Alpines Museum (München)

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Alpines Museum auf der Praterinsel in München, 2013
Alpines Museum, 1911
Café & Restaurant Isarlust, 1909

Das Alpine Museum in München ist ein Museum des Deutschen Alpenvereins zur Geschichte des Alpinismus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Juli 1907 beauftragte die in Innsbruck tagende Generalversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins den Zentralausschuss durch einstimmigen Beschluss, die Vorarbeiten für das Museum einzuleiten. Die Stadtgemeinde München bot dem DuÖAV für das neu zu gründende Museum das auf der Praterinsel gelegene ehemalige Café & Restaurant Isarlust zur unentgeltlichen Nutzung an. Am 18. Juli 1908 beschloss die Generalversammlung endgültig und einstimmig die Errichtung des Museums; annähernd einstimmig fiel die Wahl auf den von der Stadt München offerierten Standort. Nach Übernahme des Gebäudes am 23. Januar 1909[1], baulicher Adaptierung[Anm. 1], themenspezifischer Einrichtung[Anm. 2] bzw. Ausgestaltung [Anm. 3] sowie personeller Besetzung [Anm. 4] wurde das Alpine Museum, mit einer Besuchsordnung [2] versehen, am 17. Dezember 1911 eröffnet. [3]

Ausstellungen zeigten Flora, Fauna und Volkskunde des Alpengebiets. Die Aktivitäten des Alpenvereins und bedeutende Bergsteiger wurden vorgestellt. Einen wesentlichen Teil der Exponate bildeten Reliefs, die bedeutendsten darunter von Albert Heim (1849–1937), Leo Aegerter (1875–1953) sowie Xaver Imfeld (1853–1909)[4]. Eine Abteilung, die nach Ende des Ersten Weltkriegs eingerichtet wurde, [5] zeigte den Gebirgskrieg in den Dolomiten.

Ab 1929 dienten zwei weitere geräumige Säle der Vorführung des (bis dahin als touristisch nicht vollwertig erachteten) alpinen Skilaufs sowie der alpinen Technik, wobei diese in zwei sieben Meter hohen Gruppen mit lebensgroßen Figuren demonstriert wurde. [6] Ein weiterer Saal wurde, wissenschaftlich wie alpin-technisch, dem Großglockner gewidmet. [7]

1901 hatte der Bergsteiger und Forschungsreisende Willi Rickmer Rickmers (1873–1965) seine vielbändige alpine Bücherei dem DuÖAV zur Gründung einer Zentralbibliothek überlassen. Diese spätere Alpenvereinsbücherei war seit 1902 in fünf Mansardenräumen der Stadtsparkasse München untergebracht gewesen und war, bei laufend erweitertem Bestand, 1909 in das Gebäude Isarlust zu übersiedeln. [8]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört, die Sammlungen in Bergwerkstollen nach Österreich ausgelagert. Nach dem Krieg wurde das Gebäude als zentrale Verwaltung des Deutschen Alpenvereins (DAV) genutzt. In den 1990er Jahren drohte die Stadt, das Gebäude zurückzufordern, weil die Zweckbindung Museum und Bildung durch die Büros der DAV-Verwaltung nicht mehr erfüllt wurde. Daher beschloss der Alpenverein 1993 die Neuerrichtung des Alpinen Museums auf der Praterinsel. Die Ausstellung wurde von Helmuth Zebhauser, Kulturbeauftragter des Deutschen Alpenvereins, neu konzipiert und eingerichtet, 1996 wurde das Museum wiedereröffnet.

Eine Dauerausstellung dokumentiert heute unter anderem die touristische Nutzung der Alpen. Im jährlichen Rhythmus gibt es zudem Sonderausstellungen zu alpinen Themen.

Erste Direktorin des Museums war Maike Trentin-Meyer. Zum 1. Juli 2000 wurde Friederike Kaiser zur Leiterin des Alpinen Museums bestellt. [9]

Von November 2011 bis Juni 2012 feierte das Museum sein einhundertjähriges Bestehen unter anderem mit der zeitkritischen Sonderausstellung Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918–1945[10] sowie diversen, das Thema begleitenden Diskussionsveranstaltungen. [6]

