Altenau (Saulgrub)

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Altenau
Gemeinde Saulgrub
Koordinaten: 47° 39′ 2″ N, 11° 0′ 54″ O
Höhe: 834 m ü. NN
Eingemeindet nach: Saulgrub
Postleitzahl: 82442
Vorwahl: 08845
Altenau (Bayern)
Altenau

Lage von Altenau in Bayern

Altenau ist ein Ortsteil der Gemeinde Saulgrub im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaftlich wird das Pfarrdorf[1] Altenau von der Ammer im Westen begrenzt. Hier schlängelt sich das Flusstal in einer ursprünglichen Landschaft durch die Moränen der Eiszeit. Ausgedehnte Moore prägen das Gebiet entlang des Flusses. Das Altenauer Moor nördlich des Dorfes ist ein Hochmoor, das fast nur vom Regenwasser genährt wird und an seiner höchsten Stelle noch offen ist. Das Kochel-Filz, ein Flachmoorgebiet Richtung Unterammergau, schließt sich südlich an den an Ortsteil Altenau an.[2]:20, 21 Altenau liegt im Naturpark Ammergauer Alpen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 8. Jahrhundert begann die Christianisierung des Ammertals. Als „kleiner Gau Baierns“ wird der Ammergau zum ersten Mal im 9. Jahrhundert erwähnt. Die Welfen besaßen hier mehrere Allodien.[3]

Im Jahre 1270 wird Altenowe zum ersten Mal genannt. Grundwort der ersten Bezeichnung ist mittelhochdeutsch ouwe oder owe. Dieses bedeutet von Wasser umflossenes Land. Das Bestimmungswort ist das Adjektiv alt. Es ist entweder der Hinweis auf den Personennamen Alto oder wahrscheinlicher auf eine sehr alte Siedlung.[4]

Der Ort lag an einer alten römischen Heerstraße von Partenkirchen nach Augsburg. Mehrere Tumuli, Grabhügel, befanden sich in der Nähe von Altenau. Beim Einebnen wurden Scherben von Geschirr, kleine Hufeisen sowie Kupfermünzen gefunden.[5]

Drei Höfe gab es 1270 in „Altenowe“.[6] Diese hatten Abgaben an das herzogliche Amt Ammergau zu leisten. Im 14. Jahrhundert, im Jahre 1571 und 1789 wurden im Zusammenhang mit Abgaben Bewohner von Altenau erwähnt. Auch ein Viehmarkt auf einer Wiese an der Halbammer fand am Sonntag vor Mariä Geburt bzw. ab 1780 am Sonntag vor Pfingsten in der Umgebung Beachtung.[7]

Die Chronik des Klosters Steingaden berichtet 1816 von einer großen Hungersnot.[7]

Die Menschen auf den 22 Anwesen in Altenau lebten bis 1860 von der Landwirtschaft. Das änderte sich 1848. Graf Dürckheim aus Steingaden errichtete eine Sägemühle mit Nebengebäuden bei Unternogg. Nun bot sich den Bauern die Möglichkeit eines Nebenerwerbs durch Transportdienste. Bereits 1860 erstand der bayerische Staat diesen Besitz und richtete dort das Forstamt Unternogg ein. Neben dem Fuhrdienst konnte nun auch durch Arbeiten im Wald zusätzlich Geld verdient werden wie durch das Flößen auf Ammer und Halbammer bis 1948.[7]

Um 1870 erbaute das Unternehmen Kirsch & Söhne eine Dampfsäge an der Ammerbrücke. Durch Zuzug von Arbeitskräften mit Familien vergrößerte sich der Ort erheblich. 1910 brannte die Säge ab. Neben dem Bahnhof wurde sie im folgenden Jahr neu aufgebaut.[7]

1899 entstanden weitere Arbeitsplätze durch die Fertigstellung der Bahnverbindung von Murnau nach Oberammergau. Den Strom für die erste elektrische Bahnstrecke Deutschlands lieferte das Kraftwerk Kammerl mit dem Wasser der Ammer. Es gab nun eine alternative Transportmöglichkeit für den Rohstoff Holz und elektrisches Licht für die Bewohner.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsmittelpunkt 2003 mit Gasthof Zur Post und Kirche St. Anton

Fremdenverkehrsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenau gehört zu den fünf Gemeinden des Ammertales, die sich zum touristischen Verbund der Ammergauer Alpen zusammengeschlossen haben. Die Grundlage für den Fremdenverkehr bildet die naturbelassene Landschaft der Ammergauer Alpen. Zahlreiche Wanderwege für Wanderer, Läufer und Radfahrer sind gut ausgeschildert. Sie führen durch Waldgebiete, vorbei an Viehweiden, Moorwiesen mit seltenen Pflanzen und Tieren sowie eindrucksvollen Aussichtsplätzen.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Anton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitten im Ortskern liegt die Kirche St. Anton. Ursprünglich besaßen die Altenauer eine Kapelle zum Beten an der Stelle der heutigen Kirche. Mit dem Kirchenbau begannen die Ortsbewohner 1845. Pfarrer J. B. Prechtl konnte das Gotteshaus am 4. Juli 1852 segnen und dem Heiligen Antonius weihen.[7]

Am 15. Dezember 1931 wurde der erste Altenauer Einwohner im örtlichen Friedhof beigesetzt. Vorher fanden die Altenauer in Unterammergau ihre letzte Ruhestätte.[7]

Kraftwerk Kammerl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe von Altenau liegt das Wasserkraftwerk Kammerl. Es wurde zur Stromerzeugung für die Ammergaubahn in der Zeit von 1897 bis 1899 errichtet. Das Patent zur Steuerung der Turbinen stammt von 1899 und ist noch im Einsatz. Seit Dezember 1981 ersetzt eine automatische Steuerung und Bedienung die ehemalige Schaltung von Hand. Zwei der drei Turbinen sind dauerhaft in Betrieb und liefern regenerativen Strom. Das nötige Wasser wird heute noch der Ammer entnommen und über einen Kanal ins Kraftwerk geleitet. Danach fließt es wieder in die Ammer zurück.[8]

Scheibum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der unmittelbaren Nähe des Kraftwerks findet der Naturliebhaber die Scheibum. Die Ammer fließt durch eine tief eingeschnittene Schlucht. In ihr liegt ein Felsenkessel, den das Wasser in einer Art kreisförmiger Bewegung durchfließt.

Tiefsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Altenauer Moor zwischen Saulgrub und Altenau liegt rechts der Bahngleise und der alten Dorfstraße von Saulgrub nach Altenau. Seine höchste Stelle, der Tiefsee, ist noch offen. Dieser kann vom Naturfreundehaus in Saulgrub über einen mit Holzbalken befestigten Pfad erreicht werden.[2]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dörfliche Zusammenleben prägen in dem kleinen Ort zahlreiche Vereine:[10]

  • Freiwillige Feuerwehr Altenau
  • Gebirgs-Trachten- u. Erhaltungsverein „Schergenköpfler“
  • Blaskapelle Altenau
  • Zimmerstutzen–Schützengesellschaft
  • Veteranenverein
  • Kindergartenförderverein
  • TSV Altenau
  • Obst- und Gartenbauverein
  • Theaterverein
  • Junggesellenverein
  • Imkerverein
  • Fischereiverein

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich lebten die Mehrzahl der Bevölkerung von der Milchviehhaltung auf vorhandenen Almflächen. Sie war zusammen mit der Forstwirtschaft die landschaftsprägendste menschliche Nutzung. Durch die Erschließung für den Fremdenverkehr kam eine dritte Einnahmequelle hinzu. Diese nahm immer mehr ab, als das letzte Gasthaus schloss.

Um den Ort für den Fremdenverkehr wieder attraktiver zu machen und um die Dorfgemeinschaft zu stärken, wollen die Altenauer ihr altes Gasthaus mit der Aktion Ein Dorf wird Wirt zu neuem Leben erwecken. Das seit fast 10 Jahren leerstehende Gebäude Zur Post im Ortskern neben Kirche und Schule soll gemeinsam gekauft, renoviert, umgebaut und wieder bewirtschaftet werden. Der Bayerische Rundfunk begleitet diese Aktion.[6]

Nun schlossen sich 2013 zahlreiche Altenauer zu zwei Genossenschaften zusammen. Die Dorfsaal-Genossenschaft besteht aus 126 Altenauern. Sie soll für die Bewirtschaftung, Nutzung und Verwaltung des Saals zuständig sein. Aufgabe der 13 Altenauer in der Objektgenossenschaft wird die Verpachtung der Gaststätte und Wirts-Wohnung werden.[11]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 23 von Peiting nach Garmisch-Partenkirchen führt am Ort vorbei.

Durch die Haltestelle am Bahnhof ist Altenau an das Schienennetz angebunden. Die eingleisige Ammergaubahn zweigt in Murnau am Staffelsee von der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen ab. Sie verkehrt im Stundentakt zwischen Murnau und Oberammergau.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen: Ein Kindergarten ist im Ort vorhanden.

Die Grundschule Altenau/Saulgrub gibt es seit 1969/70. Sie wird besucht von den Kindern aus Altenau, Saulgrub, Wurmansau und Unternogg. Die Mittelschule für Altenauer Schüler liegt in Bad Kohlgrub.

Andere weiterführende Schulen befinden sich in Ettal, Garmisch–Partenkirchen und Murnau.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Vermessung und Geoinformation und Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Gemeindeteiledatei Bayern mit Gauß-Krüger-Koordinaten - Geobasisdaten. 2009.
  2. a b Heinfried Barton: Die Ammergauer Alpen. 2. Auflage. Frankh’sche Verlagshandlung W. Keller & Co., Stuttgart 1989, ISBN 3-440-04817-9.
  3. Geschichte der Gemeinde Oberammergau - Eine Chronik. Historischer Verein Oberammergau, abgerufen am 14. April 2013.
  4. Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon Fränkischer Ortsnamen. C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0.
  5. Bernhard Zöpf: Über die römische Heerstraße von Partenkirchen (Parthanum) über Ammergau, Schongau und Epfach (Avodiacum) nach Augsburg (Augusta Vindelicorum). Bavar. 4088,1. Dr. C. Wolf & Sohn, München 1855 (online auf: bavarica.digitale-sammlungen.de [abgerufen am 18. Juli 2013]).
  6. a b Ein Dorf wird Wirt! Das Dorf Altenau im Ammertal. Bayernmagazin BR Bayern1, 10. April 2013, abgerufen am 13. April 2013.
  7. a b c d e f Gemeinde Saulgrub. Saulgrub - Altenau - Wurmansau. Gemeinde Saulgrub, abgerufen am 22. April 2013.
  8. a b Kraftwerk Kammerl. 10. Dezember 2011, abgerufen am 22. April 2013.
  9. Ammergauer Alpen. Archiviert vom Original am 5. Mai 2013; abgerufen am 29. April 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ammergauer-alpen.de
  10. Gemeinde Saulgrub. Saulgrub - Altenau - Wurmansau. Gemeinde Saulgrub, abgerufen am 29. April 2013.
  11. Ein Dorf wird Wirt: Die Altenauer gründen Genossenschaften. merkur-online.de, abgerufen am 7. Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Altenau (Saulgrub) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Altenau im Panoport Reiseführer www.ammergau.de