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Alte Zangenfabrik Beromünster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Alte Zangenfabrik 1911
Alte Zangenfabrik 2017
Handwerkerbelegschaft 1896
Pressmaschine mit Transmission
Willimann Schusterfalzzange
Willimann-Spezialzangen in allen Variationen

Die alte Zangenfabrik in Beromünster wurde 1911 von Jean Willimann gebaut. Bis 1971 wurden in dieser Fabrik Falzzangen für Schuhmacher hergestellt, welche auf der ganzen Welt verkauft wurden.

Firmengeschichte

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Die Geschichte der Zangenfabrik Willimann begann im 19. Jahrhundert. Xaver Willimann gründete 1829 eine Zeugschmiede im Weiler Waldhus, in der Nähe von Münster (heute Beromünster). Laut Urkunde übernahm Zeugschmied Ludwig Willimann am 1. Juni 1838 das Geschäft von seinem Onkel. Nebst Werkzeugen aller Art für Handwerker und Bauern wurden dort auch Gewehre angefertigt.[1] Er spezialisierte sich im Lauf der Zeit immer mehr auf die Produktion von Schusterfalzzangen. Im Geschäftsbrief von 1859 wurden Willimann Zangen zum ersten Mal erwähnt. 1880 liess der innovative Zangenfabrikant seine selber entwickelte Schusterfalzzange patentieren. Jede Zange erhielt die Prägung Ludwig Willimann erster Erfinder. Die Schuhmacher Werkzeuge aus der Schweiz wurden überall auf der Welt gerne gekauft und fanden Anerkennung für Qualität und Langlebigkeit. Die Herstellung war damals noch reine Handarbeit. Für den Vertrieb sorgte die Eisenwarenhandlung Bielmann in Luzern. Gemäss Rechnungsauszug vom 31. Dezember 1898 wurden in diesem Jahr Zangen im Totalbetrag von Fr. 14'985.50 an diese Firma geliefert. 1893 übernahm Jean Willimann in der dritten Generation das Geschäft. Er zügelte 1911 den Standort seines Unternehmens vom Waldhus nach Beromünster und eröffnete die neu gebaute Zangenfabrik.

Zu dieser Zeit galt die Werkstatt-Einrichtung weit herum als vorbildlich. Alle Maschinen wurden mit einer Transmission (Lederriemenantrieb) in Gang gesetzt. Die Energie lieferte anfänglich ein Benzinmotor, der später durch einen Elektromotor ersetzt wurde. Zur Ausstattung gehörten drei Feuerstellen (Essen) mit Amboss, Schleifmaschinen, Poliermaschinen, Drehmaschine und ab 1925 ein Federhammer und eine Pressmaschine. Die erforderlichen Matrizen (Pressformen) wurden im eigenen Betrieb angefertigt. In der Fabrik waren Werkbänke für 12 Arbeitsplätze vorhanden. Jeder Arbeitsplatz war mit einem Schraubstock und einer Werkzeugschublade eingerichtet. Im Obergeschoss befanden sich drei Schlafzimmer mit Etagen-WC für die Angestellten.

Die Zangenfabrik Willimann war damals ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Es wurden auch Lehrlinge ausgebildet. Laut Fabrikordnung von 1911 waren der Genuss von geistigen Getränken und das Ausspucken auf den Boden verboten. Die tägliche Arbeitszeit betrug damals 10,5 Stunden. 1918 starb der 26-jährige Johann Willimann an der Spanischen Grippe im Militärdienst. Er wäre als Geschäftsnachfolger vorgesehen gewesen. Im gleichen Jahr beeinflusste der Generalstreik in Zürich die Arbeiter der Zangenfabrik Willimann. Mit einem Aufstand forderten die Angestellten mehr Lohn. Während der Weltwirtschaftskrise im Verlauf der 1930er Jahre war Jean Willimann gezwungen, den Fabrikbetrieb teilweise umzustellen. Neu wurden auch allgemeine Schlosserarbeiten ausgeführt und Spezialzangen[2] für verschiedene Handwerker produziert. 1945 übergab Jean Willimann den beiden Söhnen Otto und August die Fabrik. Die letzten Zangen wurden 1971 von August Willimann hergestellt und an die Schuhfabrik Bally verkauft. Eine Zangenmacher-Tradition über vier Generationen ging zu Ende.

Die Firma hat sich inzwischen zum Sanitärbetrieb gewandelt.[3]

Das bautypologisch interessante Gebäude in zeittypischer Gestaltung ist eines der wenigen erhaltenen Werkstattgebäude des frühen 20. Jahrhunderts mit viel Originalsubstanz. Es prägt als freistehender Baukörper den Ortseingang an der Aargauerstrasse. Seit 2016 ist die alte Zangenfabrik von der Kantonalen Denkmalpflege Luzern als schützenswerter Bau eingestuft.

Commons: Alte Zangenfabrik Beromünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Anton Suter: Als im Flecken noch die Bäume standen. Ludwig Suter-Brun, Beromünster 1992, ISBN 3-9520286-1-4, S. 36.
  2. Markus Willimann: Deutsch: Die Zangenfabrik Willimann produzierte nicht nur Schusterfalzzangen. Es wurden Spezialzangen in allen Variationen angeboten. Sogar Einzelanfertigungen waren möchlich. Wenn ein Handwerker eine Zange mit extravaganten Eigenschaften brauchte, so wurde diese Zange für ihn hergestellt. Alle Werkzeuge wurden nach eigenem Spezialverfahren gehärtet. 27. Mai 2015, abgerufen am 21. Februar 2026.
  3. Firmenchronik. In: Willimann Sanitär Beromünster. Abgerufen am 6. Mai 2024.

Koordinaten: 47° 12′ 37,9″ N,  11′ 30,2″ O; CH1903: 657053 / 229116