2013 erhielt das Museum von den Erben der Brüder Hermann von Schlagintweit, Adolph von Schlagintweit und Robert von Schlagintweit 200 Aquarelle und Zeichnungen, die diese während ihrer Expedition nach Indien, Nepal, Tibet und Turkestan in den Jahren 1854 bis 1857 angefertigt hatten.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015–2016: Über den Himalaya. Die Expedition der Brüder Schlagintweit nach Indien und Zentralasien 1854–1858.
  • 2016–2017: Standpunkt. Jürgen Winkler 1951–2016.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Eröffnung des Alpinen Museums in München. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1911 (Band XXXVII), S. 292–294. (Online bei ALO).
  • Karl Müller: Das Alpine Museum. In: Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins / Zeitschrift des Deutschen und (des) Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912, (Band XLIII), S. 1–24. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/oav.
  • C. Müller (d.i. Karl Müller): Das Alpine Museum zu München. (Teil I). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 15–18. (Online bei ALO).
    — : Das Alpine Museum zu München. (Teil II und Schluss). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 31–34. (Online bei ALO).
  • Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verband (Hrsg.): München und seine Bauten. Bruckmann, München 1912, DNB, OBV. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
  • A(loys) Dreyer: Die Ausstellung alpiner Kriegsliteratur in der Alpenvereinsbücherei zu München. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1916 (Band XLII), S. 53 f. (Online bei ALO).
  • Karl Müller: Führer durch das Alpine Museum des Deutschen und oesterreichischen Alpen-Vereins in München. Lindauer, München 1916, DNB, ÖNB.
  • Alfred Steinitzer: Das Alpine Museum. Gelegentlich des Erscheinens des „Führers durch das Alpine Museum“. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1917 (Band XLIII), S. 42–45. (Online bei ALO).
  • Ernst Enzensperger: Alpenvereinsbücherei, Alpines Museum und Laternbilderstelle im Dienste der Werbung für den D. u. Ö. A-V. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1918 (Band XLIV), S. 59–61. (Online bei ALO).
  • Alfred Steinitzer: Alpines Museum und geoplastische Fragen. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1918 (Band XLIV), S. 9 f. (Online bei ALO).
  • Otto Raab: Geoplastik im Alpinen Museum. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1918 (Band XLIV), S. 115 ff. (Online bei ALO).
  • C. Müller (d.i. Karl Müller): Von den Schätzen des alpinen Museums. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1922 (Band XLVIII), S. 2 f. (Online bei ALO).
  • Hermann Bühler: Führer durch das Alpine Museum in München. Im Auftrage des Deutschen Alpenvereins und des Vereins der Freunde des Alpinen Museums. Rother, München 1941, Permalink DNB, OBV.
  • Helmuth Zebhauser (Hrsg.), Maike Trentin-Meyer (Hrsg.): Zwischen Idylle und Tummelplatz. Katalog für das Alpine Museum des Deutschen Alpenvereins in München. (Aspekte der Alpinismusgeschichte). Rother, München 1996, ISBN 3-7633-8100-7.
  • Hans-Michael Körner: Wozu Geschichte? Was heißt und zu welchem Ende studiert man Alpingeschichte? Schriftenreihe / Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins, Band 1, ZDB-ID 1466848-8. Bergverlag Rother, Ottobrunn 1997, ISBN 3-7633-8105-8.
  • Katharina Weigand (Hrsg.): Heimat. Konstanten und Wandel im 19./20. Jahrhundert. Vorstellungen und Wirklichkeiten. 1. Kolloquium des Alpinen Museums. Schriftenreihe / Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins, Band 2, ZDB-ID 1466848-8. Bergverlag Rother, Ottobrunn 1997, ISBN 3-7633-8104-X.
  • Maike Trentin-Meyer, Helmuth Zebhauser (Hrsg.): Erhaben und erobert. Katalog der Gemäldesammlung des Alpinen Museums des Deutschen Alpenvereins. Deutscher Alpenverein, München 1998, ISBN 3-7633-8107-4.
  • Günter Nagel, Walter M. Welsch: Karten der Berge. Vom Meßtisch zur Satellitenvermessung ; Katalog zur Ausstellung des Bayerischen Landesvermessungsamtes und des Deutschen Alpenvereins. Alpines Museum des DAV, München 1999, ISBN 3-928777-66-1.
    • Maike Trentin-Meyer, Walter Welsch: Karten der Berge. Vom Meßtisch zur Satellitenvermessung. In: DAV Panorama. Heft 5/1999. DAV, München 1999, ZDB-ID 2589886-3, S. 32–36. – Text online (PDF; 555 kB), abgerufen am 27. März 2012.
  • Helmuth Zebhauser: Reklamemarken aus den Sammlungen des Alpinen Museums im Zentralarchiv des Deutschen Alpenvereins. Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins, Band 4. Bergverlag Rother, Ottobrunn 1999, ISBN 3-928777-68-8.
  • Helmuth Zebhauser: Buchstaben im Museum. Sprache, Textsorten, Textform für begehbare Medien. Arbeitsgrundlage für das Alpine Museum in München und seine Ausstellungen. Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins, Band 5. Deutscher Alpenverein, München 2000, ISBN 3-928777-69-6.
  • Robert Stalla: Ansichten vom Berg. Der Wandel eines Motivs in der Druckgrafik von Dürer bis Heckel. Aus der Sammlung des Alpinen Museums des Deutschen Alpenvereins, München. Alpines Museum des DAV, München, vom 15. November 2001 bis 31. März 2002 (…) Deutscher Kunstverlag, München (u.a.) 2001, ISBN 3-422-06352-8.
  • Thomas Schirmböck, Jürgen Palmer, Aurel Schmidt: Michael Schnabel, Stille Berge. Anlässlich der Ausstellung Michael Schnabel, Stille Berge: (…) Alpines Museum München, Winter/Frühjahr 2004/2005 (…) Edition Braus, Heidelberg 2004, ISBN 3-89904-135-6.
  • Augusto Golin, Friederike Kaiser (Red.): Berge im Kasten. Fotografien aus der Sammlung des Deutschen Alpenvereins, 1870-1914. Begleitbuch zur Ausstellung im Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins, München, 11. Mai 2006 bis 18. März 2007. Deutscher Alpenverein, München 2006, ISBN 3-937530-13-4. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
    • fk (d.i. Friederike Kaiser): Berge im Kasten. Fotografien aus der Sammlung des Deutschen Alpenvereins, 1870 bis 1914, bilden den Schwerpunktauftakt für 2006. In: DAV Panorama. Heft 2/2006. DAV, München 2006, ZDB-ID 2589886-3, S. 98 f. – Text online (PDF; 2,0 MB), abgerufen am 27. März 2012.
  • Hanno Loewy (Hrsg.), Gerhard Milchram (Hrsg.): „Hast du meine Alpen gesehen?“ Eine jüdische Beziehungsgeschichte. (…) Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins, München, April 2010 bis Februar 2011. 2. Auflage. Bucher, Hohenems 2010, ISBN 978-3-902679-41-3. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alpines Museum (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Alpine Museum des D. u. Ö. Alpenvereins. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1909 (Band XXXV), S. 53. (Online bei ALO).
  2. Vereins-Angelegenheiten. Besuchsordnung des Alpinen Museums des D. u. Ö. Alpenvereins (München, Isarlust). In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1911 (Band XXXVII), S. 298. (Online bei ALO).
  3. Müller: Das Alpine Museum, S. 1 f.
  4. Hh: Das alpine Museum zu München. Hiezu zwei Bilder. In: Der Naturfreund, Jahrgang 1913, (Band XVII), S. 245 ff. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dna.
  5. C. Müller (d.i. Karl Müller): Der Krieg und das Alpine Museum. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1915 (Band XLI), S. 195 f. (Online bei ALO)
  6. a b Friederike Kaiser: 100 Jahre Alpines Museum des DAV. Auf der Praterinsel blüht die Alpingeschichte. In: DAV Panorama. Heft 4/2011. DAV, München 2011, ZDB-ID 2589886-3, S. 6 f. — Text online (PDF; 3,3 MB), abgerufen am 27. März 2012.
  7. Tagesbericht (…) Vom Münchner Alpinen Museum. In: Reichspost, Nr. 193/1928, XXXVI. Jahrgang, 15. Juli 1929, S. 2, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rpt.
  8. A(loys) Dreyer: Die Alpenvereinsbücherei. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 230 f. (Online bei ALO).
  9. ah: Nachfolge auf der Praterinsel. Friederike Kaiser neue Leiterin des Alpinen Museums. In: DAV Panorama. Heft 1/2001. DAV, München 2001, ZDB-ID 2589886-3, S. 69. – Text online (PDF; 394 kB), abgerufen am 27. März 2012.
  10. Jonas Kassner (Red.): Sonderausstellung im Alpinen Museum. In: alpenverein.de, abgerufen am 27. März 2012.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese betraf zuvörderst die Unterbringung der Zentralbibliothek. Für den Museumsteil des Hauses waren kaum Bauarbeiten zu erbringen, lediglich im großen Saal wurde durch den Einbau von einigen Kabinen mehr Wandfläche geschaffen. – Siehe: Bericht über das Alpine Museum. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1910 (Band XXXVI), S. 191 f. (Online bei ALO).
    Gesamtverantwortlich für die Gebäudeadaptionen war Robert Rehlen (1859–1941), 1912 Baurat und Leiter der Abteilung Hochbau III bei der Stadtgemeinde München, Leiter des Hütten- und Wegebaues im DuÖAV und von 1928 bis 1934 dessen Präsident.
  2. Unter anderem wurde für eine Sammlung aller alpiner Exlibris Vorsorge getroffen. – Siehe: Carl Müller: Alpine Exlibris im Alpinen Museum. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1910 (Band XXXVI), S. 290 f. (Online bei ALO).
    Teile der das Museum umgebenden Freiflächen wurden einer Präsentation von Gesteinsblöcken verschiedenster geologischer Formationen gewidmet. – Siehe: Vereins-Angelegenheiten. Vom alpinen Museum. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1910 (Band XXXVI), S. 298. (Online bei ALO).
  3. Leitung: Akademischer Maler Fritz Delcroix (* 18. Juli 1864 in München; † 21. Juni 1918 ebendort). – In: Die Eröffnung des Alpinen Museums in München, S. 293.
  4. Museumsleiter: Landgerichtsrat a. D. Karl Müller. – In: Die Eröffnung des Alpinen Museums in München, S. 293.

Koordinaten: 48° 8′ 7″ N, 11° 35′ 20″ O