Alfred Mombert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alfred Mombert

Alfred Mombert (* 6. Februar 1872 in Karlsruhe; † 8. April 1942 in Winterthur) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mombert war ein Sohn des Kaufmanns Eduard Mombert und dessen Ehefrau Helene Gombertz; der Nationalökonom Paul Mombert war sein Cousin. 1890 bestand er in seiner Heimatstadt das Abitur und absolvierte anschließend als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst.

Sofort im Anschluss daran begann er an den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Berlin Rechtswissenschaften zu studieren. 1896 legte Mombert in Heidelberg sein Staatsexamen ab und wurde im darauffolgenden Jahr – ebenfalls in Heidelberg – promoviert. Zwischen 1899 und 1906 war er als Rechtsanwalt in Heidelberg tätig. 1906 gab er seinen Beruf auf und widmete sich ganz der Schriftstellerei, studierte u. a. Geografie und Orientalistik und unternahm zahlreiche Reisen.

Seine mystisch-visionären Werke wurden u. a. von Martin Buber, Richard Dehmel und Herbert Eulenberg hoch geschätzt. 1919 wurde Mombert Mitglied des Kunst- und Kulturrates für Baden, 1928 wurde er in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. 1933 schlossen ihn die Nazis aus rassistischen Gründen wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Akademie aus und verboten 1934 seine Werke. Mombert, der sich als Deutscher fühlte, blieb dennoch in Deutschland und pflegte einen regen Briefwechsel mit seinen Freunden. Im Oktober 1940 wurde er im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion ins Lager Camp de Gurs in Südfrankreich deportiert, wo er bis April 1941 interniert war. Sein Freund Hans Reinhart erreichte mit Unterstützung Hans Carossas schließlich, dass der schwer Erkrankte im Oktober 1941 in die Schweiz ausreisen durfte, wo er am 8. April 1942 in Winterthur an den Folgen des Lageraufenthalts verstarb.

Momberts etwa 3730 Titel umfassende Büchersammlung befindet sich seit 1950 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe.[1]

Werk und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Mombert mit Emanuel Lešehrad während seines Besuchs in Prag, 1906

Mombert steht mit seinem Selbstverständnis als visionärer Dichter und spiritueller Seher in der Tradition Friedrich Hölderlins und Friedrich Nietzsches. Seine Lyrik hat bei allen Unterschieden mit der Stefan Georges und Rainer Maria Rilkes gemeinsam, dass sie mit der Tradition des Naturalismus bricht, dass sie trotz Bezügen zum Symbolismus und Frühexpressionismus keiner zeitgenössischen Richtung eindeutig zugewiesen werden kann und dass sie ihrem esoterischen Anspruch nach mit der auf intuitionistischer Schau beruhenden dichterischen Gestaltung alles Wirkliche und alles erlebte Leben transzendiert. Dessen Bedeutung hingegen erscheint sich lediglich darin zu erschöpfen, für die allein sinnstiftende und damit erst Wirklichkeit im eigentlichen Sinn schaffende Dichtung den Rohstoff zu liefern, es wird aber als solches nicht als werthaltig angesehen. Im Spätwerk des mit Theodor Däubler und Arno Holz und Otto zur Linde, Rudolf Pannwitz, Albert Verwey und Karl Wolfskehl zur Gruppe der Kosmiker zählenden Dichters dominieren mythisch-kosmologische Dramen, in denen sich ein zyklisches Geschichts-, Menschen- und Weltbild manifestiert.

Alban Berg vertonte ab 1908 Texte von ihm in seinen Liedern für Stimme und Klavier, opus 2.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tag und Nacht. Gedichte. 1894.
  • Der Glühende. 1896
  • Die Schöpfung. Gedichte. 1897.
  • Der Denker. Gedichte. 1901.
  • Der Sonne Geist. 1905.
  • Die Blüte des Chaos 1905
  • Der Held der Erde 1919
  • Der himmlische Zecher. Gedichte. 1909.
  • Aeon. Dramatische Trilogie. Drama: I. Aeon der Weltgesuchte. 1907 II: Aeon zwischen den Frauen. 1910 III. Aeon vor Syrakus. Drama. 1911.
  • Der Held der Erde. Gedichte. 1919.
  • Der Sonne-Geist-Mythos. 1923.
  • Atair. Gedichte. 1925.
  • Aiglas Herabkunft. Drama 1929
  • Aiglas Tempel. Drama 1931
  • Sfaira, der Alte. 1936–1942 (2 Teile).

