Altwasser (Fluss)

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Donau bei Straubing. Oben links: Altarm.
Rechts unten (Schleife): Künstlicher Hauptarm, seit ca. 1480.
Darüber (kurze Strecke): Alte Donau, alleinige Donau bis ca. 1480, danach Altwasser und heute schiffbarer Nebenarm

Altwasser ist eine vielfach verwendete Sammelbezeichnung für Teile eines Flusses, die nicht zum Hauptarm gehören.
Seitenarm ist eine Sammelbezeichnung für Arme, Nebenarme und Altarme.
Dieser Artikel gibt eine Übersicht über alle Arten von Seitenarmen von Flüssen und Kanälen.

Unterscheidungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan der Pariser Île de la Cité von 1609 mit den beiden Armen der Seine Rhein mit Mombacher Arm (links)und Kasteler Arm (rechts) bei Mainz
Plan der Pariser Île de la Cité von 1609 mit den beiden Armen der Seine
Rhein mit Mombacher Arm (links)
und Kasteler Arm (rechts) bei Mainz

Ein Arm einer Flussverzweigung hat bei mittleren Wasserständen für den Abfluss keine oder keine wesentlich geringere Bedeutung als der andere Arm. Im Flussabschnitt eines Arms existiert kein Hauptarm, sondern er besteht meist aus zwei und selten mehr Armen.

Merkmal:

  • Im Bereich eines Arms gibt es keinen Hauptarm

Beispiele:

Mombacher Arm und Kasteler Arm des Rheins auf Höhe der Petersaue bei Mainz
Linker und rechter Arm der Seine in Paris auf Höhe der Île Saint-Louis und Île de la Cité

Nebenarm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Nebenarm ist der Seitenarm einer Flussverzweigung, der bei mittleren Wasserständen für den Abfluss und ggf. für den Schiffsverkehr eine geringere Bedeutung und in der Regel eine geringere Fließgeschwindigkeit als der Hauptarm hat.

Nebenarme können durch natürliche Verlagerung des Hauptstroms entstehen, insbesondere durch Mäandrierung im Flachland oder Umströmen von Geländeerhöhungen (Umlaufberge) bei Hochwasser, aber auch durch künstliche Flussbegradigungen (Durchstiche).

Merkmale:

  • Verbindung an beiden Enden mit dem Hauptstrom
  • Ständig durchströmt

Beispiel: Alte Donau in Straubing (siehe oberes Bild)

Altarm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarm der oberen Ems in Rheine

Ein Altarm (umgangssprachlich auch toter Arm) ist der Teil eines Flusses, der durch natürliche (Sand- oder Kiesbank) oder künstliche (Wehr oder Stauanlage) Einwirkung an einem Ende vom Hauptstrom abgeschnitten ist. Altarme sind flacher und naturnaher als der Hauptarm. Da sie nicht mehr oder nur wenig durchströmt sind, neigen sie zur Versumpfung oder gar Verlandung, dienen aber bei Hochwasser als Notablauf. Sie bilden einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten und sind öfters als Naturschutzgebiete oder Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Altarme entstehen häufig aus Nebenarmen.

Merkmale:

  • Verbindung nur an einem Ende mit dem Hauptstrom
  • Wenig durchströmt (z. B. nur über einen Grundablass) oder nicht mehr durchströmt, außer bei Hochwasser

Beispiel: Saumain in Schweinfurt

Altwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fluss mit zahlreichen Altwassern Altwasser im Sennfelder Seenkranz
Fluss mit zahlreichen Altwassern
Altwasser im Sennfelder Seenkranz

Altwasser ist ein durch natürliche oder künstliche Einwirkung (siehe: Altarm) vollständig abgetrennter Teil eines Flusses mit stehendem oder gering fließenden Wasser. Altwasser liegen oft in sumpfiger Auelandschaft, bilden wie Altarme einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten und sind mittlerweile meist als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

Altwasser entstehen aus Nebenarmen, Altarmen, Resten von Hochwasserarmen oder aus Altstrecken eines Schifffahrtskanals die keine Verbindung zum Kanal mehr haben. Wo sie nicht abgedeicht sind bilden sie bei Hochwasser wichtige Notabläufe und natürliche Retentionsräume (Auffangbecken).

Merkmale:

  • Keine Verbindung mehr mit dem Hauptstrom
  • Nicht mehr durchströmt, außer eventuell von kleineren Nebengewässern, wie Bächen

Beispiel: Sennfelder Seenkranz bei Schweinfurt

Mündungsarm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waal, Mündungsarm des Rheins
Hauptartikel: Mündungsarm

Ein Mündungsarm (oft nur Arm oder Flussarm) ist ein Arm eines Flusses in einem Flussdelta.

Merkmal

  • Kommt nur in einer Flussmündung vor

Beispiele:

Flussdelta am Meer: Lek und Waal an der Rheinmündung
Flussdelta am See: Alter Rhein an der Mündung des Alpenrheins in den Bodensee

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Fahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei schiffbaren Gewässern, besonders bei Schifffahrtskanälen, kann eine Alte Fahrt entstehen, wenn neben der ursprünglichen Strecke eine Neue Fahrt erstellt wird und beide Wege weiterhin der Schifffahrt dienen.

Beispiele:

Nedlitzer Alte Fahrt der Havel in Potsdam-Neidlitz
Hiltruper Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals in Hiltrup bei Münster

Altstrecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altstrecken eines Schifffahrtskanals sind beid- oder einseitig noch mit dem Hauptverlauf des Kanals verbunden, haben aber für die Schifffahrt i. d. R. keine Bedeutung mehr.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]