Alpen-Flachbärlapp

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Alpen-Flachbärlapp

Alpen-Flachbärlapp (Diphasiastrum alpinum)

Systematik
Unterabteilung: Lycopodiophytina
Klasse: Bärlapppflanzen (Lycopodiopsida)
Ordnung: Bärlappartige (Lycopodiales)
Familie: Bärlappgewächse (Lycopodiaceae)
Gattung: Flachbärlappe (Diphasiastrum)
Art: Alpen-Flachbärlapp
Wissenschaftlicher Name
Diphasiastrum alpinum
(L.) Holub

Der Alpen-Flachbärlapp (Diphasiastrum alpinum)[1] ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Flachbärlappe (Diphasiastrum) innerhalb der Familie der Bärlappgewächse (Lycopodiaceae).[2][3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Atlas de la flora alpine, S. 197
Fertiler Alpen-Flachbärlapp
Illustration
Habitat vom Alpen-Flachbärlapp zusammen mit Diphasiastrum oellgaardii im Schwarzwald

Der Alpen-Flachbärlapp wächst als immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze. Seine oberirdischen sterilen Sprosse sind vierkantig, normalerweise nicht abgeflacht (an schattigen Standorten aber doch etwas abgeflacht). Alle oberirdischen sterilen Pflanzenteile sind blaugrün überlaufen. Die Ventralblätter sind deutlich gestielt und gekniet und 0,5 Millimeter breit. Dorsal- und Ventralblätter sind gleich groß.[1]

Der Sporophyllstand ist ungestielt.[1] Die Sporophylle sind lanzettlich und zugespitzt. Die Sporenreife erstreckt sich von August bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44, 46[1] oder ca. 48.[4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alpen-Flachbärlapp ist ein Chamaephyt.[1] Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Sporen erfolgt durch den Wind.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alpen-Flachbärlapp ist ein boreal-alpines (auch boreal-temperat montan alpin) Florenelement. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist auf der Nordhalbkugel: Mitteleuropa, die Alpen, die Karpaten, Pyrenäen, vor allem Nordeuropa (bis zum nördlichen Skandinavien), Asien und Nordamerika.[3] Vereinzelt findet man ihn auch in den Gebirgen der Balkanhalbinsel und in den Mittelgebirgen Milleleuropas. In Finnland und dem nördlichen Teil des europäischen Russlands ist er selten. Im Mittelmeerraum fehlt er. In Asien kommt er von der Türkei über den Kaukasusraum, Russland, Sibirien, Sri Lanka, die Mongolei, Korea, Japan bis zu den chinesischen Provinzen Heilongjiang sowie Jilin vor.[2][3]

Die sehr zerstreuten Vorkommen in Mitteleuropa werden als Glazialrelikt gedeutet.

In den Allgäuer Alpen steigt er in Tiroler Teil an der Rothornspitze bis zu einer Höhenlage von 2300 Metern auf.[5]

Der Alpen-Flachbärlapp wächst in lockeren Trupps an lichtreichen bis schwach beschatteten, mäßig frischen, kalkarmen, sauren, oft etwas humosen Standorten auf (sandigen) Lehmböden. Meist gedeiht er an lange schneebedeckten Standorten (mit Schneebedeckung oft bis Mai oder Juni) oft an offenen, vegetationsarmen, doch moosreichen Standorten, oft an Wegböschungen. Offensichtlich ist er eine konkurrenzschwache Pflanzenart. Seine natürlichen Vorkommen befinden sich in zwergstrauchreichen Borstgrasrasen der Hochlagen (Leontodo-Nardetum), regional kommt er auch in der Pflanzengesellschaft Nardion vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 1 (stark sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 1 (sehr nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[6]

Der Alpen-Flachbärlapp gilt in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands als Gefährdungsstufe 2 = stark gefährdet und ist in Deutschland nach dem BNatSchG besonders geschützt.[1] In der Schweiz gilt er als LC = „least concern“ = „nicht gefährdet“.[6]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Lycopodium alpinum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 1104. Das Artepitheton alpinum bedeutet „aus den Alpen“. Die Neukombination zu Diphasiastrum alpinum (L.) Holub wurde 1975 durch Josef Holub in Diphasiastrum, a new genus in Lycopodiaceae. in Preslia, Volume 47, Issue 2, S. 107 veröffentlicht.[2][3] Weitere Synonyme Diphasiastrum alpinum (L.) Holub sind: Diphasiastrum alpinum var. planiramulosum (Takeda) Satou, Diphasiastrum kablikianum (Domin) Dostál, Diphasium alpinum (L.) Rothm., Lepidotis alpina (L.) P.Beauv., Lycopodium alpinum subsp. kablikianum Domin, Lycopodium alpinum var. planiramulosum Takeda, Lycopodium chamarense Turcz. ex Ledeb. nom. inval., Lycopodium cupressifolium Opiz, Stachygynandrum alpinum (L.) C.Presl.[3]

Von der Art Diphasiastrum alpinum gibt es seit 2017 etwa zwei Varietäten:[3]

  • Diphasiastrum alpinum (L.) Holub var. alpinum[3]
  • Diphasiastrum alpinum var. ergakense Stepanov: Sie wurde 2017 aus dem sibirischen Tuwa erstbeschrieben.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Holub: Diphasiastrum, a new genus in Lycopodiaceae. In: Preslia, Volume 47, Issue 2, 1975, S. 97–110. PDF.
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Siegmund Seybold: Die Flora von Deutschland und der angrenzenden Länder. Ein Buch zum Bestimmen aller wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. 95. vollst. überarb. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01498-2.
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9.
  • Die Große Bertelsmann Lexikothek, Naturenzyklopädie Europas, Band 10, Pilze und Niedere Pflanzen: Herausgeber Josef Reichholf, Gunter Steinbach, Mosaik-Verlag, 1992, ISBN 3-577-10110-5.
  • Li-Bing Zhang, Kunio Iwatsuki: Lycopodiaceae.: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 2–3: Lycopodiaceae through Polypodiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2013, ISBN 978-1-935641-11-7. Lycopodium alpinum Linnaeus., S. 32 - textgleich online wie gedrucktes Werk.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Diphasiastrum alpinum (L.) Holub, Alpen-Flachbärlapp. FloraWeb.de
  2. a b c Li-Bing Zhang, Kunio Iwatsuki: Lycopodiaceae.: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 2–3: Lycopodiaceae through Polypodiaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2013, ISBN 978-1-935641-11-7. Lycopodium alpinum Linnaeus., S. 32 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  3. a b c d e f g h Michael Hassler: Datenblatt bei World Ferns. Synonymic Checklist and Distribution of Ferns and Lycophytes of the World. Version 12.10 vom Februar 2022.
  4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 67.
  5. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 97–99.
  6. a b Diphasiastrum alpinum (L.) Holub In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 18. März 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alpen-Flachbärlapp (Diphasiastrum alpinum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien