Alija

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Einwanderer der zweiten Alija, Feld bei Migdal (1912)

Der Begriff Alija (hebräisch עלייה, wörtlich „Aufstieg“; Plural Alijot) stammt aus der Bibel und bezeichnet im Judentum seit dem babylonischen Exil (586–539 v. Chr.) die Rückkehr von Juden als Einzelne oder Gruppen nach Eretz Israel. Teilnehmer einer Alija heißen hebräisch Olim (Singular: fem. Olah, mask. Oleh).

Seit der Entstehung des politischen Zionismus im 19. Jahrhundert bedeutet der Begriff allgemein „jüdische Einwanderung“ nach Palästina bzw. seit 1948 nach Israel.[1]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das hebräische Wort Alija für „Aufsteigen, Hinaufziehen“ bezeichnete im antiken Judentum eine Wallfahrt gläubiger Juden zum Jerusalemer Tempel zu einem der drei jährlichen Wallfahrtsfeste Pessach, Schawuot und Sukkot. Das Aufsteigen bezog sich auf das hochgelegene Bergland Judäas und besonders auf den etwa 800 m hoch gelegenen Tempelberg, den Zion.[2]

Nachdem die Babylonier den Tempel und die Stadt Jerusalem als kultisches Zentrum des damaligen Judentums 586 v. Chr. zerstört und seine politischen und kultischen Eliten exiliert hatten, bezeichnete der Begriff auch das erhoffte künftige „Hinaufziehen“ der exilierten Juden in ihr Heimatland Israel. Das Edikt des Perserkönigs Kyros II. von 539 v. Chr. erlaubte ihnen diese Rückkehr nach biblischer Überlieferung mit den Worten (Esr 1,3 EU; vgl. 2. Buch Chronik 36,23):

„Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – sein Gott sei mit ihm –, der soll nach Jerusalem in Juda hinaufziehen und das Haus des Herrn, des Gottes Israels, aufbauen; denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt.“

Damit löste Kyros eine frühe Rückwanderungswelle nach Israel aus, in deren Folge der Tempel und Jerusalem als Hauptstadt Israels wieder aufgebaut wurden.

Die frühen Alijot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im späten 12. Jahrhundert trafen einige Juden aus Nordafrika aufgrund von Verfolgungen ein.
  • Zwischen 1210 und 1211 wanderten 300 französische und englische Rabbiner ein (Einwanderung der dreihundert Rabbiner).
  • Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 kamen einige Juden nach Palästina
  • Im 15. Jahrhundert traf eine Gruppe italienischer Juden ein, die einen großen Einfluss auf die örtliche jüdische Gemeinde ausübte. Unter ihnen war Rabbi Elia, der 1483 aus Ferrara einwanderte.[3]
  • Nach der türkischen Eroberung im Jahr 1516 folgte eine Einwanderungswelle aus dem Orient, Sizilien, Italien, Frankreich, Deutschland und Nordafrika. Gemeinsam mit ihnen kamen auch weitere Flüchtlinge der Vertreibungen aus Spanien und Portugal. Einige ließen sich in Jerusalem nieder, die meisten jedoch siedelten in Safed.
  • Während des gesamten 16. Jahrhunderts zog die Hochblüte der Kabbala in Safed viele Einwanderer aus Frankreich, Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern, aber auch aus Nordafrika und dem Orient an.
Die Windmühle von Sir Moses Montefiore im Jahr 1858
  • 1579 120 Neueinwanderer aus Damaskus
  • Mitte des 17. Jahrhunderts gab es eine wichtige Alija türkischer Juden.
  • Im Jahr 1700 ließ sich eine Gruppe von 1500 europäischen Juden unter der Führung von Rabbi Jehuda Chassid in Jerusalem nieder. Sie errichten die Hurva-Synagoge.
  • Ende des 18. Jahrhunderts begann bis ins frühe 19. Jahrhundert die Einwanderung der Chassidim. Die erste organisierte chassidische Einwanderung fand 1764 statt und wurde von Schülern des Ba’al Schem Tow, des Begründers des Chassidismus, angeführt. Sie siedelten sich in Tiberias, Safed, Hebron und Jerusalem an und begründeten die Tradition der vier Heiligen Städte des Judentums.
  • 1808 organisierten auch die Peruschim, die Schüler des Gaon von Wilna, eines Gegners des Chassidismus, eine Alija und begründeten eine Gemeinde in Jerusalem.
  • 1830 begann eine Einwanderungswelle aus Deutschland, den Niederlanden und Ungarn.
  • Während des 19. Jahrhunderts fand die Einwanderung tausender Juden aus orientalischen Ländern wie der Türkei, Nordafrika, Irak, Persien, Buchara, Kurdistan, Afghanistan, dem Kaukasus und dem Jemen statt, welche die Ankunft des Messias für das jüdische Jahr 5.600 (=1840) erwarteten. 1840 waren Juden die größte Bevölkerungsgruppe in Jerusalem. Die Eroberung von Syrien durch Muhammad Ali Pascha brachte für die jüdische Bevölkerung Erleichterungen, wie z. B. die Erlaubnis, die bei einem Erdbeben 1837 zerstörten Gebäude in Safed und Tiberias wieder aufzubauen.
  • 1857: Der in London lebende italienische Jude Sir Moses Montefiore ließ eine achtzehn Meter hohe Windmühle mit einer kleinen Siedlung aus zwanzig Häusern außerhalb der Stadtmauer Jerusalems errichten und schuf damit eine wichtige Lebensgrundlage der jüdischen Bevölkerung.
  • 1860: Etwa 12.000 Juden leben in Palästina.

