Altaisch (Turksprache)

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Altaisch

Gesprochen in

Russland, Mongolei, China
Sprecher 70.000 (2002)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Republik Altai (Russland)
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:
  • tut (sonstige Altaische Sprachen)
  • alt (Süd)
ISO 639-3:

Die nordaltaische und die südaltaische Sprache gehören zum sibirischen Zweig der Turksprachen und werden von verschiedenen indigenen Völkern Sibiriens, vorwiegend in der Republik Altai, gesprochen. Bis 1948 lautete der offizielle Name der Sprache Oyrot.

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet dieser Sprache sind die Gebirgszüge des Altai-Gebirges und Kemerowo in Ost-Sibirien. Die nördlichen Dialekte (Nord-Altaisch) haben sehr starke Bezüge zum Kirgisischen, die südlichen (Süd-Altaisch) hingegen zum Uigurischen.

Gemeinsam mit Russisch bildet Altaisch die Amtssprachen der Republik Altai. Die offizielle Sprache basiert auf einem südlichen Dialekt, der ursprünglich von den Altay-kiži gesprochen wurde, aber sukzessive auch in den anderen Teilen der Republik übernommen wurde.

Sprecherzahlen und Dialekte[Bearbeiten]

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Zu den Ethnien, die Varietäten des Altaischen sprechen, gehören Altaier, Telengiten, Teleuten, Tubalaren, Kumandiner, und Tschelkanen (Lebediner). Obwohl sie traditional als eine Sprache betrachtet werden, bestehen starke Verständigungsschwierigkeiten zwischen Sprechern des Südaltaischen und der nördlichen Varietäten.

Baskakov (1958)[1] unterscheidet folgende Dialekte

  • Südliches Altaisch
    • Hochaltaisch
      • Mayma
    • Telengit
      • Tölös
      • Chuy
    • Teleut
  • Nördliches Altaisch
    • Tuba
    • Kumandy
      • Turachak
      • Solton
      • Starobardinian
    • Chalkan (auch bekannt als Kuu, Lebedin)

Als nahe Verwandte der nördlichen Varietäten gelten Schorisch und Tschulim-Tatarisch, welche beide statt dem inter-vokalen *d ein -j- verwenden, wohingegen Mras Shor und Mittelchassidisch ein -z- verwenden und generell dem Chakassidischen ähnlicher sind.

Klassifizierung[Bearbeiten]

Aufgrund der geographischen Isolierung im Altai-Gebirge und der unscharfen Trennung von den Umgebungssprachen ist die Klassifizierung des Altaischen innerhalb der Turksprachen nach wie vor umstritten. Die geographische Nähe zu den Schoren und zu Chakassien legt eine Einordnung als Subgruppe des Nordturkischen nahe.[2]

Gewisse Ähnlichkeiten mit der kirgisischen Sprache erlauben aber auch eine Zuordnung zu den kiptschakischen Sprachen. In einer neueren Klassifizierung betrachtet Talat Tekin Südaltaisch sogar als eigene Subgruppe innerhalb der Turksprachen, während er die nordaltaischen Dialekte in einer Gruppe mit Tschulim-Tatarisch und dem Kondoma Dialekt der Schoren einreiht.[3]

Schrift[Bearbeiten]

Eigenständige Schriftsprache ist Altaisch erst seit 1845 mit einer modernisierten kyrillischen Schrift. 1928 wurde das einheitliche türkische Alphabet eingeführt, das allerdings 1938 wieder durch modifizierte kyrillische Schriftzeichen abgelöst wurde und bis heute verwendet wird.

1938 wurden den regulären 33 Buchstaben des kyrillischen Alphabets vier weitere hinzugefügt, um die altaische Sprache korrekt wiederzugeben: Јј, Ҥҥ, Ӧӧ, Ӱӱ.

Aussprache[Bearbeiten]

Wie bei der Klassifikation lässt sich auch die Aussprache nicht einheitlich darstellen. Da sich die Dialekte stark voneinander unterscheiden, bezieht sich diese Darstellung auf die offizielle Amtssprache der Republik Altai.

Konsonanten[Bearbeiten]

Konsonanten der Altaischen Sprache
Bilabial Dental Alveolar Palatal Velar
Plosive p b t d c ɟ k ɡ
Nasale m n ŋ
Frikativ s z ʃ ʒ x ɣ
Flap ɾ
Approximant j
Lateral
Approximant
l


Der stimmhafte palatale Plosiv /ɟ/ wird – vor allem am Wortanfang – in jedem Dialekt anders verwendet. Sogar innerhalb desselben Dialektes findet man starke Variationen. Ein Beispiel für die Unterschieden zwischen den Dialekten ist das Wort „nein“ јок: [coq] (Kuu Dialekt) und [joq] (Kumandi).[4][5]

Vokale[Bearbeiten]

Das Altaische unterscheidet acht Vokale, die jeweils lang oder kurz ausgesprochen werden können.

Vokale der Altaischen Sprachen
Kurz Lang
Geschlossen Offen Geschlossen Offen
Wortanfang Unrounded i e
Rounded y ø øː
Wortende Unrounded ɯ a ɯː
Rounded u o

Morphologie und Syntax[Bearbeiten]

Pronomen[Bearbeiten]

Das Altaische kennt prinzipiell sechs Personalpronomen:

Personalpronomen in der Amtssprache
Singular Plural
Altaisch (Transkription) Deutsch Altaisch (Transkription) Deutsch
мен (men) Ich бис (bis) Wir
сен (sen) Du (Singular) слер (sler) Ihr (Plural, formal)
ол (ol) Er/sie/es олор (olor) Sie (Plural)

Je nach Dialekt unterscheiden sich die verwendeten Pronomen stark voneinander. Als Beispiel dient hier die Verwendung im Qumandin Dialekt.[6]

Personalpronomen auf Qumandin
Singular Plural
Altaisch (Transkription) Deutsch Altaisch (Transkription) Deutsch
мен (men) Ich пис (pis) Wir
сен (sen) Du (Singular) снер (sner) Ihr (Plural, formal)
ол (ol) Er/sie/es анар (anar) Sie (Plural)

Literatur[Bearbeiten]

  • George Campbell: Concise Compendium of the World's Languages, (S. 543–544), 1995, ISBN 0-415-11392-X

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. N. A. Baskakov: La Classification des Dialectes de la Langue Turque d'Altaï. In: Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungaricae. 8, 1958, S. 9–15.
  2. Ethnologue report for Northern Turkic. SIL International. 2005. Abgerufen am 14. September 2007.
  3. Tâlat Tekin: A New Classification of the Chuvash-Turkic Languages. In: Erdem. 5, Nr. 13, Januar 1989, S. 129–139.
  4. N.A. Baskakov: Диалект Лебединских Татар-Чалканцев (Куу-Кижи) (Russisch). Издательство «Наука», Moskau 1985, ISBN 0-8285-3393-8.
  5. N.A. Baskakov: Диалект Кумандынцев (Куманды-Кижи) (Russisch). Издательство «Наука», Moskau 1972, ISBN 0-8285-3393-8.
  6. Ф.А. Сатлаев: Учитесь говорить по-кумандински, русско-кумандинский разговорник (Russisch). Горно-Алтайская типография, ? ?.