Alta-Konflikt

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Blockade der Bauarbeiten

Der Alta-Konflikt (norwegisch: Alta-saken oder Alta-konflikten) war ein politischer Konflikt, der von etwa 1968 bis 1982 andauerte. Dabei protestierten Samen und Umweltaktivisten gegen den Ausbau der Wasserkraft in der Finnmark in Nordnorwegen. Der Ausbau konnte zwar nicht verhindert werden, die Demonstrationen hatten jedoch eine große Auswirkung auf die samische Politik in Norwegen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1968 wurden die ersten Pläne vorgelegt, dass der Wasserlauf Alta-Kautokeinovassdraget in der Finnmark für die Energiegewinnung ausgebaut werden sollte. Dies wurde vor allem von Samen und Umweltaktivisten kritisiert. Die Samen sahen darin etwa eine Bedrohung für ihre Rentierhaltung, außerdem wurde vorgeschlagen, die samische Ortschaft Máze zu fluten.[1] 1973 wurde die Altautvalget (deutsch: Altaauswahl) gegründet, die sich gegen den Ausbau aussprach. Im gleichen Jahr wurde von politischer Seite die Bewahrung des Ortes Máze versprochen. Auf samischer Seite waren unter anderem die Organisationen Norske Samers Riksforbund (NSR) und der Rentierhalterverbund Norske Reindriftsamers Landsforbund (NRL) im Einsatz gegen den Ausbau tätig.[2] Auch die beiden samisch geprägten Gemeinden Alta und Kautokeino sprachen gegen die Pläne aus.

Für die Umweltaktivisten war unter anderem entscheidend, dass der Flusslauf die Heimat einer größeren Lachspopulation war und als solcher als einer der besten Lachsflüsse Europas zählte sowie dass der Fluss einen wichtigen Einflussfaktor für das lokale Klima der Umgebung darstellte. Als weitere Problematik gaben sie an, dass durch den Ausbau Lebensraum für Rentiere zerstört würde.[3] Forschungsberichte kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass die Gegend eine sehr vielfältige Flora und Fauna hat, welche durch die Pläne bedroht wäre. Das Fylkesting der damaligen Provinz Finnmark, die norwegische Regierung sowie die Energiebehörden hielten unbeachtet der Proteste weiter an einer Umsetzung der Pläne fest.

Aufbegehren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1978 formierte sich die Folkeaksjonen mot utbygging av Alta/Kautokeino-vassdraget (deutsch: Volksaktion gegen den Ausbau des Alta/Kautokeino-Wasserlaufs), die 15.000 Unterschriften gegen die Pläne sammelte und dem Nationalparlament Storting überreichten. Das Storting beschloss dessen ungeachtet den Ausbau, der zu einem 150-Megawatt-Wasserkraftwerk führen sollte. Dazu sollte ein 110 Meter hoher Staudamm in Sautso gebaut werden.[4]

Im Sommer 1979 startete die Verbindung eine Reihe von Protestaktionen, in denen sie durch zivilen Ungehorsam den Weiterbau an der Anlage verhinderten. Im Oktober campierten sieben junge Samen auf dem Eidsvolls plass vor dem Stortingsgebäude in Oslo und forderten, dass die Pläne gestoppt werden. Nachdem die Regierung Nordli diese Forderungen ablehnte, begannen sie einen siebentägigen Hungerstreik. Zu den Protesten kamen auch Samen aus anderen Ländern und es wurde unter anderem auch in den dänischen und grönländischen Nachrichten von ihnen berichtet.[5] Die norwegische Polizei ging gegen die Proteste in der Stadt vor und verhaftete einige der Teilnehmer.[3]

Neben diesen Aktionen nahm die Organisation auch den Dialog mit den zuständigen Behörden auf. Auch unter anderem die Vereinten Nationen (UN) und der Weltrat der indigenen Völker wirkten dabei mit. Norwegen erhielt aufgrund dem staatlichen Vorgehen gegen die samischen Interessen in dieser Sache internationale Kritik und es wurde auch von ausländischen Medien berichtet.[6][7]

Im Jahr 1979 wurden die Arbeiten schließlich von der Regierung gestoppt und erlaubte den Rentierhaltern aus der betroffenen Umgebung eine Einschätzung zu machen. Das Storting lehnte eine erneute Behandlung des Themas mit der Begründung ab, dass es zu keinen Veränderungen in der Sache gekommen sei. Die Forderung der Gegner des Ausbaus wurden auch von der Regierung abgewiesen, woraufhin der Fall vor Gericht gebracht wurde. Im Dezember 1980 fällte das Gericht in Alta ein Urteil. Darin kritisierte es große Teile des Entscheidungsprozess, der zum Ausbau führte. So stünde dieser etwa im Konflikt zu den lokalen Naturschutzgesetzen von Máze. Allerdings sei der Ausbau grundsätzlich legal. Durch dieses Urteil gestützt wurde ab Januar 1981 weiter an der Anlage gebaut.

