Alstom

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Alstom S.A.

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Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0010220475
Gründung 1928
Sitz Saint-Ouen-sur-Seine,
FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Henri Poupart-Lafarge (CEO)
Mitarbeiterzahl 75.000
Umsatz 15,7 Mrd. Euro[1]
Branche Fahrzeuge
Website www.alstom.com
Stand: 31. März 2020

Alstom S.A. (bis 1998 GEC Alsthom) mit Sitz in Saint-Ouen-sur-Seine ist ein französischer börsennotierter Konzern, der eine führende Stellung im Transportbereich einnimmt (überwiegend in der Herstellung von Schienenfahrzeugen und -systemen). Seit der im Januar 2021 erfolgten Übernahme von Bombardier Transportation ist Alstom nach dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller CRRC das weltweit zweitgrößte Unternehmen der Bahntechnik.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Aktieninhaber war bis 2006 der französische Staat. Dessen Anteile wurden weitgehend vom französischen Bouygues-Konzern übernommen, der zwischen 2011 und 2019 rund 30 % des Kapitals hielt. Im September 2019 verkaufte Bouygues rund 13 % der Anteile für 1,08 Milliarden Euro an institutionelle Investoren, blieb danach mit 14,7 % (Stand: Februar 2020) zunächst weiterhin größter Aktionär. Nach der Fusionsankündigung reduzierte Bougyes im September 2020 seinen Anteil zunächst auf 9,7 %[2]; er fiel nach einer im November 2020 durchgeführten Kapitalerhöhung auf 8 %. Bei der Kapitalerhöhung brachte der Großaktionär von Bombardier Transportation, die kanadische Rentenversicherung Caisse de dépôt et placement du Québec 2,63 Mrd. Euro an neuem Kapital ein und wurde anschließend mit etwa 17,8 % des Kapitals zum größten Aktionär von Alstom.[3]

Zum 21. September 2020 rückten die Alstom-Aktien in den Börsenindex CAC 40 auf, aus dem sie nach zehnjähriger Zugehörigkeit 2016 ausgeschieden waren, nachdem ihr Wert damals zu gering geworden war.[4]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahn-Triebzug der Baureihe 423

Der Konzern ist nach Verkauf der Sparte Energie im Jahr 2014 ausschließlich im Bereich Transport tätig. Hauptsächlich werden Schienenfahrzeuge für den Fernverkehr (darunter der TGV), den Nahverkehr (z. B. Coradia LINT, Coradia Continental, S-Bahn-Züge der DB), U-Bahn- und Straßenbahn-Fahrzeuge (Citadis) hergestellt. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in etwa 100 Ländern weltweit; die Gesamtzahl der Beschäftigten betrug etwa 35.000 (Stand 2016); der weltweite Umsatz betrug im Geschäftsjahr zu Ende März 2016 8 Milliarden Euro.[5]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Alstom-Gruppe beschäftigte vor der Übernahme von Bombardier Transportation etwa 2500 Mitarbeiter[6][7] und hatte 2018/2019 einen Jahresumsatz von 872 Millionen Euro. Ihre Standorte befinden sich in Berlin, München, Waibstadt, Braunschweig, Salzgitter und Stendal. Der ehemalige, 1994 erworbene Schienenfahrzeughersteller Linke-Hofmann-Busch in Salzgitter bildete als Produktionsstandort den Kern der Alstom Transport Deutschland. Durch die Übernahme kamen in Deutschland rund 6000 Mitarbeiter an den Produktionsstandorten Hennigsdorf, Bautzen, Görlitz, Siegen, Mannheim und Kassel hinzu.[8]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 erwarb Alstom einen Anteil von 51 % an der Fiat Ferroviaria mit einer Option zur Übernahme der restlichen 49 %.[9] Die Zahl der Alstom-Standorte in Italien stieg damit auf acht, die Zahl der Beschäftigten auf 3000 und der Umsatz auf 500 Millionen Euro.[10] Fiat Ferroviaria produzierte Schienenfahrzeuge, u. a. Teile der Neigetechnik für den deutschen ICE. Alstom übte die Option auf die Übernahme der restlichen Anteile im Jahr 2002 aus und übernahm damit Fiat Ferroviaria komplett.

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1997 erwarb Alstom das Waggonwerk Konstal in Chorzów, das Straßenbahnwagen und U-Bahn-Wagen baute. Außerdem kaufte Alstom Betriebe, die Turbinen und Elektromotoren produzieren (in Warschau, Breslau, und Elbląg). Alstom beteiligt sich auch an Projekten in drei großen Kraftwerken (Pątnów-Konin, Łagisza und Bełchatów; Gesamtleistung etwa 1800 MW). 2010 hatte Alstom in Polen etwa 2200 Beschäftigte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen entstand 1928 als Alsthom durch Fusion der 1872 gegründeten Société Alsacienne de Constructions Mécaniques und der 1893 gegründeten Compagnie Française Thomson-Houston in Belfort, einer Tochtergesellschaft der Thomson-Houston Electric Company. Der Name des Unternehmens in der ursprünglichen Schreibweise Alsthom ist ein Kofferwort aus dem Namen der französischen Region Alsace und dem Nachnamen des britisch-amerikanischen Ingenieurs Elihu Thomson.

Mitte der 1960er Jahre konstruierte Alsthom als erstes französisches Unternehmen alkalische Brennstoffzellen.[11] 1976 fusionierte Alsthom mit der Werft Chantiers de l’Atlantique zu Alsthom Atlantique und war in den 1980er Jahren unter dem Dach der staatlichen Compagnie générale d’électricité (später über Alcatel Alsthom in Alcatel umbenannt) der einzige französische Hersteller von Diesel- und Gaskraftwerken.[12] 1988 wurden große Teile von Alsthom und der Sparte Power Systems der britischen General Electric Company (GEC) zu GEC-Alsthom zusammengelegt. 1994 übernahm GEC-Alsthom die Aktienmehrheit am Schienenfahrzeughersteller Linke-Hofmann-Busch (LHB) in Salzgitter, der danach als Alstom LHB firmierte und heute Alstom Transport Deutschland heißt. 1998 übernahm GEC-Alsthom die AEG Energietechnik. 1999 übernahm Alstom die Mehrheit am französischen Schienenfahrzeughersteller De Dietrich Ferroviaire.

Börsengang und Rettung durch den Staat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Börsengangs von Ende Juni 1998 wurde das Unternehmen von GEC Alsthom in Alstom umfirmiert.[13] Im gleichen Jahr gliederten die GEC und die seit 1991 in Alcatel Alsthom umbenannte CGE die GEC-Alsthom aus und verkauften ihre Anteile schrittweise bis 2001. Die bis Anfang 2007 verwendete Schreibweise ALSTOM wurde eingeführt, gleichzeitig verschwand auch der Name Alsthom aus der Muttergesellschaft Alcatel. Heute wird die Schreibweise Alstom verwendet.

Aufgrund der immer weiter fortschreitenden Konzentration bei den Herstellern von Kraftwerksanlagen wurde mit der schweizerisch-schwedischen ABB im Jahr 1999 das Joint Venture ABB ALSTOM Power gegründet, das die Kraftwerkssparten beider Unternehmen umfasste. Im Jahr 2000 erwarb Alstom alle Anteile jener Gesellschaft von ABB, die diese aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bei den großen ABB-Gasturbinen verkaufen musste, um eine drohende Insolvenz abzuwenden, die durch technische Probleme und nachfolgende Vertragsstrafen ausgelöst wurde. Anschließend wurde der Kraftwerksbereich, der sich mit dem Zukauf von ABB praktisch verdoppelt hatte, wieder vollständig in den Konzern eingegliedert. Alstom erwarb mit dem Kraftwerksbereich das komplette ABB-Know-how und den Service der BBC/ABB-Flotte im Bereich der Dampfturbinen, Generatoren und Gasturbinen, aber auch alle finanziellen Risiken und Altlasten im Zusammenhang mit technischen Problemen der GT24/26-Gasturbinenreihe. 2004 ging man dabei von dadurch verursachten Verlusten in Höhe von 4,5 Mrd. Euro aus.[14]

