Altstadt (Hachenburg)

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Altstadt
Koordinaten: 50° 39′ 23″ N, 7° 48′ 40″ O
Höhe: 335 m ü. NN
Einwohner: 912 (30. Jun. 2011)[1]
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 57627
Vorwahl: 02662
Altstadt (Rheinland-Pfalz)
Altstadt

Lage von Altstadt in Rheinland-Pfalz

Altstadt Hachenburg, im Hintergrund die Pfarrkirche

Altstadt (früher Hachinberg) war eine ehemals selbständige Gemeinde im Westerwald und ist heute Stadtteil der rheinland-pfälzischen Stadt Hachenburg im Westerwaldkreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altstadt liegt am südwestlichen Stadtrand von Hachenburg. Höchste Erhebung und Aussichtspunkt ist der Hebeberg mit 379,3 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Hachinberg (= ein von Gestrüpp, Gebüsch umhegter Berg) lag im etwa 1,5 km vom heutigen Hachenburger Schloss entfernten, 100 Meter tiefer liegenden Tal des Rothbaches. Hachinburg war schon im Mittelalter vor der Besiedlung um die Burg Hachenburg entstanden und scheint ein bedeutender Rastplatz zwischen den beiden frühkarolingischen Straßensicherungen Altenkirchen und Neukirch gewesen zu sein. Am Ende des 12. Jahrhunderts haben die Grafen von Sayn zum Schutz dieser Straße und zur Sicherung der Ostgrenze ihres Herrschaftsgebietes eine Burg errichtet. Als die Burg im Jahr 1222 mit der unter ihr entstandenen Stadt den Namen „Hachinburg“ annahm, wurde das alte Hachinberg durch die Bezeichnung „Altstadt“ davon unterschieden. Als Ludwig IV. 1314 die Stadtrechte verlieh[2] und die Grafen diese Burg bald zu ihrer Residenz und zum Verwaltungssitz der Grafschaft gemacht hatten, überflügelte die Stadt allmählich die Altstadt. Der Ortsteil Altstadt wurde erstmals 1343 als Alderstadt urkundlich erwähnt.

Vom Hof Bellen im Kirchspiel Altstadt stammte die Familie Bell, die 1455 erstmals auftrat und 1645 ausstarb. Von ihr ging der Zehnte, den sie in Hahn besaß, an Sayn über.

Altstadt war - wie Kroppach, Alpenrod und Hachenburg - eines der vier altsaynischen Kirchspiele des zur kölnischen Diözese gehörenden Auelgaues.[3] Politisch gehörte Altstadt später zum saynischen Amt Hachenburg. Die dem hl. Bartholomäus geweihte Kirche, zu deren Sprengel bis 1654 auch Hachenburg gehörte, scheint noch 1221 eine Kapelle von Altenkirchen gewesen zu sein, das unter dem Cassius-Stift in Bonn stand. Die Einwohner wurden nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn erst lutherisch und später reformiert.[4] Nach der Landesteilung der Grafschaft Sayn im 17. Jahrhundert gehörte Altstadt zur Grafschaft Sayn-Hachenburg.

Die Kirche, die bis 1656 auch Pfarrkirche von Hachenburg war, ist eine einfache flachgedeckte, spätromanische und dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei halbrunden Apsiden, welche sich an die überwölbte Vierungskuppel und an die Kreuzflügel anschließen. Sie erinnert an ähnliche Bauten der Region, wie die Evangelische Kirche Birnbach und Flammersfeld.

Altstadt wurde am 7. Juni 1969 in die Stadt Hachenburg eingemeindet.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den heute noch erhaltenen Sehenswürdigkeiten in Altstadt gehören

  • die evangelische Kirche St. Bartolomäus (1241),
  • das evangelische Pfarrhaus (1594 auf den Grundmauern des ersten Pfarrhauses errichtet),
  • Ehemalige Knochen- und Sägemühle am östlichen Ortsrand von Altstadt (1821) bis 1950 in Betrieb,
  • Alte Eiche (Naturdenkmal) am südwestlichen Stadtausgang Richtung Höchstenbach mit Alter von etwa 220 Jahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Heyn: Der Westerwald. 1893. Niederwalluf, Martin Sändig, Reprint 1970.
  • Wilhelm Söhngen: Geschichte der Stadt Hachenburg. Zugleich Festschrift zur Sechshundertjahrfeier der Stadt. Neudruck der Ausgabe von 1914, Wiesbaden 1973.
  • Hermann-Josef Roth: Der Westerwald. Köln, DuMont, 1981.
  • Landschaftsmuseum Westerwald (Hrsg.): Westerwälder Beiträge 1 – Naturkundliche und kulturhistorische Denkmäler im Westerwald: Kroppacher Schweiz und Hachenburg. Hachenburg 1981.
  • Stadtverwaltung Hachenburg (Hrsg.): Hachenburg im Westerwald in Geschichte und Gegenwart. Hachenburg 1985.
  • Stefan Grathoff: Geschichte der Stadt Hachenburg. Hachenburg 2011. ISBN 978-3-00-036381-8.
  • Marcel Oeben/Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung an Altenkirchen, Hachenburg und Weltersburg. Mit Edition der Urkunde von 1314, in: Nassauische Annalen 125 (2014), S. 53–65.
  • Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung an Altenkirchen, Hachenburg und Weltersburg 1314 im Rahmen der Reichspolitik, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald) 57 (2014), S. 103–110.
  • Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
  • Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 41 (2015), S. 33–49.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile
  2. Abbildung der Stadtrechtsurkunde und quellenkritische Edition bei Marcel Oeben/Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung an Altenkirchen, Hachenburg und Weltersburg. Mit Edition der Urkunde von 1314, S. 53–65. Zum geschichtlichen Hintergrund der Stadtrechtsverleihung siehe Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung 1314 im Rahmen der Reichspolitik, S. 103–110 und Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter, S. 33–49.
  3. Zur konfessionellen Entwicklung vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80.
  4. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80.
  5. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 178 (PDF; 2,6 MB)