Die modernen Alijot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alijot der Neuzeit werden in der Literatur unterschiedlich periodisiert, sowohl hinsichtlich der Dauer als auch hinsichtlich der Einwanderungszahlen.

Die erste Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Alija dauerte von 1882 bis 1903. Das Gebiet von Palästina gehörte damals zum Osmanischen Reich. Mit der 1. Alija kamen 20.000 bis 30.000 Einwanderer aus Osteuropa, Russland, Rumänien und dem Jemen.

Die Gründe für eine Einwanderung lassen sich auf drei Faktoren zurückführen:

  • Die uralte Sehnsucht der Juden nach ihrem historischen Heimatland.
  • Die andauernden Pogrome in Russland.
  • Die Überzeugung, dass nur die Rückkehr in das historische Heimatland imstande sein würde, das "jüdische Problem" dauerhaft und grundlegend zu lösen.

Die erste Alija wurde vor allem von den Bewegungen Chibbat Zion und der Bilu beeinflusst. Bilu ist eine Abkürzung für "Beit Ja'akov Lekhu Ve-nelkha", „Haus Jakob, geht, lasst uns aufbrechen!“ (Jes 2,5 EU); Diese Bewegungen haben auch die ersten landwirtschaftlichen Siedlungen, Moschawot gegründet, bis 1903 insgesamt 28, darunter in Judäa: Rischon LeZion, Ekron, Gedera, Petach Tikwa, Zichron Jaakov und in Obergaliläa: Rosch Pina, Jesod Hama´alah. Be´er Tuvia war die südlichste und Metulla die nördlichste Siedlung.

Die erste Gruppe von 14 Personen ging am 6. Juli 1882 in Jaffa an Land, die zweite Gruppe mit 34 Personen kam zwei Jahre später. Zu dieser Gruppe gehörten auch vier Frauen. Gedera ist eine Bilu-Gründung. - Am 27. Juni 1901 wurde die Vereinigung Kibbuz Achim gegründet, deren Ziel es war, die Ankömmlinge der ersten Alija bei der Suche nach Arbeit und Unterkunft zu unterstützen.

Ebenfalls ab 1882 begann der in Frankreich lebende Baron Edmond Rothschild in sechzehn Musterdörfern 12.000 Juden anzusiedeln, die sich selbständig ernähren konnten. Besonders bekannt wurden seine Weinfelder am Südwestabhang des Karmel, wozu er französische Rebsorten einführen ließ.

