Alghero

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Alghero / L’Alguer
Wappen
Alghero / L’Alguer (Italien)
Alghero / L’Alguer
Staat Italien
Region Sardinien
Provinz Sassari (SS)
Lokale Bezeichnung S’Alighera / L’Alguer (ca)
Koordinaten 40° 33′ N, 8° 19′ OKoordinaten: 40° 33′ 0″ N, 8° 19′ 0″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 224,43 km²
Einwohner 44.019 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 196 Einw./km²
Stadtviertel Sant’Agostino, Il Carmine, La Pivarada, Fertilia, Santa Maria La Palma, Porto Conte
Angrenzende Gemeinden Olmedo, Putifigari, Sassari, Uri, Villanova Monteleone
Postleitzahl 07041
Vorwahl 079
ISTAT-Nummer 090003
Volksbezeichnung Algheresi
Schutzpatron San Michele Arcangelo
Website Alghero
Bastioni Alghero.jpg

Alghero, katalanisch L’Alguer ([ləlˈɣe] (Standard) bzw. [ləlˈɣeɾ] (lokal)), sardisch S’Alighera, ist eine Stadt in der Provinz Sassari auf der italienischen Insel Sardinien. Sprachwissenschaftlich ist es als katalanische Sprachinsel von Bedeutung.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alghero hat 44.019 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016) auf einer Fläche von 225 km² und liegt an der Westküste (Geografische Lage: 40° 33' Nord, 8° 19' Ost). Die Altstadt verfügt über viele mittelalterliche Baudenkmäler, die typisch für mittelalterliche Städte auf dem Gebiet der Krone von Aragon sind. Dicke Mauern umschließen die Altstadt, die auf einem Felsvorsprung liegt. Schmale Gassen und Steinstufen führen zu den Plätzen und Kirchen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Periode der Fremdherrschaft über Sardinien, die etwa 800 v. Chr. mit den Phöniziern und Karthagern begann und sich über etliche Zwischenstufen fortsetzte, wurde im 11. Jahrhundert in Alghero damit fortgeführt, dass die genuesische Familie Doria die Stadt im Namen der Republik Genua von sarazenischen Piraten befreite, besetzte und in eine Festung gegen die konkurrierenden Pisaner umbaute. Im Jahre 1354 eroberten die Katalanen (das Haus Aragon) die Stadt, bauten die Festung aus und vertrieben die einheimische Bevölkerung. Das führte unter anderem zur Gründung der Stadt Villanova Monteleone.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katalanische und italienische Bezeichnungen der Straßenschilder in der Altstadt – beide Versionen nicht inhaltsgleich

Ein Teil der Einwohner spricht immer noch Katalanisch, da Kolonisten aus Barcelona die Stadt neu besiedelten, nachdem die Sarden 1372 nach einem Volksaufstand gegen den aragonischen König Pero IV. vertrieben worden waren.

Das Katalanische wurde im 17. Jahrhundert als offizielle Sprache durch das Spanische, später durch das Italienische ersetzt. Im Jahr 1990 verstanden noch etwa 60 % der Bevölkerung den katalanischen Dialekt von Alghero, der derzeit nur noch von wenigen Familien an ihre Kinder weitergegeben wird. Verschiedene Vereinigungen fördern die Sprache und die Kultur, wie z. B. das Maria-Montessori-Zentrum und das Kulturwerk von Alghero.

Die Sprache ist aber, trotz anderslautender Richtlinien zum Minderheitenschutz in der italienischen Verfassung, vor Ort nur dürftig geschützt. Die Einwohner sprechen daneben Italienisch und verstehen zumindest die lokalen sardischen Dialekte.

Die Bewohner von Alghero nennen ihre Stadt Klein-Barcelona. Unter den lebendigen Traditionen in Alghero sticht der Gesang der Sibylle hervor, der, wie auf Mallorca, in der Weihnachtsnacht gesungen wird.

Feiertage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karwoche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karfreitagsprozession: Die Christusfigur wird im Sarg aus der Kathedrale getragen

Die Woche vor Ostern ist in Alghero von rituellen Feierlichkeiten geprägt, die ihren Höhepunkt in der Karfreitagsprozession, der Processione del Discendimento finden. In deren Rahmen wird die hölzerne Christusfigur aus dem Dom vom Kreuz abgenommen und zusammen mit Bannern und anderen Statuen in einem Sarg durch die Stadt in die Chiesa della Misericordia getragen.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römerbrücke bei Fertilia

Chiesa di San Michele (Kirche zum Heiligen Michael): Wiedererrichtet im 17. Jahrhundert nach der alten Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Diese Kirche ist bis heute Sitz des Jesuitenkollegs. Sie hat den Grundriss eines Kreuzes. Die Kuppel der Kirche stammt aus dem Jahr 1950 und ist einer der auffälligsten Blickpunkte der ganzen Stadt: Sie ist mit glasierten, farbigen Dachziegeln gedeckt. Vom Hafen aus verkehren regelmäßig Boote zur Grotta di Nettuno, einer vom Meer aus zugänglichen Tropfsteinhöhle. Die Domus de Janas von Anghelu Ruju liegen bei Alghero.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alghero verfügt über ein System von Stadt- (servizi urbani) und Regionalbussen (servizi extraurbani), die sowohl die einzelnen Ortsteile von Alghero untereinander als auch die Stadt mit Orten im näheren und weiteren Umland verbinden. Betrieben wird der Busverkehr von dem Unternehmen ARST – TRASPORTI REGIONALI DELLA SARDEGNA.

Von dem etwas außerhalb der Stadtmitte gelegenen Bahnhof besteht eine Zugverbindung nach Sassari, die regelmäßig von Zügen der FdS (Ferrovia della Sardegna) bedient wird. Bis 1988 begann die Strecke am Hafen.

Alghero hat einen internationalen Flughafen (IATA-Code: AHO). Ganzjährige Linienflugverbindungen verbinden Alghero mit Rom und Mailand, seit Februar 2004 besteht eine reguläre Flugverbindung zu der katalanischen Stadt Girona. Die Billigflug-Gesellschaft Ryanair verbindet Alghero mit den deutschen Flughäfen Bremen, Dortmund, Hahn (Hunsrück), Memmingen und Weeze sowie mit Bratislava in der Slowakei, Graz in Österreich und weiteren Städten in Europa.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alghero - L'Alguer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Andrea Behrmann: Su Desclavament – die lange Karfreitagsnacht in Alghero. sardinien.com, 16. April 2009, abgerufen am 30. Mai 2014.
  3. a b c Alghero – La Porta del Mediterraneo – Città candidata Capitale Italiana della Cultura 2018 – Dossier seconda fase. Abgerufen am 7. Juni 2017.