Im Oktober 2000 übernahm das Unternehmen FIAT Ferroviaria. Für den 51-Prozent-Anteil bezahlte Alstom 147 Millionen Euro an FIAT und übernahm Schulden in Höhe von 45 Millionen Euro.[15] Zum 1. Februar 2001 wurde das Unternehmen von FIAT Industrie Ferroviarie in Alstom Ferroviaria umbenannt.[10] Alstom übte diese Option im Jahr 2002 aus und übernahm damit FIAT Ferroviaria komplett.

Auf Grund der oben beschriebenen und weiterer Firmenzukäufe sowie der von der ehemaligen ABB-Kraftwerkesparte übernommenen Projektrisiken hatte Alstom zu Beginn des neuen Jahrtausends einen hohen Schuldenstand. 2002 war bei einem Umsatz von 21,35 Milliarden Euro ein Verlust von 1,35 Milliarden Euro verzeichnet worden.[16] Verstärkt durch erhebliche technische Probleme beim Betrieb der noch von ABB entwickelten Gasturbinen und einem geplatzten Kreuzfahrtschiff-Geschäft sowie wegen des weltweit rückläufigen Geschäfts mit Kraftwerksneuanlagen war es dem Konzern im Jahr 2003 nicht mehr möglich, alle Kredite zu bedienen. Um kurzfristig die Finanzsituation zu verbessern, wurde zunächst im Sommer 2003 das von der ehemaligen AEG stammende Industrieturbinengeschäft an Siemens, dann im Frühjahr 2004 das Energieübertragungsgeschäft an Areva und schließlich das im Sektor Power Conversion zusammengefasste Anlagengeschäft an Finanzinvestoren verkauft, das danach unter Converteam firmierte und später die Sparte Power Conversion des General-Electric-Konzerns wurde.

Mitte 2003 kündigte das Unternehmen an, seinen Produktionsstandort im britischen Washwood Heath zu schließen, nachdem keine neuen Aufträge mehr absehbar waren.[17] Im September 2003 stimmten die Gläubigerbanken einem 3,2 Milliarden Euro umfassenden Rettungsplan für das Unternehmen zu. Neben 2,4 Milliarden Euro aus Bankenmitteln verpflichtete sich der französische Staat, 800 Millionen Euro zur Rettung des Unternehmens beizutragen. Zuvor hatte die EU dem Plan der französischen Regierung zugestimmt.[18] Diese Staatshilfen bewahrten das Unternehmen vor der Insolvenz.[19] Im Frühjahr 2004 kündigte das Unternehmen deutlich größere Restrukturierungskosten als zunächst geplant an; statt geschätzten 450 bis 500 Millionen sollten 650 Millionen Euro aufgewendet werden.[20] Mitte 2004 billigte die EU-Kommission den Rettungsplan unter Auflagen. Demnach musste das Unternehmen binnen vier Jahren neue Partner für mehrere Sparten finden, die Staatsfinanzierung musste anschließend auslaufen. Im Gegenzug erhielt der französische Staat die Erlaubnis, dem Unternehmen 2,29 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen und dabei bis zu 31,5 Prozent des Aktienkapitals zu übernehmen. Am 9. Juli 2004 stimmte die Generalversammlung der Aktionäre diesem Plan zu.[21]