Es gab zwei Haupteinwanderungswellen: 1882 bis 1884 und 1890 bis 1891.

Neben 28 neuen landwirtschaftlichen Siedlungen mit ca. 6.000 Personen wuchsen auch die städtischen Siedlungen an. So kamen je ca. 3.000 Neueinwanderer nach Haifa und Jaffa und etwa 1.000 Einwanderer nach Jerusalem.

Das Hebräische wurde wieder zu einer im Alltag gesprochenen Sprache und die ersten hebräischen Grundschulen entstanden. Der Pioniergeist hatte sich jedoch erschöpft und war 1903 fast zum Erliegen gekommen. Insgesamt gelangten während der ersten Alija etwa 35.000 Juden nach Palästina, doch fast die Hälfte unter ihnen verließ das Land wieder nach einigen Jahren.[4]

Ein bekannter Teilnehmer der 1. Alija war Elieser Ben-Jehuda.

Die zweite Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie fand von 1904 bis 1914 statt und brachte 35.000 bis 40.000 Einwanderer, vor allem aus Russland und Polen, in das Land Palästina.

Der erste Anstoß dazu waren die blutigen Ereignisse in Kischinew 1903. Weitere Pogrome in Russland im Jahre 1904 und 1905 sowie der Tod Theodor Herzls am 3. Juli 1904 führten zu einem neuen Pioniergeist.

Die Teilnehmer waren meist junge Männer und Frauen mit sozialistischen Ideen und dem Wunsch nach einer klassenlosen Gesellschaft und einer Religion der Arbeit. Sie ließen sich nicht nur von einer nationalen Ideologie leiten, sondern wünschten sich auch ein Gemeinwesen für Proletarier in Palästina.

Sie hatten in der Regel bereits in ihren Heimatländern eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Von Einwanderern der zweiten Alija wurden die ersten Parteien der Arbeiterbewegung, die Poalei Tzion und die HaPoel HaZair, die Vorgängerorganisationen der Mapai, aufgebaut.

Die Teilnehmer der zweiten Alija arbeiteten als Arbeiter in den Moschawot oder in den Städten. Sie gründeten 1909 den ersten Kibbuz Degania, die erste jüdische Stadt der Neuzeit Tel Aviv und ebenfalls 1909 die militärische Organisation HaSchomer. Auch schufen sie die Basis für eine neue hebräische Presse und Literatur, was die Verbreitung der Sprache erheblich förderte, und für die Gewerkschaft Histadrut.[5]

Bekannte Teilnehmer der zweiten Alija waren: David Ben-Gurion, Jitzhak Ben Zwi, Berl Katznelson, Israel Schochat, Jitzchak Tabenkin und Joseph Trumpeldor.

Die Zweite Alija wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet. In der gleichen Zeit wanderten mehr als eine Million Juden aus Osteuropa in die USA aus.

Die dritte Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dritte Alija dauerte von 1919 bis 1923 und stellte in vielerlei Hinsicht eine Fortsetzung der zweiten dar. Sie brachte 35.000 Einwanderer ins Land, von denen 53 Prozent aus Russland und 36 Prozent aus Polen stammten. Die Übrigen kam aus Litauen, Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern. Achthundert Einwanderer stammten aus West- und Mitteleuropa. Viele Neuankömmlinge waren Mitglieder der Hechaluz-Bewegung in Russland und Polen oder des Hashomer Hatzair („der junge Wächter“) in Galizien, der ältesten jüdischen Jugendbewegung die sich selbst als „Weltorganisation der zionistischen Jugend“ bezeichnet.

Die Ursachen der Einwanderungswelle lagen in den Folgen der russischen Oktoberrevolution und des Bürgerkrieges, den Pogromen in der Ukraine in den Jahren 1919 und 1920 mit 150.000 ermordeten Juden, den Auseinandersetzungen um die nationale Selbstbestimmung in Europa nach dem Ersten Weltkrieg, der Balfour-Deklaration und der britischen Mandatsverwaltung Palästinas mit der Zusicherung auf die Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte.

Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten war zwar immer noch möglich und wurde auch häufig genutzt, die meisten, die Palästina als Einwanderungsland wählten, kamen aus zionistischer Überzeugung.

Diese jungen Pioniere brachten eine Schöpferkraft, die den Charakter des Jischuw veränderte. Gemeinsam mit ihren Vorgängern aus der Zweiten Alijah spielten sie eine bedeutende Rolle in seiner Führungsschicht. Sie gründeten den Histadrut, den landesweit organisierte Gewerkschaftsverband der Arbeiter, die Selbstverteidigungsorganisation Hagana, stellten Arbeiter für den Wohnungs- und Strassenbau sowie den Anfängen der Industrie und unterstützten den Aufbau der jüdischen Landwirtschaft. Die Dritte Alijah vergrösserte auch die Zahl der jüdischen Siedlungen durch die Gründung vieler neuer Kibbutzim (z. B. En Harod, Gewa, Tel Josef und Beit Alfa in der Jesreelebene, Kirjat Anavim in der Nähe von Jerusalem), der ersten Moschawim (z. B. Nachalal, Kfar Yehezkel, Tel Adaschim und Balfouria) und riefen 1927 ihre Kibbuzbewegung ins Leben.[6]

1922 lebten etwa 85 000 Juden in Palästina: In den Städten des Landes, vor allem Jerusalem, Tel Aviv, Tiberias, Haifa und Hebron und in 60 landwirtschaftlichen Siedlungen

Im Zweiten Weltkrieg operierten Mitglieder der Hashomer Hatzair, darunter Mordechaj Anielewicz, im von NS-Deutschland besetzten Europa, vor allem in Polen, und waren an Ghettoaufständen beteiligt. Nach dem Krieg nahmen sie an Bricha-Unternehmen teil. 1946 gründete die Bewegung eine politische Partei, die gemeinsam mit Ahdut Ha´Avoda 1948 die Arbeiterpartei Mapam bildete.

Die vierte Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vierte Alija von 1924 bis 1927 unterschied sich in ihrer sozialen Struktur von den vorhergehenden. Sie begann Mitte des Jahres 1924 und an ihr nahmen 67.000 Einwanderer, die Hälfte von ihnen aus Polen, teil.

Sie wird auch als Mittelstands-Alija bezeichnet, weil sie vor allem aus Angehörigen der Mittelklasse, Geschäftsleuten und Handwerkern bestand. Die Immigration von Pionieren kam wegen der Auswanderungsbeschränkungen der Sowjetunion praktisch zu erliegen.

Die Einwanderungswelle war das Ergebnis von zwei Entwicklungen: Die Wirtschaftskrise in Polen und die ökonomischen Beschränkungen, die den polnischen Juden auferlegt wurden, daher auch der Name Grabski Alija nach dem polnischen Finanzminister Władysław Grabski. Und weil die USA mit dem Immigration Act von 1924 ihre Grenzen für Masseneinwanderungen weitgehend abschotteten.

Die meisten Neuankömmlinge, insgesamt acht von zehn Einwanderern der vierten Alija[7], hielten an ihrer Lebensweise fest und ließen sich in den Städten, vor allem in Tel Aviv, nieder. Sie investierten ihr geringes Kapital in Werkstätten und Fabriken, kleinen Hotels, Restaurants, Geschäften, vor allem aber im Baugewerbe. In der Küstenebene kam es auch zu einer bedeutenden landwirtschaftlichen Entwicklung. Neue Ansiedlungen, deren Lebensgrundlage Zitrusplantagen waren, wurden gegründet, darunter Magdiel, Herzlia, Binjamina und Netanja.

