Alligatoah

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Alligatoah (2015)

Alligatoah (* 28. September 1989 in Langen; bürgerlich Lukas Strobel; auch Die Terroristen) ist ein deutscher Rapper, Sänger, Gitarrist, Produzent, Komponist und Songwriter. Besonders in der Frühphase seines Schaffens stand der Name Alligatoah auch für eine HipHop-Band, die aus den beiden fiktiven Figuren Kaliba 69 (Rapper) und DJ Deagle (Produzent) besteht, deren Rollen Strobel selbst übernimmt und spielt.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alligatoah (2015)

Lukas Strobel wuchs im niedersächsischen Neuenwalde bei Bremerhaven als Sohn einer Tänzerin und eines Schauspielers auf.[1] Während seiner Schulzeit produzierte er ab 2003 eine Reihe von Kurzfilmen und konnte bei einem Jugendfilmfestival das Preisgeld von 750 Euro gewinnen. Er erhielt einige Jahre lang Gitarrenunterricht, beendete diesen jedoch schließlich zugunsten seines Filmschaffens.[2] Zu Beginn seiner musikalischen Karriere produzierte er seine Musikvideos selbst, bis heute ist er an der Produktion beteiligt.

Während in seinem persönlichen Umfeld Punk sehr populär war, begeisterte Strobel sich besonders für Nu Metal und später auch für deutschen Battlerap, wie ihn unter anderem Aggro Berlin machte.[3] Auch die Musik deutscher Liedermacher hörte er gerne und häufig.[4] Schließlich begann er selber, Rapmusik aufzunehmen und gründete dafür am 10. April 2006, im Alter von 16 Jahren die fiktive Gruppe Alligatoah aus zwei Alter Egos, um seine Funktion als Texter und Rapper (Kaliba 69) sowie Beatproduzent (DJ Deagle) zu trennen.[5] Nach eigener Aussage wollte er darüber hinaus bei dem Erstellen seiner Songs „nicht mehr so alleine sein“.[6] Den Namen Alligatoah gab er sich laut eigener Aussage ohne besonderen Grund. Er selbst fände den Namen nicht gut, sei jedoch froh darüber, denn so könne er über ihn meckern.[7]

2006 veröffentlichte er sein erstes Album ATTNTAAT, das sich mit religiösem Fanatismus befasst und das Image seiner Kunstfiguren als Taliban-Terroristen prägte. Im selben Jahr folgte Schlaftabletten, Rotwein Teil I, das er, genau wie die folgenden Teile dieser Reihe, als „Mixtape“ bezeichnete, obwohl es keine Zusammenstellung fremden Materials ist, sondern ausschließlich Eigenkompositionen enthält. Die Bezeichnung „Mixtape“ sollte diese systemlosen Zusammenstellungen spaßiger, häufig alberner und experimenteller Titel von seinen anderen Alben abgrenzen, die jeweils übergeordnete Themen behandeln.[8] Beide Alben stellte er zum kostenfreien Herunterladen zur Verfügung, ebenso wie den im August erschienenen Musikfilm Goldfieber. 2007 folgte Schlaftabletten, Rotwein Teil II. Im März 2008 unterschrieb Alligatoah einen Vertrag bei rappers.in. Am 19. Dezember des Jahres veröffentlichte er dort das Album In Gottes Namen, das ebenfalls religiösen Fanatismus zum Thema hatte. Dieses wurde in der Januar- / Februarausgabe der Juice als Demo des Monats ausgezeichnet. Für die Ausgabe steuerte Alligatoah außerdem einen Juice-Exclusive-Track bei.[9]

Nach seinem Abitur zog er nach Berlin und absolvierte eine schulische Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.[10] 2011 veröffentlichte er bei rappers.in Schlaftabletten, Rotwein Teil III. Im August desselben Jahres wechselte Alligatoah zum Label Trailerpark.[11] Timi Hendrix, Mitglied der bei Trailerpark unter Vertrag stehenden Gruppe Pimpulsiv, war durch das Lied Namen machen auf Alligatoah aufmerksam geworden und stellte den Kontakt zu dem Label her. Im Dezember 2011 veröffentlichte er bei seinem neuen Label die Mixtape-Fortsetzung Schlaftabletten, Rotwein Teil IV.[12] Von September 2011 bis März 2012 tourte er mit Pimpulsiv, Sudden und DNP mit der PeppNoseDays Tour durch Deutschland.[13] Zwischen den einzelnen Auftritten unterstützte Alligatoah gemeinsam mit Trailerpark die Hip-Hop-Formation K.I.Z. als Vorgruppe.[14]

Alligatoah auf dem Kosmonaut Festival 2014

Im August 2013 veröffentlichte Alligatoah sein drittes Album Triebwerke, das auf Platz eins der Albumcharts einstieg[15] und die Liebe zum Oberthema hat.[16] Das Album wurde 2014 mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet, die daraus ausgekoppelte Single Willst Du hat Platin-Status erreicht.[17] Im Jahr 2014 wurde Alligatoah für die 1LIVE Krone in der Kategorie Bester Hip-Hop-Act nominiert.[18]

Im September 2014 erschien ein Remix seines Liedes Willst du von dem deutschen DJ und Produzenten Robin Schulz, der zuvor mit seinen Remixen zu den Liedern Waves und Prayer in C jeweils Platz eins der deutschen Single-Charts erreicht hatte. Die Version schaffte wenige Stunden nach der Veröffentlichung den Sprung in die deutschen iTunes-Charts.

Am 31. August 2015 kündigte Alligatoah sein viertes Album Musik ist keine Lösung an, das am 27. November 2015 erschien.[19] Seine Lieder thematisieren verschiedene Problemfelder gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Musikvideos zu den Titeln Vor Gericht, Lass liegen und Denk an die Kinder wurden bereits vor Release des Albums auf YouTube veröffentlicht. Einen Tag vor Veröffentlichung stellte Strobel auch den namensgebenden Titel Musik ist keine Lösung als Lyrik-Video auf YouTube. Am 3. Dezember desselben Jahres gewann er die 1LIVE Krone in der Kategorie Bester Hip-Hop-Act.[20]

Alligatoah bei Rock im Park 2016

Im Februar 2016 begann Alligatoah seine neue Tour mit dem Namen „Himmelfahrtskommando“, bei der er in insgesamt elf deutschen Städten sowie in Zürich, Graz und Wien Halt machte. Begleitet wurde er von BattleBoi Basti, zusätzlich diente der Kreuzberger Rapper BRKN als Voract. Am 5. April erreichte Alligatoah mit seinem Album „Musik ist keine Lösung“ erneut die Marke von 100.000 Verkäufen und erhielt dafür eine weitere Gold-Auszeichnung.[21]

Alligatoah auf dem CARStival Autokino in Mannheim (2020)

Am 14. September 2018 erschien mit Schlaftabletten, Rotwein V das fünfte reguläre Studioalbum von Strobel. Im Gegensatz zu den vorherigen Veröffentlichungen der Schlaftabletten, Rotwein-Reihe (kurz StRw) ordnet Strobel diese als vollwertiges Album ein. Als erste Single-Auskopplung stieg Alli-Alligatoah auf Platz 85 in den deutschen Charts ein. Das Lied Beinebrechen beinhaltet ein Featuring von Felix Kummer, dem Leadsänger der Chemnitzer Musikgruppe Kraftklub. Das Musikvideo zu I Need A Face wurde zusammen mit Max Giermann gedreht. Zeitgleich zum regulären Album erschien unter dem Titel Fremde Zungen ein Coveralbum, in dem zehn Lieder aus verschiedenen Musikbereichen akustisch von Strobel interpretiert wurden. Zu den gecoverten Interpreten gehören Slipknot, Rolf Zuckowski, Rammstein, Die 3. Generation, Heinz Erhardt, Sia, Hannes Wader und Matt Monro.

Im Januar 2019 trat er die Wie-Zuhause-Tour an, benannt nach der gleichnamigen Rhapsodie auf StRw V. Hier spielte er zum ersten Mal das Lied Nicht wecken. Weiterhin trat er beim New Fall Festival in der Tonhalle Düsseldorf gemeinsam mit dem Gregor Schwellenbach Sextett auf, das ihn akustisch begleitete.

Für 2020 wurde die Tour Wie Zuhause Open Air angekündigt, die in Rostock, Dresden, Erfurt, Ludwigsburg und Osnabrück Halt machen sollte, jedoch wegen der Corona-Pandemie auf das Jahr 2021 verschoben wurde.[22] Im April 2020 kündigte Alligatoah vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie spontan zwei Konzerte mit dem Titel "Autoimmun" in einem Düsseldorfer Autokino an, die vom Fernsehsender arte live gestreamt wurden.[23] Weitere Auftritte in Autokinos für das Jahr 2020 wurden nach und nach für verschiedene deutsche Großstädte angekündigt.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fan auf dem CARStival Autokino in Mannheim (2020)

Alligatoah bedient sich oft des Stils des Battleraps. „Bei mir war Batteln immer ein Werkzeug, ich habe Battle verwendet, um eine Geschichte zu erzählen“, sagte er in einem Interview 2012.[24] Während in dieser Szene großer Wert darauf gelegt wird, möglichst authentisch und echt zu wirken, bezeichnet er sich selbst als Schauspielrapper.

Alligatoah setzt häufig gesungene Parts ein und unterstützt seine Lieder mit der Gitarre. Oft benutzt er Zitate oder Musik, die an den Film Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick erinnern. So ist beispielsweise der Intro-Track zu Schlaftabletten, Rotwein Teil I mit der Titelmusik von Uhrwerk Orange unterlegt. Der Intro-Track Singing in the Rain auf dem Album ATTNTAAT erinnert an den Anfang der Szene, in der Alex DeLarge in ein Haus einbricht und während der Vergewaltigung einer Frau Singin’ in the Rain singt. Außerdem verwendet Alligatoah in einem Track den Begriff „Rein-raus-Spiel“, welcher von Alex DeLarge als Synonym für Geschlechtsverkehr verwendet wird.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen, Cover)
Anmerkungen Cover
DE DE AT AT CH CH
2006 ATTNTAAT
Erstveröffentlichung: 11. August 2006
2008 In Gottes Namen
Erstveröffentlichung: 19. Dezember 2008
2013 Triebwerke DE1
Platin
Platin

(45 Wo.)DE
AT3
(7 Wo.)AT
CH27
(2 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 2. August 2013
Verkäufe: + 200.000
Cover des Albums „Triebwerke“
2015 Musik ist keine Lösung DE3
Platin
Platin

(51 Wo.)DE
AT5
(17 Wo.)AT
CH14
(2 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 27. November 2015
Verkäufe: + 200.000
Cover des Albums „Musik ist keine Lösung“
2018 Schlaftabletten, Rotwein V DE1
(21 Wo.)DE
AT2
(6 Wo.)AT
CH13
(2 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 14. September 2018


Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007: Goldfieber (Rapmusical)
  • 2020: Boot un Dood

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alligatoah mit der 1LIVE Krone 2015

1LIVE Krone

  • 2015: Bester Hip-Hop Act[25]

Webvideopreis Deutschland

  • 2016: nominiert für Musik

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alligatoah – Sammlung von Bildern

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carsten Vogel: Der schockierend reizvolle Rapper. Abgerufen am 23. April 2020.
  2. Jan Wehn: Bei Liebe und Sehnsucht hört es für Alligatoah auf. In: Vice. 20. November 2015, abgerufen am 23. April 2020.
  3. Stephan Jaensch, Jan Vesper, Marian Gaebler, Kristopher Jelinek, Philip Richter (Layout, HTML, CSS)-intosite GmbH: „Ich war ein lieber kleiner junge vom Dorf“ – Alligatoah im Interview. Abgerufen am 23. April 2020.
  4. Nicole Sielermann: Alligatoah vor den Parklichtern: "Die Musik muss zu den Menschen kommen". Abgerufen am 23. April 2020.
  5. Mein Rap #32 – Alligatoah. (Nicht mehr online verfügbar.) meinrap.de, 18. Juni 2011, archiviert vom Original; abgerufen am 26. April 2020.
  6. Review Alligatoah (Memento vom 17. Oktober 2013 im Internet Archive) bei rap.de.
  7. Deutsch-Rapper Alligatoah (Lukas Strobel) spricht im Interview vor seinem Auftritt in Bremen über sein Album Triebwerke.. In: Kreiszeitung. 21. Januar 2014. Abgerufen am 29. September 2018.
  8. Ein Mixtape, das keins ist - Alligatoah über "Schlaftabletten, Rotwein V". In: move36. 5. September 2018, abgerufen am 23. April 2020 (deutsch).
  9. in: Juice erschienen am 13. Februar 2009.
  10. Alligatoah: Musik ist keine Lösung. 16. November 2015, abgerufen am 23. April 2020.
  11. Alligatoah unterschreibt bei Trailer Park auf 16.bars.de am 8. August 2011.
  12. Schlaftabletten, Rotwein 4 | Alligatoah. Abgerufen am 26. April 2020.
  13. Trailerpark geht auf “Peppnosedays Tour 2011” auf meinrap.de am 18. August 2011.
  14. Trailerpark als Support auf der “Urlaub fürs Gehirn”-Tour von K.I.Z. auf meinrap.de am 8. November 2011.
  15. Focus: Alligatoah rauscht mit Triebwerke an die Spitze der Album-Charts, abgerufen am 19. August 2013
  16. n-tv NACHRICHTEN: Die Triebwerke des Alligatoah. Abgerufen am 23. April 2020.
  17. Quellen Auszeichnungen: DE
  18. einslive Krone: Nominierte 2014 (Memento vom 27. Oktober 2014 im Internet Archive)
  19. Ankündigung von „Musik ist keine Lösung“ auf Facebook
  20. einslive Krone: Gewinner 2015, abgerufen am 5. Dezember 2015
  21. Alligatoah knackt erneut magische Verkaufsmarke, abgerufen am 5. April 2016
  22. Alligatoah - Wie Zuhause Open Air 2021. Abgerufen am 4. Juni 2020.
  23. Alligatoah @ Autokino Düsseldorf. arte.tv, 24. April 2020, abgerufen am 24. April 2020.
  24. splash! Mag – Battle-Rap-Talkrunde [mit Alligatoah, Der Asiate, Atzenkalle, Drob Dynamic]. Youtube, Benutzer: splashmagazin, am 11. Oktober 2012.
  25. einslive.de: Bester Hip Hop Act, abgerufen am 3. Dezember 2015