Swiss Life Select

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Swiss Life Select Deutschland GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1988 (als AWD GmbH)
Sitz Hannover, Deutschland

Leitung

  • Günther Blaich, Mitglied der Geschäftsführung
  • Stefan Kuehl, Mitglied der Geschäftsführung
Mitarbeiter 650 (festangestellte Mitarbeiter am Vertriebsstandort Hannover 12/2014)[1]
Umsatz 308,5 Mio. (Ergebnis Provisionserlöse der Endkundenvertriebe von Swiss Life Deutschland – ohne Versicherungsgeschäft – im Geschäftsjahr 2014)[2]
Branche Finanzvertrieb
Website www.swisslife-select.de

Als Finanzvermittler bietet die Swiss Life Select Deutschland GmbH Finanzberatung, Wirtschaftsberatung, Vermittlung von Versicherungen, Kapitalanlagen und Finanzierungen sowie Immobilien, Immobilienprodukte und Vermögensanlagen von einer Vielzahl an Produktpartnern für Privathaushalte und Unternehmen.[3] Swiss Life Select hat ihren Unternehmenssitz in Hannover und ist über die Swiss Life Deutschland Holding GmbH eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des börsennotierten Schweizer Finanzberatungs- und Versicherungskonzerns der Swiss Life Holding AG.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Der ehemalige AWD-Konzern, dessen Vorstandsvorsitz Manfred Behrens führte, musste im Jahre 2009 einen Rückgang bei den Vermittlern um knapp 10 % auf rund 5.300 selbständige Finanzberater verkraften.[4] Der Konzern betreut 1,97 Mio. Kunden und ist außer in Deutschland noch in England, Österreich, der Schweiz und Osteuropa tätig. Übernahmen wurden mit Kapital aus dem Börsengang im Herbst 2000 finanziert. Der Umsatz konnte 2006 um über 15 % auf den Rekordwert von 728 Mio. € gesteigert werden. Im Geschäftsjahr 2007 wurde mit einem Umsatz von 717,5 Mio. und einem EBIT von 83 Mio. € ein Rekordergebnis erzielt.

Für 2008 vermeldete AWD einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr um 11,8 % auf 633 Mio. € sowie einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 76,3 % auf 19,7 Mio. €.[5] Die Zahl der Berater sank von 6.342 auf 5.748.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Sitz von Swiss Life Select in Hannover-Lahe

Das Unternehmen wurde 1988 als Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) von Carsten Maschmeyer gegründet.[7] Maschmeyer war zuvor beim Finanzdienstleister OVB Vermögensberatung tätig. 1991 expandierte AWD nach Österreich, im Jahr darauf wurde AWD Schweiz gegründet. 1999 übernahm der Konzern den Finanzdienstleister S&C, im Jahr 2000 den Osteroder Finanzdienstleister Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzberatung (GWF).

Im Jahr 2000 erfolgte der Börsengang und AWD übernahm in der Folge weitere Beratungsunternehmen. 2001 wurde die ein Jahr zuvor übernommene Dr. Blumrath AG auf die ebenfalls akquirierte Horbach Wirtschaftsberatung GmbH verschmolzen, die speziell den Markt der Akademiker ansprechen sollte. Im selben Jahr übernahm AWD auch die britische Vertriebsfirma Thomson's. Die Hamburger Firma tecis wurde 2002 und die Deutsche Proventus Gruppe 2008 übernommen. Es folgten weitere Übernahmen in Großbritannien und Osteuropa.

2007 erwarb der Schweizer Finanzberatungs- und Versicherungskonzern Swiss Life die Aktienmehrheit an der AWD Holding AG von der Familie Maschmeyer. Infolge der Übernahme und der Neuaufstellung von Swiss Life in Deutschland wurde im Jahr 2013 die AWD Holding auf die Swiss Life Deutschland Holding GmbH verschmolzen. Dabei wurde AWD Deutschland als eine der vier Hauptvertriebsgesellschaften der Holding in Swiss Life Select Deutschland GmbH umbenannt.

Sportliches und soziales Engagement[Bearbeiten]

Sportsponsoring[Bearbeiten]

Swiss Life Select ist offizieller Partner ausgewählter Sportvereine im Bereich der Handballbundesliga (Regionalpartner Die Recken[8]) und Bundesliga Rollstuhlbasketball (Premium Partner Hannover United[9]). Darüber hinaus fördert das Unternehmen zahlreiche weitere Vereine im Bereich des Fußball-, Handball-, Volleyball- und Basketballsports sowie im Amateursport und tritt als Sponsor von bundesweit mehr als 2500 Mannschaften des Breitensports, insbesondere von Jugendmannschaften[10], auf. Ebenso wie die Unterstützung der Sportvereine selbst zeigt das Namenssponsoring das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens.

Zum Start der Bundesliga-Saison 2002/2003 erwarb der Finanzdienstleister für 2 Mio. € pro Saison die Namensrechte am Fußballfeld des Erstligisten Hannover 96: Aus dem Niedersachsenstadion wurde bis Sommer 2013 die AWD-Arena (heute: HDI-Arena) und aus der Stadionsporthalle die AWD Hall, heute Swiss Life Hall. In Bremen hieß die Stadthalle Bremen nach dem Umbau von 2004/2005 bis 2009 AWD-Dome.

Engagement für notleidende Kinder weltweit[Bearbeiten]

Seit vielen Jahren engagiert sich Swiss Life Select über die 1991 gegründete, gemeinnützige Stiftung Zuversicht für Kinder (ehemals AWD-Stiftung Kinderhilfe). Seither haben sowohl die selbstständigen Handelsvertreter als auch die Mitarbeiter des Unternehmens regelmäßig ein Prozent ihrer Bezüge freiwillig für nationale und internationale Hilfsprojekte für notleidende Kinder weltweit gespendet. [11]

Rückzug Carsten Maschmeyers[Bearbeiten]

2007 übernahm der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life die Aktienmehrheit von der Familie Maschmeyer. Am 13. März 2008 hatte Swiss Life das Angebot zur Übernahme aller Aktien an die Aktionäre der AWD Holding AG erfolgreich abgeschlossen und hielt zu diesem Zeitpunkt 86,2 % der AWD-Anteile.[12] Mittlerweile hat Swiss Life ihren Anteil an AWD auf zirka 97 % erhöht.[6] Im April 2008 zog AWD-Vorstandsvorsitzender Carsten Maschmeyer in den Verwaltungsrat der Swiss Life ein. Im Rahmen des weiteren Ausbaus von AWD wurde Maschmeyer ab dem 1. September 2008 Manfred Behrens, bisher CEO Deutschland von Swiss Life, als Co-CEO zur Seite gestellt und der AWD-Vorstand von bisher drei auf acht Mitglieder erweitert.

AWD-Gründer und Co-CEO Carsten Maschmeyer, der mit einer Beteiligung von 8 % größter Einzelaktionär von Swiss Life war, wurde am 31. März 2009 in den Verwaltungsrat von Swiss Life berufen. In diesem Zusammenhang trat er per 31. März 2009 von seiner Funktion als Co-CEO bei AWD zurück. Manfred Behrens, bis dahin zusammen mit Carsten Maschmeyer Co-CEO von AWD, war ab 1. April 2009 alleiniger Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Am 7. Dezember 2011 erklärte Carsten Maschmeyer mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life Holding AG, einen Tag nachdem das Magazin Stern in seinem Heft Nr. 49/2011 (Alte Rechnungen) enthüllt hatte, dass gegen Carsten Maschmeyer und AWD in Österreich eine Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft Wien (Aktz.13 St 2/11x) in Gang gesetzt wurde, wegen des Verdachts auf systematischen Betrug und Gründung einer kriminellen Vereinigung. Die Strafuntersuchung erfolgte auf Antrag des Verein für Konsumentenschutz-Informationen (VKI) Wien, der darüber hinaus fünf zivilrechtliche Sammelklagen im Namen von 2500 AWD-Klägerinnen und Klägern mit einem Streitwert von 40 Millionen Euro führt. Alle Kläger haben sich auch dem Strafantrag angeschlossen. Nach seinem Rücktritt bei Swiss Life reduzierte Maschmeyer auch sein Aktienpaket von 5,05 % an der Swiss Life Holding AG auf weniger als 3 %.

