Alitretinoin

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Strukturformel
Strukturformel von Alitretinoin
Allgemeines
Freiname Alitretinoin
Andere Namen
  • 9CRA
  • 9-cis-Retinsäure
  • (2E,4E,6Z,8E)-3,7-Dimethyl-9-(2,6,6-trimethyl-1-cyclohexen-1-yl)-2,4,6,8-nonatetraenonsäure (IUPAC)
Summenformel C20H28O2
CAS-Nummer 5300-03-8
PubChem 449171
ATC-Code
DrugBank DB00523
Eigenschaften
Molare Masse 300,44 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335​‐​360
P: 201​‐​261​‐​305+351+338​‐​308+313 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Alitretinoin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Retinoide, der in der Behandlung von chronischem Handekzem eingesetzt wird. Es ist ein natürlich vorkommendes Hormon[2] und das Isomerisierungsprodukt der all-trans-Vitamin-A-Säure.[3]

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alitretinoin kommt zur Behandlung von chronischem Handekzem[4] und von Hautläsionen bei AIDS-Patienten mit Kaposi-Sarkom zur Anwendung.[3] In Form von Panretin wird es auch zum off-label use von kutanen T-Zell-Lymphomen, Psoriasis und starker Akne eingesetzt.[5]

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alitretinoin darf nicht zusammen mit anderen Topika angewendet werden. DEET-haltige Insektenabwehrmittel sollen nicht gleichzeitig mit Alitretinoin angewendet werden, Cytochrom-P450-Isoenzym-induzierende Medikamente können möglicherweise den Alitretinoin-Spiegel reduzieren.[5]

Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufigste Nebenwirkung ist Kopfschmerz bei 20 % aller Patienten in den ersten 10 Tagen bei oraler Anwendung. Alitretinoin ist, wie alle Vitamin A-Derivate, ein starkes Teratogen.[4] Weiter kann es bei dermaler Anwendung zu Hautreizungen mit Erythem, Rötung, Reizung, Juckreiz, Schorf- und Krustenbildung sowie bei fortgesetzter Behandlung auch Ödem- und Blasenbildung kommen.[5]

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alitretinoin wirkt vermutlich auf intrazelluläre Retinoid-Rezeptoren der Subtypen RAR und RXR. Die aktivierten Rezeptoren wirken als Transkriptionsfaktoren, die wiederum Auswirkungen auf die Zellproliferation und -differenzierung haben.[5][6][7]

Alitretinoin wirkt dabei sowohl auf Keratinozyten als auch auf dendritische Zellen. Keratinozyten zeigen dabei eine Reduktion der Cytokin-Expression, während in dendritischen Zellen die Expressionssteigerung des Reifungsmarkers CD83, sowie der co-stimulatorischen Faktoren CD80 und CD86 inhibiert wird. Die so beeinflussten dendritischen Zellen zeigen verminderte T-Zell-aktivierende Eigenschaften.[8]

Aufnahme und Verteilung im Körper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei oraler Einnahme hat Alitretinoin eine variable Absorptionsrate, wobei die Absorption nach Nahrungsaufnahme verbessert wird. Es liegt stark an Plasmaproteine gebunden vor. Die Verstoffwechselung erfolgt in der Leber über CYP3A4, wobei 4-Oxoalitretinoin gebildet wird. Die Halbwertszeit beträgt 2–10 Stunden, die Elimination findet renal statt.

Bei dermaler Anwendung findet keine signifikante systemische Verteilung statt.[7]

Synthese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alitretinoin kann aus all-trans-Retinsäure durch Umsetzung über Palladiumkatalysatoren hergestellt werden:[9]

Alitretinoin synthesis.svg

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate: Panretin (D), Toctino (D).[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu: Alitretinoin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Datenblatt 9-cis-Retinoic acid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 26. Juni 2017 (PDF).
  2. Kerstin A. Gräfe, Brigitte M. Gensthaler: Alitretinoin und Argatroban. In: Pharmazeutische Zeitung. Nr. 35, 2005 (online).
  3. a b Eintrag zu Alitretinoin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 26. Juni 2017.
  4. a b Andreas Katsambas, Torello Lotti, Clio Dessinioti, Angelo Massimiliano D'Erme (Hrsg.): European Handbook of Dermatological Treatments. 3. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2015, ISBN 978-3-662-45139-7, S. 353 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b c d Arzneistoffe: Alitretinoin|Panretin®. In: Pharmazeutische Zeitung Online. 25. Februar 2016, abgerufen am 26. Juni 2017.
  6. Björn Lemmer, Kay Brune (Hrsg.): Pharmakotherapie, klinische Pharmakologie. 14., überarb. und aktualisierte Auflage. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-10540-1, S. 425.
  7. a b Aditya Kumar Bubna: Alitretinoin in Dermatology—An Update. In: Indian Journal of Dermatology. Band 60, Nr. 5, 2015, S. 520, doi:10.4103/0019-5154.164426, PMID 26538721, PMC 4601442 (freier Volltext).
  8. Andreas Kislat, Stephan Meller, Rodrigo Mota, Peter A. Gerber, Bettina A. Buhren, Erich Bünemann, Ulrike Wiesner, Thomas Ruzicka, Bernhard Homey: Alitretinoin – molecular and cellular mechanisms of action. In: Journal of Translational Medicine. Band 9, Suppl 2, 2011, S. P16, doi:10.1186/1479-5876-9-S2-P16, PMC 3242242 (freier Volltext).
  9. Patent CN103058850: Method for preparing alitretinoin. Veröffentlicht am 24. April 2013, Erfinder: Deng Qingjun, Wang Shaohui.
  10. ROTE LISTE 2017, Verlag Rote Liste Service GmbH, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 159.
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