Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof

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Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem

Stadtansicht Regensburg.JPG
Ansicht der Steinernen Brücke, des Brücktors und des Doms
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iii, iv
Referenz-Nr.: 1155
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2006  (Sitzung 30)

Im Jahr 2006 wurde das denkmalgeschützte Ensemble Altstadt Regensburg mit Stadtamhof zum UNESCO-Welterbe erhoben. Der mittelalterliche Gebäudebestand von Regensburg und die zugehörige Stadtarchitektur sind noch weitgehend erhalten. Das ist ein gewichtiger Grund dafür, dass die Stadt Regensburg noch heute ihre Doppelrolle als mittelalterliches Handelszentrum und als frühneuzeitliches Zentrum europäischer Diplomaten, die in der Stadt von 1663 bis 1803 auf dem Immerwährenden Reichstag eine europäische Politik mit Einfluss auf den gesamten Raum nördlich der Alpen vertraten, noch heute erkennbar widerspiegelt. Somit ist die Altstadt von Regensburg zusammen mit dem über die Steinerne Brücke an die Altstadt angeschlossenen ehemals bayerischen, nicht zur Stadt gehörigen und erst spät eingemeindeten Stadtteil Stadtamhof, ein außergewöhnliches Zeugnis kultureller Traditionen und Brüche im Heiligen Römischen Reich, deren Entwicklungsstufen und Abfolge in weltlichen und kirchlichen Bauwerken gut erhalten und erkennbar sind.[1][2]

Die folgende Übersicht gibt Einblick in die 2000 jährige Geschichte der Stadt Regensburg und betont dabei die Baugeschichte. Sie führt die Stadtentwicklung vor Augen, die von den römischen Anfängen im 2. Jahrhundert über die Zeit der Bajuwaren im 5.–8. Jahrhundert, über die karolingische Zeit im 9. Jahrhundert, bis zur Konsolidierung von Regensburg als Stadt am Beginn des 10. Jahrhunderts durch den Bau der Arnulfinischen Stadtmauer unter Herzog Arnulf I. Danach begann die wirtschaftliche Blütezeit von Regensburg als europaweit agierende Handels- und Bürgerstadt. Das hatte den Bau der Steinernen Brücke zur Folge und die Fortsetzung der Blütezeit mit den Stadterweiterungen und dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauern im 12. und 13. Jahrhundert.

Regensburg mit Brückenkopf Stadtamhof (1695)

Der wirtschaftliche Niedergang der Stadt begann im 14. Jahrhundert, führte zur vorübergehenden Übernahme durch den bayerischen Herzog, zur Vertreibung der Juden und zur Auslösung und Stützung der Stadt durch den Kaiser im 15. und 16. Jahrhundert. Die Wahl von Regensburg als Standort für den Immerwährenden Reichstag stützte die wirtschaftlichen Konsolidierung der Stadt und stärkte ihre politische Stellung gegenüber dem bayerischen Herzog, dem es im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges nicht gelungen war, die Stadt unter seinen Einfluss zu bringen. Nach dem Zusammenbruch des Reichs am Beginn des 19. Jahrhunderts begann erneut ein Niedergang der Stadt, die zunächst in der Dalbergzeit in eine isolierenden Sonderstellung geriet und in den Koalitionskriegen sogar teilweise und Stadtamhof völlig zerstört wurde. Die Übersicht zeigt, wie es möglich wurde, dass nach der folgenden mühsamen Eingliederung der protestantisch geprägten ehemaligen Reichsstadt in das katholisch geprägte Königreich Bayern und der nur langsamen wirtschaftlichen Entwicklung, dann doch am Beginn des 21. Jahrhunderts die Ernennung der Stadt zum UNESCO-Welterbe werden konnte. Die zeitweise Armut der Stadt, ihre isolierte Lage in der Provinz und die nur langsam erfolgende industrielle und wirtschaftliche Entwicklung trugen genauso zur Erhaltung des denkmalgeschützten Ensembles bei, wie die glücklicherweise nicht erfolgte großflächige Zerstörungen im Laufe des 2. Weltkriegs. Nach dem Krieg kam es wie in anderen Städten auch in Regensburg zu Verlusten im Denkmalbestand und zu bedrohlichen Entwicklungen im innerstädtischen Verkehr. In den 1960er Jahren wuchs jedoch in der Bevölkerung, initiiert durch Bürgervereine wie die Altstadtfreunde Regensburg ein neues Bewusstsein für Denkmalschutz und Denkmalpflege, mit dem das Regensburger und Stadtamhofer Kulturerbe vor verhängnisvollen negativen Eingriffen bewahrt werden konnte. Die parallel dazu erfolgende Gründung der Universität Regensburg konnte diesen Prozess fachlich begleiten und personell unterstützen, allein schon durch den enormen Zuzug von Personal und Studierenden, die den Denkmalbestand in der Altstadt kennen lernten oder sogar dort Unterkunft fanden.

Vom römischen Legionslager zur bayerischen Hauptstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan des Legionslagers, eingefügt in den Grundriss der Altstadt
Porta Praetoria in Regensburg

Geschichte und Baugeschichte im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Regensburgs begann weit vor unserer Zeitrechnung. Seit der Ausdehnung des Römischen Reichs war die römische Gründung fast zwei Jahrtausende lang von prägender Bedeutung für den bayrischen Donauraum. Die Römer erkannten die topographische Besonderheit der Lage am nördlichen Donaubogen und bauten hier ein besonders gut befestigtes Legionslager. Im Straßengrundriss der Altstadt und in vielen Bauresten zeigt sich heute noch die Lage des Legionslagers.

  • Schon in der Steinzeit wurde der Regensburger Donaubogen besiedelt, denn in der Nähe des nördlichsten Donauteils münden die Flüsse Altmühl, Naab und Regen, die von Norden her einmünden. Als ältester Name einer vorgeschichtlichen Ansiedlung ist der keltische Name Radasbona überliefert.
  • Gegen 90 n. Chr.: Nach der Ausdehnung des römischen Reichs bis zur Donau Errichtung eines römischen Kohorten-Kastells im Bereich des heutigen Stadtteils Kumpfmühl.
  • 179 n. Chr.: Eigentliche Gründung der Stadt als römisches Legionslager Castra Regina (Lager am Regen) der III. Italischen Legion in der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel, nachgewiesen durch eine steinerne Platte mit Bauinschrift, ausgestellt im Stadtmuseum. Überreste von Bauten aus römischer Zeit, wie die Porta Praetoria in der Gasse Unter den Schwibbögen und ein 60 m langer Abschnitt der Römermauer in der Altstadt am Dachauplatz sowie am Ernst-Reuter-Platz sind erhalten, konserviert und heute auch zugänglich. In den folgend±en Jahrhunderten bildeten sich besonders westlich des Legionslagers Vorortsiedlungen und im weiteren Umfeld des Legionslagers auch Landgüter.
  • 6. Jahrhundert n. Chr.: Nach dem Ende der Römerherrschaft wurde Castra Regina als Reganespurc Herzogsresidenz der Agilolfinger und erste bayerische Hauptstadt. Die starken Mauern des Legionslagers boten sich als Schutz für die Stammesherzöge der Agilolfinger an, die ihre Residenz im nordöstlichen Teilbereich des Legionslagers errichteten.
  • 739 n. Chr.: Der hl. Bonifatius stiftete das Bistum Regensburg. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand das Kloster St Emmeram. Regensburg wurde Bischofssitz und zog weitere Klöster und Stifte an, die sich hier niederließen, wie z. B. das Stift Niedermünster und das Stift zur Alten Kapelle.
  • 10. Jahrhundert: Unter dem bayerischen Herzog Arnulf I. erfolgte die Stadterweiterung nach Westen: Abbruch der westlichen Mauer des Römerlagers und Bau der Arnulfinischen Stadtmauer unter Einbezug von Kloster St. Emmeram.

Wirtschaftliche Blütezeit und Aufstieg zur Reichsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steinerne Brücke
Sitz des Immerwährenden Reichstags im Alten Rathaus

Diese hochmittelalterliche Epoche der Stauferzeit war die Blütezeit der Stadt, die sich damals zur einzigen „Großstadt“ im altbayerischen Raum entwickelte.

  • 11. und 12. Jahrhundert: Durch einen florierenden Fernhandel, bis nach Paris, Venedig und Kiew erlebte Regensburg eine wirtschaftliche Blüte und wurde eine der wohlhabendsten und einwohnerstärksten Städte im Reich. Dreimal sammelte sich in diesen Jahren ein Kreuzfahrerheer in Regensburg zum Zug ins Heilige Land.
  • 12. Jahrhundert: Der Bau der Steinernen Brücke von 1135 bis 1146, mit der die Altstadt von Regensburg mit dem 1050 erstmalig urkundlich erwähnten Ort Stadtamhof verbunden wurde, krönte die Zeit der wirtschaftlichen Blüte. Die Brücke war Ausdruck der Bedeutung und des Reichtums der Bürgerschaft und wurde als „mittelalterliches Bauwunder“ Vorbild für andere Brückenbauten, wie für die Karlsbrücke in Prag. In dieser Zeit entstanden die ersten romanischen und gotischen Bauten des Mittelalters die heute das Gesicht der Altstadt prägen. 1180 wird Heinrich der Löwe von Kaiser Barbarossa auf einem Reichstag zu Regensburg als Herzog von Bayern abgesetzt und die Wittelsbacher wurden zur Herrscherfamilie Bayerns. Sie konnten aber die Entwicklung von Regensburg zu einer unabhängigen Stadt nicht aufhalten. 1259 gaben sie ihre Residenz am Kornmarkt auf und verließen Regensburg, blieben aber nördlich der Brücke in Stadtamhof präsent, um den so wichtigen Flussübergang kontrollieren zu können. Die Rivalität zwischen den Wittelsbachern und der Reichsstadt bestimmte dann jahrhundertelang die Geschichte Regensburgs.
  • 13. Jahrhundert: Nach dem Bau der Brücke setzte sich die Zeit der wirtschaftlichen Blüte fort. 1245 erhielt Regensburg den Status einer freien Reichsstadt, verliehen von Kaiser Friedrich II. Die Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern und ca. 2.000 Personen, die eine politische Rolle spielten, blieb weiterhin eine Drehscheibe im Ost-West- und im Nord-Süd-Handel. Die Oberhäupter von ca. 60 Familien bildeten das Regensburger Patriziat. Aus ihnen setzte sich die Stadtregierung zusammen, sie waren die Bauherren der heutigen Denkmäler, der Patrizier-Geschlechtertürme und sie waren der Anreiz dafür, dass in dieser Zeit der reichen Patrizier auch die Bettelordenskirchen und -klöster entstanden, wie die Minoritenkirche und die Dominikanerkirche St. Blasius.

Wirtschaftlicher Niedergang, Reformation, Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neupfarrplatz: Standort des ehemaligen Judenviertel. Vor der Neupfarrkirche: Denkmal für die ehemalige Synagoge

Mit dem Anbruch der Neuzeit und dem Zeitalter der Erkundung der Welt waren durch Veränderungen der weltpolitischen Situationen auch die Fernhandelswege in Europa stark betroffen. Das hatte auch Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in den miteinander konkurrierenden Städten des Reiches.

  • 14. Jahrhundert: Regensburg war von der Verlagerung der Handelswege besonders stark betroffen und geriet gegenüber Augsburg, Nürnberg und Wien ins Hintertreffen. Eine europaweite schwere Pestepidemie verstärkte die Handelseinbußen. Den sinkenden Einnahmen standen hohe Kosten gegenüber, denn in dieser Zeit entstanden die Stadtbefestigungsanlagen. In der Stadt forderten Zünfte und Handwerker von den Patriziern die Beteiligung an der Stadtregierung. Es kam zu Aufständen, die von den bayerischen Herzögen der Wittelsbacher im Städtekrieg militärisch genutzt wurden, um Regensburg unter ihren Einfluss zu bringen, was aber nicht gelang.
  • 15. Jahrhundert: Der wirtschaftliche Niedergang von Regensburg setzte sich fort, führte zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und zur Übernahme der Stadt durch den bayerischen Herzog Albrecht IV., der 1486 in Regensburg einzog. Vom Kaiser unter Druck gesetzt, musste der Herzog 1492 die Stadt wieder hergeben und erhielt als Ausgleich die Siedlung „Am Hof“, die zur bayerischen Landstadt Stadtamhof erhoben wurde. Regensburg geriet in die Abhängigkeit vom Kaiser und wurde von einer freien Reichsstadt zu einer Reichsstadt unter Aufsicht von kaiserlichen Kommissaren.
  • 16. Jahrhundert: Als sich die wirtschaftliche Situation von Regensburg nicht verbesserte, folgte eine mehrjährige Phase mit sozialen Unruhen, ausgelöst durch Anhänger des Bayerischen Herzogs. 1514 stellte der Kaiser Regensburg unter eine neue Stadtverfassung, die sog. Regimentsordnung, die bis 1803 Bestand hatte. Die weiterhin angespannte Lage führte 1519 zur Vertreibung der Regensburger Juden und dem Abriss aller Häuser des Judenviertels. Es entstand der Neupfarrplatz zunächst mit einem provisorischen Kirchbau, der später zur heutigen Neupfarrkirche vollendet wurde. 1542 nahm der Rat der Stadt die Evangelische Konfession an und nur Bürger dieser Konfession erhielten das Bürgerrecht. Das bayerische Stadtamhof, blieb überwiegend katholisch.
  • 17 Jahrhundert: In den ersten 14 Jahren des Dreißigjährigen Krieges war Regensburg von militärischen Ereignissen nicht betroffen. Die Stadt wurde im April 1632 von bayerischen Truppen überfallartig besetzt und zu einer Festung ausgebaut. Anlässlich eines Reichstages war der Astronom Johannes Kepler 1630 in der Stadt, um vom Kaiser Geld einzufordern. Er starb und wurde auf dem Petersfriedhof vor den Stadtmauern begraben. Dieser Friedhof wurde 1632 mit allen kunstvollen Denkmälern von bayerischen Besatzungstruppen zerstört. Im November 1633 wurde Regensburg von den Schweden unter Bernhard von Weimar erobert und im Juli 1634 nach mehrmonatiger Belagerung und Beschießung von kaiserlichen und bayerischen Truppen wieder zurückerobert. Bei diesen Kämpfen wurde Stadtamhof völlig zerstört, während in Regensburg nur die Stadtbefestigungsanlagen, die Wehrtürme und die Türme der Steinernen Brücke betroffen waren., die bald wieder hergerichtet wurden. Der Wiederaufbau von Stadtamhof dauerte Jahrzehnte.