Aktie[Bearbeiten]

Seit dem 10. November 2009 werden die Aktien der AWD Holding nicht mehr an der Börse notiert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Aktie unter der WKN 508590 beziehungsweise der ISIN DE0005085906 an deutschen Börsen geführt.

Listing[Bearbeiten]

Das Finanzdienstleistungsunternehmen ging am 20. Oktober 2000 an die Börse. Bereits vier Monate danach, am 18. März 2001 wurde das Unternehmen in den MDAX aufgenommen. Sowohl bei der Marktkapitalisierung (Rang 51 der DAX 100 Unternehmen) wie auch beim Handelsvolumen (Rang 56 der DAX 100 Unternehmen) war AWD auf den vorderen Plätzen vertreten.

Insgesamt wurden 9,9 Mio. neue Aktien zum Emissionspreis von 54 € platziert. Der Journalist Bernd Niquet hatte die Aktie bereits kurz zuvor als überbewertet beurteilt, da der Ausgabepreis in keinem angemessenen Verhältnis zur Gewinnerwartung stehen würde.[13] Durch den Börsengang flossen der AWD Holding AG nach Abzug der Börsengangsaufwendungen (70,8 Mio. DM) 974,8 Mio. DM an liquiden Mitteln zu. Das Grundkapital der AWD Holding AG ist zum Bilanzstichtag in 37.912.590 Aktien eingeteilt.

21 % der AWD-Aktien befanden sich zu dem Zeitpunkt im Besitz von Mitarbeitern des Unternehmens, weitere 26 % wurden von privaten und institutionellen Investoren gehalten. Bei den institutionellen Investoren bildeten Großbritannien (28 %) sowie Deutschland (24 %) den Schwerpunkt. Daneben waren Italien (8 %), die Schweiz (11 %) und auch außereuropäische Investoren (18 %) stark vertreten. 53 % der Aktien wurden von der Familie Maschmeyer gehalten.

2000 stieg der Umsatz der AWD-Gruppe trotz der Belastungen durch den Börsengang um 26,2 % auf 670,0 Mio. DM – das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 138,9 Mio. DM. Auch nach Abzug der Börsengangsaufwendungen von 70,8 Mio. DM verblieb im Geschäftsjahr ein positives Ergebnis vor Steuern von 25,8 Mio. DM.

Von etwa 60 € Anfang 2001 hat die Notierung der AWD-Aktie bis Ende 2002 auf unter 10 € nachgegeben. Bis Ende 2003 stieg die Aktie dann wieder auf etwa 30 €, bis Mitte 2005 auf knapp 40 €. Kurz zuvor hatte der Gründer Maschmeyer 20 % seiner Aktien verkauft. Die Zeitschrift Stern[14] und andere Medien äußerten diesbezüglich den Verdacht, dass er zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits von der negativen Geschäftsentwicklung im Jahr 2005 gewusst habe. Nach einem kurzen Zwischenhoch fiel der Kurs bis zum Herbst 2007 wieder auf etwa 25 €. Damit haben Erstzeichner knapp 60 % des eingesetzten Kapitals verloren. Der AWD-Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang deutlich schlechter entwickelt als DAX, MDAX oder TecDAX.

Am 8. Januar 2009 teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung mit, dass die Swiss Life Beteiligungs GmbH in Hannover, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Swiss Life Holding AG in Zürich, die Barabfindung für die Herausdrängung der verbliebenen Minderheitsaktionäre auf 30 € je Stückaktie festgelegt hat.

Am 24. Februar 2009 fand eine außerordentliche Hauptversammlung statt, auf der die Herausdrängung der Minderheitsaktionäre beschlossen wurde. An diesem Tag setzte sich das Grundkapital aus 38.639.016 Stückaktien zusammen.[15][16][17]

Delisting[Bearbeiten]

Bereits am 14. März 2005 hatte AWD-Chef Maschmeyer sich außerbörslich von 7,6 Mio. Aktien getrennt und seinen Anteil auf 31 % reduziert. Dabei ging es laut Maschmeyer vorrangig um einen höheren Free Float zu Gunsten von AWD. Am 3. Dezember 2007 hatten die Swiss Life Holding AG und die AWD Holding AG den Abschluss einer strategischen Partnerschaft veröffentlicht; gleichzeitig kündigte die Swiss Life Holding AG an, den Aktionären der AWD ein Übernahmeangebot zu 30 € je AWD-Aktie zu unterbreiten. Der Lebensversicherer hatte im Rahmen seines Übernahmeangebots an alle Aktionäre bereits 20 % von der Maschmeyer-Familie übernommen.