Postume Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Alfred Mombert im Mombertplatz Heidelberg

Im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund sind die Mombertstraße und der angrenzende Mombertplatz nach dem Schriftsteller Alfred Mombert benannt. Im Innenhof der Wohnanlage Mombertplatz hängt auch eine Gedenktafel an den Namensgeber.

In Karlsruhe gibt es eine Mombertstraße in der Oststadt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Badische Landesbibliothek, abgerufen am 31. Oktober 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgaben und Briefeditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Herberg (Ed.): Alfred Mombert. Dichtungen, Bd. 1–3. Kösel, Münhen, 1963
  • Paul Kersten (ed.): Alfred Mombert. Briefe an Friedrich Kurt Benndorf aus d. Jahren 1900 - 1940. [Mit einer Einleitung "Alfred Mombert" von Hans Wolffheim und einem Nachwort von Elsbeth Wolffheim]. Schneider, Heidelberg 1975
  • Benjamin J. Morse (Ed.): Alfred Mombert. Briefe an Vasanta 1922 - 1937. Schneider, Heidelberg 1965
  • Hans Wolffheim (Ed.): Alfred Mombert. Briefe an Richard und Ida Dehmel. Steiner, Wiesbaden 1956
  • Benjamin J. Morse (Ed.): Alfred Mombert. Briefe 1893 - 1942. Schneider, Heidelberg Darmstadt 1961
  • Briefe an Alfred Mombert aus den Jahren 1896–1940. Herausgegeben und kommentiert von Marek Fiałek. Berlin 2010, ISBN 978-3-86573-582-9

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Weber, Alfred Mombert. Ausstellung zum 25. Todestag. 10. April bis 8. Juli 1967 [Badische Landesbibliothek]. C.F. Müller, Karlsruhe 1967 (mit ausführlicher Bibliographie)
  • Joachim Metzner: Persönlichkeitszerstörung und Weltuntergang: Das Verhältnis von Wahnbildung und literarischer Imagination. De Gruyter, Berlin u.a. 1976 ISBN 9783110932713
  • Susanne Himmelheber(Hrsg.): Alfred Mombert (1872 - 1942). Eine Ausstellung des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, Alte Universität Heidelberg vom 27. Juni bis 31. Juli 1993. Wunderhorn, Heidelberg 1993 ISBN 3-88423-086-7
  • Marek Fialek: Dehmel, Przybyszewski, Mombert. Drei Vergessene der deutschen Literatur. Mit bisher unveröffentlichten Dokumenten aus dem Moskauer Staatsarchiv. Berlin 2009, ISBN 978-3-86573-448-8.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Bd. 17, De Gruyter, Berlin u.a. 2009, s. v. Mombert, Alfred
  • Marek Fialek: Ein Kosmiker in Heidelberg. Alfred Mombert. Mit bisher unveröffentlichten Texten aus dem Staatsarchiv Moskau, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein 13, 2009, S. 165–171
  • Marek Fialek: Alfred Mombert und die Musik der Welt. Mit zahlreichen Dokumenten aus dem Staatsarchiv Moskau. Berlin 2010, ISBN 978-3-86573-541-6.
  • Elisabeth Höpker-Herberg: Mombert, Alfred. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 22 f. (Digitalisat).
  • Ulrich Weber: Mombert, Alfred. In: Badische Biographien. Neue Folge 1. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007118-1, S. 213–215 (online)
  • Holger Gehle: NS-Zeit und literarische Gegenwart bei Ingeborg Bachmann. Springer, Berlin 2013, S. 118–128 ISBN 9783322851796
  • Gabriela Wacker: Poetik des Prophetischen: Zum visionären Kunstverständnis in der Klassischen Moderne. DE Gruyter, Berlin u.a. 2013 ISBN 9783110298628

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alfred Mombert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Alfred Mombert – Quellen und Volltexte