Altenburg bei Brugg

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Altenburg bei Brugg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Gemeinde: Bruggi2w1
Postleitzahl: 5200
Koordinaten: 657359 / 25908147.488.1996347Koordinaten: 47° 28′ 48″ N, 8° 11′ 59″ O; CH1903: 657359 / 259081
Höhe: 347 m ü. M.
Altenburg

Altenburg

Karte
Altenburg bei Brugg (Schweiz)
Altenburg bei Brugg
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1901

Altenburg ist ein Stadtteil von Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Bis zur Zwangsfusion im Jahr 1901 durch den Grossen Rat war es eine selbstständige politische Gemeinde.

Vom Ortsbild her ist Altenburg heute noch als Dorf erkennbar, wenngleich die Bebauung lückenlos in jene der Stadt Brugg übergeht. Das Gemeindegebiet war mit einer Fläche von 187 ha relativ klein. Es erstreckte sich über eine Länge von über 3,5 km der Aare entlang, war aber durchschnittlich nur etwa 300 Meter breit; das Dorf selbst lag im äussersten Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Um das Jahr 370 n. Chr., möglicherweise bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts, errichteten die Römer ein Kastell. Es entstand auf einem steilen Felskopf an der Flussbiegung und war Teil des Donau-Iller-Rhein-Limes. Allerdings lassen einige Münzfunde darauf schliessen, dass das Kastell möglicherweise bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts erbaut worden war. Zwischen 401 und 406 gaben die Römer das Bauwerk wieder auf.

Im späten 10. Jahrhundert liess sich in Altenburg ein Adelsgeschlecht nieder, welches möglicherweise von den elsässischen Etichonen abstammte. Graf Lanzelin liess das Kastell zum Schlösschen Altenburg ausbauen. Um 1020 ordnete Lanzelins Sohn Radbot den Bau der Habsburg auf dem drei Kilometer südwestlich gelegenen Wülpelsberg an. Einige Jahrzehnte später nahm das Geschlecht den Namen dieser Burg an. Somit ist Altenburg die erste nachweisbare Residenz der Habsburger.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1764 125
1850 191
1870 216
1888 162
1900 293

Die erste urkundliche Erwähnung von Altinburch erfolgte im Jahr 1254. In dieser Urkunde übergibt Gertrud von Regensberg mit Zustimmung ihrer Söhne Gotfrid, Rudolf, Otto und Eberhard ihren Besitz in Altenburg, Obernburg, Hausen, Birrhard und Birrenlauf (heute Schinznach-Bad) der Deutschordenskommende in Beuggen.[1] Da zu diesem Zeitpunkt ihr Ehemann Rudolf der Schweigsame bereits verstorben war, lässt sich nicht bestimmen, ob es sich dabei tatsächlich um regensbergischen Besitz gehandelt hat oder ob dieser durch Erbschaft ihres Gatten an sie gegangen war.

Im Mittelalter gehörte das Dorf zum Eigenamt, dem ältesten Besitz der Grafen von Habsburg. 1397 übertrugen diese die Grund- und Gerichtsherrschaft an das Kloster Königsfelden in Windisch. 1415 wurde das Eigenamt ein Untertanengebiet der Stadt Bern und lag damit im so genannten Berner Aargau. Nach Einführung der Reformation im Jahr 1528 erfolgte die Säkularisierung des Klosters. Bern wandelte das Eigenamt in die Landvogtei Königsfelden um und übte nun sämtliche Rechte aus. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Altenburg gehört seither zum Kanton Aargau.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Altenburg eine fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde, die Heimarbeit für die Textilindustrie sorgte für einen bescheidenen Zusatzverdienst. Der Bau der 1875 eröffneten Bözberglinie hatte weitreichende Folgen: Die Eisenbahnbrücke über die Aare nach Umiken prägt das Ortsbild bis heute. Die ursprüngliche Eisenkonstruktion wurde zweimal erneuert und 1995 durch eine moderne Betonbrücke ersetzt. Der Bahndamm zur Brücke schnitt ein grösseres Gebiet vom Rest der Gemeinde ab. Nachdem 1892 an der Grenze zu Brugg ein Elektrizitätswerk eröffnet worden war, entstand zwei Jahre später auf Altenburger Boden ein Zulaufkanal.

Zwischen 1898 und 1901 wurden im Kanton Aargau zwölf kleine Gemeinden gegen ihren Willen aufgelöst, da sie wirtschaftlich nicht überlebensfähig schienen und die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben nicht erfüllen konnten. Davon war auch Altenburg betroffen. Obwohl die Gemeindeversammlung sich mit 42 zu 2 Stimmen dagegen aussprach, wurde die Eingemeindung am 1. Januar 1901 gemäss Beschluss des Grossen Rates vollzogen. Brugg konnte dadurch das Stadtgebiet auf das Doppelte erweitern. Heute ist der nördliche Teil der einstigen Gemeinde mit Wohngebieten überbaut. Im Süden entstand im Gebiet Wildischachen eine weitläufige Industriezone. 1937 wurde das Schwimmbad erbaut, 1982 folgte das Hallenbad.

Literatur[Bearbeiten]

  • Victorine von Gonzenbach: Altenburg, Aargau, Switzerland. In: Richard Stillwell et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Pro Vindonissa: Jahresbericht der Gesellschaft 2003, Artikel von Darko Milosavljevic.
  • Neujahrsblätter der Stadt Brugg, 1942.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ZGORh. Bd. 28, S. 115