Ende 2008 übertrug die Familie Maschmeyer den Anteil von 10,46 % an Swiss Life, die somit 96,7 % hielt. Das versetzte Swiss Life in die Lage, die Eigner der restlichen Aktien per Zwangsabfindung zum Verkauf zu bewegen und AWD dann aus dem börslichen Handel zu nehmen.

Am 24. Februar 2009 hatte das Handelsregister des Amtsgerichts Hannover den Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung über die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Swiss Life Beteiligungs GmbH (Hauptaktionärin) gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung in Höhe von 30 € je auf den Inhaber lautende Stückaktie mit einem rechnerischen anteiligen Betrag am Grundkapital in Höhe von 1 € in das Handelsregister der Gesellschaft eingetragen.

Mit der Eintragung des Übertragungsbeschlusses in das Handelsregister sind kraft Gesetzes alle Aktien der Minderheitsaktionäre der AWD Holding Aktiengesellschaft auf die Swiss Life Beteiligungs GmbH übergegangen. Die Notierung der Aktien der AWD Holding Aktiengesellschaft wurde am 10. November 2009 eingestellt.

Kritik[Bearbeiten]

Berater und Handelsvertreter[Bearbeiten]

Mitarbeiter des ehemaligen AWD konnten – sofern sie sich freiwillig dafür entschieden – nach Angaben des AWD durchschnittlich 1.500 € sogenannte „Monatsvergütung“ (entsprechend einer Starthilfe) beziehen, die de jure als ein Provisionsvorschuss zu betrachten waren. Erwirtschaftete der Berater diesen Provisionsvorschuss nicht, musste er diesen zurückerstatten. Um zu hohe Rückforderungssummen und wirtschaftliche Belastungen der Handelsvertreter seitens AWD zu vermeiden, führte das Unternehmen die interne Richtlinie ein, nach der ein Provisionsvorschuss linear gemäß Umsatzplanung gezahlt werden soll. Halten die Agenten die für den Provisionsvorschuss benötigten Mindestkriterien nicht ein, werden sie rein nach Erfolgsbasis bezahlt. Die Vergütung variiert dabei je nach Qualitäts- und Erfahrungsstufe des Agenten.

Die Geschäftspraktiken des ehemaligen AWD waren und sind umstritten und werden von Verbraucherschutzorganisationen bis heute kritisiert. Die Swiss Life Select nimmt sich dieser Kritiken an und wirkt ihnen als neue Vertriebsgesellschaft mit einer neuen Geschäftsstrategie entgegen. [18]

Ehemalige AWD-Mitarbeiter schilderten von Dezember 2002 bis Mai 2003 im Internet unter verschiedenen Domains ihre persönlichen und schmerzlichen Erfahrungen mit dem Konzern. Der AWD versuchte daraufhin, auf juristischem Wege die Domänen awd-aussteiger.de und aussteigerforum.de schließen zu lassen. Beide Seiten existieren inzwischen nicht mehr. Gegenwärtig ist der Verein der ehemaligen AWD-Mitarbeiter aktiv.[19]

In den Jahren 2006 bis 2010 wurden einige Gerichtsurteile mit Schadenersatzforderungen gegen AWD-Berater und den AWD selbst erwirkt. Um Fehlberatung künftig zu vermeiden, führte der Konzern als Reaktion darauf eine 12- bis 18-monatige Fachausbildung der Versicherungs- und Anlageberater ein, die in Deutschland mit einer IHK-Prüfung zum Fachberater für Finanzdienstleistungen, in Österreich mit einer Prüfung an der WKO zum Staatlichen Vermögensberater abgeschlossen werden kann und nach zwei Jahren AWD-Zugehörigkeit abgeschlossen sein muss. Aufgrund der EU-Vermittlerrichtlinie sollte eine anerkannte Ausbildung in dieser Art Pflicht und abschließend durch den IHK-Prüfungsausschuss abgenommen werden. Allerdings habe der AWD hierbei erwirkt, dass nur jeder Zehnte eine solch qualifizierte Ausbildung im Unternehmen benötigte (AWD-Sonderregelung). Mit Übernahme in die Swiss Life Select muss inzwischen jeder Finanzberater eine Prüfung vor dem IHK-Prüfungsausschuss ablegen, der Mandaten beraten möchte. Für Spezialisierungen im Bereich Immobilien und Kapitalanlagen, betriebliche Altervorsorge und Vermögensmanagement sind außerdem Sonderprüfungen notwendig. Ausnahmeregelungen wird es hierfür keine geben.

Nach übereinstimmenden Berichten einer Vielzahl von ehemaligen Mitarbeitern sei die Vermögenssituation vieler ehemaliger AWD-Berater sehr schlecht. Der Grund dafür sei, dass der Konzern Gebühren und Nebenkosten für die Nutzung der AWD-Infrastruktur in Rechnung stelle. Diese Gebühren seien auch dann zu zahlen, wenn der Berater keinen oder nur geringen Erfolg hat. Zudem wird oft von ungünstigen Provisionsberechnungen zu Lasten der selbstständigen Handelsvertreter berichtet, allerdings gibt es hierfür keine konkreten Beispiele. Der Kritik zufolge sei die Fluktuation in den einzelnen Geschäftsstellen häufig enorm hoch, und die in eine wirtschaftliche Abhängigkeit geratenen Vertreter seien zum Teil überschuldet und stünden unter enormem Verkaufsdruck. Im Jahr 2003 sah sich zum Beispiel eine vierstellige Anzahl ehemaliger AWD-Mitarbeiter zum Teil fünfstelligen Provisionsrückforderungen gegenüber. An dieser Stelle ist jedoch fraglich, inwieweit diese Berichte als neutral betrachtet werden können. Im Zuge der Umstrukturierung und Übernahme in die Swiss Life Select werden wirtschaftliche Belastungen der Berater aufgrund von Stornokosten mithilfe einer sogenannten Stornoreserve abgefedert. In diese zahlt jeder Handelsvertreter einen prozentualen Anteil der erwirtschafteten Provisionen ein, um Stornoquoten, die beispielsweise mit dem Ausscheiden aus dem Konzern einhergehen könnten, abzufangen. Für jeden Storno, der auf eine Fehlberatung zurückzuführen ist, haftet der Handelsvertreter selbst. Des Weiteren ist jeder selbstständige Handelsvertreter – wie auch in der freien Wirtschaft – für seinen eigenen wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfolg verantwortlich.

AWD-Geschädigte[Bearbeiten]

Insgesamt 6500 AWD-Geschädigte haben sich bis März 2009 beim österreichischen Verein für Konsumenteninformation (VKI) für die geplante Sammelklage wegen der Vermittlung der im Kurs abgestürzten Immofinanz- und Immoeast-Aktien gemeldet. Grund der Klage ist der Vorwurf, dass AWD-Berater seit Ende der 1990er Jahre Immofinanz-Aktien als mündelsicheres Investment angepriesen hätten. In vielen Fällen soll das gesamte verfügbare Vermögen eines Kunden in Immofinanzaktien oder anderen Immobilienaktien veranlagt worden sein. In vielen Fällen sind die Aktien offenbar als „Immobilienfonds“ tituliert und das Wort „Aktien“ bewusst vermieden worden. Zudem sei von „Kapitalgarantien“ die Rede gewesen und die Möglichkeit eines Totalverlustes nicht erwähnt worden. Laut VKI weise die Häufung der Beschwerdepunkte auf systematische Mängel in der Beratungsorganisation des AWD hin. Das Prozesskostenrisiko trägt der deutsche Prozessfinanzierer Foris, wodurch sich die Geschädigten ohne Kostenrisiko an der Sammelklage beteiligen können. Dafür sei im Erfolgsfall eine Erfolgsquote an Foris abzuführen, die davon abhängig sei, wie rasch eine Lösung erzielt werden kann.[20]

