alla breve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Symbol:

Allabreve.png

alla breve (italienisch: „nach (= gemäß) der brevis“, eingedeutscht auch Allabreve) ist eine Taktangabe in der Musik. Alla breve ist dabei eine Abkürzung für Tactus alla breve. Im heutigen Sinne ist damit ein gerader Takt gemeint, bei dem statt der üblichen Viertelnoten die halben Noten zur Zählzeit werden. An die Stelle des 44-Takts (entsprechend dem historischen Begriff alla semibreve) tritt also ein 22-Takt (kleines Allabreve). Die Angabe als Alla Breve bietet sich daher besonders für sehr schnelle Musikstücke an (z.B. Prestissimo/Vivacissimo mit über 200 Beats per Minute).

Der bis in die Renaissancemusik äußerst gebräuchliche 42-Takt (großes Allabreve) ist heute bzw. in späterer Musik eher selten geworden. Im Allgemeinen fordert die Angabe alla breve eine deutlich schnellere (wenn auch nicht unbedingt doppelt so schnelle) Ausführung der Notenwerte.

Weniger häufig wird alla breve (also das Schlagen auf den Pulsen der Halben statt der Vierteln) in der Jazzmusik verwendet. In dieser Stilistik werden auch sehr schnelle Tempi (jenseits der 200 BPM) üblicherweise immer in 4teln angegeben und eher selten in Halben metrisiert.

Im englischen Sprachraum und in der populären Musik ist Alla breve auch als cut time bekannt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff hat seinen Ursprung in der Mensuralnotation des 15. beziehungsweise 16. Jahrhunderts. Während ein Dreier-Metrum als tempus perfectum bezeichnet und durch Kreis Mensural time signature 2.svg als Mensurzeichen symbolisiert wurde, wurde das Zweier-Metrum als tempus imperfectum angesehen und durch einen Halbkreis Mensural time signature 4.svg symbolisiert. Das tempus imperfectum diminutum, bei dem die Notenwerte im Verhältnis 1:2 umgewandelt werden, wurde durch einen Halbkreis mit einem Punkt Mensural time signature 3.svg symbolisiert. Die beiden letzteren Zeichen haben sich in den Formen 4/4-Takt und alla breve bis in die heutige Notenschrift als Taktangaben erhalten.

Die Frage, ob mit dem alla breve eine Tempobeschleunigung oder gar -verdopplung verbunden ist, ist nicht einfach und auch nicht für alle Epochen gleichermaßen zu beantworten. Gotthold Frotscher weist darauf hin, dass das alla breve bei verschiedenen Kompositionen ein und desselben Komponisten sowohl Verdoppelung wie auch Halbierung des Brevis-Wertes bedeuten könne, etwa bei Wilhelm Friedemann Bach.[2] Johann Georg Sulzer fordert in seiner Theorie der schönen Künste (1771 ff.) die Verdoppelung des Tempos.[3] Auch Johann Philipp Kirnberger fordert in der Regel eine Verdoppelung des Tempos:

„Der Zweyzweytel oder besser der Allabrevetackt, der durchgängig mit alla breve, oder auch mit 2 bezeichnet wird, ist in Kirchenstücken, Fugen und ausgearbeiteten Chören von dem vielfältigsten Gebrauch. Von dieser Tacktart ist anzumerken, dass sie sehr schwer und nachdrücklich, doch noch einmal so geschwind, als ihre Notengattungen anzeigen, vorgetragen wird, es sey denn, daß die Bewegung durch die Beywörter grave, adagio etc. langsamer verlangt wird.“[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Essentials of Music
  2. Gotthold Frotscher: Aufführungspraxis alter Musik (= Taschenbücher zur Musikwissenschaft 6). Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1984, ISBN 3-7959-0072-7, S. 41–44.
  3. Johann Georg Sulzer: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, Band 1. Leipzig 1771, S. 27 (online. Bei Zeno.org.)
  4. Johann Philipp Kirnberger: Die Kunst des reinen Satzes in der Musik. 2. Teil, 1. Abteilung. Decker und Hartung, Berlin und Königsberg 1776, S. 118 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)