Altenhof (Essen)

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Siedlung Altenhof I, Gußmannplatz mit Standbild eines Gießereiarbeiters, 2007

Die Siedlung Altenhof besteht aus den beiden Bauabschnitten der Siedlung Altenhof I, welche zwischen 1893 und 1907 errichtet wurde, und der Siedlung Altenhof II aus den Jahren 1907 bis 1914. Altenhof I liegt im Essener Stadtteil Rüttenscheid. Altenhof II in Essen-Stadtwald. Beide wurden von der Friedrich Krupp AG für ihre ehemaligen Angestellten errichtet. Zur damaligen Zeit war das ein revolutionäres soziales Engagement, dass hier Alte, Invaliden und Alleinstehende mietfrei wohnen durften. Heute ist die Siedlung Altenhof ein Zeugnis historischer Siedlungsentwicklung und gehört damit zur Route der Industriekultur.

Altenhof I[Bearbeiten]

Altenhof I (Hundackerweg), zwei Doppelhäuser und ein einzelnes sind noch vorhanden

1892 enthüllten Werksangehörige ein Denkmal für Alfred Krupp, das der Münchner Bildhauer Alois Mayer (1855–1936) geschaffen hatte. Es befand sich vor der Werkshalle, die heute das Colosseum Theater bildet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Statue Alfred Krupps durch Fliegerbomben vom Denkmalsockel gestürzt, auf dem sein Leitgedanke geschrieben stand, den er 1873 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums seiner Besitzübernahme der Gussstahlfabrik von seiner Mutter Therese niederschrieb:

„Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.“

Als Dank für das Denkmal ließ Sohn Friedrich Alfred Krupp die Siedlung Altenhof erbauen. Seine damals revolutionäre Absicht war es, 607 Wohnungen zum Wohle ehemaliger Beschäftigter zu errichten, in denen sie kostenlos einen angenehmen Lebensabend verbringen konnten. Die Arbeiten fanden von 1893 bis 1896 und von 1899 bis 1907 statt. Sie wurden auch nach dem Tode des Stifters 1902 weiter fortgeführt. Der Leiter des Kruppschen Baubüros, Robert Schmohl, entwarf die Häuser der Siedlung im Cottagestil mit Verzierungen und Erkern, um den damals grauen Alltag in den Hintergrund zu drängen. Dazu diente auch der angrenzende Kruppsche Waldpark im Osten der Siedlung; heute zwischen dem Alfried Krupp Krankenhaus und der Bundesautobahn 52 gelegen.

Bis auf fünf Häuser am Hundackerweg, davon je zwei als Doppelhaus errichtet,[1] fielen weite Teile der Siedlung Altenhof I in den 1980er Jahren dem Neubau des heute renommierten Alfried Krupp Krankenhauses zum Opfer.

Zudem sind nördlich vier Pfründnerhäuser aus den Jahren 1900 bis 1901 erhalten.[2]

Die restlichen Überbleibsel dieser Siedlung befinden sich am Hundackerweg und am Gußmannplatz. Letzterer wurde zwischen 1900 und 1905 errichtet. Dieser Platz ist im Norden und Süden symmetrisch mit je einer 1-1/2-geschossigen Häuserreihe begrenzt. Seine Mittelachse war damit auf die ehemals östlich gelegene evangelische Kirche ausgerichtet. Auch das Haus Nr. 24 im Osten des Platzes existiert heute nicht mehr. So bildete der Gußmannplatz einst von Westen, also von der Rüttenscheider Straße her, als geschlossener Vorhof den Eingangsbereich in den Altenhof.[3]

Kapellen[Bearbeiten]

Die heute überkonfessionelle Krankenhauskapelle aus dem Jahre 1900 ist die ehemalige katholische Kapelle des Altenhofs. Ab 1899 errichtet, wurde sie am 25. Oktober 1900 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria eingeweiht. Sie wurde einschiffig mit östlichem Rundchor als Altarraum ausgeführt.[4] Nach teilweiser Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1952 verändert wieder aufgebaut.

Westlich der Mittelachse des Gußmannplatzes befand sich die evangelische Kapelle, die dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.

Altenhof II[Bearbeiten]

Altenhof II, 2007 (Eichenstraße)

Die Siedlung Altenhof II war die Fortführung des Grundgedankens von Friedrich Alfred Krupp. Sie war durch den Kruppschen Waldpark vom Altenhof I getrennt und befindet sich in ausgeprägter Hanglage. Von 1907 bis etwa 1914 entstanden im ersten Bauabschnitt schön angelegte und abwechslungsreich gestaltete Steinhäuser. Robert Schmohl aus dem Kruppschen Baubüro war architektonisch federführend und griff die englische Gartenstadtbewegung in schlichterer Form als Vorbild auf.

In einem weiteren Bauabschnitt kamen 1929 einige zweigeschossige Mehrfamilienhäuser in der Hans-Niemeyer-Straße dazu. Architektonisch gehören sie in die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Im dritten und letzten Bauabschnitt des Altenhof II kam ab 1937 der abwechslungsreichere, Altenhof-Heide genannte, Siedlungsteil südlich der Verreshöhe hinzu. Hier gleicht in einem nicht gegliederten Straßenraum kaum ein Haus dem anderen.

Bis heute ist die gesamte Siedlung Altenhof II im Wesentlichen erhalten und nicht mehr nur von ehemaligen Kruppianern gegen Mietzahlung bewohnt. Getragen wird sie von einer Kruppschen Immobiliengesellschaft. Die komplette Siedlung steht unter Denkmalschutz, dazu gehören die bauliche Substanz, das Erscheinungsbild der Häuser und die Flurstücke der Straßen und Freiflächen. Trotzdem sind vereinzelte jüngere Gebäude nicht unter Schutz gestellt. Anfang des Jahres 2007 wurden gegen den Willen der meisten Bewohner die historischen Gaslaternen durch eine moderne Straßenbeleuchtung im Stil der historischen Gaslaternen ersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altenhof Essen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hundackerweg: Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen (PDF; 989 kB); zuletzt gesichtet am 27. Januar 2012
  2. Pfründnerhäuser: Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen (PDF; 512 kB); zuletzt gesichtet am 27. Januar 2012
  3. Gußmannplatz: Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen (PDF; 499 kB); zuletzt gesichtet am 27. Januar 2012
  4. Kapelle: Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen (PDF; 390 kB); zuletzt gesichtet am 27. Januar 2012

51.426057.00679Koordinaten: 51° 25′ 34″ N, 7° 0′ 24″ O