1926 stagnierte die Einwanderung durch eine ernste Wirtschaftskrise in Palästina. Von den 13.000, die 1926 angekommen waren, verließ mehr als die Hälfte wieder das Land. 1927 wanderten mehr als 5000 aus, jedoch nur 2300 wanderten ein, womit die Einwanderungswelle verebbte.[8]

Die fünfte Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fünfte Alija erstreckte sich über den Zeitraum von 1930 bis 1939 und brachte 250.000 Einwanderer. Sie kamen überwiegend aus Polen, Deutschland, Österreich, Rumänien, Griechenland, Jemen und Irak. Allein im Zeitraum 1933 bis 1936 kamen nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 164.000 Juden legal nach Palästina, neben weiteren illegalen Flüchtlingen. Die überwiegende Mehrheit ließ sich in den Städten nieder, allein nach Tel Aviv zogen etwa die Hälfte der Einwanderer.

Die deutschen und österreichischen Juden, die über ein Viertel der Gesamteinwandererzahl ausmachten, trugen entscheidend zur Entwicklung des Jischuw bei. Sie waren die erste größere Einwanderergruppe aus West- und Mitteleuropa. Viele von ihnen hatten eine medizinische oder andere akademische Ausbildung. Sie machten auch die Mehrheit der Musiker im neuen Philharmonischen Orchester aus. Die Städte erlebten durch den hohen Bildungsstand, bürgerliche Lebensform und mitteleuropäische Werte wie Pünktlichkeit und Ordnungssinn, sowie den beruflichen Erfahrungen eine Steigerung des Niveaus im Geschäftslebens und der städtischen Einrichtungen. Viele dieser Eigenschaften sind in das bis heute mit Ironie und Respekt verbundene Bild von den deutschen Einwanderern, den Jeckes, eingegangen. Mit diesem Zustrom begann die Erfolgsgeschichte von Tel Aviv.[9]

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges lebten 475.000 Juden in Palästina, ungefähr vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes.

Die Alija Bet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alija Bet (Bet ist der 2. Buchstabe des hebräischen Alphabets) bezeichnet den sekundärer Aufstieg, also die illegale Einreise. Sie wird auch als Ha’apalah bezeichnet. Sie begann ca. 1934 mit der Verfolgung in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus und dauerte bis zur Staatsgründung. Die Einwanderung trotzte den Hürden der britischen Regierung (u. a. Weißbuch von 1939) und den Versuchen die Einwanderungswege zu kontrollieren. Im Jahr 1939 wurde der Mossad als Organisation der illegalen Einwanderung innerhalb der Haganah gegründet.

Trotz der britischen Restriktionen erreichten zwischen 1934 und 1948 115.000 illegale Einwanderer das Land, während 51.000 von den britischen Behörden auf Zypern festgehalten wurden und erst nach der Unabhängigkeit des Staates Israel einreisen konnten. Die jüdische Bevölkerung in Palästina stieg bis 1948 auf 650.000 Juden an.[10]

In der Literatur finden sich auch Periodisierungsversuche, die eine sechste Alija benennen und auf 1936–1940 datieren. Sie umfasste etwa 90.000 Einwanderer, hauptsächlich „illegale“ Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus (Maapilim).

Alijot seit der Staatsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1948–1951: Insgesamt ca. 690.000 Einwanderer, vor allem aus Ägypten, Irak, Jemen, Polen und Rumänien. Damit verdoppelte sich die jüdische Bevölkerung in Israel.[11]
* Zwischen Juni 1949 und September 1950 kamen mit der Operation Fliegender Teppich in zunächst geheim gehaltenen Transporten etwa 49.000 jemenitischen Juden in den neuen Staat Israel.[12]
* Im März 1951 brachte die Luftbrücke „Operation Esra und Nehemia“ 107.603 irakische Juden über den Iran und Zypern nach Israel.
  • 1955–1957: etwa 100.000 Einwanderer aus Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen, mit dem Ende der französischen Kolonialherrschaft.
  • Nachdem am 11. Januar 1961 das Frachtschiff Egos 16 km vor Morro Nuevo in der Bucht von Alhucamas sank, bei dem alle 44 jüdische Flüchtlinge aus Marokko und 2 Besatzungsmitglieder starben wurde mit Erlaubnis der marokkanischen Regierung vom November 1961 bis zum Frühling 1964 80.000 Juden in der Operation Jachin über Frankreich und Italien nach Israel gebracht.[13]
  • 1969–1975: etwa 100.000 Einwanderer aus der UdSSR.
  • Zwischen dem 21. November 1984 und dem 5. Januar 1985 brachten die Operation Moses (Miwza Mosche) und im März 1985 die Operation Joschua etwa 8.000 äthiopische Juden nach Israel.
  • 1989 bis 1995: etwa 600.000 Einwanderer aus der Sowjetunion bzw. der GUS.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwanderer seit der Staatsgründung Israels am 15. Mai 1948 nach Kontinenten:

Jahr unbekannt A.+O.1 Europa Afrika Asien Gesamt
19482 11.865 478 76.554 8192 4739 101.828
1949 5702 1422 11.963 39215 71.652 239.954
1950 3687 1954 81.195 26162 57.565 170.563
1951 3141 1286 47.074 20.382 103.396 175.279
1952 275 950 6232 10.286 6867 24.610
1953 382 930 2147 5102 3014 11.575
1954 165 1091 1369 12.509 3357 18.491
1955 61 1155 2065 32.815 1432 37.528
1956 101 1067 6739 45.284 3139 56.330
1957 1435 1410 39.812 25747 4230 72.634
1958 241 1320 13.695 4113 7921 27.290
1959 137 1147 14731 4429 3544 23.988
1960 204 1158 16.169 5379 1782 24.692
1961 194 1969 23.375 18.048 4149 47.735
1962 350 2187 11.825 41.816 5355 61.533
1963 143 6497 14.213 38.672 4964 64.489
1964 327 4188 28.124 17.340 5057 55.036
1965 382 3096 13.879 8535 5223 31.115
1966 229 2132 7435 3024 3137 15.957
1967 148 1771 4295 6268 1987 14.469
1968 161 2275 6029 7567 4671 20.703
1969 330 9601 15.236 5926 7018 38.111
1970 222 11.405 14.434 3785 6904 36.750
1971 25 12.885 20888 2354 5778 41.930
1972 20 10.814 39145 2766 3143 55.888
1973 8 9522 40.492 2839 2025 54.886
1974 21 6439 23.126 1216 1177 31.979
1975 6 4989 13.417 689 927 20.028
1976 11 5774 12.137 697 1135 19754
1977 40 6201 12.660 1620 908 21.429
1978 121 6305 16.549 1683 1736 26.394
1979 367 6024 22.404 1340 7087 37.222
1980 77 4350 11.792 1007 3202 20.428
1981 62 4243 5909 1170 1215 12.599
1982 46 5003 6168 1555 951 13.723
1983 56 6758 6154 3094 844 16.906
1984 35 4876 5485 8885 700 19981
1985 14 3739 3964 2318 607 10.642
1986 31 3634 3675 982 1183 9505
1987 16 3812 6044 1205 1888 12.965
1988 19 3969 6012 1334 1700 13.034
1989 91 4147 16.766 1861 1185 24.050
1990 139 4315 189.650 4472 940 199.516
1991 62 3023 152.142 20.251 622 176.100
1992 123 3006 68.962 4075 891 77.957
1993 48 3283 70.315 1431 1728 76805
1994 51 3593 72.553 1928 1719 79.844
1995 25 4330 68.987 1772 1247 76361
1996 68 4587 52.475 1998 11.791 70.919
1997 18 4248 49.903 2283 9769 66.221
1998 33 3316 42.155 3514 7712 56.730
1999 34 3580 62.147 2681 8324 76.766
2000 3 3359 46.955 2509 7377 60.202
2001 - 3604 30.794 3573 5500 43.473
2002 4 8737 18.021 2949 3859 33.570
2003 3 4430 12.626 3342 2872 23.273
2004 - 3428 11.149 3878 2444 20.899
2005 - 4065 11.279 3766 2071 21.183
2006 6. 3813 9872 3801 1777 19.269
2007 19 3894 8849 3795 1575 18.132
2008 - 3361 7109 1892 1338 13.701
2009 - 3932 8566 561 1516 14.575
2010 - 4155 9128 1937 1415 16635
2011 - 3567 9286 2934 1104 16.893
2012 - 3417 9361 2643 1137 16.560
2013 - 3488 10.848 1562 1029 16.929
2014 - 3808 19.098 396 817 24.120
2015 - 4062 22.600 394 852 27.908
2016 471 4410 19.635 348 1113 25.977