Die Fortsetzung des Baus führte zu erneuten Aktionen der Gegner, die von der Polizei gestoppt wurden. Etwa 900 Demonstranten wurden in der Nacht des 14. Januar 1981 von der Polizei verhört.[5] Mit etwa 600 anwesenden Polizisten stellte der Einsatz den größten Polizeieinsatz während der Friedenszeit in Norwegen dar.[8] Am 24. Januar wurde erneut ein Hungerstreik begonnen, der bis zum 25. Februar andauerte, da dort die Bauarbeiten wieder ausgesetzt wurden. Zwischenzeitlich war es zu einem Regierungswechsel gekommen, nachdem Odvar Nordli wegen gesundheitlicher Probleme abtrat und die vorherige Umweltministerin Gro Harlem Brundtland das Amt als Ministerpräsidentin übernahm.[9] Es sollte nun untersucht werden, ob der Ausbau gegen das Gesetz über das kulturelle Erbe (Kulturminneloven) verstoße. Der Anstoß dazu kam unter anderem vom Museum Tromsø, das eine genauere Kartierung des Gebiets forderte.[9]

Im September 1981 wurden die Arbeiten erneut fortgesetzt, da kein Verstoß festgestellt werden konnte. Es wurden keine weiteren größeren Aktionen gegen den Bau durchgeführt. Im Jahr 1982 erklärte auch der Oberste Gerichtshof von Norwegen, dass das Projekt legal war. Die Volksaktion wurde 1982 aufgelöst.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alta-Konflikt führte zu einer Änderung in der norwegischen Politik gegenüber der samischen Bevölkerung, da die Regierung sich gezwungen sah, den Samen mehr Rechte einzuräumen.[6] Außerdem erfuhren viele Norweger erstmals mehr über die Ausgrenzung der Samen im Land.[10] Im Oktober 1980 wurde die Samerettsutvalget (deutsch: Samenrechtsauswahl) gebildet, der 1984 seine Ergebnisse präsentierte. Diese führten zur Verabschiedung des neuen Samengesetzes (Samelov) im Jahr 1987, welches Grundlage für die Bildung des norwegisch-samischen Parlaments Sameting war.

Neben den Auswirkungen in der samischen Politik hatte die Debatte auch Einfluss auf die Energiepolitik und die Frage, wie etwa Naturschutz und Wasserkraft verbunden werden sollten.[11] Auch die lokale Selbstbestimmung wurde stärker thematisiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kampen om Alta: Saken og konfliktene: Masi - bygd og symbol. NVE, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  2. Altasaken og samisk rettighetskamp | Reaidu. Universität Tromsø, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  3. a b Anders Boine Verstad: Sultet for å stanse vannkraftutbygging: – Hjertet mitt skriker fortsatt. 8. Oktober 2019, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  4. Om regjeringens arbeid med gjennomføringen av Stortingets vedtak om utbygging av Altavassdraget. Stortinget, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  5. a b Siv Eli Vuolab: Historiene fra Alta-aksjonen. In: NRK. 3. November 2010, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch (Bokmål)).
  6. a b Historikk. (Memento vom 26. Oktober 2019 im Internet Archive) Sametinget (norwegisch)
  7. Kampen om Alta: Saken og konfliktene. NVE, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  8. Kampen om Alta: Saken og konfliktene: Januaraksjonen. NVE, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  9. a b Kampen om Alta: Saken og konfliktene: Sultestreik II. NVE, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  10. Hanne Hagtvedt Vik: Da samene ble Norges urfolk - Norgeshistorie. Universität Oslo, 25. November 2015, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).
  11. Edgeir Benum: Forurensning og naturvern - Norgeshistorie. Universität Oslo, 25. November 2015, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch).