Altenbergen (Leinatal)

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50.83777777777810.624722222222429Koordinaten: 50° 50′ 16″ N, 10° 37′ 29″ O

Altenbergen
Gemeinde Leinatal
Höhe: 429 m ü. NN
Postleitzahl: 99894
Vorwahl: 036253
Kirche in Altenbergen
Lageplan des Anwesens am St.-Georgsberg[1] (Lage→50.82965277777810.624619444444)

Altenbergen ist ein Ortsteil der Gemeinde Leinatal im Landkreis Gotha in Thüringen.

Lage[Bearbeiten]

Das Dorf liegt am Nordrand des Thüringer Waldes südwestlich von Catterfeld etwa 15 Kilometer von Gotha entfernt. Die Bundesstraße 88 tangiert den Ort von Crawinkel kommend nach Eisenach führend. Weiter nördlich verläuft die Bundesautobahn 4.

Geschichte[Bearbeiten]

Candelaber bei Altenbergen

Der Chronist Johannes Rothe schrieb in seiner um 1430 entstandenen "Düringischen Chronik", dass auf dem Alteberg oberhalb des heutigen Dorfes Altenbergen im Jahr 724 von dem Missionar Winfried Bonifatius die erste Taufkirche Thüringens, die Johanniskirche, gegründet worden sei. Zeitnahe Belege, die diese Aussage untermauern, fehlen, obwohl das Leben des Bonifatius ausführlich überliefert ist. Was sich im frühen 8. Jh. wirklich auf dem Alte- oder Johannisberg ereignet hat, können wir demzufolge nicht mit Sicherheit sagen - nur vermuten! Sicher ist, dass um das Jahr 1039 Ludwig mit dem Barte nach Altenbergen kam und auf dem Alteberg in der durch ihn erweiterten oder durch ihn neu gegründeten Johanniskirche 1042 seinen Sohn (Ludwig der Springer, Erbauer der Wartburg)taufen ließ. Ludwig mit dem Barte ist der Stammvater der Thüringer Landgrafen, der Ludowinger. Die Entwicklung und der Machtausbau dieses bedeutenden Adelsgeschlechtes ging von dem Alteberg und dem kleinen Ort Altenbergen aus. Auf dem Alteberg soll Ludwig mit dem Barte einen Herrenhof bewohnt haben, bevor er bei Friedrichroda die Schauenburg erbauen ließ. Die Ersterwähnungsurkunde Altenbergens aus dem Jahr 1141 belegt, dass das Altenberger Johanniskirchen-Kirchspiel bereits 100 jahre vorher existierte, also um die Zeit, als der Stammvater der Ludowinger nach Altenbergen kam. Folglich blickt die Pfarrei Altenbergen, die sich heute aus den Dörfern Altenbergen, Catterfeld, Finsterbergen und Engelsbach zusammensetzt, auf eine zumindest fast tausendjährige Geschichte zurück.

Als dann im Jahr 1712 die direkt im Ort liegende Immanuelkirche eingeweiht wurde, verfiel die alte Johanniskirche oben auf dem Berg, bis ihre Reste 1770 ganz beseitigt wurden. Um das Andenken an diese geschichtsträchtige und für Thüringen so bedeutende Kirche zu bewahren, wurde 1811 das Denkmal "Candelaber" auf dem Alteberg errichtet.

Heute ist dieser Platz des Candelabers ein Ausflugsziel für Geschichts- und Naturliebhaber. Informationstafeln geben Auskunft über den geschichtlichen Werdegang der Johanniskirche, über die Ludowinger und über den Bau des Candelabers.

Auf dem Georgsberg soll eine Befestigungsanlage der Grafen von Kevernburg-Schwarzburg gestanden haben. Vorfahr war wohl der Adlige Asulf, der 722 vom Papst wegen seines christlichen Glaubens gelobt wurde. Die Stelle wird Asolveroth genannt. Um 1140 verlegten die Adligen den Sitz auf die Käfernburg bei Arnstadt und nannten sich nach dem neuen Sitz. Die Anlage auf dem Georgsberg wurde ein Kloster, das später nach Georgenthal umsiedelte.[2]

Otto Dobenecker nennt 1142–1153 als Angabe der frühesten urkundlichen Erwähnung.[3] Ab der Rodungszeit war Forstarbeit die wichtigste Erwerbsquelle der Bevölkerung, später auch Heimarbeit in der Spielzeugherstellung und ab der Industrialisierung die Arbeit in den Fabriken der umliegenden Orte.

Der Ort gehörte bis zur Auflösung des Klosters Reinhardsbrunn im Jahre 1525 zu diesem und kam danach zum landesherrschaftlichen Amt Reinhardsbrunn, welches ab 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und ab 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gehörte. Ab 1920 lag Altenbergen im Land Thüringen.

