Alida Valli

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Alida Valli (1947)

Alida Valli, eigentlich Baroness Alida Maria Laura Altenburger von Marckenstein und Frauenberg (* 31. Mai 1921 in Pola, Istrien, damals Italien; † 22. April 2006 in Rom), war eine italienische Schauspielerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alida Valli entstammte väterlicherseits einer alten österreichisch-italienischen Adelsfamilie aus Trient und mütterlicherseits der alten italienisch-istrianischen Familie della Martina aus der Marine- und Hafenstadt Pola (heute Pula/Pola in Istrien, Kroatien). Ihr Vater, Baron Gino von Altenburger, war Lehrer für Geschichte und Philosophie am k.k. Staats-Real-Gymnasium und nach 1918 unter italienischer Herrschaft am italienischen Gymnasium „Giosuè Carducci“ in Pola. Ihre Mutter Silvia Oberecker della Martina war deutsch-italienischer Abstammung, besuchte das deutsche humanistische k.k. Staats-Real-Gymnasium in Pola und studierte anschließend am Konservatorium in Laibach. Später gab sie Klavierunterricht. Alida besuchte die Grundschule Dante Alighieri in Pola. Sie verbrachte ihre Kindheit bei der Familie in Istrien, dem Trentino und Südtirol. Ende der zwanziger Jahre zog die Familie nach Como.[1]

Bereits im Alter von 15 Jahren übernahm Valli kleinere Rollen beim italienischen Film und verwendete ab dann diesen Künstlernamen. Bald wurde sie zur beliebtesten und gefragtesten Schauspielerin Italiens und galt als „La Fidanzata d’Italia“ (Die Verlobte Italiens). Das von ihr im Film Stasera niente di nuovo 1942 gesungene Lied Ma l’amore no[2] war jahrelang das erfolgreichste und am häufigsten gespielte Lied in Italien. Im selben Jahr fiel ihr Verlobter Carlo Cugnasca als Pilot in Libyen. 1943 wirkte sie neben Beniamino Gigli in der deutsch-italienischen Koproduktion des Films I pagliacci (Lache, Bajazzo) nach der Oper von Ruggiero Leoncavallo mit. Nicht nur die Nazi-Diktatur in Deutschland, auch der Faschismus in Italien versuchte, die Schauspieler für Propagandazwecke einzuspannen. Valli wollte nicht mitmachen und verzichtete deshalb zunächst auf jegliche Produktion.

1944 heiratete sie den Jazzmusiker Oscar de Mejo, mit dem sie zwei Söhne bekam. Nach dem Krieg drehte sie wieder einige Filme in Italien, unter anderem La vita ricomincia. In dem Film Eugenia Grandet (1946) spielte sie die Hauptrolle und bekam aufgrund ihres Erfolges ein Vertragsangebot aus Hollywood von dem Produzenten David O. Selznick, der sie als zweite Greta Garbo aufbauen wollte. Bei der Rolle der Magdalena Paradine in Alfred Hitchcocks Der Fall Paradin (1947) hatte man an die Garbo gedacht, die jedoch ablehnte; sie hatte sich aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Daraufhin wurde die Rolle Alida Valli angeboten.

Neben Orson Welles und Joseph Cotten spielte sie dann die weibliche Hauptrolle in der berühmten Graham-Greene-Verfilmung Der dritte Mann (1949, Regie: Carol Reed), womit ihr der internationale Durchbruch gelang. Anschließend erhielt sie von Selznick nur noch kleinere Rollen, da dieser enorme finanzielle Schwierigkeiten hatte. Valli empfand dies als unpassend und für ihre Karriere wenig förderlich; sie entschloss sich dazu, den Vertrag mit Selznick zu beenden. Dafür nahm sie auch eine hohe Strafzahlung in Kauf, nur um nach Europa zurückkehren zu können.

Sie trennte sich von Hollywood und von ihrem Ehemann, der in den USA bleiben wollte und die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Mit ihren beiden Söhnen kehrte sie zurück nach Italien, wo sie unter Luchino Visconti das Meisterwerk Senso drehte, das den Höhepunkt ihrer Karriere bedeuten sollte. Auch mit Bernardo Bertolucci drehte sie erfolgreich Filme. In dem Film 1900 trat sie neben Gérard Depardieu und Robert De Niro auf.