Im März 2011 teilte die Stiftung Warentest mit, dass sich die Zahl der unzufriedenen AWD-Kunden nicht im Promillebereich bewege, wie Carsten Maschmeyer, der langjährige Vorstandsvorsitzende der Holding, behauptet. Vielmehr liege der Stiftung Warentest eine AWD-Liste vor, der zufolge „über 34.000 AWD-Kunden“ mit geschlossenen Immobilienfonds der Capital Konsult aus Stuttgart Verluste machten.[21]

Gesprächsstrategie[Bearbeiten]

Der Beratungsprozess lässt sich in der Regel in drei Phasen gliedern:

  • Das Erstgespräch findet meist beim potentiellen Kunden statt. Dort stellt der Finanzberater das Unternehmen und die Dienstleistung mit einer standardisierten Präsentation vor, bespricht Ziele und Wünsche des Kunden für eine zielführende Konzeption und erhebt die aktuelle sowie gewünschte Finanzsituation des Kunden.
  • Das zweite Gespräch folgt meist nach einigen Tagen. Dabei wird dem potenziellen Kunden ein 25-50 Seiten starkes „Persönliches Finanzgutachten“ (PFG) vorgelegt. Dieses auf Basis einer von der gfp-Gesellschaft für private Finanzplanung erstellten Software zeigt die aktuelle IST-Situation und etwaige bestehende Versorgungslücken auf, fasst Anlagechancen zusammen und stellt konkrete Optimierungsvorschläge vor.
  • Beim zweiten oder dritten Gesprächstermin kommt es zur möglichen Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen bzw. zu etwaigen Vertragsabschlüssen, sofern sich der Kunde für die Dienstleistung der Swiss Life Select entscheidet. Dazu haben die Berater vorab ausgefüllte Formulare dabei und übergeben dem Kunden die gesetzlich vorgeschriebenen Unterlagen. Bei Rückfragen wird auch auf gesetzliche Rechte wie Kündigungsmöglichkeiten hingewiesen. In der Vergangenheit wurde dies nach Aussage vieler Gerichtsurteile von ehemaligen AWD-Mitarbeitern teilweise unterlassen. Seit der Einführung der VVG-Richtlinie ist die Protokollierung des Beratungsgespräches Pflicht. Dieser Pflicht kommt der ehemalige AWD nach eigenen Aussagen bereits seit 2001 durch die Einführung von Gesprächsnotizen nach. Die Protokolle fassen alle relevanten Gesprächsinhalte zusammen und erörtern Chancen und Risiken, belegen die Zertifizierung des Beraters und enthalten Klauseln zum Datenschutz.

GKM-Rechtsstreit[Bearbeiten]

Über den Kauf der GKM Gesellschaft für Professionelles Kapitalmanagement AG von deren 100-prozentiger Muttergesellschaft RL Holding GmbH durch den AWD entzündete sich ein Rechtsstreit. Nach Darstellung von Reinhard Listl, Vorstand der GKM und Geschäftsführer der RL Holding, wurde der diesbezügliche Kaufvertrag am 10. September 2008 vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrates der AWD-Gruppe abgeschlossen. Am 11. September hat demnach Maschmeyer den vereinbarten Kaufpreis in Höhe eines größeren zweistelligen Millionenbetrages überwiesen. Da der AWD-Aufsichtsrat dem Kauf nicht zugestimmt hatte, ist nun strittig, ob Maschmeyer damit die GKM gekauft habe, wie Listl es darstellt, oder der Kauf durch die Ablehnung im AWD-Aufsichtsrat hinfällig und damit rückabzuwickeln sei.[22] Aufgrund des Urteils des Landgerichts Regensburg am 31. Mai 2009 wurde der Verkauf rückabgewickelt und Reinhard Listl hat mittlerweile den Kaufpreis von 40 Mio. € an Carsten Maschmeyer zurückgezahlt. Carsten Maschmeyer verzichtete auf Zinsen von rund 2 Mio. €. Die Gerichtskosten in Höhe von rund 1,5 Mio. € verblieben auch bei Reinhard Listl. Aufgrund des möglichen Verkaufs der GKM verließen über 300 Handelsvertreter die GKM.

Gerichtsurteil zur Unabhängigkeit des AWD[Bearbeiten]

Durch ein Urteil des Landgerichts Hannover vom 30. Juni 2009[23] wurde AWD untersagt, weiter mit dem Wort „unabhängiger“ in seinem Claim „Ihr unabhängiger Finanzoptimierer“ zu werben. Das Gericht begründete das Urteil damit, dass aus wirtschaftlicher Sicht Swiss Life als beherrschendes Unternehmen einen Einfluss auf den AWD nehmen könnte. Darüber hinaus leite mit Manfred Behrens nun der ehemalige Deutschland-Chef der Swiss Life das Unternehmen. AWD kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.[24] AWD hat seinen Claim mittlerweile zu „Ihr persönlicher Finanzoptimierer“ geändert.

Namensänderung im Jahr 2013[Bearbeiten]

Die Swiss Life hat erkannt, dass sie sich beim Kauf der AWD im Jahr 2007 in den Geschäftsaussichten verschätzt hat. Am 28. November 2012 wurde kommuniziert, dass der immaterielle Vermögenswert von 1,34 Mrd. auf 765 Mio. sFr. korrigiert wurde. Gleichzeitig wurde eine neue Strategie vorgestellt, welche unter anderem Optimierungen in der Unternehmens- und Vertriebsstrategie vorsah und den Namen AWD durch Swiss Life Select ablösen sollte. Dies wurde Anfang April 2013 umgesetzt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hannoversche Allgemeine Zeitung HAZ 20. November 2014
  2. Cash.-Hitliste der Finanzvertriebe 7/2015
  3. Unternehmensgegenstand laut Handelsregister beim Amtsgericht Hannover HRB 55324. Abgerufen am 28. Juli 2015.
  4. Artikel Financial Times (Memento vom 22. März 2010 im Internet Archive)
  5. AWD Holding AG: Geschäftsbericht 2008
  6. a b AWD zeiht Reißleine in Großbritannien, Artikel in der Börsen-Zeitung vom 13. November 2008.
  7. Der AWD-Gruender und sein Erfolgsgeheimnis, Hamburger Abendblatt vom 19. März 2012. Abgerufen am 28. Juli 2015.
  8. http://www.die-recken.de/sponsoren/regionalpartner
  9. http://www.hannover-united.de/index.php/sponsoren/team-fuchs
  10. http://www.rfc-1895.de/news-archiv---1818.html
  11. http://www.stiftung-zuversicht-fuer-kinder.org
  12. Medienmitteilung Swiss Life, 19. März 2008 – Swiss Life hält 86,2 % an AWD (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)
  13. Neue Aktien: Blut wird fließen. Spiegel-online. 18. Oktober 2000. Abgerufen am 21. September 2012.
  14. Stern Ausgabe 6/2006
  15. Swiss Life legt Barabfindung für AWD-Aktionäre im Rahmen des Squeeze-out auf EUR 30 je Aktie fest und vereinbart Gewinnabführungsvertrag 9. Januar 2009 der Hauptversammlung vom 24. Februar 2009.
  16. AWD: Zwischenbericht zum 31. März 2009
  17. AWD Holding AG: Außerordentliche Hauptversammlung AWD Holding AG / Hauptversammlung
  18. [1]
  19. Internetauftritt des Vereins der ehemaligen AWD-Mitarbeiter
  20. AWD: VKI mit 6500 Beschwerden für Sammelklage. diepresse.com. 23. Februar 2009. Abgerufen am 6. Mai 2011.
  21. Stiftung Warentest: Liste mit zehntausenden AWD-Geschädigten test.de vom 9. März 2011
  22. Björn Wichert: AWD: Verwirrung um Übernahme eines Konkurrenten, Artikel vom 8. Oktober 2008 im VersicherungsJournal.
  23. LG Hannover, Urteil vom 30. Juni 2009, Az. 18 O 193/08.
  24. Gericht: AWD ist nicht unabhängig


52.4094444444449.8197222222222Koordinaten: 52° 24′ 34″ N, 9° 49′ 11″ O