Allianz pro Schiene

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Allianz pro Schiene
Allianz pro Schiene logo.svg
Zweck: Steigerung des Marktanteils des Schienenverkehrs
Vorsitz: Alexander Kirchner
Gründungsdatum: 14. Juni 2000
Mitgliederzahl: 23[1]
(139 Fördermitglieder)[2]
Sitz: Berlin
Website: www.allianz-pro-schiene.de

Die Allianz pro Schiene e. V. ist ein gemeinnütziges[3] Verkehrsbündnis, das sich für einen höheren Marktanteil des Schienenverkehrs im Güter- und Personenverkehr einsetzt. Der Verband betreibt politische Lobby- und Medienarbeit. Die Strukturen des Bündnisses sind in Deutschland einzigartig. Es handelt sich weder um einen Dachverband klassischer Prägung noch um einen typischen Mitgliederverband, der Privatpersonen organisiert. In der Wissenschaft gilt er als „Vorzeigebeispiel einer strategischen Allianz“.[4]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein bezeichnet sich als Deutschlands unkonventionellstes Verkehrsbündnis, da kein anderer Verband in Deutschland ein derart breites Non-Profit-Spektrum habe und kein anderer Verband Zivilgesellschaft und Wirtschaftsunternehmen so eng verzahne wie er. Der Verein fordert von der Politik verschiedene Maßnahmen zur Stärkung des Schienenverkehrs wie die Erhöhung der öffentlichen Mittel (z. B. Investition und Regionalisierungsmittel) und deren effektivere Nutzung; die Schaffung von faireren Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern (insbesondere Steuergerechtigkeit und Kostenwahrheit im Verkehr), die Harmonisierung des europäischen Schienenverkehrs und den Ausbau desselben. Des Weiteren ist der Verein Schiene darum bemüht, das Image des Verkehrsträgers in der Politik und der Öffentlichkeit zu verbessern.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde am 14. Juni 2000 in Frankfurt am Main gegründet.[6] Gründungsmitglieder waren unter anderem die drei Eisenbahngewerkschaften GdED (später TRANSNET), GDBA, GDL, die Umweltverbände BUND und NABU, die Fahrgastverbände Pro Bahn und Deutscher Bahnkunden-Verband (DBV) sowie der VCD. Norbert Hansen war der erste Vorsitzende des neuen Bündnisses.

Als Gegenpol gründeten am 2. Juli 2002 in Berlin die Mineralölindustrie, Straßenbaufirmen, der ADAC und der VDA den Verband „Pro Mobilität“. Der Name wurde von mehreren Stellen als „dreiste Irreführung“ bezeichnet. Unter dem Deckmantel des Mobilitätsbegriffes würden einseitig Straßeninteressen vertreten.[7]

Im Jahr 2004 wurden im Rahmen des Wettbewerbs „Bahnhof des Jahres“ die ersten Bahnhöfe ausgezeichnet. 2005 wurde die Autobahnmaut für Lkw ab 12 Tonnen eingeführt, der Verband feiert dies als ersten sichtbaren Lobbyerfolg. Allianz pro Schiene wurde 2007 als Umweltverband nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz anerkannt. Die Kampagne gegen „Monstertrucks“, Lkw mit einer Tonnage von bis zu 60 Tonnen Gewicht und 25 Metern Länge, wurde initiiert.

Die Länderverkehrsministerkonferenz beschloss später die vorläufige Beendigung der Riesen-Lkw-Modellversuche. Nach dem Vorbild des Verbandes wurde 2009 in den Vereinigten Staaten ein ähnlicher Lobbyverband, die OneRail Coalition, gegründet.[8] 2010 feierte die Allianz pro Schiene ihr 10-jähriges Bestehen, unter anderem mit Bundesverkehrsminister Ramsauer. Im Jahr 2011 wurde der Preis „Eisenbahner mit Herz“ zum ersten Mal vergeben. Einen „Bundesländerindex Mobilität“ stellte das Verkehrsbündnis erstmals 2012 vor und kündigte an, das Nachhaltigkeitsranking auf Länderebene von da an jährlich zu veröffentlichen.