Der Restrukturierung dienende Bankkredite wurden dabei durch den französischen Staat abgesichert. Diese Absicherung wurde anfangs von der Europäischen Kommission als wettbewerbsverzerrende staatliche Subvention angesehen. Solche Beihilfen sind nach EU-Wettbewerbsrecht ohne Zustimmung der EU-Kommission unzulässig. Deshalb fanden zahlreiche Gespräche zwischen der Europäischen Kommission, der französischen Regierung und Alstom über die Zukunft des Konzerns statt. Die EU-Kommission genehmigte die staatlichen Beihilfen am 7. Juli 2004. Im Gegenzug musste sich das Unternehmen Alstom für industrielle Partnerschaften öffnen, die wesentliche Teile der Alstom-Aktivitäten umfassen. Was die Wahl der industriellen Partner betrifft, machte die Kommission keine Vorgaben, allerdings gilt für einen Einstieg staatlich kontrollierter Unternehmen ein Genehmigungsvorbehalt durch die EU-Kommission.

Restrukturierungen und Übernahme der Energiesparte durch General Electric[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alstom AGV
Alstom-Aptis-Batteriebus mit Allradlenkung

2006 übernahm die Firma Bouygues den vorher vom französischen Staat gehaltenen Aktienanteil von 21,03 %, stockte diesen Ende Juni 2007 auf 25,35 % auf und hielt 2013 29,4 % an Alstom. Bouygues ist somit der größte Aktionär. Alstom stellte am 5. Februar 2008 in La Rochelle mit dem AGV den völlig neu konzipierten Hochgeschwindigkeitszug der nächsten Generation vor.[22][23] Im Juni 2010 hat Alstom die 2004 an Areva abgetretene Energieübertragung gemeinsam mit Schneider Electric zurückgekauft. Der Bereich Hochspannung verblieb bei Alstom und agiert fortan unter dem Namen Alstom Grid als neuer Geschäftsbereich.

Ende April 2014 wurden Pläne über den möglichen Verkauf des gesamten Energiegeschäfts mit den Sparten Power und Grid (die insgesamt 71 % des Konzernumsatzes darstellen) an den amerikanischen Konkurrenten General Electric bekannt, die jedoch von der französischen Regierung abgelehnt wurden;[24] am Wochenende des 26. April berichtete die Presse von einer Gegen-Offerte von Siemens und einen Tag darauf über eine eventuelle Offerte des französischen Staates. Diese würde die Offerte von Siemens nichtig werden lassen. Industrieminister Arnaud Montebourg erließ das sogenannte „Lex-Alstom“-Dekret, das die Übernahme französischer Konzerne durch ausländische Unternehmen erschweren sollte.[25] Im November 2014 genehmigte die französische Regierung den Verkauf des Energiegeschäfts an General Electric. Der französische Staat übernimmt von Bouygues „leihweise“ einen Anteil an Alstom von bis zu 20 % (Aktien die später an Bouygues zurückfallen sollten). Nach einer Prüfung durch europäischen Kartellbehörden wurde am 2. November 2015 die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric wirksam.[26] Der Kraftwerkszubehörbereich Steam Auxiliary Components wurde im September 2014 als Arvos Group selbstständig.[27]

Im November 2014 kaufte das Unternehmen den französischen Leit- und Sicherungstechnik-Hersteller Areva Command & Control. Anschließend erwarb das Unternehmen von Belfour Beatty 50-Prozent-Anteil an Signalling Solutions Ltd.[28] Im November 2015 wurde außerdem die Akquisition von GE Signalling abgeschlossen; Alstom erwarb das Unternehmen für 700 Millionen US-Dollar. Alstom ist damit nach eigenen Angaben der weltweit zweitgrößte Anbieter von Signaltechnik. Es beschäftigt in diesem Bereich rund 6000 Mitarbeiter.[28]

Gescheiterte Zusammenlegung von Alstom mit Siemens Mobility[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2017 gaben Siemens und Alstom bekannt, dass Alstom den Kern einer zukünftigen Siemens Alstom bilden sollte, die durch Einbringung der Transportsparte von Siemens, Siemens Mobility, entstehen sollte; Siemens sollte an dem erweiterten Unternehmen knapp über 50 % halten.[29] Der Zusammenschluss wurde am 6. Februar 2019 von der EU-Kommission untersagt. Die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager begründete dies damit, dass sich dieser negativ auf den Binnenwettbewerb und somit letztlich auch auf die Verbraucher auswirken würde.[30]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem am 27. September 2017 bekanntgegebenen Memorandum of Understanding hatten sich Alstom und Siemens auf eine Transaktionsstruktur geeinigt, die von den Akteuren als „Fusion unter Gleichen“ beschrieben wurde.[31] Das Gemeinschaftsunternehmen sollte dabei durch die Einbringung der Sparte Siemens Mobility in Alstom entstehen; dadurch sollte Siemens eine Mehrheit von knapp über 50 % durch Ausgabe neuer Alstom-Aktien erhalten; das aufnehmende Alstom wäre unter dem Namen Siemens Alstom an der Börse in Paris notiert gewesen, verblieben mit seinem Unternehmenssitz in Frankreich und sollte weiterhin von seinem damaligen CEO, Henri Poupart-Lafarge, geführt werden. Die Umsetzung dieser Transaktion sollte bis Anfang 2019 nach Unterzeichnung endgültiger Fusionsverträge, Zustimmung der Alstom-Hauptversammlung, der Ausschüttung einer Sonderdividende an Alstom-Aktionäre und Erfüllung aller weiteren Bedingungen (insbesondere Zustimmung der EU-Kommission) erfolgen.[29] Nach einer Wartefrist von vier Jahren hätte Siemens seine Anteile aufstocken können. Des Weiteren wurde eine Bestandsgarantie über vier Jahre für Standorte und Arbeitsplätze abgegeben.

Die zusammengelegten Aktivitäten von Alstom und Siemens hätten einen kumulierten Umsatz von 15,3 Milliarden Euro und einen bereinigten EBIT (Betriebsergebnis) von 1,2 Milliarden Euro gehabt; sie hätten rund 62.300 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern weltweit beschäftigt.[29] Ziel dieser europäischen Bahntechnik-Allianz war es, dem Vormarsch des chinesischen Zug-Giganten CRRC Corporation Limited auf dem Weltmarkt Einhalt zu gebieten.[32] Das Projekt genoss das Wohlwollen der Regierungen Deutschlands und Frankreichs.[33] Dennoch gab es Widerstand gegen das Projekt, insbesondere in Frankreich, wo Gewerkschaften und Politiker die geplante Fusion als „Ausverkauf an Siemens“ bewerteten und den Bestandsschutz für Werke und Arbeitsplätze als nicht ausreichend erachtet haben.[34] Andererseits wurde die Fusion auch teilweise in Deutschland als Ausverkauf gesehen, weil der Hauptsitz in Saint-Ouen-sur-Seine bei Paris gewesen wäre und die Beteiligung am neuen Bahntechnikkonzern durch Siemens nur begrenzt gewesen wäre. Siemens-Chef Joe Kaeser deutete in einem Interview im Juni 2018 im Manager-Magazin an, dass die Beteiligung in fünf Jahren auf dem Prüfstand stehen könnte. Der Hersteller wäre dann womöglich rein französisch gewesen. Aus Wettbewerbsgründen wurde die Fusion von der EU-Kommission untersagt.

Übernahme von Bombardier Transportation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Februar 2020 ließ Alstom verlauten, dass beabsichtigt ist, das Zuggeschäft des kanadischen Konkurrenten Bombardier zu übernehmen. Die Transaktion würde einen Bahntechnikkonzern mit etwa 15 Mrd. Euro Jahresumsatz schaffen.[35] Diese Fusion wurde Ende Juli 2020 von der EU-Kommission unter Auflagen genehmigt.[36] Die Übernahme musste allerdings noch von anderen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden, was Anfang Dezember 2020 abgeschlossen war.[37] Die beiden Konzerne lagen vor der Fusion auf Platz 2 und 3 im weltweiten Vergleich. Nur der chinesische Zugkonzern CRRC kann einen größeren Umsatz vorweisen.[38]

Am 29. Januar 2021 wurde die Fusion offiziell abgeschlossen. Das damit entstandene Unternehmen hat nach eigenen Angaben 75 000 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Euro (Stand 29. Januar 2021).[1][39]

Zu den Auflagen der europäischen Kartellbehörde gehören der vollständige Verkauf des Alstom-Werkes in Reichshoffen (Alstom) sowie einer Fertigungslinie im Werk Hennigsdorf (Bombardier).[40] Diese Auflagen wurden bis zum Fristende am 31. Juli 2021 nicht erfüllt.[41][42]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alstom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alstom vollzieht wichtigen transformativen Schritt: Abschluss der Übernahme von Bombardier Transportation. In: Pressemitteilung. Alstom S.A., 29. Januar 2021, abgerufen am 14. Februar 2021 (Ungeprüfter kombinierter Umsatz).
  2. Sale of ALSTOM shares by BOUYGUES. (PDF) Pressemitteilung. Bougyes, 29. September 2020, abgerufen am 28. Januar 2021 (englisch).
  3. Wolfgang Kieslich: Alstom: Kapitalerhöhung um 2 Mrd. EUR als neuer Schritt zur Übernahme von Bombardier Transportation eingeleitet. In: LokReport. 19. November 2020, abgerufen am 28. Januar 2021.
  4. INDEX-MONITOR: Alstom zurück im Cac 40 - Accor müssen weichen. dpa-AFX, 21. September 2020, abgerufen am 30. Januar 2021
  5. Siemens Alstom: European Commission notified of business combination (Memento vom 17. Juli 2018 im Internet Archive), abgerufen am 17. Juli 2018
  6. Alstom in Deutschland
  7. Thomas Wüpper: Zughersteller-Fusion? Was ein Verkauf an Alstom für die Mitarbeiter von Bombardier bedeuten würde. In: Der Tagesspiegel. 14. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2021.
  8. Alfons Frese: Alstom nach der Bombardier-Übernahme. Schwung auf der Schiene. In: Der Tagesspiegel. 14. Februar 2021, abgerufen am 25. Februar 2021.
  9. Case No COMP/M.2069 – Alstom/FIAT Ferroviaria. Bekanntmachung der EU-Kommission vom 17. August 2000, betreffend das Ergebnis des Fusionskontrollverfahrens (PDF, englisch)
  10. a b Alstom übernimmt Führung bei Fiat Ferroviaria. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2001, ISSN 1421-2811, S. 61.
  11. Noriko Hikosaka Behling: Fuel Cells – Current Technology Challenges and Future Research Needs. Elsevier, 2013, ISBN 978-0-444-56325-5 (Auszug online bei Google [abgerufen am 2. Mai 2014]).
  12. Ifo-Institut (Hrsg.): Kraftwerksindustrie – Entwicklung und Strukturwandel seit 1970. Duncker & Humblot, 1987, ISBN 3-428-06351-1 (Auszug online bei Google [abgerufen am 2. Mai 2014]).
  13. Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 9/1998, ISSN 1421-2811, S. 339.
  14. Christian Huggenberg: Der tiefe Fall des Alstom-Konzerns. Handelszeitung, 26. Mai 2004.
  15. Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2000, ISSN 1421-2811, S. 544.
