Alfred Tönnis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Alfred Tönnis OMI (* 14. März 1959 in Fulda) ist ein katholischer Priester, Pater des Ordens der Oblaten (Oblati Mariae Immaculatae) und bekannt für seine innovativen Projekte und Initiativen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs in Emsbüren im Emsland auf und begann nach der Schule eine Ausbildung in der Textilbranche, absolvierte als Spätberufener zunächst sein Abitur in Viersen. 1983 trat er in den Orden Oblati Mariae Immaculatae (OMI) ein. Nach dem Studium der Theologie in Mainz und Lantershofen (bei Bonn) bis 1989 empfing er 1990 in Borken-Burlo (Westfalen) die Priesterweihe.

Projekte als Seelsorger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Pater Tönnis in den 1990er Jahren, indem er mit einem Wohnmobil („Kloster auf Rädern“) durch Deutschland fuhr. Er lebte dabei zwei bis drei Wochen auf dem Marktplatz einer Stadt und begleitete als Seelsorger Menschen, die er zufällig traf. Er besuchte dabei auch Schulklassen der Oberstufe.

Seit er 1995 Pfarrer in Mittelbiberach wurde, arbeitet er nebenbei bei einem Privatsender Radio 7 in Ulm für kirchliche Sendungen. 1997 baute sein Team die „Rollende Kirche“, eine Kirche auf Rädern, mit der die Kirche zu den Menschen kommen kann, egal wo sie sind, z. B. Kirchentag, ZDF-Fernsehgarten und Kirmes, auch bei Umzügen.[1]

Im Jahre 1999 wurde auf seine Idee hin im Geburtshaus der seligen Schwester Ulrika Nisch in Mittelbiberach ein Haus für junge Mütter eingerichtet, die im Schwangerschaftskonflikt leben und Begleitung brauchen. 2003 wurde diese Einrichtung die eigenständige Stiftung „Stiftung Ulrika Nisch“.[2]

Seit 2005 wohnte er im Oblatenkloster in Schemmerhofen bei Biberach an der Riß. Seit 2008 war er Rektor des Klosters. Die Kommunität umfasste drei Priester und vier weitere Mitbrüder außerhalb des Klosters. In Schemmerhofen betreuten sie die Seelsorgeeinheit Schemmerhofen und den Wallfahrtsort „Aufhofener Käppele“.[3]

Seit 2009 ist er Vorstand der Stiftung „Piuspflege“ in Oggelsbeuren bei Biberach an der Riß.[4]

Bekannt sind Pater Alfreds Brückenmessen (spezielle Gottesdienste), die er mit Rockbands feiert bzw. oder mit außergewöhnlichen Predigten anfüllt: z. B. eine Dialogpredigt mit Thomas D, Bandmitglied der Fantastischen Vier. An den Sonntagen der Fastenzeit organisierte er Fastenpredigten mit Prominenten. Seit 2009 arbeitet er auch im Fernsehen. Beiträge findet man unter kip-radio.de oder auch auf youtube. Zur Osterzeit 2010 machte Pater Tönnis von sich reden mit einer Aktion gegen ein Plakat, das zum Kirchenaustritt aufrief.[5] Die Zeichen der Zeit zu erkennen, ist ihm wichtig. Im März 2013 rief er zu einem Wettbewerb „Seelsorge auf facebook“ auf.[6] Die Bildzeitung kürte ihn am 20. Juli 2012 zum „wohl coolsten Pfarrer Deutschlands“.[7]

Das Thema „Flüchtlinge aufnehmen“ ist ihm seit Jahren ein wichtiges Thema. So initiierte er ein neuartiges Konzept der Flüchtlingsaufnahme. Nach fast drei Jahren Projektentwicklung wohnen nun seit dem 13. Mai 2014 bis zu 75 syrische Flüchtlinge in den Gebäuden der Stiftung Heimat geben Oggelsbeuren, der früheren Stiftung Piuspflege. Mit einem großen Team von Ehrenamtlichen und Angestellten werden Flüchtlinge nicht nur aufgenommen, sondern ihnen wird auch in einer Willkommenskultur vorübergehende Heimat gegeben. Seine provokante These dazu: „Flüchtlinge sind Botschafter Gottes.“[8]

Seit dem 1. Januar 2016 wohnt er mit einem Mitbruder, Pater Heinrich Mayer (79), in dieser Stiftung Heimat geben Oggelsbeuren als Oblatenkommunität unter einem Dach mit bis zu 120 Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern. Das Kloster in Schemmerhofen wurde zugunsten dieses Projektes Ende 2015 geschlossen.[9] Am 27. Dezember 2016 wurde in der Innenstadt von Biberach der von ihm initiierte Gebetsladen „Come in“ eröffnet. Muslime, auch ein Imam, und Christen mit einem Ordenspriester tragen dieses Integrationsprojekt. In diesem deutschlandweit neuartigen Projekt wird Religion genutzt, Menschen zu verbinden: Bücher, Gebet und Gespräch in einer Gebetsatmosphäre besonderer Art.[10]

Filmprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2005 schrieb er eine Synopse für den 2006 gedrehten Spielfilm „Anders als geplant“, worin es um eine junge Schwangere geht, die mit einem Türken namens Hasan zusammen ist. Der Film geht – so die Selbstwahrnehmung – das Thema mit Spannung, konstruktiv, nicht verurteilend und Werte vermittelnd an. Bei Vorführungen in Biberach stieß der Film allerdings zum Teil auf überaus heftige Ablehnung. Ausgezeichnet beurteilt wurde dieser Film vom Ethikrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wie auch vom SWR.

Bei den Biberachern Filmfestspielen 2014 hatte sein Dokumentarfilm „Flucht und Heimat“ Premiere, den er mit dem Filmemacher Lukas Hoffmann an Originalschauplätzen produziert hatte. In diesem Film geht es sowohl um die Situation von syrischen Flüchtlingen im Libanon und in Ägypten als auch um deren Wege nach Deutschland. Ebenso wird darin die Gründung der Stiftung Heimat geben Oggelsbeuren dokumentiert.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seelsorge – eine unbezahlbare Liebe. Fromm Verlag, 2011.
  • Survivaltrainingsprogramme für das eigene Ich oder auch Beziehungen. A. Tönnis, 2004.
  • Chance einer Krise. Badenia Verlag, 1998.
  • Theologische Hefte mit bebilderten Kurzgeschichten, jährlich ab 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rollende-kirche.de
  2. junge-mutter-mit-kind.de
  3. kirche-schemmerhofen.de
  4. piuspflege.de
  5. Plakate rufen zu Kirchenaustritt auf. pro-medienmagazin.de
  6. seelsorgeauffacebook.de
  7. bild.de
  8. heimatgeben.de
  9. heimatgeben.de
  10. come-in-bc.de