Struktur und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordentliche Mitglieder sind andere Non-Profit Organisationen aus der Zivilgesellschaft. Vertreter des Non-Profit-Spektrums stellen zusammen mit dem Förderkreissprecher den Vorstand des Verbandes. Die Hauptfinanzierung erfolgt aus freiwilligen Beiträgen der zurzeit 139 Fördermitglieder. Die Finanzen werden öffentlich aufgeschlüsselt. So erfolgte die Finanzierung 2012 zu über 72 % aus Beiträgen der Förderer und aus Spenden. Der Anteil der Unternehmensbeiträge an der Finanzierung geht allerdings tendenziell zurück. Mit 19,9 % stellt die Projektförderung der öffentlichen Hand den zweitgrößten Posten.[9]

Mitglieder und Fördermitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verein sind die großen Umweltverbände Deutschlands (BUND, NABU, Naturfreunde, DUH) als ordentliche Mitglieder organisiert, beide Eisenbahnergewerkschaften (EVG, GDL), diverse Verbraucherverbände (ACE, ACV, ADFC, VCD, DBV, Pro Bahn), berufsständische Organisationen, eine Hochschule (TH Wildau) sowie die Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission. Die 23 Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2,5 Millionen Einzelmitglieder.[1] Als Fördermitglieder unterstützen nahezu alle namhaften Unternehmen aus der Bahnbranche die Allianz pro Schiene: Eisenbahnverkehrsunternehmen, Bahntechnikproduzenten, Gleisbaufirmen sowie Finanzdienstleister bilden das finanzielle Rückgrat des Verkehrsbündnisses. Die 139 Unternehmen stehen für einen Schienen-Umsatz von jährlich 30 Milliarden Euro.[2]

Kampagnen, Themen und Aktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein richtet mehrere bundesweit bekannte Wettbewerbe und Veranstaltungen rund um den Schienenverkehr aus. Diese Aktionen sollen die Attraktivität des Schienenverkehrs erhöhen.

Bundesländerindex Mobilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesländerindex Mobilität wird seit 2012 herausgegeben und wertet verfügbare statistische Daten, zum Beispiel vom Statistischen Bundesamt, dem Umweltbundesamt, im Bereich Mobilität sowie die verkehrspolitischen Weichenstellungen aller 16 Bundesländer aus. Er erscheint einmal jährlich. Der Bundesländerindex Mobilität wurde Anfang 2013 vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung mit dem Preis für Nachhaltigkeit im Bereich Verkehr ausgezeichnet.[10]

Bahnhof des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem seit 2004 ausgerichteten Wettbewerb Bahnhof des Jahres werden aus der Sicht der Reisenden sowohl ein Groß- als auch ein Kleinstadtbahnhof prämiert. Seit 2012 zusätzlich die Auszeichnung Sonderpreis Tourismus vergeben. Für 2016 ging die Auszeichnung Bahnhof des Jahres an den Bahnhof Stralsund. Als Kleinstadtbahnhof wurde Steinheim prämiert.[11]

Eisenbahner mit Herz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 2011 ausgerichtete Wettbewerb prämiert Eisenbahner für besondere Leistungen, wobei die Eisenbahner von Kunden vorgeschlagen und von einer Jury aus Vertretern von Bahnkundenverbänden und Gewerkschaften ausgesucht werden.[12] Pro Jahr werden drei Eisenbahner prämiert.

Gigaliner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2008 begann der Verein gemeinsam mit der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF), den European Automobile Clubs (EAC) und Friends of the Earth Europe die EU-weite Kampagne No Mega Trucks. Das Bündnis mobilisiert gegen die Zulassung von übergroßen Lkw – auch bekannt als Gigaliner, Riesen-Lkw oder Lang-Lkw – in Europa. Über 200 Organisationen aus 25 Ländern haben sich bislang auf der Kampagnen-Webseite als Riesen-Lkw-Gegner eingetragen.[13] Zu den Verbänden zählen Automobilclubs, Umweltverbände, Verbraucherverbände, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände.

EU-Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein beteiligt sich regelmäßig an EU-Projekten und anderen Drittmittelprojekten.

FLAVIA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EU-Projekt FLAVIA hatte das Ziel, die intermodale Güterverkehrslogistik zwischen Mittel- und Südosteuropa zu verbessern und dabei zur Entlastung von Straßen und zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Regionen die umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Binnenschiff zu stärken. Im Rahmen von FLAVIA wurden u. a. Erfolgsgeschichten von Verladern aus verschiedenen Industriebranchen aus sieben europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn, Rumänien, Slowakei und Tschechische Republik) zusammengetragen und veröffentlicht, die in den vergangenen Jahren ihre Logistikprozesse vom Lkw auf die Bahn umgestellt hatten.[14]

USEmobility[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im EU-Projekt USEmobility wurden in sechs europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Ungarn und Kroatien) eine umfangreiche Befragung und in zehn ausgewählten europäischen Regionen Modellversuche durchgeführt, um zu erfahren, was Menschen bewegt, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Das Projekt untersuchte den Nah- und Regionalverkehr, den die meisten Bürger für ihre täglichen Reisen nutzen und der eine Reihe von Möglichkeiten für den multimodalen Verkehr bzw. den Wechsel des Verkehrsträgers bietet. Auf der Basis dieser Befragungsergebnisse hat das internationale Projektkonsortium strategische Handlungsempfehlungen aus der Nutzerperspektive erarbeitet, die einen Wechsel zum multimodalen Verkehrsverhalten mittel- und langfristig befördern und die sich an verschiedene Zielgruppen richten: Politik, Verkehrsunternehmen, Europäische Kommission und die Zivilgesellschaftsorganisationen.[15]

Resonanz auf Verbandsaktivitäten und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile gilt das Bündnis als „Deutschlands wichtigster Interessenverband für die Eisenbahn“.[16] Das Verkehrsbündnis wird in der medialen Berichterstattung zuweilen als „DB-nah“ bezeichnet.[17] Hintergrund ist der Sachverhalt, dass die Deutsche Bahn AG von den Fördermitgliedern des Vereins den höchsten Finanzierungsanteil trägt. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung des Bündnisses wird die Allianz pro Schiene in den Medien jedoch auch als „bahnkritisch“, „Fahrgastverband“ oder „Ökobündnis“ tituliert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Über Uns: Mitglieder, abgerufen am 29. Januar 2017
  2. a b Über Uns: Förderer, abgerufen am 29. Januar 2017
  3. Unterstützen Sie uns: privat oder beruflich als Fördermitglied. Allianz pro Schiene, abgerufen am 29. Januar 2017.
  4. Andreas von Münchow: Strategische Allianzen im Bereich der politischen Interessenvermittlung. Berlin 2005 ISBN 3-9384-5653-1
  5. Selbstdarstellung der Allianz pro Schiene, abgerufen am 29. Januar 2017
  6. Geschichte des Verbandes, abgerufen am 12. Mai 2013
  7. Pressemitteilung der Allianz pro Schiene, abgerufen am 29. Januar 2017
  8. Pressemitteilung vom 20. Januar 2009, abgerufen am 12. Mai 2013
  9. Transparenz. Allianz pro Schiene, abgerufen am 29. Januar 2017.
  10. Werkstatt Nachhaltigkeit: Projektauszeichnung (Memento vom 19. Oktober 2013 im Internet Archive), abgerufen am 29. Januar 2017
  11. Bahnhof des Jahres: Stralsund und Steinheim siegen. 22. August 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  12. Aktionsseite Eisenbahner mit Herz, abgerufen am 29. Januar 2017
  13. Organisationen in Europa gegen Riesen-Lkw, abgerufen am 12. Mai 2013
  14. Projektbeschreibung der EU (Memento vom 19. Oktober 2013 im Internet Archive), abgerufen am 12. Mai 2013
  15. Website des EU-Projektes, abgerufen am 12. Mai 2013
  16. Hansen bei Schienen-Allianz bestätigt. In: Die Welt, abgerufen am 12. Mai 2013
  17. Wirtschaft für Bahn-Börsengang ohne Netz, In: Die Welt, abgerufen am 12. Mai 2013