1 = Amerika und Ozeanien
2 = Nur vom 15. Mai bis 31. Dezember 1948

Quelle: 1948–2015: [15] 2016: [16]

Jugend-Alija[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugendalija bzw. Kinderalija, eine Abteilung der Jewish Agency, wurde 1933 von Recha Freier aus Berlin gegründet, um jüdische Kinder und Jugendliche aus Nazideutschland zu retten. In Palästina wurde die Organisation von Henrietta Szold und später von Hans Beyth geleitet. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden ungefähr 5.000 Jugendliche ins Land gebracht und erzogen. Nach dem Krieg kamen noch 15.000 Holocaustüberlebende dazu.

In Deutschland: Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugend-Alija gegründet Juli 1933 mit Sitz in Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158 (überparteiliche Organisation zur Überführung jüdischer Jugendlicher nach Palästina), umfasste die drei Berliner Vereine: Kinderheim Ahawah, jüdische Waisen- und Jugendhilfe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gur Alroey: Alija, in: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 1, Metzler, Stuttgart/Weimar 2011, S. 36–39
Historische Darstellungen
  • Lothar Mertens: Alija. Die Emigration der Juden aus der UdSSR/GUS. 1993, ISBN 3-8196-0122-8.
  • Julian Grzesik: Alija nach der Zerstreuung Israels. Bibel und Fakten. Drei Bände, Lublin 1989.
  • Alex Bein: Die Judenfrage. Biographie eines Weltproblems, zwei Bände, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-01963-0.
Erlebnisberichte
  • Jay und Meridel Rawlings: Alija. Rückkehr ins gelobte Land. Schulte + Gerth, Aßlar 1984, ISBN 3-87739-551-1.
Künstlerische Darstellung
  • Wolf Stegemann: Alija - Die Wiedergeburt Israels. 25 Lithografien von Salvador Dali. Dorsten 1993.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Immigration nach Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Alija – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alex Bein: Die Judenfrage, Band II, DVA, Stuttgart 1980, S. 354. ISBN 3-421-01963-0
  2. Alex Bein: Die Judenfrage, Band II, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1980, S. 272, 354, ISBN 3-421-01963-0.
  3. Alija, der Aufstieg In: Israelnetz.de, 26. August 2016, abgerufen am 17. August 2018.
  4. The First Aliyah
  5. The second aliyah in: jewishvirtuallibrary.org, abgerufen am 2. April 2018, englisch.
  6. The third aliyah in: jewishvirtuallibrary.org, abgerufen am 2. April 2018, englisch.
  7. Tom Segev: Es war einmal ein Palästina - Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels. 4. Auflage. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-805-X, S. 244f.
  8. The fourth aliyah in: jewishvirtuallibrary.org, abgerufen am 2. April 2018, englisch.
  9. The fifth aliyah 1929 - 1939 In: Jewish Virtual Library, englisch, abgerufen am 30. Juni 2018.
  10. Aliyah Bet 1939 - 1948 In: Jewish Virtual Library, englisch, abgerufen am 30. Juni 2018.
  11. Alija, der Aufstieg In: Israelnetz.de, 26. August 2016, abgerufen am 17. August 2018.
  12. Ministry of Immigrant Absorption, “On Eagles’ Wings” – Aliyah from Yemen (1949) englisch, abgerufen am 6. Juli 2018
  13. Megan Melissa Cross: King Hassan II: Morocco's messenger of peace", S. 66–67
  14. http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Judaism/ejhist.html, Englisch, abgerufen am 7. Januar 2013
  15. http://www.cbs.gov.il/shnaton67/st04_02.pdf, Angaben der israelischen Amt für Statistik, abgerufen am 29. Juli 2018
  16. Angaben der israelischen Amt für Statistik abgerufen am 4. August 2018