Alfred Schiff

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Alfred Wilhelm Schiff (* 23. Dezember 1863 in Berlin; † 31. Januar 1939 ebenda) war ein deutscher Archäologe jüdischen Glaubens. Seine Idee des olympischen Fackellaufs wurde von Carl Diem umgesetzt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiff studierte nach seinem Abitur 1881 Archäologie an den Universitäten in Heidelberg, Straßburg und Berlin. Während seines Studiums wurde er 1881 Mitglied der Straßburger Burschenschaft Germania.[1] Er wurde 1905 an der Universität Rostock promoviert. Er nahm an Grabungen in Athen und auf den griechischen Inseln teil. Anlässlich der feierlichen Enthüllung einer Marmorbüste zum 80. Geburtstag von Ernst Curtius im Museum von Olympia am 19. April 1895 sprach Schiff im Namen der Berliner Schüler des Archäologen und Ausgräber von Olympia.[2] Als langjähriges Vorstandsmitglied der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin wirkte Schiff an dem regen wissenschaftlichen Austausch zwischen Archäologen, Altertumswissenschaftlern, Gelehrten anderer Disziplinen sowie anderer Interessenten mit.

Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen wirkte Alfred Schiff als Schiedsrichter und Betreuer der deutschen Mannschaft mit und gehörte 1904 zu den Gründungsmitgliedern des „Deutschen Reichsausschusses für Olympische Spiele“, einem der Vorläufer des Nationalen Olympischen Komitees. Von 1920 bis zu seiner Entlassung im April 1933 aus rassischen Gründen arbeitete er in verschiedenen Funktionen, zuletzt als Verwaltungsdirektor, an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin.

Das olympische Feuer brannte erstmals im Jahre 1928 im Stadion von Amsterdam. Diese Feuersymbolik hat Schiff dann für die Spiele in Berlin weiterentwickelt. Schiff wertete antike Gemmen-, Vasen- und Reliefbilder mit Darstellungen von Fackelläufern aus und stellte einschlägige antike Quellen zusammen.

Dass Schiff der Ideengeber für die Durchführung des Fackellaufes war, wird durch eine eigenhändig verfasste Denkschrift zum antiken Fackellauf belegt, in der er für Diem seine Forschungsergebnisse zusammengefasst hat. Auch Einträge in Diems Tagebuch drücken dies aus.

Für die Vorbereitung der Spiele in Berlin verschaffte Diem seinem Freund bezahlte Aufträge für das Organisationskomitee und konnte ihn so finanziell unterstützen. Viele Jahre lang war Schiff der persönliche Berater Diems. Insbesondere beriet er ihn in allen Fragen der antiken Sportgeschichte und Kultur und überarbeitete Diems Tagebücher zu Fragen des antiken Sports.

Auf Initiative Diems wurde Alfred Schiff die Planung und Vorbereitung einer als Begleitprogramm der Berliner Spiele gedachten Ausstellung zur Geschichte der Leibesübungen im Altertum übertragen. Unter dem Titel "Sport der Hellenen" wurde die Sonderausstellung von Juli bis August 1936 im Pergamonmuseum gezeigt. Hierbei wurden ebenso wie beim olympischen Fackellauf alle Hinweise auf den geistigen Urheber und Organisator getilgt.

Alfred Schiff heiratete Laura Hirschfeld am 15. Januar 1915 in Berlin. Als Alfred Schiff am 31. Januar 1939 in Berlin starb, waren seine Frau und die beiden Töchter Sabine und Elizabeth nach England emigriert. Durch die Judenverfolgungen der Nationalsozialisten wäre sein Lebenswerk beinahe in Vergessenheit geraten.[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexandrinische Dipinti, Leipzig 1905 (= Dissertation)
  • (Hrsg.) Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1920-1930, Magdeburg 1930
  • Der Marathonlauf, in: Friedrich Mildner (Hrsg.), Olympia und die Leibesübungen im nationalsozialistischen Staat, Band 1 (Berlin 1934), S. 41–45.
  • Kampf- und Übungsstätten im griechischen Altertum, in: Stadion: Das Buch von Sport und Turnen, Gymnastik und Spiel, hrsg. von Franz Breithaupt, Carl Diem und Hans Sippel (Berlin 1928), S. 409–419.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Alfred Schiff – Quellen und Volltexte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Lehmann: Sport der Hellenen – Die Berliner Ausstellung von 1936 und der jüdische Archäologe Alfred Schiff (1863-1939). In: Andreas Höfer, Manfred Lämmer, Karl Lennartz (Hrsg.): Stadion Band 29 (2003) Sonderband. Olympic Games · Olympische Spiele · Jeux Olympiques. Academia-Verlag, St. Augustin 2004, ISBN 3-89665-329-6, (Inhaltsverzeichnis online; PDF; 87 kB)
  • Who is who der Deutschen Sporthochschule Köln. 2. Aufl. Köln 2011. Online, S. 61–62.
  • Stefan Altekamp, Classical archaeology in Nazi Germany. In: Helen Roche / Kyriakos Demetriou (Hg.), Fascist Italy and Nazi Germany. Brill’s companion to the classics, Leiden 2017, S. 289–324.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 447.
  2. Die Ernst Curtius-Büste im Museum zu Olympia: Bericht für die an der Stiftung Beteiligte (Offizin W. Drugulin 1895), S. 17–19.
  3. Stefan Altekamp, Classical archaeology in Nazi Germany. In: Helen Roche / Kyriakos Demetriou (Hg.), Fascist Italy and Nazi Germany. Brill’s companion to the classics, Leiden 2017, S. 289–324, bes. 296f.