Algermissen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Algermissen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Algermissen
Algermissen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Algermissen hervorgehoben
Koordinaten: 52° 15′ N, 9° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Hildesheim
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 35,62 km2
Einwohner: 7738 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31191
Vorwahl: 05126
Kfz-Kennzeichen: HI, ALF
Gemeindeschlüssel: 03 2 54 003
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstr. 7
31191 Algermissen
Webpräsenz: www.algermissen.de
Bürgermeister: Wolfgang Moegerle (CDU)
Lage der Gemeinde Algermissen im Landkreis Hildesheim
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Algermissen ist eine Gemeinde im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde erstreckt sich über 35,56 km² und besteht aus sechs Ortschaften: Algermissen, Lühnde, Groß Lobke, Bledeln, Ummeln und Wätzum. Die Gemeinde liegt inmitten der Hildesheimer Börde. Mitten durch das Gemeindegebiet fließt der Stichkanal Hildesheim.

2012 hatte Algermissen rund 7.900 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste urkundliche Erwähnung Algermissens ist aus dem Jahr 985 erhalten.

Die beiden ehemals selbstständigen Dörfer Groß- und Klein-Algermissen zählen zu den ältesten Siedlungen im Gau Astfala und gehörten gemeinsam als Pfarrbezirk zum Bann Lühnde. Vom 12. bis 14. Jahrhundert kommt ein Adelsgeschlecht „von Algermissen“ vor. Ein Dietrich von Algermissen führte bereits 1350 eine Elster in seinem Siegel – heute das Wappentier der Gemeinde.

Eine rasante Entwicklung erlebte Algermissen im späten Mittelalter.

Durch die ununterbrochene Zugehörigkeit zum Hochstift Hildesheim blieb Algermissen von der Reformation weitgehend unberührt und hat auch heute noch eine deutliche und für Niedersachsen überraschende katholische Bevölkerungsmehrheit. Die nach Norden angrenzenden Orte sind dagegen vorwiegend evangelisch-lutherisch. Während des Dreißigjährigen Krieges verwüsteten im März 1626 die Dänen beide Dörfer.

Von 1807 bis 1810 bestand das Kanton Groß-Algermissen. Die größten Umwälzungen brachte das 19. Jahrhundert mit der Einweihung der Eisenbahnstrecke HildesheimLehrte (1846), dem Bau des Ziegelwerkes, der Zuckerfabrik und der Molkerei sowie der Gründung zahlreicher Firmen und Vereine. Die Molkerei versandte zum Beispiel ihre Produkte nach Hamburg, Berlin und Köln. Bis zu 130.000 Gänse sind in früheren Jahren in den Betrieben des Dorfes zum Weihnachtsfest gemästet worden. Die Reichsbahn baute eigens für die Gänsetransportzüge aus Polen und Russland einen eigenen Gänsebahnhof.

Unter Pfarrer Franz-Kaspar Köhnen, der 56 Jahre in der Gemeinde amtierte, entstand die heutige kath. Hauptkirche St. Matthäus mit dem beeindruckenden Barockaltar, geweiht am 5. Mai 1720. Wertvoll ist das Gestühl mit den geschnitzten Wangen. Die noch ältere gotische St. Mauritius-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert mit den Jahreszahlen 1670, 1710, 1875, 1915 und 1961 im Wetterhahn ist das älteste Gebäude im Ort (siehe auch unter Sehenswürdigkeiten).

Ein Großfeuer im Herbst des Jahres 1878 auf dem Tieberg vernichtete vier Häuser und Stallungen, alle Bewohner dieser Häuser verloren ihr Hab und Gut. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde am 3. August 1879 in der Göbbelschen Gastwirtschaft eine Versammlung des Kriegervereins abgehalten. Hieraus ergab sich wahrscheinlich die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

Im Jahr 1936 wurden die Dörfer Groß- und Klein-Algermissen zur Gemeinde Algermissen vereinigt.

1985 feierte Algermissen sein 1000-jähriges Bestehen.

Geschichte der Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lühnde war eine bedeutende und leicht befestigte Siedlung. Die romanische St.-Martins-Kirche stammt aus dem Jahr 1117.
  • Die erste urkundliche Erwähnung von Groß Lobke kann nicht konkret eingegrenzt werden, da unterschiedliche Schreibweisen auf eine oder mehrere Siedlungen in der Gegend hinweisen.
  • Bledeln wurde 1160 erstmals erwähnt. Das Dorf Ummeln trat 1274 in Urkunden erstmals in Erscheinung. Im gleichen Jahr wird auch das Dorf Wätzum erstmals urkundlich erwähnt.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholischen Christen in Algermissen gehören zur Pfarrgemeinde St. Cäcilia in Harsum. Die bis 2014 eigenständige Pfarrgemeinde St. Matthäus wurde am 1. November 2014 mit den vormaligen Pfarrgemeinden St. Cäcilia – Harsum und St. Catharina – Asel fusioniert.[2] Kath. Hauptkirche von Algermissen ist die St. Matthäus-Kirche an der Marktstraße. Für Werktagsmessen wird auch die St. Mauritius-Kapelle an der Langen Straße genutzt. Die kath. Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Borsum-Sarstedt im Bistum Hildesheim.

Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Algermissen, zu der in Algermissen die Adventskirche am Grasweg gehörte, wurde am 1. Januar 2012 mit den Kirchengemeinden in Groß Lobke, Hotteln, Gödringen, Lühnde, Oesselse und Wirringen-Müllingen-Wassel zur Evangelisch-lutherischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Sarstedt-Land im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt zusammengeschlossen.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Bledeln, Groß Lobke, Lühnde, Ummeln und Wätzum eingegliedert.[4]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Ortsnamen von Algermissen waren in den Jahren 980-982 Algrimsen, 985 Alegrimesheim, 989 Aleghrimesheim, 989-992 Alegremishusun, 990 Alegrimesheim, 1143 Alegrimessem, 1143 Alegrimeshem, 1161 Algermissen, 1161 Aligrimeshem, 1204 Alegremessen und 1204 Alegrimessen. Im ersten Teil des Ortsnamens steckt der germanische Vorname "Alagrim", zu "al-" für "all, ganz" und "grim", zum Beispiel im althochdeutschen "grim, grimmi" für "zornig, wild, schrecklich, erregt sein". Altnordisch ist "grima" für "Maske, Larve", wohl auf den Kampf bezogen, der "grimmig, schrecklich" wirken sollte.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde wurde von den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Algermissen am 11. September 2011 neu gewählt. Die Wahlperiode berginnt am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Dem Rat gehören 21 Mitglieder an. Neben dem direkt gewählten hauptamtlichen Bürgermeister sind dies 11 Ratsmitglieder auf Wahlvorschlag der CDU und 9 Ratsmitglieder auf Wahlvorschlag der SPD.[6]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister ist seit 1. Februar 2005 Wolfgang Moegerle (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt im oberen Teil eine Elster auf gelbem Grund. Der untere Teil ist grün.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle St. Mauritius
Pietà an der Hottelner Straße
  • St. Matthäus (Algermissen): katholische Hauptkirche von Algermissen; 1720 erbaute barocke Hallenkirche, quadratischer Turm, achteckiger Chorabschluss. Vollständig erhaltene originale Barockausstattung von Ernst Dietrich Bartels. Bemerkenswerte Deckengemälde und figurenreiche Altäre. Seit 1. Nov. 2014 Filialkirche der kath. Pfarrgemeinde St. Cäcilia - Harsum.
  • St.-Mauritius-Kapelle: Erbaut im 14. Jahrhundert; kath. Filialkirche der kath. Pfarrgemeinde St. Cäcilia in Harsum.
  • Domküsterhof: Bemerkenswert ist der Domküsterhof in der Alten Straße, erbaut 1629, einer der ältesten Bauernhöfe im Landkreis Hildesheim.
  • Alter Dorffriedhof: Eine Besonderheit bietet der alte Dorffriedhof an der St.-Matthäus-Kirche mit 20 wertvollen Grabsteinen, deren älteste von 1700 stammen. Der Stein des Seiltänzers und Gleichgewichtskünstlers Joseph Bruns steht am Hauptweg.
  • Kriegsopferdenkmal: Das Kriegsopferdenkmal an der Neuen Straße wurde in den 1970er Jahren errichtet. Es ist ein Werk von Hanns Joachim Klug.
  • Heimatmuseum: Das Heimatmuseum im Haus Neue Straße 10 zeigt u. a. eine ostdeutsche Heimatstube, handwerkliche und hauswirtschaftliche Sammlungen, historische Schuleinrichtungen, eine sporthistorische Sammlung und zahlreiche Bilddokumente des Dorfalltags ab 1864
  • Sehenswert sind im Ort weiter noch 17 Wege- und Flurkreuze, Standbilder und Bildstöcke, darunter auch die Fronleichnamsaltäre von 1744.

Brauchtum und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute noch werden Traditionen gepflegt: Fronleichnam mit Kesselpauken, Böllerschießen und eigenen Musikstücken; Fastnacht: Rosenmontagsvergnügen der Junggesellschaft, Wegbringen von Fastnachtskerlen nach Mitternacht, „Fuen“ der Mädchen und Jungen bei dem sie von Haus zu Haus ziehen, Gedichte aufsagen und Süßigkeiten erbitten; Fastnachtsumzug mit Bären; Sammeln von Heilkräutern (Weihbund) zum Tag Mariä Himmelfahrt, die Flur- und Bittprozession sowie die Wallfahrt in das westfälische Werl zum Fest Mariä Heimsuchung Anfang Juli. 2013 wurde das alte Wasserwerk an der Kranzwegbrücke in ein kulturelles Veranstaltungszentrum mit 50 Sitzplätzen umgebaut und von Bürgern als gemeinnütziger Verein betrieben. Dort finden unter anderem Konzerte, Lesungen, Kochveranstaltungen, Sommerfeste und Theaterstücke statt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich der Gemeinde verläuft die Bundesautobahn 7; südöstlich verläuft die Bundesstraße 494 von Hildesheim nach Peine.

Algermissen liegt an der Bahnstrecke Lehrte–Hildesheim. Seit 2008 bietet die Linie S 3 der S-Bahn Hannover stündliche Verbindungen über Lehrte nach Hannover Hauptbahnhof sowie über Harsum nach Hildesheim Hauptbahnhof.

Am Stichkanal Hildesheim zwischen der Schleuse Bolzum und dem Hafen Hildesheim sind einige Gewerbebetriebe angesiedelt. Ein Schiffsanleger bietet die Möglichkeit, Getreide, Dünger und Brennstoffe umzuschlagen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde:

  • Johann Joseph Gerhard Hartmann (1806–1880), Mathematiker, Hochschullehrer und Zweiter Direktor der Technischen Hochschule Hannover
  • Hermann Rasch (1810–1882), geb. in Groß Lobke; von 1854 bis 1881 Stadtdirektor von Hannover
  • Joseph Ernst (1863–1928), Priester, Professor am Hildesheimer Priesterseminar, 1915–1928 Bischof von Hildesheim
  • Heinrich Willers (1870–1915), Archäologe und Numismatiker
  • Christel Machens (1877–1941), Politiker (Zentrum)
  • Heinrich Fründ (1880–1952), Chirurg
  • Ursula Ernst (* 1944), Politikerin (CDU), war Mitglied des Niedersächsischen Landtags
  • Bruno Eyron (* 1964 in Lühnde), Schauspieler; bekannt wurde er in seiner Rolle als ‚Hauptkommissar Balko‘
  • Diane Kruger (* 1976 als Diane Heidkrüger), Schauspielerin

Weitere Persönlichkeiten:

  • Erich Franzke (1931–1996), Politiker (SPD) und Mitglied des Niedersächsischen Landtages sowie Landrat des Landkreises Hildesheim
  • Mirko Slomka (* 1967 in Hildesheim), in Lühnde aufgewachsener Fußball-Trainer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Algermissen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Algermissen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Urkunde über die Aufhebung der katholischen Pfarrgemeinden St. Cäcilia, Harsum, St. Catharina, Harsum-Asel, St. Matthäus, Algermissen und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde St. Cäcilia, Harsum. Kirchlicher Anzeiger für das Bistum Hildesheim Nr. 8 vom 3. November 2014, S. 222–224.
  3. Kirchliches Amtsblatt für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, 2/2012, S. 54ff.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 209.
  5. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen. Recherche Jürgen Udolph.
  6. zitiert nach der Website der Gemeinde Algermissen