  16. Meldung Alstom mit Milliarden-Verlust. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2003, ISSN 1421-2811, S. 312.
  17. Meldung Alstom schließt Produktionsstandort in England. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2003, ISSN 1421-2811, S. 366.
  18. Alstoms Weg aus der Krise. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2003, ISSN 1421-2811, S. 511.
  19. Eurostar will Siemens-Zügen den Vorzug geben. In: Handelsblatt, Nr. 194, 2010, S. 25.
  20. Meldung Alstom-Sanierung wird teurer. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2004, ISSN 1421-2811, S. 223.
  21. Meldung EU billigt Alstom-Rettungsplan. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2004, ISSN 1421-2811, S. 369.
  22. Christian Schubert: Der neue TGV heißt AGV. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 31 vom 6. Februar 2008, S. 14.
  23. Frankreich setzt neuen ICE-Konkurrenten auf die Schiene. (FAZ.NET-Video)
  24. Alstom et GE dans une course de vitesse. Les Echos, 25. April 2014, abgerufen am 26. April 2014 (französisch).
  25. Industriekonzern: Frankreich verabschiedet Lex Alstom. In: Handelsblatt. 15. Mai 2014, abgerufen am 19. April 2017.
  26. GE-Alstom deal – Alstom. In: www.alstom.com. Abgerufen am 11. Januar 2016.
  27. Triton Presse – Triton completes acquisition of the “ARVOS Group”, the steam auxiliary components business of Alstom’s Thermal Power division. Abgerufen am 28. September 2017.
  28. a b Chris Jackson: ’We want to be the number one’. In: Railway Gazette International. Band 172, Nr. 2, 2016, ISSN 0373-5346, S. 38–41.
  29. a b c Alstom und Siemens: Creation of a global leader in Mobility (Memento vom 28. September 2017 im Internet Archive), gemeinsame Präsentation vom 27. September 2017 (englisch, pdf), abgerufen am 28. September 2017
  30. EU-Kommission untersagt Bahnfusion. ORF, 6. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  31. L’union Siemens Alstom est sur les rails lesechos.fr, abgerufen am 28. September 2017 (französisch)
  32. Siemens will mit Alstom bei Zügen China ausbremsen, finanzen.net, abgerufen am 28. September 2017
  33. Siemens und Alstom feilen an „Airbus der Schiene“ diepresse.com, vom 25. September 2017
  34. Le Monde: Sous le feu des critiques, le gouvernement se défend d’avoir bradé Alstom, 28. September 2018 (franz.)
  35. Alstom will Zugsgeschäft von Bombardier übernehmen orf.at, 18. Februar 2020, abgerufen 18. Februar 2020.
  36. Kommission genehmigt Übernahme der Zugsparte von Bombardier durch Alstom unter Bedingungen. In: Pressemitteilung. Europäische Kommission, Generaldirektion Wettbewerb, 3. August 2020, abgerufen am 10. August 2021.}
  37. dpa: Alstom und Bombardier bekommen letzte Genehmigungen für Zug-Fusion. In: Wirtschaftswoche. 1. Dezember 2020, abgerufen am 11. Januar 2021.
  38. Bahnindustrie: EU-Kommission genehmigt Fusion von Bombardier und Alstom. 31. Juli 2020, abgerufen am 31. Juli 2020.
  39. Alstom-Chef: Deutschland für neuen Bahn-Konzern bedeutend. Quelle: dpa-infocom. In: Die Zeit. 29. Januar 2021, abgerufen am 29. Januar 2021.
  40. Handelsblatt: Alstom und Bombardier machen der EU Zugeständnisse – Werk Hennigsdorf betroffen. In: Handelsblatt. 9. Juli 2020, abgerufen am 7. August 2021.
  41. focus.de: Alstom und Bombardier haben Auflagen nicht fristgerecht erfüllt – Fusion in Gefahr. In: focus.de. 6. August 2021, abgerufen am 10. August 2021.
  42. handelsblatt.com: EU-Kartellbehörde verschiebt Entscheidung über den Deal von Alstom und Bombardier. In: handelsblatt.com. 10. Juli 2020, abgerufen am 10. August 2021.

Koordinaten: 48° 53′ 47″ N, 2° 16′ 25″ O