Immerwährender Reichstag und Dalbergzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1653: Nach dem Westfälischer Frieden tagte der erste Reichstag in Regensburg und vertagte viele Probleme auf den nächsten Reichstag.
  • 1663: Beginn des folgenden Reichstags, der zum Immerwährenden Reichstag wurde, weil sich die zu lösenden Probleme als dauerhaft herausstellten. Die Reichsstände ließen sich durch ständige Gesandte vertreten, die zum Teil mit Familien in der Stadt lebten und auch ganze Häuser (Gesandtschaften) anmieteten. Wenn protestantische Gesandte verstarben, wurden sie auf dem Gesandtenfriedhof begraben.Katholische Gesandte wurden in verschiedenen Klosterkirchen – häufig in St. Emmeram begraben. Viele der Grabdenkmäler sind erhalten, allein auf dem Gesandtenfriedhof finden sich 20 prunkvolle Epitaphien.
  • 1713: Während der letzten großen Pestepidemie, die ca. 8.000 Tote zur Folge hatte, verließen die Gesandten am Immerwährenden Reichstag mit ihren Bediensteten die Stadt und zogen nach Augsburg. Auf der Donauinsel Unterer Wöhrd wurde ein Areal mit Gebäuden für ein Pestlazarett eingerichtet.
  • 1748: Der kaiserliche Generalpostmeister Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis wurde zum Prinzipalkommissar, dem Stellvertreter des Kaisers beim Reichstag, ernannt. Neben der Unterkunft in den Gebäuden des benachbarten Klosters St. Emmeram wurden für ihn und seine Nachfolger am Emmeramplatz zusätzliche Residenzgebäude errichtet.
  • 1779:Der Nachfolger Karl Anselm von Thurn und Taxis ergriff 1779 die Initiative zur Errichtung einer die Altstadt von Regensburg umfassenden Baumallee nach Entfernung der maroden Befestigungsanlagen vor den Stadtmauern. Die heute Fürst-Anselm-Allee genannte Baumallee wurde in den Folgejahren ausgebaut und bildet heute die Grenze des Weltkulturerbegebietes im Westen, Süden und Osten.
  • 1806: Das Heilige Römische Reich wurde in Regensburg aufgelöst. Als einzigem der geistlichen Kurfürsten wurde dem Kurerzkanzler Dalberg das eigens für ihn neu geschaffene Fürstentum Regensburg übereignet. In seiner kurzen Regierungszeit entstanden durch seinen Hofbaumeister Emanuel Herigoyen viele klassizistische Gebäude, darunter das am Ende des 2. Weltkrieges teilzerstörte Gartenschlösschen Theresens Ruh, das Ende 1945 abgerissen wurde.
  • 1809 Im April wurden Regensburg, die Steinerne Brücke und Stadtamhof zu Orten einer Schlacht im Fünfter Koalitionskrieg. Im Verlauf der Schlacht wurden viele Häuser im südöstlichen Stadtviertel, das Peterstor, das ehemalige Jesuitenkloster und das Klarissenkloster St. Magdalena völlig zerstört. Auch in Stadtamhof wurden fast alle Häuser zerstört. Im Zuge des jahrelangen Wiederaufbaus entstand die heutige Maximilianstraße mit dem südlich abschließenden Maxtor..
  • 1810: Kurerzkanzler Dalberg muss das geistliche Fürstentum Regensburg an das neugebildete Königreich Bayern abtreten. Regensburg wurde Provinzhauptstadt des neu gebildeten bayerischen Regenkreises.

Regensburg als bayerische Provinzstadt, Zeit der Industrialisierung bis 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regensburg im 19. Jahrhundert vor der Fertigstellung des Doms
Die Fürsten von Thurn und Taxis blieben im Schloss St. Emmeram

Die Epoche der Industrialisierung mit den nach 1860 beginnenden Stadterweiterungen und mit den nach Abriss der Stadtmauern neu zu planenden Erschließungen durch neue Straßenführungen war entscheidend für den Erhalt der Baudenkmäler und des gesamten Altstadtensembles von Regensburg. Auftretende Probleme, den Erhalt von Baudenkmälern betreffend wurden vom damaligen Stadtbaumeister Adolf Schmetzer, der unter den Bürgermeistern Oscar von Stobäus, Hermann Geib, Alfons Auer und Otto Geßler für Jahrzehnte im Amt blieb, meist zufriedenstellend gelöst. Viele Baudenkmäler – einschließlich der nach 1900 vom Abriss bedrohten Steinernen Brücke – blieben erhalten. Im südlichen Umfeld des Domes jedoch ging kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wertvoller Baubestand verloren. Insgesamt betrachtet verliefen aber die Entwicklungen in der von katholischen Bauten und Einflüssen und vom bäuerlichen Umland stark geprägten Provinzstadt Regensburg nicht so stürmisch wie in anderen bayerischen Großstädten und wurden in dieser Zeit nicht bestimmt von der Ansiedlung großer Industrieunternehmen, die sich am Stadtrand ansiedelten.