Candelaber[Bearbeiten]

Ein bekannter Einwohner Altenbergens war Nicolaus Brückner (1756–1808). Brückner war Holzfäller der herzoglichen Forstverwaltung und ab 1780 mit Martha Catharina Ortlepp aus demselben Ort verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. In Anbetracht des zunehmenden Verfalls der Johanniskirche auf dem Georgsberg, deren Bau auf Bonifatius zurückgeht, vermachte er in seinem Testament der Gemeinde 20 Gulden mit dem Wunsch, man möge einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Johanniskirche an ihrem ehemaligen Standort aufstellen. Er gilt somit als Begründer des „Candelaber“-Baus, eines touristischen Ziels zwischen Catterfeld und dem Campingplatz Paulfeld an der Stelle der früheren Johanniskirche.[4] Der Candelaber wurde im Jahre 1811 erbaut und eingeweiht. [5]

Kloster St. Gabriel der Antiochenisch Syrisch-Orthodoxen Kirche[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2012 begann in Altenbergen der Aufbau des Mutterhauses der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Mitteldeutschland. Der Gebäudekomplex eines ehemaligen Betriebsferienlagers am Ortsrand wurde für diesen Zweck erworben (Lage→50.8379910.62092). Der Leiter des Klosters, Metropolit Severius, betonte in einem Interview, die zentrale Lage der Region Gotha in Deutschland war für die Standortwahl wichtig.[6] Von hier aus lenkt der Metropolit eine Kirchenprovinz mit rund 15.000 Christen in Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, der Schweiz und an der Westküste der USA.

Campingplatz Paulfeld[Bearbeiten]

Blick über einen der beiden Campingplatz-eigenen Badeseen

Unweit von Altenbergen, zu erreichen nach 3 km ab der Kreuzung der B88 mit Hauptstraße – hier ist die Wasserscheide Weser-Elbe –, findet man den Campingplatz Paulfeld. Dier ersten Camper zelteten hier 1967 auf dem „Feld von Paul“. Der Platz verfügt heute auf 70.000 m² über 280 Stellplätze für Zelte, Wohnmobile oder Wohnwagengespanne mit jeweils ca. 60–100 m². Der Platz wird von einer kommunalen GmbH betrieben. Dem Besucher werden neben den notwendigen Einrichtungen eine Gaststätte sowie zwei Badeseen angeboten.[7] (Lage→50.82502777777810.607777777778)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Candelaber auf dem Georgsberg
  • Eine Infotafel an der Ausgrabungsstätte am St.-Georgsberg berichtet unter der grafischen Darstellung der Grundmauern eines Gebäudes folgendes:
Auf diesem 70 a großen Wiesenplateau entdeckten am 21. November 1962 der Lehrer Roland Scharff und der Georgenthaler Bürger Paul Lesser Mauerzüge dieses oben dargestellten Gebäudekomplexes (vgl. „Alt.-Thür.“, Bd. 7, 1965).

In den Sommermonaten der Jahre 1963 und 1964 legten Schüler der AG „Junge Historiker“ mit Unterstützung der Fachleute des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens und des Instituts für Denkmalpflege Erfurt einen 31 m langen und 150 m breiten Suchschnitt an, der teilweise 1,50 m Tiefe erreichte.

Umfangreiche Forschungen ergaben, dass auf diesem St. Georgsberg der Vorläufer des späteren Zisterzienserklosters Georgenthal stand. Nach der Originalurkunde vom 20. März des Jahres 1141 hieß diese Erstgründung Asolveroth. Diese Bezeichnung verweist auf jenen Erstgenannten Asolf, der am 1. Dezember des Jahres 722 in einem Bonifatiusbrief als Erster genannt wurde und hier wohl seine Burg hatte.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausschnitt aus der Infotafel am Ausgrabungsgelände
  2. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 79.
  3.  Otto Dobenecker (Bearb. und Hg.): Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae (1152–1210). Bd.2 Teil 1, Fischer, Jena 1898. Nr 54.
  4. Infotafel in Altenbergen
  5. www.hoerselberggemeinde.de Der Kandelaber bei Altenbergen
  6. Jeder Interessierte wird herzlich aufgenommen. (Nicht mehr online verfügbar.) Mitteldeutscher Rundfunk, 21. April 2012, ehemals im Original, abgerufen am 22. April 2012 (Bericht im Thüringen Journal vom 21. April 2012). (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.mdr.de
  7. Prospekt der Betreibergesellschaft
  8. Private Website von Roland Scharff über Asolveroth

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altenbergen (Leinatal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien