Algol (Stern)

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Doppelstern
Algol (β Persei)
StarArrowUR.svg
Perseus constellation map.png
Algol im Sternbild Perseus
Beobachtungsdaten
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Sternbild Perseus
Rektaszension 03h 08m 10,13s [1]
Deklination +40° 57′ 20,3″ [1]
Scheinbare Helligkeit 2,09 mag [1]
Typisierung
Spektralklasse B8 V [1]
B−V-Farbindex -0,05 [2]
U−B-Farbindex -0,37 [2]
R−I-Index -0,03 [2]
Veränderlicher Sterntyp EA
Astrometrie
Radialgeschwindigkeit (3,7 ± 3,9) km/s [3]
Parallaxe (36,27 ± 1,40) mas [4]
Entfernung [4] (89,9 ± 3,5) Lj
(27,6 ± 1,1) pc
Visuelle Absolute Helligkeit Mvis -0,11 mag [Anm 1]
Eigenbewegung [4]
Rek.-Anteil: (2,99 ± 1,42) mas/a
Dekl.-Anteil: (-1,66 ± 1,22) mas/a
Physikalische Eigenschaften
Masse 3,59
0,79
1,67 M
Radius 2,3
3,0
0,9 R
Leuchtkraft

98
3,4
4,1 L

Oberflächentemperatur 12 000
4 500
8 500 K
Alter < 300 · 106 a
Andere Bezeichnungen
und Katalogeinträge
Bayer-Bezeichnung β Persei
Flamsteed-Bezeichnung 26 Persei
Bonner Durchmusterung BD +40 673
Bright-Star-Katalog HR 936 [1]
Henry-Draper-Katalog HD 19356 [2]
Hipparcos-Katalog HIP 14576 [3]
SAO-Katalog SAO 38592 [4]
Tycho-Katalog TYC 2851-2168-1[5]
Weitere Bezeichnungen GJ 9110 • ADS 2362 • WDS 03082+4057
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Anmerkung
  1. Aus Scheinbarer Helligkeit und Entfernung errechnet.

Algol (arabisch الغول al-ġūl ‚der Dämon‘), auch bekannt als β Persei, ist ein veränderlicher Stern und der zweithellste Stern im Sternbild des Perseus. Er befindet sich in einer Entfernung von circa 93 Lichtjahren.

Seine scheinbare Helligkeit wechselt in einer Periode von 2,87 Tagen (2 Tage, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden) zwischen 2,3 und 3,5 mag, was auch freiäugig gut zu beobachten ist. Im arabischen Mittelalter wurde er wegen seines unerklärlichen Verhaltens auch „Teufelsstern“ genannt. Er ist der Prototyp der Bedeckungsveränderlichen Sterne.

Es handelt sich bei Algol um ein Dreisternsystem. Ein hellerer bläulicher Stern (Spektralklasse B8) mit der einhundertfachen Helligkeit der Sonne und ein weniger leuchtstarker rötlich-gelber Stern (Spektralklasse K2) umkreisen einander im Abstand von 0,062 AE. Um dieses Doppelsternsystem kreist im mittleren Abstand von 2,69 AE ein dritter Stern mit einer Umlaufzeit von 681 Tagen.

Bedeckungsveränderlicher Stern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Animation eines bedeckungs-veränderlichen Doppelsterns mit resultierender Lichtkurve. Der Sternabstand ist zu gering dargestellt, die Entfernungsänderung hingegen übertrieben.[5][6]

Der Wechsel in der scheinbaren Helligkeit kommt zustande, wenn der größere, aber dunklere Stern aus Sicht der Erde vor dem hellen bläulichen Stern vorbeizieht und ihn dabei verdeckt. Zwischen zwei Helligkeitsminima gibt es noch einmal eine leichte Helligkeitsschwankung, wenn der hellere Stern den dunkleren teilweise verdeckt. Nach den Charakteristika der Lichtkurve von Algol sind die Algolsterne benannt, eine Klasse von Bedeckungsveränderlichen.

Die Entdeckung der Helligkeitsänderungen werden Geminiano Montanari (1667/1669) zugeschrieben. Die Periode wurde von John Goodricke im Jahr 1783 bestimmt. Er vermutete das Verdecken durch einen großen Körper oder eine ungleichmäßige Oberfläche mit Flecken, ähnlich denen auf der Sonne.[7] In einem Brief von John Michell an Henry Cavendish im Juli 1783 wurde die Erklärung mit zwei unterschiedlichen Sternen erwähnt.[8]

Es ist jedoch davon auszugehen, dass bereits den griechischen und arabischen Astronomen der mit dem bloßen Auge zu erkennende Lichtwechsel aufgefallen war. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass schon die Ägypter diesen Stern beobachteten und ihren Tagewählkalender darauf abgestimmt haben. Der um 1200 v. Chr. im alten Ägypten entstandene „Kalender der glücklichen und unglücklichen Tage“ enthält Regelmäßigkeiten, die mit den periodischen Helligkeitsschwankungen des „Teufelssterns“ Algol im Einklang sind. Der Kalender wäre damit das älteste überlieferte Dokument der Entdeckung eines veränderlichen Sterns, so ein Team finnischer Forscher. In Übereinstimmung mit astrophysikalischen Vorhersagen war die Periode von Algol vor 3.200 Jahren etwas kürzer als heute. [9][10]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Algol ist eine Verkürzung des ursprünglichen arabischen Namens »رأس الغول« raʾs al-ġūl ‚Kopf des Dämons‘. Er wird seit dem 10. Jahrhundert benutzt und ist einer der ältesten arabischen Sternnamen in der westlichen Welt. Zuvor nannte Ptolemäus diesen Stern Gorgonea Prima (lateinisch für „erster [Stern] der Gorgo“) nach einer griechischen Sage, in der Perseus das abgeschlagene Haupt der Medusa (eine der drei Gorgonen) in Händen hält. In der Astrologie gilt Algol seit jeher als Unheilsgestirn.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Algol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hipparcos-Katalog (ESA 1997)
  2. a b c Bright Star Catalogue
  3. Pulkovo radial velocities for 35493 HIP stars
  4. a b c Hipparcos, the New Reduction (van Leeuwen, 2007)
  5. D. Gossman, Light Curves and Their Secrets, Sky & Telescope (October 1989, p.410)
  6. Eclipsing Binary Simulation, Cornell Astronomy
  7. The Philosophical Transactions of the Royal Society of London, from Their Commencement in 1665 to the Year 1800. veröffentlicht 1809, S. 456ff (Erklärung S. 459); Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte. Band 2, 2. St., Gotha 1783, S. 160f; Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1787. Berlin 1784, S. 145
  8. Russell McCormmach: Weighing the World: The Reverend John Michell of Thornhill. Verlag Springer Science & Business Media, 2011, S. 360 Mitte
  9. Porceddu, S., Jetsu, L., Lyytinen, J., Kajatkari, P., Lehtinen, J., Markkanen, T, Toivari-Viitala, J.: Evidence of Periodicity in Ancient Egyptian Calendars of Lucky and Unlucky Days. In: Cambridge Archaeological Journal. 18, Nr. 3, 2008, S. 327–339. doi:10.1017/S0959774308000395.
  10. Jetsu, L., Porceddu, S., Lyytinen, J., Kajatkari, P., Lehtinen, J., Markkanen, T, Toivari-Viitala, J.: Did the Ancient Egyptians Record the Period of the Eclipsing Binary Algol - The Raging One?. In: The Astrophysical Journal. 773, Nr. 1, 2013, S. A1 (14pp). doi:10.1088/0004-637X/773/1/1.