1954 wurde Valli in einen Skandal aus dem römischen Dolce-Vita-Milieu verwickelt [3]: Eine junge Frau, Wilma Montesi, war tot an einem Strand bei Rom aufgefunden worden. Unter anderem wurde der Jazzmusiker Piero Piccioni, Sohn des damaligen italienischen Außenministers, verdächtigt, für Wilmas Tod verantwortlich zu sein. Auch Moritz von Hessen (Maurizio d’Assia), der Sohn der italienischen Königstochter Prinzessin Mafalda di Savoia, war in den Skandal verwickelt. Piccioni wurde durch eine Aussage von Alida Valli entlastet, die mit ihm befreundet war und zur fraglichen Zeit das Wochenende im Haus des Produzenten Carlo Ponti (des späteren Ehemanns von Sophia Loren) in Amalfi verbracht hatte. Das Geschehen konnte nicht aufgeklärt werden, alle Verdächtigten wurden schließlich vom Mordvorwurf freigesprochen. Der Prozess um ein mutmaßliches Mordopfer, der Missstände wie Korruption, Drogenmissbrauch und sexuelle Verstrickungen unter Politikern, Adeligen, Prominenten ans Tageslicht gebracht hatte, dabei aber weitgehend auf fragwürdigen Indizien und Mutmaßungen basierte und von der Klatsch- und Tratschpresse landesweit begleitet wurde, war ein Meilenstein der italienischen Nachkriegsgeschichte. Alida Valli aber, die in dem Fall eigentlich nur eine Nebenrolle spielte, hatte einem der Hauptverdächtigen ein fragwürdiges Alibi verschafft und damit die öffentliche Meinung gegen sich aufgebracht, ein Makel, der wie ein Schatten auf ihrer weiteren Karriere lag. Der Presserummel im Montesi-Fall um die italienische High Society inspirierte den Regisseur Federico Fellini zu seinem Film La dolce vita (Das süße Leben).[4]

Valli setzte ihre Schauspielarbeit fort, auch am Theater war sie zu sehen. 1971 spielte sie beispielsweise am Mailänder Piccolo Teatro die Gräfin Geschwitz in Frank Wedekinds Lulu in der Inszenierung von Patrice Chéreau. Sie brillierte auch in Stücken von Gabriele D’Annunzio und Henrik Ibsen.

1999 wirkte Valli in dem österreichischen Fernsehfilm Vino Santo unter der Regie von Xaver Schwarzenberger mit. Sie war noch in einigen italienischen und französischen Fernsehproduktionen zu sehen, zuletzt sah man sie 2002 in dem Film Semana Santa. Insgesamt war sie an mehr als 130 Kino- und Fernsehproduktionen beteiligt.

Alida Valli starb am frühen Morgen des 22. April 2006 in ihrem Haus in Rom. Die offizielle Verabschiedung fand zwei Tage später am Sitz des römischen Senats auf dem Campidoglio (Kapitolsplatz) und in der nahen Kirche Santa Maria in Aracoeli unter großer Anteilnahme statt. Sie wurde auf dem Verano-Friedhof in Rom bestattet.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1959: I Figli di Medea
  • 1961: Il caso Mauritius
  • 1963: Combat! (Fernsehserie, 1 Episode)
  • 1964: Desencuentro (Fernsehserie)
  • 1964: Dr. Kildare (Fernsehserie, 3 Episoden)
  • 1974: Il consigliere imperiale
  • 1978: Les grandes conjurations: Le tumulte d’Amboise
  • 1979: L’altro Simenon (Fernsehserie)
  • 1980: L’eredità della priora (Fernsehserie)
  • 1983: Dramma d’amore (Fernsehserie)
  • 1989: Piccolo mondo antico (Fernsehserie)
  • 1992: Una vita in gioco 2 (Fernsehserie)
  • 1993: Mord in der Toskana

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alida Valli – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Plass: Alida Valli. Alida Valli. Archiviert vom Original am 10. Juni 2010. Abgerufen am 19. September 2010.
  2. Text und Melodie: Archivlink (Memento vom 20. Mai 2006 im Internet Archive)
  3. Die Tote am Strand. Faz.Net. 27. April 2006. Abgerufen am 19. September 2010.
  4. La dolce vita – Dirk Jasper FilmLexikon. Djfl.de. Abgerufen am 19. September 2010.