Gegner von Möllers Waldauffassung. Dengler schloss umgehend das von Möller begründete mykologische Institut, damals das größte und angesehenste dieser Art in Europa. Die ganzheitliche Ausrichtung des Lehrstuhls wurde eingestellt. Die forstliche Ausbildungsstätte Eberswalde vermittelte fortan und bis heute primär die etablierte Lehre vom sog. Altersklassenwald, der inzwischen fachlich unwidersprochen als forstlich labil, ertragsschwach und ökologisch verarmt eingeschätzt wird. Möllers Idee eines Dauerwaldes zeigt sich jedoch inzwischen durch die vom Klimawandel verursachten Probleme wieder aktuell, da Dauerwälder wegen ihrer Vielfalt an Baumarten, Strukturen, Dimensionen und wegen ihrer aus natürlichen Absaaten hervorgehenden Naturverjüngung von der aktuellen Forschung als besonders klimaplastisch eingeschätzt werden.[2]

Dauerwaldgedanke als Leitgedanke naturgemäßer Waldwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möller gilt als Begründer der Dauerwaldbewegung und als Mentor der naturgemäßen Waldwirtschaft bzw. einer „naturnahen Waldwirtschaft“. Er löste mit seiner Idee vom sich selbst organisierenden „Waldorganismus“ den bis heute anhaltenden „Dauerwaldstreit“ aus. Möller sah das Schlagholz im Wirtschaftswald nur als Frucht und den Wald in seiner Gesamtheit als den produzierenden Organismus an,[1] den es stetig zu schützen und zu pflegen gilt. Entsprechend forderte er im Vorwort seiner Schrift Der Dauerwaldgedanke,[1] den „Holzackerbau“. d. h. den Altersklassenwald, zu beenden und sich in der Forstwirtschaft nicht länger an der „großen Schwester Ackerbau“, d. h. der Landwirtschaft, zu orientieren. Das bedeutete in letzter Konsequenz eine vollständige Infragestellung der gesamten Forstwissenschaften seiner Zeit - und in Teilen sogar bis heute. Entsprechend forderte er die Stetigkeit des Waldwesens als Leitmaxime beim Wirtschaften im Wald streng zu beachten, d. h. insbesondere kahlschlagfreie Waldwirtschaft, Einzelbaumnutzung, Vorratspflege der stehenden Bäume und stetige Pflege des Bodens durch Baumartenmischung, Naturverjüngung und kontinuierliche Waldbestockung.

Seine Auffassungen werden sowohl wissenschaftlich als auch in der waldbetrieblichen Praxis inzwischen als deutlich überlegen angesehen, da auch die Mykologie inzwischen die eindrücklichsten Beweise dazu geliefert hat. Nicht zuletzt der Nobelpreisträger James Lovelock hat - offenbar ohne Möllers Thesen zu kennen - mit der Gaia-Hypothese ähnliche Vorstellungen im globalen Maßstab entwickelt, die u. a. durch den Klimawandel bestätigt werden und aktuell sind. Möller wird nach wie vor von Teilen der Forstwissenschaften und -praxis missverstanden[3], z. B. indem seine Forderung nach „Stetigkeit“ im Wald mit dem Begriff der Nachhaltigkeit gleichgesetzt wird[4]. Er wird auch verunglimpft,[5] da seine Waldauffassung nach wie vor mit dem reduktionistischen Waldbild der Waldbauwissenschaft und -praxis nicht im Einklang zu bringen ist. Gleichwohl sind die wenigen privaten Waldbetriebe, die seinen Forderungen seit den 20-30er Jahren gefolgt sind, heute die rentierlichsten, stabilsten und naturreichsten Wirtschaftswälder in Deutschland.

Reminiszenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Fachzeitschrift der naturgemäßen Waldwirtschaft in Deutschland, herausgegeben von der ANW, trägt als Name den von Möller geprägten und in die Fachliteratur eingeführten Begriff „der Dauerwald“.
  • 2011 gründete der Waldbesitzer und NABU-Waldsprecher Eckehardt Wenzlaff in Mecklenburg-Vorpommern die erste deutsche Dauerwaldstiftung, die sich das Ziel gesetzt hat, den Dauerwaldgedanken in Ausbildung und Praxis der öffentlichen Forstbetriebe zu fördern.
  • Eine Straße wurde nach ihm in Eberswalde benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Möller: Der Dauerwaldgedanke, sein Sinn und seine Bedeutung, J. Springer Verlag, in Wilhelm Bode: kommentierter Reprint des Originals von 1922 (Oberteuringen 1992)
  • Alfred Möller: Die Pilzgärten einiger südamerikanischer Ameisen, in: Botanische Mittheilungen aus den Tropen, Heft 6, G. Fischer Verlag, Jena 1893
  • Alfred Möller: Brasilianische Pilzblumen, in: Botanische Mittheilungen aus den Tropen, Heft 7, G. Fischer Verlag, Jena 1895

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Hofmann: Alfred Möller -- Wegweiser in die Waldzukunft. Laudatio anlässlich des 150. Geburtstages am 12. August 2010. Archiv f. Forstwesen u. Landsch.ökol. 44 (2010) 3, 137-141.
  • Ottomar Greger: Gedanken zur Entwicklung der Waldökologie auf der Basis des Dauerwaldgedankens. Archiv f. Forstwesen u. Landsch.ökol. 45 (2011) 4, 160-173.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Alfred Möller: Der Dauerwaldgedanke, sein Sinn und seine Bedeutung, J. Springer Verlag, in Wilhelm Bode: kommentierter Reprint des Originals von 1922 (Oberteuringen 1992)
  2. vgl. u. a.: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, beschlossen vom Bundeskabinett am 7. Nov. 2007
  3. so z. B. der Brandenburgische Forstverein gleich in mehreren Beiträgen in: Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), Hrsg.: Naturnahe Waldwirtschaft – Dauerwald heute?, Eberswalder Forstliche Schriftenreihe Band 46, Eberswalde 2010
  4. so z. B. Carsten Wilke, der Leiter der hessischen Forstverwaltung auf der Tagung zur Wiederkehr des 150. Geburtstages Möllers in seiner Ansprache an dessen Wirkungsstätte Eberswalde am 12. August 2010; zitiert nach: http://www.forstverein.de/gfx/REDAKTION/Moeller150.pdf@1@2Vorlage:Toter Link/www.forstverein.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. vgl. z. B. Albrecht Milnik: Das Leben Alfred Möllers 1860–1922, Eberswalde 2001