  • 1810 erfolgte der vollständige Abbruch des Nordturms der Steinernen Brücke (Schwarzer Turm) in Stadtamhof einschließlich der vorgelagerten Stadtbefestigungsanlagen des nördlichen Brückenkopfes, die bei den Kämpfen im Vorjahr 1809 schwer zerstört worden waren.[3]
  • 1810 / 1827: Dem Fürstenhaus Thurn und Taxis werden die Gebäude des Klosters Sankt Emmeram übereignet. Es entsteht das Schloss St. Emmeram, das 1827 durch den Bau des Marstalles erweitert wird.
  • 1830 wurden alle Gebäude des im 13. Jahrhundert entstandenen und 1810 aufgelösten Augustinerklosters verkauft und teilweise abgerissen. 1836 wurde auch die zugehörige Augustinerkirche am westlichen Neupfarrplatz wegen Baufälligkeit abgebrochen.
  • 1832–1848 war Gottlieb von Thon-Dittmer Bürgermeister. Als Anhänger einer liberalen Politikausrichtung wurde er Sprecher der protestantischen Opposition in der Kammer der Abgeordneten und 1848 für einige Monate bayerischer Innenminister.
  • 1838: Regensburg wurde Hauptstadt des Kreises Oberpfalz und Regensburg, der im Wesentlichen den Abgrenzungen des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz entspricht.
  • 1854–1856 Bau der Königlichen Villa an der Donau mit Parkanlagen auf dem Gelände der ehemaligen Ostenbastei.
  • 1859–1860: Bau des ersten Regensburg Hauptbahnhofs und Eröffnung der Bahnlinien nach München, Nürnberg (über Amberg) unter Bürgermeister Friedrich Schubarth. Die weitere Stadtentwicklung stagniert.
  • 1859 bis 1869 Ausbau der Domtürme und Vollendung der Turmhelme unter Leitung des Architekten Franz Josef von Denzinger.
  • ab 1868: Unter Bürgermeister Oskar von Stobäus begann der Abriss der Stadtmauern und fast aller Stadttore. Erhalten blieben nur das Ostentor, das Emmeramer Tor und die beiden kleinen Vortürme der Jacobstoranlage, die neugotisch überformt wurden.
  • 1873 wurde die direkte Bahnlinie nach Nürnberg und die Linie nach Ingolstadt eröffnet. 1888/92 Neubau des Bahnhofs 100 m nördlich vom ersten Bahnhof.
  • 1883–1888 erfolgte der Neubau des Südflügels und der Umbau anderer Gebäude von Schloss St. Emmeram im Stil der Neorenaissance unter Leitung des fürstlichen Baumeister Max Schultze zur heutigen Schlossanlage.
  • 1893/5 wurden drei mittelalterliche Gebäude, im Osten der Südseite der Domstraße abgebrochen: der Salzburger Hof, der Dompfarrhof und die Alte Post. Abgebrochen wurde auch der Turm der nördlich gegenüber liegenden Kirche St. Ulrich. Ziel der Abbrüche war es, die damals noch schmale Domstraße zu verbreitern, um einen besseren Blick auf die neuen Domtürme und einen nach Süden zurückgesetzten Neubau der Neuen Dompost im Stil der Neurenaissance zu ermöglichen. Dieser Neubau war dem östlich von ihm gelegenen, aus dem 6. Jahrhundert stammenden Herzogshof, der Residenz der frühen bayerischen Herzöge, unmittelbar benachbart.[4]
  • ab 1900: Ausbau der Infrastruktur (Gas-, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Kanalisation). Stadterweiterungen im Osten und Westen mit Verkehrserschließungen, Schulneubauten. Ab 1903 nimmt die Straßenbahn ihren Betrieb auf. Alle Baumaßnahmen und auch die Einrichtung der Straßenbahnlinien erfolgte – mit Ausnahme des Domplatzes, wo schon 10 Jahre zuvor ein Ausbau stattgefunden hatte – ohne Verbreiterung von bestehenden Straßen und ohne Verlust von Baudenkmälern. Eine Ausnahme war die stadtseitige Auffahrt zur Steinernen Brücke, wo auf Vorschlag von Stadtbaumeister Adolf Schmetzer für den Bau eines neuen Schwibbogens auf der Westseite der Abriss von zwei Häusern (darunter das Brückenzollhaus) erforderlich wurde, weil die Stadttordurchfahrt zu schmal war.
  • ab 1904 westlich außerhalb des Thurn und Taxis Schlossgeländes wurde das fürstliche Hofmarschallamt errichtet, das mit dem neuen Helenentor an das Emmeramer Tor auf dem Schlossgelände angeschlossen wurde. Nördlich davon entstand als Remise für Kutschen und Automobile (heuteFürstliches Brauhaus).
  • 1910: Eröffnung des Winterhafens auf dem Unteren Wöhrd in der Altstadt und des Luitpoldhafens im Westen vor der Stadt unter Bürgermeister Hermann Geib, dessen Amtszeit (1903–1910) auch durch die Schaffung kommunaler Einrichtungen im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens und der Hausmüllabfuhr geprägt wurde.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftskirche Obermünster (1925)
Ruine Stiftskirche Obermünster (2014)

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es auf dem südlichen Domplatz zu schweren Verlusten an historischen Baudenkmälern. Große Bereiche der Altstadt zwischen Bismarckplatz und Domplatz waren kurzzeitig von geplanten Straßendurchbrüchen bedroht. Erstmalig fanden in einem Altstadtbereich westlich des Rathauses Hausabbrüche statt. Beide Eingriffe in die Struktur der Altstadt wurden aber nicht verwirklicht bzw. eingestellt. Noch vor Ausbruch des Krieges wurden auch die bereits begonnene Baumaßnahmen zum Bau der West-Ost-Autobahn A3 und der Süd-Nord-Autobahn A93 eingestellt. Beim Bau mehrerer großer Siedlungen, entstanden in den nördlichen, südlichen und östlichen Vororten der Stadt die heute als denkmalgeschützte Ensembles bezeichneten Wohnsiedlungen. Ansiedlungen einiger Industriebetriebe (z. B. im Westen die Werke der Messerschmitt AG) erfolgten außerhalb der Altstadt. Das hatte im Zweiten Weltkrieg zur Folge, dass die Altstadt von Regensburg von flächenhaften Zerstörungen verschont blieb. Die Zerstörungen beschränkten sich – mit einigen schwerwiegenden Ausnahmen – auf die Industriebetriebe in den Vororten, auf Bahnanlagen, Brücken und auf Hafengebiete, die aber teilweise im Bereich der östlichen Altstadt lagen.

  • 1900–1934 wurde erwogen, zur besseren Verkehrserschließung der Altstadt die vierflügelige, gotische Patrizierburg Heuporthaus für einen Straßendurchbruch vom Bismarckplatz zum Domplatz abzureißen. Der Plan wurde nicht verwirklicht.Stattdessen wurde das Haus saniert und – veranlasst vom Museumsdirektor und Denkmalpfleger Walter Boll — durch Einbau einer gotischen Fassade regotisiert, um das Haus aufzuwerten und vor weiteren Abbruchplänen zu schützen.[5][6]
  • Ab 1934 gab es den ersten Versuch einer Stadtsanierungsmaßnahme nordwestlich des Rathauses, deren Notwendigkeit seit der Jahrhundertwende bekannt war. Dort lag der am dichtesten bebaute Wohnbereich der Stadt, der durch Abbruchmaßnahmen aufgelockert werden sollte. Als sich zeigte, dass durch bereits vollzogene Hausabbrüche der gesamte Resthausbestand statisch gefährdet war, wurden die Sanierungsmaßnahmen abgebrochen.[5]
  • Ab 1936 nur 40 Jahre nach dem Neubau der Dompost wurde deren Neurenaissance-Dekor wieder entfernt. Auch ein Erweiterungsbau wurde beschlossen, weil man das Postgebäude viel zu klein geplant hatte. Für den Erweiterungsbau wurde der östlich benachbarte Herzogshof auf Abbruch käuflich erworben. Der geplante Totalabbruch des Herzogshofs konnte durch Widerstand von Denkmalpfleger Walter Boll verhindert werden. Es kam jedoch zum Abbruch der westlichen Gebäudeteile und zu einer von Boll betriebenen Reromanisierung des Restgebäudes in dem der Herzogssaal erhalten blieb.[7]
Stiftskirche Obermünster (1925)
Ruine Stiftskirche Obermünster (2014)
Gartenschloss Theresens Ruh
  • Im November 1938 wurde im Zuge der Reichspogromnacht die jüdische Synagoge am Brixner Hof zerstört
  • Ab 1940 / 1960: Einstellung der Bauarbeiten für die beiden Autobahnen A3 und A93, für die außerhalb des Stadtgebietes bereits Brückenbauwerke entstanden waren. Die Trasse der West-Ost-Autobahn sollte das Stadtgebiet nur tangieren und verläuft dementsprechend heute weit südlich der Altstadt. Dagegen folgte die ursprünglich geplante Trasse der Süd-Nord-Autobahn A93 dem Verlauf der Galgenbergstraße und der Dr. Martin Luther-Straße. Damit verlief diese Trasse mitten durch die Altstadt, querte die Donau bei der Eisernen Brücke und tangierte im weiteren Verlauf durch Stadtamhof den bayerischen Salzstadel. Nach Wiederaufnahme der Bauplanungen um 1960 war diese Trasse somit eine große Bedrohung für die Altstadt und für Stadtamhof. Der Verlauf der Trasse wurde jedoch im Zusammenhang mit der damaligen Ansiedlung eines großen Industrieunternehmens außerhalb der Altstadt im Westen so geändert, dass die Trasse heute ca. 1,5 km westlich der Altstadt verläuft. Der südliche, ältere Teil von Stadtamhof ist nur durch Lärm, der nördliche Teil aber auch durch Zubringerverkehr betroffen.
  • 1943: Im August erfolgte der erste schwere Luftangriff während des Zweiten Weltkriegs, der 402 Todesopfer mit sich brachte und die Messerschmitt Werke in den westlichen Vororten zerstörte.
  • 1944/5 Bei weiteren Luftangriffen wurde die Altstadt kaum in Mitleidenschaft gezogen. Durch zufällige Bombentreffer wurden folgende Gebäude schwer beschädigt, aber nach Ende des Krieges wiederhergestellt: das nördliche Querhaus der Stiftskirche zur Alten Kapelle am Alten Kornmarkt und die Renaissance-Hofarkaden der im Kern romanischen Patrizier-Hausburg Neue Waag auf dem Haidplatz. Teilweise zerstört und dann überraschend schnell abgerissen wurde das Gartenschloss Theresens Ruh im Schlosspark von Schloss St. Emmeram. Fast vollständig zerstört und heute nur noch als Ruine erhalten ist die Stiftskirche Obermünster. Erstaunlicherweise blieb von diesem bedeutenden Baudenkmal der Stadt der alleinstehende Glockenturm erhalten.[8]
  • 1945: Die Sprengung der Donaubrücken durch die deutsche Wehrmacht verhinderte nicht die Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen.

Aufstieg zur modernen Groß- und Universitätsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochschulcampus außerhalb der Altstadt
  • 1946–1955: Nach Kriegsende steigt die Einwohnerzahl in Regensburg im Laufe eines Jahres von 102.000 auf 130.00. Durch einen starken Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen wird Regensburg zur Großstadt. Die neuen Einwohner werden in aufgeteilten Wohnungen der großen Altstadthäuser untergebracht. In der Altstadt herrschte eine Einwohnerdichte, wie sie anderswo im Bundesgebiet nicht zu finden war[9] Die Wohnverhältnisse in der Altstadt waren außerdem gekennzeichnet durch unzureichende sanitäre und hygienische Verhältnisse, einen schlechten Bauzustand der Gebäude, den Verfall historisch wertvoller Bausubstanz und eine hohe Brandgefahr.[10]
  • 1955–1960 Zehn Jahre nach Ende des Weltkriegs wurde klar, dass entscheidende Weichen für die Erhaltung der Altstadt gestellt werden mussten. Eine Sanierung der Altstadt musste begonnen und eine Verkehrsplanung ins Auge gefasst werden, obwohl Möglichkeiten zur Finanzierung nicht absehbar waren. Ab 1955 bis 1960 begannen Planung und Durchführung der ersten großräumigen Altstadt-Sanierungsmaßnahme südlich der Keplerstraße, die mit dem Abriss von Nebengebäuden und der Entkernung alter Häuser verbunden war.
Zur Belebung und zur finanziellen Stärkung der Stadt wurde die Gründung einer Universität geplant und die Ansiedlung von Industrieunternehmen außerhalb der Innenstadt forciert. Wieder aufgegriffen wurden alte Verkehrsplanungen und 1936 bereits begonnene, aber 1940 eingestellte Baumaßnahmen zum Bau einer West–Ost Autobahn und einer Nord–Süd Autobahn, um die Stadt besser an die Großstädte Nürnberg und München und an die Region anzuschließen.[9] Die West–Ost Autobahn erreichte 1971 Regensburg und 1984 Passau. Die Nord–Süd Autobahn erreichte 1987 Weiden und nach 2000 Hof.
Die Nord–Süd Autobahn sollte ursprünglich die Altstadt von Regensburg auf Höhe der heutigen Universität queren, dann in der Altstadt an Stelle der Eisernen Brücke über die Donau führen und durch Stadtamhof hindurch im Tal des Regen nach Norden verlaufen. Der Trassenverlauf im Gebiet der Altstadt und der geplante Brückenbau entwickelten sich nach Gründung der Universität zu einer heftigen und lang andauernden innerstädtischen Kontroverse, obwohl der Trassenverlauf – nicht aber der Brückenbau – bald aufgegeben wurde zu Gunsten der heutigen, weiter westlich außerhalb der Altstadt verlaufenden Trasse. In Vorbereitung der ursprünglich geplanten Trasse war es schon 1960 zu großflächigen Abrissmaßnahmen der Häuser im alten Hafengebiet am nördlichen Donauufer gekommen, wo außer der Nord–Süd Autobahn auch eine parallel zur Donau verlaufende, innerstädtische Ost-West-Verkehrsachse entstehen sollte.[9] Durch den Abriss entstand der sog. Donaumarkt, der heutige Standort des Museums der Bayerischen Geschichte. Auch in Stadtamhof entstand ein Teilstück der geplanten Nord–Süd Autobahn mit dem unpassenden Namen Bäckergasse, die heut knapp außerhalb des Welterbegebietes liegt.
  • 1960: Der Bau des Osthafens war ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftsentwicklung. Viele neue Betriebe siedelten sich an.
  • 1965: Die Gründung der 4. Bayerischen Landesuniversität war die Initialzündung zur Bewahrung des Ensembles der Altstadt und der Instandsetzung der Baudenkmäler. Nun konnte man viele Studentenunterkünfte in der Altstadt einrichten.
  • 1978: Die Großschifffahrtsstraße Rhein-Main-Donau wurde im Abschnitt Regensburg-Kelheim eröffnet. Heute bringt sie viele Flusskreuzfahrt-Touristen in die Welterbe-Stadt.
  • 1992: Die Eröffnung des Universitätsklinikums für den ambulanten und stationären Betrieb brachte einen Entwicklungsschub für die Universität.
  • 2000: Die Weltausstellung „Expo 2000“ hatte dezentrale Projekte im Programm, unter anderem die Altstadtsanierung und Domsanierung.
  • 2006: Vom 11. bis 14. September besuchte Papst Benedikt XVI. Regensburg und lenkte die Aufmerksamkeit der Welt auf die Stadt.
  • 2006: Am 13. Juli wurde das Altstadtensemble von Regensburg UNESCO-Welterbe.

Rettung des Bauensembles Altstadt und Stadtamhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regensburg um 1900

Wirtschaftliche Dynamik nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der unten skizzierten wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Aufwertung als Stadt der Wissenschaft blieb die Altstadt vor wesentlichen Eingriffen verschont. Das lag daran, dass man die Pläne für eine autogerechte Stadt im Altstadtbereich aufgab und dadurch Eingriffe in die Substanz des Ensembles vermied.

1965 wurde der Grundstein der Universität gelegt, 1992 das dazugehörige Klinikum eröffnet. Anfang der 1970er-Jahre kam die Fachhochschule hinzu. 1960 nahm der Osthafen seinen Betrieb auf, 1978 der Main-Donau-Kanal. Der Siemens-Konzern hat seinen Standort Regensburg permanent ausgebaut, unter anderem durch Errichtung einer Fabrik zur Chipherstellung (heute Infineon AG). 1986 nahm das BMW-Werk bei Harting die Produktion auf. Ab 1989 produzierte Toshiba in Regensburg Laptops und Notebooks, schloss aber 2009 seinen Regensburger Standort wieder. Dafür siedelte sich, u. a. auf dem ehemaligen Toshiba-Gelände, das Unternehmen Osram neu an, welches hier klassische und neuartige Lichtquellen produziert und erforscht.

Funktionierender Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Stadtkern Regensburgs mit engen Gassen, zahlreichen Patrizierhäusern und Kapellen aus allen Kunstepochen des Mittelalters blieb weitgehend erhalten und wurde somit die größte mittelalterliche Altstadt Deutschlands. Außerdem besitzt sie die größte Anzahl an Geschlechtertürmen nördlich der Alpen, was ihr den Beinamen „Nördlichste Stadt Italiens“ eingetragen hat. Umsichtige und von der Bevölkerung mitgetragene Sanierungsmaßnahmen sicherten den Bestand von über 1000 geschützten Denkmälern bis heute.

2015 wurde Regensburg der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[11]

Weltkulturerbe seit 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regensburg im 16. Jahrhundert
Regensburger Altstadt von oben

Am 13. Juli 2006 nahm die UNESCO das Ensemble „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ als Welterbestätte in die Welterbeliste auf. Das gesamte Ensemble „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ entspricht der Ausdehnung Regensburgs nach der letzten mittelalterlichen Stadterweiterung um 1320.[12] Eingetragen sind die Einzelbaudenkmäler, angrenzende Ensembles sowie die Pufferzone. Die Pufferzone umfasst jenen Bereich, der optisch im Blickfeld des Betrachters der zur Nominierung vorgesehenen Zone liegt. Die Grenzen der Pufferzone sind durch die Höhen des Donautales im Norden und Süden der Stadt natürlich definiert, ansonsten durch den Verlauf von Eisenbahn und Hauptstraßen. Damit besitzt die Pufferzone eine eindeutige und einprägsame Ausdehnung.

2006 nahm das Welterbekomitee die „Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof“ auf Grundlage der Kriterien (ii), (iii) und (iv) in die Liste der Welterbestätten auf.

  • Kriterium (ii): Regensburgs Architektur spiegelt die Rolle der Stadt als mittelalterliches Handelszentrum und seinen Einfluss auf den Raum nördlich der Alpen wider.

Regensburg war ein wichtiger Umschlagplatz auf den kontinentalen Handelsrouten nach Italien, Böhmen, Russland und Byzanz. Zudem hatte die Stadt vielfältige Verbindungen zu den interkontinentalen Seidenstraßen. Dies ermöglichte einen wichtigen Austausch kultureller und architektonischer Einflüsse, die das Stadtbild bis heute prägen.

  • Kriterium (iii): Die Regensburger Altstadt stellt ein außergewöhnliches Zeugnis kultureller Traditionen im Heiligen Römischen Reich dar.

Im Hochmittelalter war Regensburg bevorzugter Tagungsort für Reichsversammlungen, aber auch zur jüngeren europäischen Geschichte leistete die Stadt als Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis 1806 ihren Beitrag. Die Überreste zweier Kaiserpfalzen aus dem 9. Jahrhundert sowie die zahlreichen gut erhaltenen historischen Gebäude legen Zeugnis ab vom einstigen Reichtum und der politischen Bedeutung der Stadt.

  • Kriterium (iv) Die Altstadt von Regensburg ist ein herausragendes Beispiel für eine binneneuropäische mittelalterliche Handelsstadt, deren historische Entwicklungsstufen gut erhalten sind. Vor allem die Entwicklung des Handels vom 11. bis zum 14. Jahrhundert wird dadurch außergewöhnlich gut veranschaulicht.

Weltkulturerbezentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salzstadel und Steinerne Brücke

Nachdem am 13. Juli 2006 die Regensburger Altstadt mitsamt Stadtamthof von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde, richtete die Stadt 2007 ein Weltkulturerbezentrum ein, das im historischen Salzstadel beim Eingangsturm der Steinernen Brücke untergebracht ist. Dort werden an zentraler Stelle detaillierte Informationen zur Stadtgeschichte gegeben (~ 2000 Jahre) und aktuelle Ausstellungen durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4.
  • Peter Schmid (Hrsg.): Geschichte der Stadt Regensburg. 2 Bände. Pustet, Regensburg 2000, ISBN 3-7917-1682-4.
  • Wolfgang Schöller: Stadtplanung und Denkmalpflege in Regensburg 1950–1975 (Regensburger Studien, Bd. 15, hrsg. vom Archiv der Stadt Regensburg), Regensburg 2010, ISBN 978-3-935052-84-9.
  • Eugen Trapp: Welterbe Regensburg. Ein kunst- und kulturgeschichtlicher Führer zur Altstadt Regensburg mit Stadtamhof. 2., aktualisierte Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2064-2.
  • Siegfried Wittmer: Jüdisches Leben in Regensburg. Vom frühen Mittelalter bis 1519. Universitätsverlag, Regensburg 2001, ISBN 3-930480-54-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baudenkmäler in Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Darstellung Regensburgs auf der deutschen UNESCO-Welterbe-Website, abgerufen am 15. Juni 2018.
  2. Harriet Rudolph: Reichsstadt, Reich, Europa. Der Reichstag in der historischen Forschung: Vergleichende Perspektiven, Präsenz europäischer Staaten. Hrsg.: Harriet Rudolph, Astrid von Schlachta. Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2015, ISBN 978-3-7954-2972-0, S. 11–37.
  3. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 221 f.
  4. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 58–60.
  5. a b Harald Gieß: Vierzig Jahre Stadtsanierung in Regensburg. Hrsg.: Stadt Regensburg Planungs- und Baureferat. Erhardi Druck GmbH, Regensburg 1995, ISBN 3-925753-45-1, S. 99–101.
  6. Eugen Trapp: Domplatz, Die Rückkehr des Königs. In: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege in Regensburg. Band 12. Friedrich Pustet, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7917-2371-6, S. 134.
  7. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 58–60.
  8. Rainer Ehm: Bayern, im Speziellen Regensburg, im Fokus der französischen und britischen Luftstreitkräfte 1939–1941. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Bd. 155 (2015), ISSN 0342-2518, S. 268.
  9. a b c Siegfried Körmer: 40 Jahre Altstadtsanierung Regensburg. Hrsg.: Stadt Regensburg Planungs- und Baureferat. Erhardi Druck GmbH, Regensburg 1995, ISBN 3-925753-45-1, S. 33–85.
  10. Günter Stöberl: Die Sanierung der Regensburger Altstadt – 40 Jahre in einer Stadt von 1800 Jahren. Hrsg.: Stadt Regensburg Planungs- und Baureferat. Erhardi Druck GmbH, Regensburg 1995, ISBN 3-925753-45-1, S. 11–18.
  11. Zur Bedeutung Regensburgs in der Reformationsgeschichte siehe Reformationsstadt Regensburg. Eine Stadt mit Ausstrahlung – Reformation im Donauraum. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 16. Februar 2018.
  12. Erläuterung des Welterbes auf der Website der Stadt Regensburg, abgerufen am 15. Juni 2018.

Koordinaten: 49° 1′ 10,4″ N, 12° 5′ 54,2″ O