Alpen-Mohn

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Alpen-Mohn
Weißer Alpen-Mohn (Papaver alpinum subsp. sendtneri)

Weißer Alpen-Mohn (Papaver alpinum subsp. sendtneri)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Unterfamilie: Papaveroideae
Gattung: Mohn (Papaver)
Art: Alpen-Mohn
Wissenschaftlicher Name
Papaver alpinum
L.

Der Alpen-Mohn (Papaver alpinum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mohn (Papaver alpinum) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Diese Art umfasst mehrere Unterarten, von denen vier in Österreich vorkommen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Blüte im Detail des Rhätischen Alpen-Mohn (Papaver alpinum subsp. rhaeticum)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Alpen-Mohn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 5 bis 20 Zentimetern erreicht. Jedes Pflanzenexemplar kann mehrere aufrechte und behaarte Stängel besitzen. Wie bei allen Mohnarten tritt bei Verletzung des Stängels ein weißer Milchsaft aus. Die Blattrosetten bilden kräftige Horste. Die Laubblätter sind alle grundständig und ein- bis zweifach unpaarig gefiedert.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Die Blüten sind anfangs nickend und später jedoch aufrecht. Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von bis zu 5 Zentimetern radiärsymmetrisch. Es sind vier weiße bzw. gelbe Kronblätter vorhanden.

Es liegt Diploidie vor und die Chromosomenzahl aller in Europa vorkommenden sowie schon untersuchten Unterarten beträgt 2n = 14.[1][2]

Ökologie[Bearbeiten]

Beim Alpen-Mohn handelt es sich um einen Hemikryptophyten.[2] Alle Alpenmohn-Formen besitzen eine kräftige Pfahlwurzel und sind gute Schuttstauer. Nach oben zu sichert sich die Pflanze mit hangaufwärts ziehenden Wurzelfasern.

Die duftenden Blüten besitzen zwar keinen Nektar, aber reichlich Pollen.

Standorte[Bearbeiten]

Der Alpen-Mohn kommt in offenen Steinschuttfluren der alpinen Höhenstufe vor. Er gedeiht auf sonnigen, frischen bewegten Kalk-Grobschutthalden, ist ein Schuttkriecher und Schuttstauer. Er ist eine Charakterart des Thlaspietum rotundifolii.[1]

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Nordost-Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. alpinum)
Kerners Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. kerneri)
Rhätischer Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. rhaeticum)
Salzburger Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. sendtneri)

Die Erstveröffentlichung von Papaver alpinum erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Das Artepitheton alpinum bedeutet „aus den Alpen“.

Es gibt mehrere Unterarten von Papaver alpinum:

Nordost-Alpenmohn oder Bursers Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. alpinum, Syn.: Papaver burseri Crantz) hat zwei- bis dreifach gefiederte Laubblätter mit weißen Blüten und ist ein Endemit der nordöstlichen Kalkalpen. In Österreich zerstreut in Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark. In Deutschland sind nur Funde aus den Oberstdorfer Bergen bekannt.

Slowenischer Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. ernesti-mayeri Markgr.) wurde 1958 als besondere Unterart beschrieben. Er kommt in Slowenien und in Italien vor.

Kerners Alpenmohn oder Karawanken-Alpenmohn bzw. Illyrischer Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. kerneri (Hayek) Fedde, Syn.: Papaver kerneri Hayek) hat zwei- bis dreifach gefiederte Laubblätter mit gelben Blüten und kommt zerstreut in den südöstlichen Kalkalpen vor, mit einer Hauptverbreitung in den Alpen Sloweniens. In Österreich nur in Südkärnten.

Der Rhätische Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. rhaeticum (Leresche) Nyman, Syn.: Papaver rhaeticum Leresche), auch Gelber Alpen-Mohn genannt, hat gelbe bis orangegelbe Kronblätter mit einfach gefiederten Laubblättern und ist in den Zentralalpen und südlichen Kalkalpen verbreitet. In Österreich zerstreut in Kärnten, Salzburg und Steiermark, in der Schweiz angeblich nur im Engadin. In Deutschland gibt es nur Funde in den Berchtesgadener Alpen. Vorkommen werden auch aus Frankreich und Slowenien gemeldet.

Der Salzburger Alpenmohn (Papaver alpinum subsp. sendtneri (A.Kern. ex Hayek) Schinz & R.Keller, Syn.: Papaver sendtneri A.Kern. ex Hayek), auch Weißer Alpen-Mohn genannt, hat ebenfalls einfach gefiederten Laubblätter und weiße Blüten. Diese Unterart kommt nur in den nördlichen Alpen bzw. nördlichen Kalkalpen (Pilatus bis Dachsteingebirge) vor. Als Standort werden beweglicher Kalkschutt, Geröll, Kalkfels oder Dolomit in Höhenlagen von 1300 bis 2600 Metern bevorzugt. Obwohl die geschützte Pflanze nur zerstreut bis selten vorkommt, ist sie doch die häufigste weiß blühende Mohnart der Alpen. In Österreich kommt er zerstreut in Tirol, Vorarlberg, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark vor. In Deutschland kommt die Art nur in den Hochlagen der Allgäuer und Berchtesgadener Alpen sowie im Wetterstein- und Karwendelgebirge vor. Hier ist die Art gebietsweise durch Hochlagen-Schafbeweidung und zu hohen Wildbesatz beeinträchtigt. In Bayern wird diese Unterart in der „Roten Liste“ der gefährdeten Pflanzen geführt. Auch aus der Schweiz werden Funde gemeldet.

Weitere Unterarten in Europa sind:

  • Papaver alpinum subsp. corona-sancti-stephani (Zapał.) Markgraf, kommt nur in Rumänien in den Karpaten vor
  • Papaver alpinum subsp. degenii (Urum. & Jáv.) Cretziou, kommt nur in Italien und in Südwestbulgarien vor
  • Papaver alpinum subsp. tatricum A.Nyárády, kommt nur in der Slowakei und in Polen vor.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 9. Paeoniaceae to Capparaceae. Akateeminen Kirjakauppa, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1991, ISBN 951-9108-08-4, Seite 44-47.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 426.
  2. a b Alpen-Mohn bei BiolFlor der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alpen-Mohn (Papaver alpinum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien